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Veröffentlicht am 29.01.2017

Ich fühle was, was du nicht fühlst

Ich fühle was, was du nicht fühlst
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Ich fühle was, was du nicht fühlst ist ein wunderschönes Buch über eine ganz besondere Familie mit einzigartigen Problemen. India, die Empfindungen hat, die andere Jugendliche in ihrem Alter nicht kennen, ...

Ich fühle was, was du nicht fühlst ist ein wunderschönes Buch über eine ganz besondere Familie mit einzigartigen Problemen. India, die Empfindungen hat, die andere Jugendliche in ihrem Alter nicht kennen, die Hippie-Eltern, die auf seltsame Art und Weise mit Lügen und Dramen zu kämpfen haben und Indias Bruder, der sein eigenes Geheimnis hütet, geben eine perfekte Mischung aus rührender Geschichte, durchgängiger Unterhaltung und anhaltender Nachdenklichkeit.

Der Plot wird aus Indias Perspektive erzählt, ein junges, aufgewecktes Mädchen, das sich sehr nach Anerkennung und Freunden sehnt, aber aufgrund ihrer außergewöhnlichen Leistungen in der Schule und ihrer Wahrnehmung von Zahlen und Liedern immer wieder zur Außenseiterin wird. Sie erlebt vor allem Musik viel intensiver und leidenschaftlicher, als ihre Mitschüler und Mitmenschen. Sie erschien mir als eine sehr besondere und auch liebenswürdige Figur, die in ihrer eigenen Welt gefangen ist. Sie möchte zwar gefallen und integriert werden, möchte nicht anecken, aber in Extremfällen vertritt sie auch ihre Prinzipien, was sie für mich zu einem tollen Charakter gemacht hat. Insgesamt ist Indias Familie sehr besonders. Ihre Eltern sind sehr mit sich selbst beschäftigt, mit ihrem Lebensstil und ihrer "Arbeit", kümmern sich weder um Essen, um Noten, noch um den Haushalt und setzen ihren Kindern keine Grenzen. Es gibt keinerlei Regeln, was gerade Indias Bruder Che sehr ausnutzt.

Die verschiedenen Höhepunkte der Geschichte emfand ich als durchdacht. Sie ziehen sich gut durch das Buch, so dass die 400 Seiten schnell gelesen waren. Allerdings hätte ich mir gerade im Bezug auf den Spannungsbogen rund um den Klavierlehrer Christian mehr Auswirkungen gewünscht. Dieser Twist war mir persönlich viel zu schnell abgehandelt und könnte eine falsche Signalwirkung haben. Menschen, vor allem junge, die nicht in seiner solchen Situation sind, sehen das vielleicht nur als eine Geschichte an, aber Mädchen, die diesem Twist im wahren Leben ausgsetzt sind, denen sollte eine andere Vorgehensweisen und ein anderer Ausgang beschrieben werden. Auch das Ende à la "ausgleichende Gerechtigkeit" hat das nicht wirklich verbessern können. Damit die Rezension einigermaßen spoilerfrei bleibt, werde ich an dieser Stelle auch nicht weiter darauf eingehen.

Am besten gefallen hat mir Amelie Frieds Schreibstil. Sie schreibt wunderschön; so, dass man sich sehr gut in die Gedanken und Gefühle einer 13-Jährigen hineinversetzen kann, ohne über zu große Naivität oder Genervtheit zu klagen. Amelie Frieds bildhafte Sprache hat mir schöne Lesestunden bereitet. Ihre anderen Bücher werde ich mir auf jeden Fall noch anschauen.

Auch das Cover gefällt mir sehr gut. Anfangs hielt ich es unter anderem deswegen für ein Jugendbuch, auch wegen der Beschreibung der 13-jährigen Protagonistin, doch die Geschichte behandelt unter anderem sehr ernste Themen in einer nicht ganz so einfachen Zeit. Es regt zum Nachdenken an, berührt und ist deswegen nicht unbedingt als ein Jugendbuch einzuordnen.

