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Veröffentlicht am 10.04.2025

Ein kleines Goldstück unter den Kinderbüchern

Herbsthundewetter
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Inhalt:

Als Henri und Finn von der Fensterbank aus nach draußen blicken, sehen sie nebelverhangene Felder und Bäume in den schönsten Herbstfarben. Henri würde so gern hinaus und durch den Nebel tollen, ...

Inhalt:

Als Henri und Finn von der Fensterbank aus nach draußen blicken, sehen sie nebelverhangene Felder und Bäume in den schönsten Herbstfarben. Henri würde so gern hinaus und durch den Nebel tollen, die Natur erkunden. Doch Finn erklärt ihm, dass er dafür noch zu jung sei. Erst im nächsten Jahr, wenn er größer geworden sein würde, dürfe er alleine vor die Tür.

Kurzerhand träumt sich Henri hinaus in die Natur. Er stellt sich den Frost vor, der wie eine silberne Decke auf dem Land liegt, spürt im Traum das Eis unter seinen Pfoten, wenn er zum ersten Mal einen zugefrorenen See betritt. Er sieht den Schnee, unter dem die Blumen schlafen, erlebt im Kopf den Wechsel der Jahreszeiten. Vor seinem inneren Auge glitzert der Morgentau in der aufgehenden Sonne, Mohnfelder und Narzissen blühen auf, Schmetterlinge tanzen am Himmel. Er fühlt die Sommerhitze auf dem Fell und die Lust auf ein erfrischendes Bad – bis auch der Sommer langsam vergeht, Regen und Hagel einsetzen und warme Brauntöne den nächsten Herbst ankündigen.

Bald ist es soweit. Bald kann Henri seine Träume wahr werden lassen und zu abenteuerlichen Erkundungstouren durch die traumhafte Landschaft aufbrechen …



Meinung:

Andreas und Dirk Steinhöfel haben mit „Herbsthundewetter“ ein Buch geschaffen, das spielerisch und poetisch den Wechsel der Jahreszeiten anhand der Geschichte eines jungen Beagles illustriert, der von großen Abenteuern träumt.

Schon das Cover hat mich sofort verzaubert. Die dunklen Farbtöne und der aquarellartige Zeichenstil versprechen einen melancholischen, verträumten – manchmal wehmütig wirkenden Blick auf die Dinge.

Das Buch ist schnell gelesen, transportiert aber auf wenigen Seiten ein ganzes Spektrum an Gefühlen. Die Illustrationen im Innenteil greifen die Stimmung des Covers auf und führen sie fort. Je nach Jahreszeit mischen sich bunte Farbtupfer – von sommerlich roten Mohnblumen über gelbe Frühlingsnarzissen bis hin zu herbstlichen Gelb- und Brauntönen. Ganz so, wie die Natur selbst im Laufe des Jahres ihre Farben wechselt.

Beim Lesen von Henris Traumabenteuer fühlt man sich selbst, als würde man durch die Natur streifen. Der Text begleitet die traumhaft schönen Illustrationen nur sparsam – allerdings genau im richtigen Maß. Andreas Steinhöfels Sprache ist fast schon poetisch, wenn er vom Wandel der Jahreszeiten erzählt. So lesen wir etwa von der früh untergehenden Herbstsonne, vom Abendrot, das die Bäume leuchten lässt, als stünden sie in Flammen. Die Szenen, in denen Henri an einem Baumstamm Rast macht und verträumt die zarten orangefarbenen Blätter einer Physalis betrachtet, während um ihn herum ein ganzes Feld erblüht und gelbblättrige Birken im Hintergrund vom nahenden Herbst künden, verdanken wir hingegen dem feinen Gespür von Dirk Steinhöfel. Mit seinem stimmungsvollen und detailverliebten Zeichenstil fängt er diese Momente auf berührende Weise ein und lässt sie lebendig werden.

