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FabiWit

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2019

Akribisch Recherchiert, detailliert und beeindruckend zugleich

Stieg Larssons Erbe
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Jan Stocklassa - Stieg Larssons Erbe - True Crime

Als Krimifan, aber auch als Fan eines anderen Genres kennt man eigentlich immer die berühmte Mileniumtriologie des schwedischen Autors Stieg Larsson, ...

Jan Stocklassa - Stieg Larssons Erbe - True Crime

Als Krimifan, aber auch als Fan eines anderen Genres kennt man eigentlich immer die berühmte Mileniumtriologie des schwedischen Autors Stieg Larsson, der vor der Veröffentlichung der Werke an einem Herzinfakt starb und so seinen eigenen Aufstieg zum hoch angesehen Autor selbst nicht miterlebte. Als Ich also las, dass ein Buch über Ihn erschienen war, wurde ich zuerst skeptisch (zu Unrecht, wie ich schließlich feststellen musste).

Es geht in diesem neuen Buch um das eigentliche Lebenswerk des Stieg Larsson, der Rechercheur bei einer schwedischen Zeitung war und auch Illustrationen erstellte. Aber er beschäftigte sich teils während seiner Arbeit, aber vor allem in seiner Freizeit unermüdlich mit der rechten Szene in Schweden und war landesweit der führende Experte für rechte Vereine und Organisationen. Dann kam es 1986 zur bis heute unaufgeklärten Ermordung von Olof Palme, dem schwedischen Ministerpräsidenten. Stieg begann zu recherchieren und fand schnell Indizien, dass es bei dem Mord Verbindungen ins rechte Spektrum gibt. An diesem Punkt setzt das Buch an.
Es gliedert sich in 2 Teile. Zu Beginn zeichnet der Autor die Recherchen von Stieg aus den 80er und 90er Jahren nach und zeichnet so ein sehr detaillierten Bild der Ermittlungen. Es werden die verschiedenen Spuren nachvollzogen und Stiegs verschiedene Theorien über die Täter erläutert.

Im Zweiten Teil recherchiert Jan Stocklassa die verschiedenen Spuren weiter, entwickelt seine eigenen Ansätze, trägt das gesamte Material zusammen, um später seine eigene Vorstellung über den oder die Mörder zu liefern.

Das Buch ist in dieser Art und Weise sehr detailliert und umfassend, geht auf fast alle Hintergründe ein und erreicht so eine durchaus beachtliche Länge. Der Autor schafft es jedoch dieses durchaus komplexe und verwirrende Gebilde aus Hintergründen schlüssig darzustellen und das Buch liest sich in weiten Teilen wie ein Krimi, auch wenn alles der Wahrheit entspricht. Es lässt sich deshalb für ein Sachbuch, dass es ja immernoch ist, doch recht schnell lesen und verstehen, begeistert und schockiert zu gleich. Viele Aspekte regen zum Nachdenken an. Vor allem aber beeindruckt die Person und das Erbe Stieg Larssons ungemein, der eine unmenschliche Menge Zeit und Herz in seinen Kampf gegen rechts gesteckt hat, und deshalb höchsten Respekt verdient.

Ein Buch über einen Mord, der einen gewissermaßen die 80er Jahre verstehen lässt und gleichzeitig viele Lektionen für die jetzige Zeit enthält. Schnell geschrieben, genau aufgearbeitet und schlüssig bis zum Schluss, eine echte Empfehlung.

verfolgt Spuren weiter, die Stieg nie ganz ausarbeiten konnte

Veröffentlicht am 29.12.2018

Eine Familie durchzogen von Gift

Die Essenz des Bösen
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Die Essenz des Bösen - dieser durchaus düstere Titel ergibt im Verlauf des Buchs mehr und mehr Sinn, bis zu einem fulminanten Finale, aber von vorn:

Die Handlung: Ist aktuell, gut geschrieben, nicht einseitig, ...

Die Essenz des Bösen - dieser durchaus düstere Titel ergibt im Verlauf des Buchs mehr und mehr Sinn, bis zu einem fulminanten Finale, aber von vorn:

Die Handlung: Ist aktuell, gut geschrieben, nicht einseitig, und vor allem fast nie voraussehbar. Tony Parsons schafft es, dass man nie weiß, in welche Richtung sich das ganze entwickelt. Er spinnt eine undurchschaubare, verflochtene Handlung, dir mir sehr gefallen hat. Alles dreht sich um islamistischen Terror, das Buch ist jedoch keine stumpfe Islamophobie, sondern eine durchdachte Thematik, die Ich als gut ausbalanciert empfunden habe.

