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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2024

Wenn die Zeit abläuft

Hast du Zeit?
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Die Krankenschwester Conny Goldmann fühlt sich beobachtet und verfolgt. Ihre Freundin und Kollegin Michelle versucht ihr zu helfen. Sie bittet ihren Vater, einen pensionierten Polizisten, um Unterstützung. ...

Die Krankenschwester Conny Goldmann fühlt sich beobachtet und verfolgt. Ihre Freundin und Kollegin Michelle versucht ihr zu helfen. Sie bittet ihren Vater, einen pensionierten Polizisten, um Unterstützung. Dieser kann nichts tun, Conny wird getötet. Einige Tage später wird die Schornsteinfegerin Felicitas Möller entführt und ist verschwunden. Ihre Partnerin Lilly Costanzo will sich damit nicht abfinden und ermittelt auf eigene Faust. Michelles Vater, Lars Erik Grotheer findet heraus, dass es noch mehr spurlos verschwundene Menschen gibt. Wird er eine Verbindung herstellen können?

Das schlicht gestaltete dunkle Cover weist im Vordergrund eine blutrot gefärbte Sanduhr auf und stimmt perfekt auf den Thriller ein. Wie immer überzeugt Andreas Winkelmann von der ersten Seite an durch atemlose Spannung. Er zeichnet eine düstere Atmosphäre, seine Opfer fühlen sich bedroht, ohne den Grund zu wissen. Der Thriller gewinnt so schnell an Tempo, dass der Leser unbedingt mit muss. Zeit ist das bestimmende Thema der Handlungen. Den Protagonisten Lilly und Lars Erik scheint sie auf der Suche nach dem Täter davonzulaufen. Was haben eine Bestatterin, eine Krankenschwester, eine Schornsteinfegerin, ein Paketfahrer und ein Busfahrer gemeinsam? Weshalb sind sie spurlos verschwunden? Auf der Suche nach der Antwort kommen Lilly und Lars Erik dem Täter gefährlich nahe. Zwischendurch kommt auch der unbekannte Täter zu Wort. Er schildert, dass er seine Opfer auf einer Liste notiert hat. Er ist überzeugt, dass sie alle ihm Zeit gestohlen haben und dafür bestraft werden müssen. Der Autor legt verschiedene Fährten, die er am Ende gekonnt zusammenführt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dieser Thriller ist ein kriminalistisches Meisterwerk, ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Tod in den Slums von London

Maybrick und die Toten vom East End
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London 1910: Im Armenviertel vom East End werden entsetzlich zugerichtete Kinderleichen gefunden. Der neu ernannte Divisionsinspektor Joseph Maybrick, selbst in den Slums aufgewachsen, begibt sich auf ...

London 1910: Im Armenviertel vom East End werden entsetzlich zugerichtete Kinderleichen gefunden. Der neu ernannte Divisionsinspektor Joseph Maybrick, selbst in den Slums aufgewachsen, begibt sich auf die Suche nach dem Täter. Unterstützung erfährt er zum einen von seinem Freund, dem Arzt Dave Roberts, aber auch völlig unerwartet von Hehlern aus dem Distrikt. Jeder von ihnen hat andere Beweggründe, den Killer zu finden.

Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Kriminalroman ein. Der Debüt-Krimi von Vanessa Glas entführt den Leser in das berüchtigte Londoner Viertel Whitechapel des Jahres 1910. Armut, Schmutz, Gewalt und Morde stehen hier auf der Tagesordnung, was die Autorin authentisch darstellt. Vor allem trifft es die Schwächsten, die Kinder, besonders hart. Bereits die Kleinsten werden zu Diebstählen gezwungen, ausgesetzt oder vegetieren in unmenschlichen Erziehungsheimen vor sich hin. Die graue, hoffnungslose Atmosphäre in den engen Gassen von East End und in den armseligen Wohnungen kann nicht treffender beschrieben werden. Dann macht ein skrupelloser Killer Jagd auf Kinder. Die Figur des mutigen Ermittlers Joseph Maybrick hat mich besonders beeindruckt. Selbst in den Slums von Whitechapel aufgewachsen, ist es ihm eine Herzensangelegenheit, den Killer zu finden. Dabei muss er sich gegen korrupte und brutale Constables seiner Wache ebenso wie gegen Verbrechersyndikate durchsetzen. Ihm zur Seite steht sein Freund, der Arzt Dave Roberts. Beide Männer können nicht gegensätzlicher sein, doch vereint sie der Wille zu Gerechtigkeit. Joseph kann sich zudem auf unverhoffte Verbündete verlassen. Dazu gehören die Hehler Hester und Heath, die auf ihre Weise den Kindern und Jugendlichen in den Slums helfen. Es kommt zu überraschenden Wendungen und das Ende war nicht vorhersehbar. Die bildhafte, flüssige Erzählweise überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. Vanessa Glas lässt ihre Hauptprotagonisten in den einzelnen Kapiteln abwechselnd zu Wort kommen, was die Erzählung nochmals vertieft und verständlicher gestaltet. Ich vergebe für diesen spannenden Kriminalroman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 16.06.2024