Fazit
Ich fühle was, was du nicht fühlst ist ein wunderschöner Titel für ein wunderschönes, berührendes Buch, das den Leser ein wenig nachdenklich zurücklässt. Das Ende war stark, der Schreibstil sehr schön und bildhaft, die Charaktere realitätsnah und die Geschichte gut durchdacht. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch.

Veröffentlicht am 29.01.2017

Irgendwo im Glück

Irgendwo im Glück
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Irgendwo im Glück ist mein zweiter Roman der Autorin Anna McPartlin, die in Deutschland spätestens seit ihrem Werk "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" (bei mir noch ungelesen) bekannt geworden ist. "Weil ...

Irgendwo im Glück ist mein zweiter Roman der Autorin Anna McPartlin, die in Deutschland spätestens seit ihrem Werk "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" (bei mir noch ungelesen) bekannt geworden ist. "Weil du bei mir bist" war mein erstes Buch von ihr, jedoch habe ich das schon vor einigen Jahren gelesen. Trotzdem ist sie mir als Autorin in Erinnerung geblieben, weshalb ich mich auf ihr neues Buch gefreut habe.

Die Geschichte ist in zwei Zeitschienen aufgeteilt: Der Gegenwart und die Vergangenheit, wobei ersteres nur am Anfang und am Ende eine Rolle spielt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Vergangenheit. Denn diese soll die Geschichte von Maisie und ihren beiden Kindern erzählen. Meiner Meinung nach ist sie sehr toll erzählt und bietet viele verschiedene Facetten, die nicht nur fesselnd und spannend sind, sondern auch berühren und bewegen. Familiendrama, eine neue Liebe, Geheimnisse und Tod halten für den Plot einiges bereit. Die einzelnen Höhepunkte der Geschichte waren sehr gut ausgewählt. Letztlich wird sie aber auch von den starken Charakteren getragen, ebenso von einer heftigen Botschaft und offensiver Gesellschaftskritik, die erst am Ende wirklich zur Sprache kommen. Doch die Kritik ist sehr konrekt, nicht in Watte gepackt und macht die Moral der Geschichte mehr als deutlich.

Auch wenn mir die Geschichte grundsätzlich gefallen hat und mir auch packend erschien, ging mir persönlich einiges an Spannung verloren. Jeremys Verschwinden konnte mich nicht wirklich fesseln. Das lag vor allem daran, dass der Plot von hinten aufgerollt, das Ende vorweggenommen wird und so im Vorhinein schon klar war, was mit ihm passieren wird. Das hat zwar nichts an der Tragik und an den Emotionen geändert, die die Geschichte ohne Zweifel perfekt transportiert, allerdings fand ich es schade, denn Jeremy ist als Schlüsselfigur und als Paradebeispiel für die Botschaft der stärkste Charakter. Seine Wirkung und seine Entwicklung gingen meiner Meinung einfach ein wenig unter. Ich weiß, dass die Autorin gerne mit Rückblenden "spielt", jedoch fand ich die Zeitschiene der Gegenwart, die den Schluss vorweg nimmt, ein wenig unglücklich geschrieben.

Gut gefallen hat mir der Schreibstil. Der Plot ist in der dritten Person geschrieben und aus der Sicht verschiedener Charaktere. Im Vordergrund stehen zwar Maisie und Jeremy, aber auch andere Figuren tragen zum Verständnis einiges aus ihrer eigenen Perspektive bei. Auch McPartlins Sprache finde ich wunderbar. Sie schafft es, mit jedem Wort echte Emotionen und Gefühle zu transportieren. Das wichtigste für mich an einem Hörbuch ist natürlich die Stimme. Zugegebenermaßen habe ich mir diesmal vorher nicht die Hörprobe angehört, aber Nina Petri hat mich nicht enttäuscht. Ich mochte ihre Stimme und ihre Artikulation. Wie heißt es auf der Internetseite von Random House? "Sie trifft genau den richtigen Ton." Dem kann ich nur zustimmen.

