Eine Glücksgeschichte für die Kleinsten
Mister O'Lui sucht das GlückGlücklich ist, wer Käsebrot mit Marmelade hat, oder? Der Biberbär, Mister O’Lui, ist davon überzeugt, dass es ihm gut geht. Sein Alltag ist ruhig, sein Kakao dampft zuverlässig in der Lieblingstasse, und ...
Glücklich ist, wer Käsebrot mit Marmelade hat, oder? Der Biberbär, Mister O’Lui, ist davon überzeugt, dass es ihm gut geht. Sein Alltag ist ruhig, sein Kakao dampft zuverlässig in der Lieblingstasse, und die Welt scheint in Ordnung. Doch dann liest er in einer Zeitung die Frage: Bist du eigentlich glücklich?
Was für Erwachsene wie eine Einladung zur Selbstreflexion klingt, ist für Kindergartenkinder ein eher abstraktes Konzept. „Glück“ – das ist kein Wort, das Vierjährige im Alltag benutzen, jedenfalls nicht bewusst. In der ersten Buchhälfte wirkt dieses Thema daher fast etwas zu verkopft für die Zielgruppe. Aber sobald sich Mister O’Lui auf seine Suche begibt, wird das Ganze spürbar kindgerechter. Denn nun tauchen sie auf, die Glückssymbole, die Kindern vertraut oder wenigstens gut erklärbar sind: der Glückspilz, das Glücksschwein, der Glückskäfer. Und plötzlich wird ein großes Wort greifbar.
Dabei begegnet uns auch Rupert, ein kleines, eigensinniges Wildschwein, das sich an Mister O’Luis Fersen heftet. Einfach so, ohne sich vorzustellen, ohne großes Tamtam. Dass es „Rupert“ heißt, erfahren wir irgendwann mitten im Text. Zwar steht sein Name auf einem kleinen Steckbrief zu Beginn, doch im eigentlichen Geschehen bleibt sein Hintergrund etwas nebulös. Wo kommt dieses Schwein her? Was will es? Und warum lässt es sich nicht abschütteln?
Vielleicht liegt gerade in dieser Offenheit der Reiz. Er will dazugehören, koste es, was es wolle. Und weil er so hartnäckig ist, wächst er einem schnell ans Herz. Deutlich schneller als Mister O’Lui selbst, der eher kühl, abweisend und einzelgängerisch daherkommt. Sein Umgang mit Rupert ist nicht gerade herzlich, was beim Vorlesen durchaus für Gesprächsstoff sorgt. Manche Kinder könnten Mitleid mit Rupert empfinden oder sich sogar mit ihm identifizieren.
Die Illustrationen unterstreichen den Text wunderbar. In gedeckten Farben gehalten, vermitteln sie Ruhe, ohne langweilig zu wirken. Kleine Details wie Pilze, Käfer oder Vögel laden zum Entdecken ein und animieren die Kinder dazu, sich mit den Bildern auseinanderzusetzen. Der Vintage-Stil wirkt charmant und bewusst reduziert, aber nicht altbacken. Für wache Kinderaugen gibt es immer noch genug zu sehen. Ein besonderes Extra sind die letzten Seiten. Dort finden sich eine Bastelanleitung für Glückskäfer aus Walnussschalen und ein QR-Code, der zu einem Biberbärenkekse-Backrezept führt.
Für Kinder im Kindergartenalter ist das Thema „Glück“ noch schwer zu fassen und genau deshalb ist es spannend, wie das Buch daran heranführt. Die kleinen Zuhörer:innen begegnen Glückskäfern, Glückspilzen und anderen bekannten Symbolen, die das abstrakte Gefühl greifbarer machen. Sie erleben mit, wie jemand sich auf die Suche nach dem Glück macht und dürfen sich dabei ganz spielerisch fragen: Was macht mich eigentlich glücklich? Ist es der leckere Kakao von Mama? Das Lieblingskuscheltier oder neue Spielzeug? Oder vielleicht doch der Keks, den man teilt?
Das Buch bietet viele Anlässe, mit Kindern ins Gespräch zu kommen, über schöne Momente, über Wohlfühlen, über Dinge, die das Herz hüpfen lassen. Es geht nicht darum, eine Definition von Glück zu lernen, sondern eigene Vorstellungen davon zu entdecken.