Nur 40 Seiten umfasst dieses Buch – und doch fühlt es sich an, als würde man ein ganzes Jahr voller kleiner Wunder und Abenteuer erleben. Es macht Lust, vor die Tür zu gehen und die Natur mit allen Sinnen zu entdecken.

Andreas und Dirk Steinhöfel ist hier ein Werk gelungen, das nicht nur junge LeserInnen begeistern wird. Es ist kein Buch, das man einfach nur durchblättert – es hallt nach. Es erinnert uns daran, dass wir in einer Welt leben, die uns jeden Tag neue Wunder schenkt.



Fazit:

Herbsthundewetter hat mich von der ersten Seite an wegträumen lassen – hinaus in die Natur, mitten hinein ins farbenfrohe Schauspiel der Jahreszeiten. Ich hatte sofort das Bedürfnis, selbst loszuziehen und das Leben draußen mit offenen Augen und Sinnen zu genießen.

Dieses Buch lädt dazu ein, innezuhalten, die frische Luft einzuatmen, den frühen Sonnenuntergang im Herbst zu bestaunen, sich auf laue Sommernächte zu freuen oder durch frühlingshafte Blumenwiesen zu wandern.

Wunderschöne Illustrationen und poetische Texte machen "Herbsthundewetter" zu einem Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen möchte – um es gemeinsam mit Kindern zu lesen und anschließend gemeinsam die Natur zu entdecken.

Ein kleines Goldstück unter den Kinderbüchern. Hoffnungsfroh, manchmal ein wenig melancholisch, aber immer voller Liebe zur Natur und Abenteuerlust. Eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Ein Krimi wie ein guter Kaffee: Stark, nordisch, unverwechselbar

Jensen und die Stille der Insel
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Inhalt:


Auf einer kleinen ostfriesischen Ferieninsel verschwindet Bürgermeister Burkhard Schröder spurlos – und das direkt nach der Rückkehr von einer Konferenz mit Vertretern benachbarter Inseln. Noch ...

Inhalt:


Auf einer kleinen ostfriesischen Ferieninsel verschwindet Bürgermeister Burkhard Schröder spurlos – und das direkt nach der Rückkehr von einer Konferenz mit Vertretern benachbarter Inseln. Noch kurz zuvor war er mit dem Leiter der Kurverwaltung und Frau Mayer-Wittgenstein unterwegs, der ehrgeizigen und beim Bürgermeister wenig beliebten Boutique-Besitzerin, die als seine schärfste Konkurrentin im anstehenden Wahlkampf gilt.

Als Schröder nicht nach Hause zurückkehrt, wird Kriminalhauptkommissar Peter Jensen auf die Insel geschickt. Widerwillig nimmt er die Ermittlungen auf – eigentlich ist er für Kapitalverbrechen zuständig. Doch schnell wird klar: Schröders Verschwinden ist mehr als ein weiterer, unaufgeklärter Vermisstenfall.

Jensen taucht ein in das Leben einer verschlossenen Inselgemeinschaft, in der jeder jeden kennt und viele zumindest gelegentlich schroff, abweisend und unzugänglich wirken. Die Befragungen verlaufen zäh, nicht nur wegen der eigenwilligen Bewohner. Schnell wird dem Beamten klar, dass er in eine Welt eingedrungen ist, in der Geheimnisse unter der Oberfläche brodeln.

Gerade als Jensen sich akklimatisiert hatte, wird er abberufen. Doch die Ruhe währt nicht lange: Bei der feierlichen Saisoneröffnung für die Touristen wird der Bürgermeister gefunden – tot, und auf eine so groteske Weise inszeniert, dass die ganze Insel schockiert ist.

Der Abschied ist vom Tisch, Jensen muss bleiben. Nun beginnt die eigentliche Arbeit – mitten im rauen Küstenwetter der Insel, zwischen eigenwilligen Bewohnern und einer Geschichte, die dunkler ist, als es zunächst scheint.



