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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2016

Bedrückend

Das Mädchen von Ravensbrück
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Mitten im Krieg lebt Leni ganz allein in Wien, die Mutter ist gestorben und der Vater an die Front eingerückt. Ihre Eltern haben Leni schon als kleines Mädchen mit Politik in Berührung gebracht und sie ...

Mitten im Krieg lebt Leni ganz allein in Wien, die Mutter ist gestorben und der Vater an die Front eingerückt. Ihre Eltern haben Leni schon als kleines Mädchen mit Politik in Berührung gebracht und sie unterstützt, ohne im Detail darüber nach zu denken den kommunistischen Widerstand. Zuerst gegen das Dollfuß-Regime und später gegen die Nazis.

Als Leni verraten wird, sitzt sie zuerst im Gefängnis „Liesl“ in Wien ein und wird später nach Ravensbrück verlegt. Sie erfährt physische und psychische Züchtigung und die Hinrichtungen vieler Mitgefangenen. Während der letzten Kriegsjahre wird Leni ins Konzentrationslager Ravensbrück verlegt und muss dort Unaussprechliches erdulden.

Gemeinsam mit einer Mitgefangenen gelingt Leni kurz vor Kriegsende die Flucht. Sie macht sich zu Fuß auf den Weg zurück nach Österreich.

Sie kommt in ein zerstörtes, deprimiertes Land zurück, das nicht nur erkennen muss auf der falschen Seite gestanden zu haben sondern auch, dass es sich schuldig gemacht hat.

Susanne Ayoub zeichnet ein schonungsloses Bild von einer Geschichte, die das Leben schrieb. Dabei schafft sie es meisterhaft, eine einfühlsame und der damaligen Zeit entsprechende Sprache zu verwenden und trotzdem nicht ins Klischee abzugleiten.

Die Protagonistin Leni ist sowohl als junges Mädchen als auch als gereifte Frau ein glaubwürdiger Charakter. Ihr Schicksal macht sprachlos, entfacht Wut und Rachsucht lässt aber Raum für Hoffnung, rührt zu Tränen und zeigt letzten Endes die unbändige Kraft einer Frau, die es sich nicht erlaubt zu unterliegen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Ordentlicher Reihenauftakt

Seekers - Die Suche beginnt
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Kallik und ihr Bruder lernen von ihrer Mutter alles Wichtige für Eisbären, auch dass der Feuerhimmel jedes Jahr früher erscheint und die Eisbären zwingt aufs Festland zu wandern um dort auszuharren, bis ...

Kallik und ihr Bruder lernen von ihrer Mutter alles Wichtige für Eisbären, auch dass der Feuerhimmel jedes Jahr früher erscheint und die Eisbären zwingt aufs Festland zu wandern um dort auszuharren, bis es wieder kälter wird und das Eis auf dem Meer sie tragen und versorgen kann. Die Reise aufs Festland allerdings ist auch für Eisbären riskant und gefährlich.

Toklo ist mit seiner Mutter und seinem Bruder auf den Weg auf den Schnauzberg um rechtzeitig zum Lachsspringen am Lachsfluss zu sein. Toklo’s Bruder aber behindert sie beim Fortkommen, er ist schwach und kränklich.

Kalliks und Toklos Probleme und ihr täglicher Kampf ums Überleben sind Lusa, der Schwarzbärin im Zoo völlig fremd. Sie wurde hier geboren und kennt weder Gefahren, noch Hunger. Sie lebt in Sicherheit ist aber gelangweilt von dem täglichen Einerlei und wünscht sich bald nichts mehr als das Leben in der Wildnis kennen zu lernen.

Wir begleiten die drei Jungbären bei ihren jeweiligen Geschichten, die Kapitel wechseln die drei Bären jeweils ab. Obwohl sich die Geschichten der Bären auf den ersten Blick ähneln, können die LeserInnen bald erkennen, dass sie alle mit ihren ganz eigenen Herausforderungen fertig werden müssen.

Ich habe mich mit diesem Buch zunächst sehr geplagt. Es war für mich immer wieder schwierig in die Gestalt der Bären zu schlüpfen und die Welt aus ihrer Sicht zu sehen. Befremdet haben mich auch die Schilderungen des Jagens und Erlegens von Beutetieren, ich brauchte einige Kapitel um die Gegebenheiten der Wildnis zu akzeptieren und nicht mehr bestürzt darauf zu reagieren.

Mit Vorschreiten der Geschichte wurde mir aber auch mehr und mehr bewusst, dass sie in mir ganz viel aufwühlte und mich bewegte und anregte mich auch abseits des Buches mit ähnlichen Themen zu beschäftigen.

Das Buch erzählt aus einem für mich ganz neuen Blickwinkel, wie Tiere mit der Umwelt, die der Mensch für sie geschaffen hat, durch seine Lebensart, umgehen müssen und zeigt auch Strategien, wie sie dies tun. Viele Dinge dabei haben mich sehr betroffen gemacht.

Kallik, Toklo und Lusa sind mir schlussendlich sehr ans Herz gewachsen und ich wünsche mir für sie eine intakte Umwelt, anders als die, von Menschen beeinflusste, mit der sie zurechtkommen müssen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Wunderschön!