Der Protagonist: Das Buch ist Teil einer Reihe um den englischen Polizisten Max Wolfe in London. Ich habe das Buch gelesen, ohne vorher einen der ersten Teile gekannt zu haben, und hatte keine Probleme, in die Geschichte einzusteigen. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass ein durchaus beachtlicher Teil des Buchs sich um die Familie von Max dreht. Ich fand diesen Teil durchaus gelungen, allerdings sollte man sich im klaren sein, dass es auch mal 20 Seiten keine Neuigkeiten zum Fall gibt. Vermutlich gefällt Fans des Ermittlers dieser Teil der Reihe noch besser, das kann Ich jedoch nicht beurteilen.

Der Stil: Intelligent, durchaus nicht ganz anspruchslos, aber durchaus angenehm zu lesen, mit einer, wie ich finde, gelungenen Eingliederung in das Londoner Setting.

Meinung: Ein Thema, dass durchaus kontrovers diskutiert werden kann, vor allem mit dem Hintergrund der Geschichte der englischen Außen-, sowie Innenpolitik und den Anschlägen in den letzten Jahren. Parsons schafft es jedoch wie Ich finde, sehr gelungen einen Roman daraus zu spinnen, der die aktuelle Diskussion durchaus kritisch betrachtet. Mal etwas anders als ein klassischer Mord, sehr erfrischend.

kleines Manko: Die Struktur der englischen Polizei, auf die durchaus detailliert eingegangen wird (man kann das auch als Stilmittel bzw. Kritik des Autors am System sehen), ist kaum zu durchschauen, zumindest als deutscher Leser (man kann dem Autor jedoch verstehen, gleiches würde passieren, wenn man einem Engländer einen deutschen Kriminalroman mit BKA, Verfassungsschutz, LKA, Kripo, usw. vorlegt).

-> alles in allem: ein durchaus gelungener Krimi mit nur kleinen Schwächen, spannend bis zu letzten Seite -> 4/5 Sterne und meine Leseempfehlung

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Handlung
Veröffentlicht am 10.12.2018

Detaillierter Einblick in einen tief verwurzelten Konflikt

Black Hand
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Rezension - Stephan Talty - Black Hand: Jagd auf die erste Mafia New Yorks

Wenn man den Titel dieses Buches liest glaubt man die Geschichte einer Mafiafamilie aus New York zu lesen. Diese (auch meine ...

Rezension - Stephan Talty - Black Hand: Jagd auf die erste Mafia New Yorks

Wenn man den Titel dieses Buches liest glaubt man die Geschichte einer Mafiafamilie aus New York zu lesen. Diese (auch meine anfängliche) Erwartung entspricht jedoch nicht dem tatsächlichen Inhalt dieses Buches, was auch mit einem etwas fehlleitenden Titel zu tun hat, wie Ich finde.

Viel mehr ist dieses Buch die Biografie des New Yorker Polizisten Joseph Petrosino, einem italienischen Einwanderer, der sich in einer durchaus rassistischen Behörde durchsetzten muss. Der Autor schildert in diesem Buch auf sehr detailierte Art und Weise die Entstehung und Zerschlagung der Black Hand. Diese ist eine organisierte kriminelle Organisation, die vor allem auch durch Behördenversagen entstehen konnte und zu einer (vor allem unter Italienern) gefürchteten Organisation aufsteigt. So wird dieses Buch zu einer beeindruckenden Biografie des ersten italienischen Polizisten, der sich praktisch sein ganzes Leben mit der Black Hand auseinandersetzte. Sein Leben ist dementsprechend eng verknüpft mit der Organisation, was der Autor realistisch und auch spannend vermitteln kann.

Kleiner Kritikpunkt: Manchmal verrennt sich der Autor in Einzelfälle und persönliche Schicksale von Personen, die mit der Black Hand zu tun hatten. Zwar wird durch diese Schicksale ein greifbares Bild der Angst in der italienischen Gemeinschaft gezeichnet, allerdings wiederholen und gleichen sich viele Geschichten, wodurch man ab und zu glaubt, dass sich Passagen wiederholen.

Der wohl größte Vorteil: Das Gesellschaftsbild der wachsenden italienischen Gemeinschaft in New York, die Beschreibung der Situation in den Behörden, der offene Rassismus von allen Seiten, die Abschottung und die Charakterisierung der Angst. Vor allem deswegen kann Ich dieses Buch besten Gewissens empfehlen.
-> 4/5 Sterne

Veröffentlicht am 15.11.2018

Ein spannender Blick hinter Gitterstäbe

Gangsterblues
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Joe Bausch - Gangster Blues - Harte Geschichten - Sachbuch

Joe Bausch ist nicht nur als Schauspieler in vielen Tatort-Krimis, sondern auch seit Jahrzehnten Gefängnisarzt in der JVA Werl (NRW), in der ...