Meinung:


Krimis und ich sind normalerweise kein Match. Doch „Jensen und die Stille der Insel“ hat mich durch seine Atmosphäre und die besondere Handschrift des Autors überrascht. Zwischen den Zeilen spürt man die Liebe zu Kaffee, zur norddeutschen Küstenlandschaft – und zu einem wunderbar trockenen Humor, der der Geschichte ihre ganz eigene Färbung verleiht.

Besonders begeistert hat mich die Idee des Zeitperlen-Verlags: Die Kombination aus gutem Buch und ausgewähltem Kaffee ist für mich ein echtes Highlight. Die Verlagsgründer, selbst Betreiber einer Kaffeerösterei in Hamburg, verknüpfen hier Genuss und Literatur auf charmante Weise. Es macht einfach Freude, in diese Welt einzutauchen – und gleichzeitig die passende Kaffeemischung zu probieren.

Auch atmosphärisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie. Die raue Küste, der Wind, die kleinen Lädchen und die kauzigen Bewohner – all das fängt Bjørn Schering unglaublich lebendig ein. Man spürt das Salz auf den Lippen, den kalten Wind in den Haaren und fühlt sich direkt in diese kleine, eigensinnige Inselwelt versetzt. Die Insel wird fast selbst zur Figur, die das Geschehen spürbar beeinflusst.

Jensen als Protagonist bleibt im Kopf: verschroben, schlaflos und voller Eigenheiten. Da ist der Kommissar, der sich morgens beim Frühstücksbuffet die Stullen für den Tag schmiert, der im Kapuzenpulli durch den Ort läuft – sehr zum Missfallen der Einheimischen, die lieber Uniformen sehen würden – und der in seinen Verhören lieber schweigt, weil er darauf setzt, dass die Menschen die Stille irgendwann selbst brechen. Doch auf einer Insel, wo das „Moin“ oft schon das höchste der Gefühle ist, funktioniert diese Methode nur bedingt. Genau diese leisen, verschmitzten Szenen machen den Charme der Geschichte aus.

Die Handlung bleibt spannend bis zur letzten Seite, ohne reißerisch zu wirken, und schafft es, auch mich – als Nicht-Krimileserin – bis zur Auflösung zu fesseln. Ein rundum gelungenes Leseerlebnis.



Fazit:


„Jensen und die Stille der Insel“ ist ein atmosphärischer Küstenkrimi mit viel Lokalkolorit, feinen Zwischentönen und einer durchdachten Handlung. Die Figuren sind wunderbar schräg, die Inselkulisse lebendig und die Geschichte mit einem herrlich trockenen Humor durchzogen, der perfekt zur rauen Nordsee passt.

Besonders gefallen hat mir das Konzept des Zeitperlen-Verlags, der gute Literatur mit ausgewählten Kaffeemischungen kombiniert – das macht das Leseerlebnis zu etwas Besonderem.

Wer Lust auf einen unkonventionellen Inselkrimi mit Charme und Tiefgang hat, der einen gedanklich an die stürmische Küste entführt, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt – am besten mit einer Tasse frisch geröstetem Kaffee in der Hand.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Ein gelungener runder Abschluss

Lucid Fate – Was, wenn wir nicht sterben?
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Inhalt:


Somna und Corpora, die Traumwelt und die wache Welt, haben sich vermischt. Traumwandlungen sind nun überall möglich, und Emotionen können sich ungehindert Bahn brechen. Nichts ist mehr wie zuvor. ...

Inhalt:


Somna und Corpora, die Traumwelt und die wache Welt, haben sich vermischt. Traumwandlungen sind nun überall möglich, und Emotionen können sich ungehindert Bahn brechen. Nichts ist mehr wie zuvor. Eine allgemeine Unberechenbarkeit herrscht, und das Leben ist gefährlicher als je zuvor.