Wegen des Covers – das diesmal weiß, statt schwarz ist – hatte ich eine fröhliche, nicht ganz so dramatische Geschichte erwartet. Aber im Ernst: Was wäre Anna McPartlin ohne ihre tragischen Charaktere? Die Gestaltung des Covers finde ich trotzdem sehr gelungen. Definitiv ein Eyecatcher.

Fazit
Irgendwo im Glück hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine schöne Geschichte mit tollen Charakteren, die eine wichtige Botschaft vermittelt, vor allem für die 90er Jahre. Auch wenn mir leider das Leseerlebnis ein bisschen verloren gegangen ist, ist es ein empfehlenswertes (Hör-)Buch.

Veröffentlicht am 29.01.2017

Jane's Melody

Jane's Melody - Kein Tag ohne dich
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Jane's Melody habe ich als ein wunderschönes Buch über Trauer, das Leben und die Liebe empfunden. Ich dachte anfangs, dass es eine sehr erdrückende und bewegende Geschichte sein würde – was es aber nicht ...

Jane's Melody habe ich als ein wunderschönes Buch über Trauer, das Leben und die Liebe empfunden. Ich dachte anfangs, dass es eine sehr erdrückende und bewegende Geschichte sein würde – was es aber nicht wirklich war und trotzdem wurde ich nicht enttäuscht. Jane kämpft natürlich mit dem Tod ihres Kindes, sie ist anfangs sehr niedergeschlagen und traurig und versucht das Leben ihrer doch sehr entfremdeten Tochter in den letzten Tagen, Wochen und Monate vor ihrem Tod zu rekonstruieren und sie durch ihre Kollegen und Freunde im Nachhinein besser kennen zu lernen. Dann trifft sie auf Caleb, der ihr anfangs Hoffnungen macht, Melody gekannt zu haben, doch es wird sehr schnell klar, dass er es nicht schaffen kann, Janes Wissensdurst zu stillen.

Alles in allem mochte ich die Geschichte um Jane und Caleb sehr gerne. Wie gesagt, ich hatte eine emotionale Geschichte erwartet voller Trauer und Kummer, doch stattdessen habe ich eine Liebesgeschichte bekommen, deren Protagonisten mit einigen Hürden zu kämpfen haben. Der Plot war sehr authentisch geschrieben, nicht übertrieben dramatisch, aber doch spannend und interessant. Beide haben ihre Träume und Vorstellungen vom Leben, die nicht immer übereinstimmen. Sie kämpfen umeinander, versuchen sich mit Kompromissen, aber es ist Jane, die immer wieder an der Beziehung zweifelt und Caleb eigentlich lieber seinen eigenen Weg gehen lassen würde ...

Anfangs hat sich die Geschichte sehr auf Melody und ihr Leben konzentriert, deswegen hätte ich gerne mehr über sie als Figur erfahren. Was Jane am Anfang so wichtig war, gerät mit Calebs Auftauchen immer mehr in den Hintergrund, so dass Melody teilweise überhaupt nicht mehr erwähnt wird. Es ist mir bewusst, dass es sich bei diesem Buch um Janes Geschichte handelt, nicht die von Melody, trotzdem hatte ich da ein bisschen mehr erwartet – obwohl ich den Titel des Buches wirklich grandios finde!

Ebenso wie den Plot, fand ich auch beide Hauptchraktere wahnsinnig gut getroffen. Jane, 40-Jährige Mutter, die ihre Tochter begraben musste, umgeben von familiärem Alkohol- und Drogenkonsum, steht mit beiden Beinen im Leben. Sie hat einen Job, ein Haus, ist bodenständig, führt eigentlich ein normales Leben, bis der Tod ihrer Tochter Melody eine Lücke hinterlässt. Sie fühlt sich danach einsam, ist unruhig und ist auf der Suche nach Glück und Geborgenheit. Caleb dagegen lebt von einem Tag in den nächsten, legt sich nicht gerne fest, macht sich keine Gedanken um eine Bleibe oder Geld. Beide Charaktere fand ich sehr gut durchdacht, realitätsnah und authentisch. Sie waren mir direkt symapthisch und haben mir dadurch den Einstieg in das Buch um einiges erleichtert.