Der Duft von Erde und Zitronen
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Imma lebt bei ihrer Tante. Sie nennt sie schlicht Ex-Tante. Die Tante ist nicht unbedingt angetan von Imma und ihrem Zusammenleben. Imma darf die Wohnung nicht verlassen, sie muss sich verstecken. Ihre ...

Imma lebt bei ihrer Tante. Sie nennt sie schlicht Ex-Tante. Die Tante ist nicht unbedingt angetan von Imma und ihrem Zusammenleben. Imma darf die Wohnung nicht verlassen, sie muss sich verstecken. Ihre Tante schließt sie ein, nimmt die Fernbedienung des Fernsehgeräts mit und schottet Imma von der Außenwelt ab.

Warum muss Imma eingesperrt bleiben? Wo sind ihre Eltern? Warum fragt niemand nach ihr? Diese und auch viele andere Fragen tun sich gleich zu Beginn der Geschichte auf und lösen bei den LeserInnen ein sanftes aber beständiges Kribbeln aus.

Langsam Kapitel für Kapitel wird Immas Geschichte erzählt und damit nicht nur die ihre sondern auch die ihrer Eltern und Großeltern und auch noch andere Themen beleuchtet, die in Italien eine große Rolle spielen.

Die LeserInnen erfahren im Laufe der Geschichte viel über familiäre Bande und Schicksale. In dem kleinen Dorf in dem Imma mit ihrer Familie früher lebte, regiert eine graue Eminenz aus dem Hintergrund. Ihre Macht liegt wie ein dunkler Schleier auf dem Dorf und seinen BewohnerInnen und ab und an passiert ein Unglück, mal ist es ein kleines und manchmal auch ein großes, das die Welt aus ihren Fugen reißt.

Der Duft von Erde und Zitronen ist eine Geschichte, erzählt durch viele Geschichten. Eine Liebeserklärung an Bücher, das Leben, die Liebe und nicht zuletzt die Hoffnung.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Macht nacdenklich

Seekers - Am Großen Bärensee
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Lusa hat ihr Ziel erreicht, sie hat Toklo gefunden, genau wie sie es Okna versprochen hat. Doch sie muss bald erkennen, dass Toklo ihr nicht unbedingt freundlich gesinnt ist, er weder sich noch seine Umwelt ...

Lusa hat ihr Ziel erreicht, sie hat Toklo gefunden, genau wie sie es Okna versprochen hat. Doch sie muss bald erkennen, dass Toklo ihr nicht unbedingt freundlich gesinnt ist, er weder sich noch seine Umwelt im Augenblick gut ertragen kann.

Kallik, die Eisbärin, ist noch immer auf der Suche nach ihrem Bruder ist aber kurz davor die Hoffnung aufzugeben.

Der zweite Teil der Seekers Reihe besticht durch Spannung und die beinahe mystische Stimmung am Bärensee. Ujurak bringt durch seine Gabe, sich in andere Tiere verwandeln zu können viele andere Blickwinkel mit ein und das rundet das Bild, das von der Umweltzerstörung durch die Menschen gezeichnet wird stimmig ab.

Es fiel mir beim zweiten Band deutlich leichter mich in die Charaktere hineinzuversetzen, ich war schon auf den ersten Seiten in der „Bärenrolle“ und das Buch ließ sich flüssig lesen.

Wieder hat mich auch diese Geschichte zum Nachdenken angeregt und zu hinterfragen, was wir uns anmaßen wenn wir uns als die Krone der Schöpfung bezeichnen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Für High-Fantasy Fans

Wind
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Es herrscht Frieden in Hara, ein trügerischer Frieden. Die Befestigungen des Imperiums stammen aus einer Zeit als Magie noch unbeschränkt eingesetzt werden konnte, als Menschen, die die Gabe besaßen noch ...

Es herrscht Frieden in Hara, ein trügerischer Frieden. Die Befestigungen des Imperiums stammen aus einer Zeit als Magie noch unbeschränkt eingesetzt werden konnte, als Menschen, die die Gabe besaßen noch keine Ausnahmeerscheinung in Hara waren.

Doch aus dem Süden ziehen die Nabatorer und die Sdisser Nekromanten ihre Kräfte zusammen um einen vernichtenden Schlag gegen das Imperium zu landen, die Überraschung auf ihrer Seite.

Lahen und Ness leben zurückgezogen in einem kleinen Dorf, sie haben vor Jahren den finalen Clou gelandet und sich mit dem Erlös eines Auftragsmordes zur Ruhe gesetzt. Ihre Spuren verwischt, abgetaucht und wähnen sich in Sicherheit. Doch auf ihre Köpfe wird eine beträchtliche Summe ausgesetzt und es dauert nicht lang, bis jemand sich darauf versteht auch die verwischten, alten und kalten Spuren zu lesen und die beiden aufzuspüren.

Mit Wind liegt der Auftakt der zweiten High-Fantasy-Saga von Pehov vor. Es ist solide Fantasy, die auf knapp 500 Seiten etwas langatmig gerät und vom Schreibstil her etwas durchwachsen ist. So gibt es zahlreiche Wortwiederholungen die an den Nerven der LeserInnen zerren („…die Herren…“, „…mein Augenstern…“).

Die Protagonisten geraten etwas blass, was vielleicht auch daran liegt noch genug Stoff für die Folgebände zu haben.

Insgesamt sehr einfach gestrickt aber für Hard-Core-Fantasy-Fans durchaus empfehlenswert.