Da die Menschen Angst voreinander haben, ziehen sich viele zurück, an Orte, an denen sie auf möglichst wenig Zivilisation stoßen und den Traumwandlungen anderer ausweichen können. Die Großstädte leeren sich. Viele Menschen haben nicht gelernt, mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen. Leere Auslagen in den Geschäften führen dazu, dass die Menschen um die letzten Lebensmittel kämpfen. Doch eine kleine Traumwandlung könnte genügen, um die letzte Kartoffel im Korb einfach zu vervielfältigen. Vielleicht wäre der Geschmack nicht derselbe, aber es würde satt machen und eines der vielen Probleme – zumindest vorläufig – lösen.

Ein Blick zum Himmel zeigt, dass sich auch hier vieles verändert hat: Unzählige Seelenpartikel der Verstorbenen schweben dort. Auch die Welt der Toten hat sich mit den anderen beiden Welten vereint.

Selena plagen Schuldgefühle, denn sie war es, die einst Eric bei der Zerstörung der goldenen Tore in Somna geholfen hat. Am liebsten würde sie alles rückgängig machen. Doch um Somna und Corpora wieder zu trennen, scheint es nur eine Lösung zu geben: Ria, Eric und sie müssen erneut durch ein Tor gehen. Doch das würde bedeuten, dass sie alle drei ihr Leben lassen müssten. Vielleicht wäre Selena sogar bereit dazu. Doch Ria hat klar gemacht, dass sie sich nicht opfern möchte. Und was ist mit Mo, die Selena liebt? Und selbst wenn Ria sich dem Plan anschließen würde – wie sollten sie Eric dazu bringen, durch das Tor zu gehen? Er, der als Herrscher über die neue Welt regiert, hat alle Macht an sich gerissen und ist längst nicht am Ende seiner Ziele angelangt …



Meinung:


Nina Martin erzählt in ihrer Traumwelt-Reihe die Geschichte von Selena und Ria, zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Ria zurückhaltend, still und nachdenklich ist und skeptisch auf die Dinge blickt, gleicht Selena einem Wirbelsturm. Selbstbewusst, mutig und entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Kein Wunder, dass die beiden jungen Frauen nach der Verschmelzung von Somna und Corpora aneinander geraten. Denn während Ria der neuen Welt eine Chance geben möchte, ist es Selena, die unbedingt zum status quo ante zurückkehren will. Doch um diesen Plan zu verwirklichen, müssen Ria, Selena und Eric erneut durch ein Traumtor schreiten – wohl wissend, dass sie dabei aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Leben lassen würden.

Durch die wechselnden Erzählperspektiven erhält der Leser spannende Einblicke in die Gedankenwelt von Selena und Ria. Beim Lesen ist es unmöglich, nicht in einen inneren Konflikt zu geraten. Auch ich ertappte mich dabei, wütend auf Selena zu sein, die keinerlei Verständnis für Ria aufbringen wollte. Für mich war es absolut nachvollziehbar, dass Ria an ihrem Leben hängt und es nicht leichtfertig aufgeben will. Doch sobald Ria diese Gedanken ausspricht, gerät sie selbst in einen inneren Konflikt. Ihr Umfeld bestärkt sie nicht in ihrer Haltung, sondern zwingt sie, darüber nachzudenken, ob ihr Wunsch zu überleben nicht egoistisch ist.

Die Prioritäten verschieben sich, als Lil, Rias beste Freundin, und Mo, Selenas Vertraute, entführt werden. Beide Frauen sind sich einig: Sie müssen die Menschen retten, die ihnen am meisten bedeuten. Doch um das zu schaffen, müssen sie herausfinden, wo Eric Mo und Lil versteckt hält. Sie müssen zusammenarbeiten, um etwas zu bewirken.

Es beginnt eine spannende Suche, bei der Selena und Ria unterschiedliche Wege einschlagen, aber dennoch miteinander agieren und einander vertrauen müssen. Ich habe beide Perspektiven mit großer Neugier verfolgt, wobei mich Rias Entwicklung noch ein wenig mehr fesselte. Das lag an mehreren Faktoren. Zum einen an der überwiegend interessanten Beziehungsdynamik zwischen ihr und Yunus. Zum anderen haben mich die Orte, die sie aufsuchen mussten, besonders fasziniert. So reisen Yunus und Ria in eine von Eric erschaffene Strafzone in Berlin, in der Menschen gefangen gehalten werden, die sich gegen das System gewehrt haben.