Joe Bausch - Gangster Blues - Harte Geschichten - Sachbuch

Joe Bausch ist nicht nur als Schauspieler in vielen Tatort-Krimis, sondern auch seit Jahrzehnten Gefängnisarzt in der JVA Werl (NRW), in der vor allem Schwer- und Sexualstraftäter und Sicherungsverwahrte einsitzen. Durch seine Tätigkeit als Arzt bekam er so einen sehr tiefen, teils schockierenden Einblick in das Leben der Gefangenen. Auf den Geschichten, die er während seiner Karriere selbst erlebt, oder erzählt bekommen hat, basiert dieses Buch.

Das Buch besteht aus 12 unabhängigen Geschichten über verschiedene Gefangene oder Fälle, und die meisten davon haben es richtig in sich. Der Autor erzählt die meisten Geschichten sachlich, Ihr Inhalt ist aber immer interessant, manchmal schockierend und bringt einen Teils auch zum Nachdenken. Durch verschiedene, abwechslungsreiche Geschichten schafft es der Autor so, dem Leser einen tiefen und un-beschönigten Einblick in ein deutsches Gefängnis zu geben. Das Buch eignet sich gut zum Lesen nebenbei, da die einzelnen Geschichten/Kapitel unabhängig gelesen werden können. So ist das Buch auch leicht zu verstehen und man begreift eigentlich die Hintergrundmessage in jeder Geschichte.

Das Buch ist dabei kein literarischer Meilenstein oder bahnbrechender Enthüllungsbericht, es ist aber durchweg interessant und bringt dem Leser auch Aspekte aus dem Gefängnis näher, mit denen man sonst nie in Kontakt gekommen wäre. Ich kann es deswegen nur weiterempfehlen -> 4/5 Sterne

Veröffentlicht am 14.11.2018

ein Thriller, der leider wenig mit einem Thriller zu tun hat...

Chicago
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David Mamet - Chicago - Thriller (??)

David Mamet ist Pulitzer-Preisträger und hat unter anderem das Drehbuch für den Film "Die Unbestechlichen" geschrieben - Grund genug sein neuestes Werk zu lesen: ...

David Mamet - Chicago - Thriller (??)

David Mamet ist Pulitzer-Preisträger und hat unter anderem das Drehbuch für den Film "Die Unbestechlichen" geschrieben - Grund genug sein neuestes Werk zu lesen: Chicago, ein "Thriller", der in eben jener Stadt während der zwanziger Jahre spielt. Der Klappentext kündigt einen packenden Thriller mit "rasantem Tempo" (New York Times) an. Lies man dieses Buch, findet man von alle dem nicht wirklich viel. Das Buch beginnt mit einigen wenig bis gar nicht zusammenhängenden Abschnitten bzw. Kapiteln, die als Einführung in das Leben in Chicago in den zwanziger Jahren gesehen werden können. Der Autor schreibt in einem anspruchsvollen Stil, aber durchaus verständlich und nachvollziehbar. Man erhält ein gutes, realistisches Bild der Gesellschaft in dieser Zeit, was durchaus interessant ist. Damit sind aber schon alle positiven Teile dieses Buches abgehakt.

Mamet führt seinen Stil im weiteren Buchverlauf fort, es passiert einfach nichts, über 200 Seiten läuft sein Protagonist scheinbar wahrlos in Chicagos Straßen umher oder trifft seine Freundin. Dies ist zwar literarisch auf einem anständigen Niveau geschrieben (wie oben bereits erwähnt, das Gesellschaftsbild ist gelungen), hat aber absolut nichts mit einem Thriller zu tun. Dazu kommt das immer verwirrender werdende springen in zeitlichen Abschnitten sogar innerhalb einzelner Absätze. Die Dialoge sind leider nicht elektrisierend (wie der Einband verspricht) sondern unverständlich, für jemanden, der sich mit amerikanischer Literatur/Geschichte nicht sonderlich gut auskennt. Es wird im gesamten Buch keinerlei Verbindung zum Protagonisten aufgebaut, er handelt nur bedingt nachvollziehbar und seine Freundin, die ermordet wird (deshalb soll es sich um einen Thriller handeln) ist dem Lese noch fremder und eigentlich auch völlig egal.

Ein wenig Tempo wird im zweiten Teil aufgebaut, trotzdem hat die ganze Geschichte wenig mit einem Thriller zu tun, wirklich verständlich aufgeschlüsselt wird die ganze Geschichte jedoch nicht.

Das Buch mag aus literarischer/stilistischer Sicht eine gute Arbeit sein, es ist aber leider einfach nicht einmal in Ansätzen das drin, was drauf steht. Es gibt kein Tempo, die Dialoge sind für die Story oft belanglos, die Charaktere sind 0 nahbar, und von Thrill oder Spannung keine Spur, man weiß genau was Sache ist, zu jedem Zeitpunkt des Buches weiß man bereits wer den Mord zu verantworten hat -> Deshalb nur 1/5 Sternen