Ryan Winfields Schreibstil hat mich sehr bewegt. Ich fand es toll, dass ich komplett in die Geschichte eintauchen konnte und dass er es geschafft hat, Janes Entwicklung zu zeigen – dass sie schließlich endlich loslassen konnte und bereit war, neu anzufangen. Für einen männlichen Autor fand ich es ziemlich gelungen, wie die weiblichen Emotionen dargestellt und transportiert wurden. Auch das Cover finde ich schön (es ist zu großen Teilen vom Original übernommen).


Fazit
Jane's Melody – Kein Tag ohne dich ist eine sehr schöne Geschichte, die mich gut unterhalten und zu sehr großen Teilen berühren konnte. Ich mochte das Buch aufgrund seiner realitätsnahen Charaktere und seines authentischen Plots. Die Story ist interessant und voller beziehungstechnischer Probleme, ohne zu überladen, kitschig oder schwülstig zu sein. Daher kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen.

Veröffentlicht am 29.01.2017

Der Sommer, der uns trennte

Der Sommer, der uns trennte
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Von dem Buch Der Sommer, der uns trennte hatte ich eine schöne, traurige und emotionsgeladene Geschichte erwartet. Ich mag berührende Bücher, ich mag es, wenn sie mich bewegen können und es schaffen, alleine ...

Von dem Buch Der Sommer, der uns trennte hatte ich eine schöne, traurige und emotionsgeladene Geschichte erwartet. Ich mag berührende Bücher, ich mag es, wenn sie mich bewegen können und es schaffen, alleine durch Worte etwas in mir auszulösen. Genau das hat der Klappentext versprochen und genau das habe ich auch so bekommen. Im Großen und Ganzen hat mir Der Sommer, der uns trennte sehr gut gefallen. Anfangs habe ich den Klappentext ein wenig distanziert betrachtet, weil ich mich gefragt habe, ob es wirklich eine gute Geschichte werden kann, wenn ein Mädchen sich in den besten Freund des Freundes verliebt. Da sind Dramen, Streiterein, Kummer und Tränen ja bereits vorprogrammiert, aber als Nate „verschwindet“ und sich Middie trauernd und verlassen in Lees Arme stürzt, wirkte es so, als solle es so sein.

Ich mochte Middie sehr gerne. Sie hat mich manchmal ein wenig an mich selbst erinnert, weswegen ich mich direkt mit ihr identifizieren konnte. Ihr Gefühlschaos war für mich ab und zu schwer zu verstehen, aber sie steckt auch in einer schwierigen und traurigen Situation und wusste selbst oft nichts mit sich und ihren Gefühlen anzufangen. Besonders spannend fand ich es, ihre Entwicklung zu beobachten. Sie ist anfangs sehr zurückhaltend und passiv, hängt sehr an ihrem Freund und stellt sich dabei selbst ein wenig zurück. Später, gegen Ende des Buches, steht sie allerdings für sich selbst ein, kämpft für ihre Träume und Ziele und merkt, dass man manchmal andere Menschen verletzen und loslassen muss, um sein eigenes Glück zu finden. Nate – Middies Freund – mochte ich am Anfang des Buches eigentlich sehr gerne, doch je mehr man über ihn erfährt, desto blasser erschien er mir. Natürlich liegt das daran, dass er kaum selbst auftritt und das meiste nur die Erinnerungen sind, die Middie und Lee miteinander teilen, aber auch später konnte er mich nicht wirklich von sich überzeugen. Bei Lee war es genau umgekehrt. Anfangs war er mir sehr suspekt; ich habe nicht wirklich verstanden, was Middie an ihm findet bzw. warum sie anfängt, sich mit ihm zu treffen, da sie doch so eine geringe Meinung von ihm hat, aber ich habe seine guten Seiten und seine Charakterzüge im Laufe der Geschehnisse besser kennen gelernt und immer mehr zu schätzen gewusst. Ingesamt sind Middie und Lee zwei beeindruckende starke Charaktere, die ich sehr mochte und deren Geschichte ich auch gerne gefolgt bin.