Obwohl "der Gegenspieler" der Protagonistinnen, Eric, über weite Strecken hinweg kaum direkt in Erscheinung tritt, sind die Auswirkungen seiner Taten allgegenwärtig. Er hat eine Welt voller Gefahren geschaffen, und seine Forschungen sind so weit vorangeschritten, dass sie nicht ohne Konsequenzen bleiben.



Fazit:


"Lucid Fate – Was, wenn wir nicht sterben?" bringt uns den Showdown. Im Verlauf der Geschichte fieberte ich dem Clash von Selena, Ria und Eric entgegen. Ich wusste, dass das Finale noch einmal besonders spannend werden würde.

Peu à peu verdichtet sich die Handlung. Es gelingt Nina Martin nicht nur, eine konstante unterschwellige Spannung in diesem Band zu halten; je weiter die Handlung voranschreitet, desto straffer wird der Spannungsbogen.

Etliche lose Fäden und alte Rätsel finden zusammen um die Serie zu einem runden Abschluss zu bringen.

Die Lucid-Reihe empfehle ich Fans von Anna Benning und Franzi Kopka sowie allen, die sich für ein faszinierendes Traumwelten-Szenario begeistern können.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Düstere Endzeitstimmung, mit einer berührenden, hoffnungsvollen Geschichte

The Last Bookstore on Earth
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Inhalt:

Seit dem großen Sturm hat sich die Welt verändert. Kaum ein Mobilfunkmast steht noch, die globale Kommunikation ist zusammengebrochen. Läden wurden geplündert, und Menschen, die sich nicht vor ...

Inhalt:

Seit dem großen Sturm hat sich die Welt verändert. Kaum ein Mobilfunkmast steht noch, die globale Kommunikation ist zusammengebrochen. Läden wurden geplündert, und Menschen, die sich nicht vor dem sauren Regen schützen konnten, haben ihr Leben verloren. Eine neue Zeit ist angebrochen – eine, in der nur die Stärksten überleben.

Liz gehört nicht zu ihnen. Die junge Frau hat moralische Ambitionen und unterlässt es mithin, verlassene Häuser zu plündern. Sie weiß nicht, wie man ein Loch im Dach repariert, und wenn sie sich verteidigen müsste, wäre ihr erster Impuls, einen Wälzer wie "Anna Karenina" aus dem Regal zu reißen und diesen einem Eindringling über den Kopf zu schlagen.

Seit dem großen Sturm und dem Zusammenbruch der Welt, wie sie sie kannte, hat Liz niemanden mehr, bei dem sie Halt finden könnte. Die einzige Konstante in ihrem Leben ist die Buchhandlung, in der sie gearbeitet hat. Mit ihren verblichenen Karten im Ständer, der quietschenden Tür, den verrottenden Dielen, den zerbrochenen Fenstern und dem Loch im Dach ist sie zu Liz' Zuflucht und Fixstern geworden.

Jeden Morgen dreht Liz das "Geöffnet"-Schild an der Tür um, in der Hoffnung, dass jemand ein Buch benötigt oder eine Nachricht für Reisende hinterlassen möchte – im Tausch gegen Lebensmittel, Batterien oder alles, was die Menschen entbehren können.

Für Liz ist die Buchhandlung ihr Zuhause, der letzte Rest von Normalität. Doch diese Sicherheit ist trügerisch. Als eines Nachts ein Geräusch vor der Tür ertönt, ahnt Liz, dass ihr letzter Rückzugsort in Gefahr ist …



Meinung:

Als ich das erste Mal das Cover von "The Last Bookstore on Earth" gesehen und den Klappentext gelesen hatte, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch würde lesen müssen. Es war mein absolutes Wunschbuch für 2025. Meine Erwartungen waren hoch, und ich war voller Vorfreude auf diese "cozy Dystopie".