Was ein Menschenleben wert ist

Die Bahnhofsmission
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Berlin 1945: Alice Hardtleben befindet sich mit ihren Nachbarn in den letzten Kriegstagen in einem Luftschutzkeller. Die Tatsache, dass Alice einem verwundeten sowjetischen Soldaten das Leben gerettet ...

Berlin 1945: Alice Hardtleben befindet sich mit ihren Nachbarn in den letzten Kriegstagen in einem Luftschutzkeller. Die Tatsache, dass Alice einem verwundeten sowjetischen Soldaten das Leben gerettet hat, schützt vor allem die Frauen vor Übergriffen. Nach Kriegsende ist die Not groß, es gibt zu wenig Nahrung und Medikamente. Der Schlesische Bahnhof ist völlig zerstört, einst hatte Alice hier eine Bahnhofsmission geleitet. Sie setzt alles daran, diese wider aufzubauen und erhält von ihren Freundinnen, ehemaligen Helferinnen sowie einem sowjetischen Offizier Unterstützung. Bald können wieder Flüchtlinge in der Bahnhofsmission versorgt werden. Unter den Helfenden ist ein Arzt, der sich sehr engagiert. Bald wird jedoch klar, dass ihn ein düsteres Geheimnis umgibt, das weit in die Vergangenheit reicht.

Veronika Rusch entführt die Leser in ihrem neuen Roman „Eines Menschen Leben – Die Bahnhofsmission“ nach Berlin in das Jahr 1945. Voller Empathie, sehr ausdrucksstark und bildhaft schildert sie anhand von Alice, Trude und weiteren Protagonisten das Schicksal der Menschen im zerstörten Osten Berlins. Hunger und Krankheiten stehen auf der Tagesordnung, was besonders für die Kinder dramatisch ist. Aufwühlend wird die Not der Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufgezeigt, die unter Strapazen in überfüllten Zügen und Viehwaggons Berlin erreichen. Etliche von ihnen haben nicht überlebt. Alice hat mit Unterstützung ihrer Freundinnen, eines Pfarrers sowie eines sowjetischen Offiziers die Bahnhofsmission provisorisch neu eröffnet. Allen Widrigkeiten zum Trotz bleibt Alice optimistisch, sucht nach Lösungen und geht ihren Weg unbeirrt weiter. Wieder übernimmt sie Verantwortung und scheut die schwere, oft schmutzige Arbeit nicht. Die Autorin thematisiert anhand von Babette das Grauen in deutschen Konzentrationslagern. Auf der anderen Seite steht der Arzt Damrau, der ein Täter war.Veronika Rusch hat authentische Charaktere geschaffen, dank des flüssigen Schreibstils befindet sich der Leser sofort mitten im Geschehen. Ich vergebe für diesen bewegenden Roman fünf Stedrne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 06.06.2024

Frauenmorde in der Provence

Verräterisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 10)
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Remy Eyssen hat auch seinen 10. Roman um den Rechtsmediziner Leon Ritter und die stellvertretende Polizeichefin Isabelle Morell im idyllischen Ferienort Lavandou angesiedelt. Die Idylle wird jedoch durch ...