Das Buch wird diesen Erwartungen auf jeder Seite gerecht. Bereits auf den ersten Seiten zog mich Lily Braun-Arnolds Endzeitsetting in den Bann. Ich konnte mich sofort in Liz hineinversetzen – eine Frau, die die Warnungen vor dem "Point of no Return" zwar gehört, aber nicht wahrhaben wollte.

Liz ist eine Protagonistin, die einem schnell ans Herz wächst. Alles, was sie will, ist überleben und sich ein Stück Normalität bewahren. Doch tief im Inneren weiß sie, dass sich etwas ändern muss. Die Buchhandlung, ihre Zuflucht, ist baufällig und wird nicht ewig standhalten. Die Vorräte gehen zur Neige, und irgendwann könnten die wenigen Besucher, die vorbeikommen, mehr von ihr wollen als nur ein Buch.

Liz ist keine Kämpferin, keine Handwerkerin – und dennoch schafft sie es, sich durchzuschlagen. Doch dann tritt Maeve in ihr Leben.

Maeve ist das Gegenteil von Liz: rebellisch, klug und furchtlos. Sie sagt, was sie denkt, und das nicht immer freundlich. Zwischen den beiden kommt es zu Spannungen. Doch mit der Zeit nähern sich die beiden Frauen an.

Die Dynamik zwischen Liz und Maeve sorgt für viel Spannung. Maeve hat Geheimnisse, und wir als Leser ahnen, dass sie auf dem Weg in die Zukunft von ihrer Vergangenheit eingeholt werden wird. Und Maeves Vergangenheit schlägt gnadenlos zu. Gleichzeitig zieht ein neuer Sturm auf, der die baufällige Buchhandlung endgültig zerstören könnte.

Auch Liz’ eigene Geschichte wird Stück für Stück enthüllt. Rückblicke gewähren Einblicke in ihre Vergangenheit – ihre Familie, die besondere Art, wie ihre Mutter Weihnachten gefeiert hat, ihre Kindheitsüberzeugung, dass verschiedene Essenssorten nicht auf ihrem Teller einander berühren dürfen. Doch auch die Konflikte zwischen ihren Eltern, die unterschiedlich mit der drohenden Umweltkatastrophe umgingen, kommen ans Licht.

Lily Braun-Arnold hat einen Roman geschrieben, der zwar "cozy" ist, aber auch brutal und schonungslos sein kann. Eine Geschichte, die ans Herz geht und unaufhaltsam auf eine düstere Wendung zusteuert.



Fazit:

"The Last Bookstore on Earth" ist ein absolutes Highlight und ein Buch, das mich tief berührt hat. Lily Braun-Arnold gelingt es meisterhaft, eine düstere Endzeitstimmung mit einer berührenden, hoffnungsvollen Geschichte zu verknüpfen. Die Dynamik zwischen den Figuren Liz und Maeve sowie der literarisch gekonnte Spannungsbogen vermögen auf Dauer zu fesseln.

Dass die Sammlung atmosphärischer Momente nie zum Kitsch verkommt, sondern die melancholische Atmosphäre des Buches speist, zeugt vom Talent der Autorin.

Für mich war dieses Buch eine echte Herzensgeschichte, eine Geschichte, die bleibt und nachhallt. Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Jahreshighlight sein – ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der sich auf eine besondere, tief bewegende Reise einlassen will.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Mustread für Fantasyliebhaber

Impossible Creatures – Das Geheimnis der unglaublichen Wesen
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Inhalt:

Es war schon zu Beginn seines Lebens so, dass Christopher, egal wo er sich aufhielt, Tiere anzog. Diese Anziehungskraft hatte er wohl von seiner Mutter geerbt, sofern sich eine solche Eigenschaft ...

Inhalt:

Es war schon zu Beginn seines Lebens so, dass Christopher, egal wo er sich aufhielt, Tiere anzog. Diese Anziehungskraft hatte er wohl von seiner Mutter geerbt, sofern sich eine solche Eigenschaft überhaupt vererben ließ. Nun saß er also, umringt von einer Schar Eichhörnchen, auf einer Bank am Fährterminal in Schottland und wartete auf seinen Großvater, bei dem er, solange sein Vater arbeitsbedingt unterwegs war, eine Weile wohnen sollte.

Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er im Laufe der nächsten Tage das wohl größte Abenteuer seines Lebens beginnen würde. Er wusste noch nicht, dass er in nur wenigen Stunden die wohl wichtigste Regel seines Großvaters brechen würde und danach nichts mehr so sein würde wie zuvor.

Christopher wird den Horizont unserer Existenz verlassen. Denn im Laufe der nächsten Stunden wird er Wesen kennenlernen, die nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorkamen. Einige harmlos, andere äußerst gefährlich: Mäuseartige Viecher mit Reißzähnen, grüne, gehörnte Eichhörnchen, Hasen mit einem Horn, das golden leuchtet und aus deren Fußabdrücken innerhalb kürzester Zeit Gras wächst, Einhörner und Karkadanns ...

Mal war im Archipel, dem letzten magischen Ort der Welt, aufgewachsen. Sie lebte bei ihrer Tante und besaß seit ihrer Kindheit einen Mantel, den ihr ein Fremder geschenkt hatte und mit dem sie über die Wälder und Hügel des Landes fliegen konnte. Ihr bester Freund war ein junger Greif, den sie Gelifen genannt hatte und der sie auf all ihren Abenteuern begleitete. Gelifen war wohl der letzte Greif der Welt, und das war verwunderlich, denn damals hatte es so viele von seiner Art gegeben. In letzter Zeit musste Mal jedoch einiges erleben, was sich als böses Omen werten lässt. Die Erde veränderte ihre Farbe von Braun zu grauem Schlick, und auf ihren Ausflügen entdeckte sie immer öfter tote Tiere. Bestimmte Tierrassen, wie der Greif, schienen mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Mal war fest entschlossen, das Rätsel zu lösen und herauszufinden, was den Archipel bedrohte. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr ein Mörder auf den Fersen war und dass sie bald in die Menschenwelt reisen würde ...



Meinung:

Wow! - Dieses Wort umschreibt das Abenteuer, das Katherine Rundell hier auf knapp vierhundert Buchseiten niedergeschrieben hat, wohl am besten. Ich glaube, ich habe eine neue Lieblingsschriftstellerin entdeckt.

Auf dem Buchrücken von Impossible Creatures finden sich neben dem Klappentext einige Zitate namhafter Schriftsteller, die diese Geschichte mit Werken von Tolkien und Pullman vergleichen und Parallelen zu Narnia und Mittelerde herstellen. Ich kann mich diesen Worten nur anschließen.

Schon beim Aufklappen des Buchdeckels wird der Leser von einer wunderschönen Karte des Archipels begrüßt, die sofort Lust macht, die magische Welt zu erkunden. Es folgt ein Auszug aus dem Bestiarium der Welt: Schwarzweißzeichnungen und Kurzbeschreibungen stellen Wesen wie den Borametz (ein Lamm, das an Ranken wächst und Zeit seines kurzen Lebens seine Wolle freigiebig an alle verteilt, denen es vertraut), den Avanc (einen biberartigen Fleischfresser mit Reißzähnen) oder den Kludde (einen Hund von der Größe eines Bären, dessen Ohren aus Flammen bestehen und dessen Atemzüge so kreischend sind, als würde man Metall auf Metall reiben) vor. Neben diesen, vermutlich den meisten Lesern noch unbekannten Wesen, trifft man hier auch auf Sphinx, Kentauren und Riesenkraken.

Schon bevor die Geschichte also begann, hatte ich schon Lust, in das Märchen einzutauchen, das mir bevorstehen würde. Und dieses hat mich, so viel sei vorweg gesagt, an keiner Stelle enttäuscht.