Remy Eyssen hat auch seinen 10. Roman um den Rechtsmediziner Leon Ritter und die stellvertretende Polizeichefin Isabelle Morell im idyllischen Ferienort Lavandou angesiedelt. Die Idylle wird jedoch durch grauenhafte Frauenmorde gestört, die in ihren Ausmaßen an einen Mord erinnern, der vor vielen Jahren schon einmal an einer Frau verübt wurde. Die Zeit läuft den Ermittlern davon und auch Isabelle und Leon geraten in Gefahr.

Vorliegend handelt es sich mit „Verräterisches Lavandou“ um den zweiten Roman, den ich von Remy Eyssen gelesen habe. Ich musste feststellen, dass sich der Autor nicht durch Einfallsreichtum auszeichnet. Dieser Krimi erinnert nicht nur an einen der Vorgänger, „Mörderisches Lavandou“, er ähnelt diesem nahezu. Wieder schlägt der Mörder seinen Opfern Körperteile ab, die er so platziert, dass sie schnell gefunden werden. Wiederum befindet sich der Mörder in einigen Fällen bereits auf dem Rücksitz des Autos seines Opfers. Es kommt in der Folge zu weiteren Wiederholungen, auch Isabelle befindet sich wieder an einem finsteren Ort und muss gerettet werden. Mehr an Wiederholungen möchte ich nicht aufführen, um nicht zu viel zu verraten. Ständig wiederkehrend ist außerdem, dass die Protagonisten allzu oft ein falsches Lächeln aufsetzen. Die Hauptprotagonisten Leon und Isabelle sind durchaus sympathisch, ihr Privatleben nimmt sehr viel Raum ein. Obwohl der Autor falsche Spuren legt, ist das Ende vorhersehbar. Der Krimi konnte mich nicht überzeugen. Die landschaftliche Atmosphäre ist gut beschrieben, daher vergebe ich für das Buch drei Sterne.

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Veröffentlicht am 28.05.2024

Trubel am Ammersee

Die Kranichfrauen
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Nach Kriegsende lebt die 20-jährige Paula in München und soll nach dem Willen ihrer Eltern möglichst rasch verheiratet werden. Paula hat jedoch etwas anderes vor, sie beabsichtigt, den Sommer gemeinsam ...

Nach Kriegsende lebt die 20-jährige Paula in München und soll nach dem Willen ihrer Eltern möglichst rasch verheiratet werden. Paula hat jedoch etwas anderes vor, sie beabsichtigt, den Sommer gemeinsam mit ihrer Freundin Anna am Ammersee zu verbringen. Vor allem aber freut sie sich auf die elegante Familienjacht Kranich, Paula ist eine begeisterte Seglerin. Auf dem Gelände des Segelklubs sind amerikanische Soldaten stationiert. Sie planen, die Jacht als Kriegsbeute in die USA zu überführen. Da fassen Paula und Anna den Plan, die Kranich zu entführen.

Renate Greil hat ihren sorgfältig recherchierten ersten historischen Roman in der idyllischen Voralpenlandschaft rund um den Ammersee angesiedelt. Sämtliche Schauplätze sind so authentisch beschrieben, dass sich der Leser sofort hineinversetzen kann. Im Jahr 1947 ist der Krieg endlich vorbei, aber Lebensmittel sind noch knapp. Die Situation ist besonders für Kinder schwierig, als der amerikanische Captain Bill für Freizeitbeschäftigung im Segelclub sorgt. Die Freude darüber ist nicht nur bei den Kindern groß, sondern auch bei Paula und Anna. Eröffnet sich für die beiden doch die Möglichkeit, ihrem Alltag im Elternhaus zu entfliehen und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Was gar nicht so einfach ist, da die jungen Frauen noch nicht volljährig sind und die Einwilligung ihrer Väter benötigen. Anhand von Paula und Anna werden die strengen gesellschaftlichen Wertevorstellungen dieser Zeit sichtbar. Mittels der Figur des jungen Juden Eli zeigt die Autorin auf, wie sehr Antisemitismus und nationalsozialistische Ideologien immer noch in Teilen der Bevölkerung vorhanden waren.
Es hat mich sehr beeindruckt, dass Anna und Paula sich keinen Widrigkeiten beugen und ihr Leben letztendlich selbst bestimmen, jede auf ihre Weise. Obwohl die Erzählung in der Mitte stellenweise etwas langatmig und von Wiederholungen geprägt war, habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich vergebe für diesen Roman vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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