Als LeserIn begleiten wir zwei Kinder durch ein unglaublich spannendes und großes Abenteuer. Eines, das man mit Sicherheit nicht so schnell vergessen wird und das den oben genannten Vergleichen mehr als gerecht wird.

Nachdem Christopher ein paar Regeln gebrochen hat und von seiner ihm zugedachten Bestimmung erfährt, reist er mit einem Mädchen und einigen Fabelwesen durch einen magischen Übergang in eine Welt, die allein schon beim Lesen den Mund vor Staunen offenstehen lässt.

So gibt es hier Märkte, an denen Seehändler ihre magischen Waren verkaufen. An ihren Ständen entdeckt man Seltenheiten wie z.B. einen Kompass, dessen Nadel stets nach Hause weist oder ein Messer, das alles durchschneiden kann. Man liest von dem reisenden Senatsgebäude, das von angeschirrten Longmas (Wesen, die wie eine Kreuzung von Pferd und Drache aussehen) durch die Lüfte getragen wird.

Man lacht mit den Kindern, wenn man gemeinsam Gelifen dabei zuschaut, wie er einem Schmetterling nachjagt, um mit ihm zu spielen. Gleichzeitig ist man sich bewusst, dass er eben doch ein Raubtier ist, wenn er fast das gesamte Mittagessen herunterschlingt und mit seinen Krallen versehentlich Wunden auf Mals Arm hinterlässt.

Schon zu Beginn der Geschichte versteht es Katherine Rundell, Spannung zu erzeugen. Sie erwähnt einen geheimnisvollen Mörder, der Mal auf der Spur ist. Sie lässt Hinweise einstreuen, dass das Mädchen ein Geheimnis umgibt, das man als LeserIn genauso erkunden möchte wie die rätselhaften Veränderungen, die sich im Archipel ergeben haben. Zugleich ahnt man, dass auch Christopher von Geheimnissen umgeben ist. Die Tierscharen, die ihn umgeben, werfen schnell erste Fragen auf.

Immer wieder gibt es Fragen, die aufploppen: Was hat es mit dem Hügel auf sich, den Christopher laut den Worten seines Großvaters auf keinen Fall betreten darf?
Immer wieder begegnet man Neuem, Erkundenswertem und trifft auf Fremde, bei denen man sich fragt, ob man ihnen vertrauen kann oder ob sie Gefahr bedeuten. Immer wieder gerät man von einem kleinen Abenteuer in ein neues, immer größeres.

Katherine Rundell lässt in „Impossible Creatures“ liebgewonnene Figuren sterben und leiden. Die Handlung läuft nach dem altbekannten „Kill-your-darlings“-Schema ab, wobei die vorgetragene Entwicklung allerdings nie zu früh eingeleitet wird.

Sowohl Christopher als auch Mal durchlaufen eine beeindruckende Entwicklung. Am Anfang sind sie noch Kinder, die sich in einer Welt von alltäglichen Abenteuern bewegen. Doch im Verlauf der Geschichte müssen sie schwere Entscheidungen treffen, sich Gefahren stellen und erleiden Verluste, die sie zutiefst erschüttern. Es ist dieses atemberaubende Abenteuer, das sie emotional wachsen lässt und sie zu den Helden ihrer eigenen Geschichte macht.



Fazit:

„Impossible Creatures“ ist ein meisterhaftes Werk, ein kleines Buchwunder: aufregend, überraschend, widersprüchlich - wie dem Leben selbst abgelauscht.

Wenn man versucht die Handlung zu beschreiben, fühlt man sich schnell überfordert. Es passiert einfach so viel, das aber im Ergebnis die besten Elemente der Fantasy-Literatur vereint und für Fans von Tolkien und Pullman sicherlich ein Fest sein wird.

Katherine Rundell gelingt es, die Leser zu verzaubern und in eine Welt zu entführen, die atemberaubend und geheimnisvoll ist.

Ein absoluter Tipp für alle, die sich nach einem spannenden und fantasievollen Abenteuer sehnen!

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