Der Plot an sich hat mir gut gefallen: Die Geschichte wirkte durchdacht, rund und logisch. Nates Verschwinden und dass Lee und Middie sich daraufhin näher kommen. Ich mochte die Entwicklungen, obwohl sie sehr vorhersehbar waren. Ich wusste, dass Nates Verschwinden nicht alles ist, dass es nicht vorbei ist. Mir war klar, dass da noch etwas nachkommt, dass Middie sehr kämpfen muss und am Ende vor einer schwierigen Wahl steht, dass sie sich entscheiden muss, ob ihr ihr persönliches Glück oder das der anderen wichtiger ist. Obwohl er mich überzeugen konnte, weist der Plot auch einiges Schwächen auf: Lees Andeutungen über seine Familie, seine Kindheit und Jugend, was nicht näher ausgeführt wird – obwohl ich das wirklich gerne gelesen hätte –, Middie, die sich am Ende beide Jungs bereit hält, um ihre Entscheidung so lange wie möglich herauszuzögern und sich nicht entscheiden zu müssen, Middie und Lee, die sich trotz Nate vorher nie wirklich kennen gelernt haben und auf einmal Freunde werden und zu guter Letzt das doch relativ schnelle und abrupte Ende.

Den Schreibstil der Autorin fand ich gut. Sie hat einen einfachen Einstieg in ihr Werk geschaffen und unterhält den Leser. Die Sprache ist nicht unbedingt anspruchsvoll, aber doch leicht und locker. Das Cover mochte ich am Anfang gar nicht mal so gerne, aber je öfter ich es betrachte, desto besser gefällt es mir. Der Gegensatz zwischen der recht dunklen Gestaltung und dem hoffnungsvollem Pärchen passt gut zur Geschichte.

Fazit
Der Sommer, der uns trennte ist eine Geschichte mit zwei wunderbaren und starken Charakteren in einer sehr schweren und traurigen Zeit. Die Handlung weist einige Schäwchen auf (siehe oben), was für mich persönlich jedoch am Unterhaltungswert nichts geändert hat. Es ist ein schönes und empfehlenswertes Buch über junge Liebe, Trauer und der Suche nach dem persönlichem Glück.

Veröffentlicht am 29.01.2017

Sturmflimmern

Sturmflimmern
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Sturmflimmern ist ein Buch, das mich im Großen und Ganzen fesseln und unterhalten konnte. Es bietet einiges an Inhalt, Höhepunkte und Spannungsbögen, weist aber leider auch einige sehr starke Schwächen ...

Sturmflimmern ist ein Buch, das mich im Großen und Ganzen fesseln und unterhalten konnte. Es bietet einiges an Inhalt, Höhepunkte und Spannungsbögen, weist aber leider auch einige sehr starke Schwächen auf, die ich in der folgenden Rezension genauer ausführen werde.

Zuerst einmal hat Sturmflimmern zwei große Plotinhalte: zum einen Sofias Vergangenheit und die ihrer Zieheltern und zum anderen ein Schulstreit, der so stark eskaliert, dass er zu einem ausschweifenden und brutalen "Straßenkrieg" führt. Beides fand ich interessant. Es war spannend und wurde meiner Meinung nach auch gut miteinander verknüpft. Auch die Erzählweise fand ich gut, genau wie Moira Franks Schreibstil. Die Höhepunkte und Spannungsbögen waren durchdacht und so gut getimt, dass mich keine einzige Seite gelangweilt hat. Auch das Cover an sich finde ich sehr schön, auch wenn ich es für diese Geschichte ein wenig unpassend finde. Der Plot ist sehr düster und brutal, sehr angespannt und voller Konflikte. Die Gestaltung des Covers vermittelt mir etwas anderes.

Probleme hatte ich persönlich vor allem mit den Charakteren. Sofia – als Hauptprotagonistin – konnte ich bei fast keiner ihrer Handlungen und Gedankengänge verstehen. Ebenso wenig wie ihren besten Freund Oscar oder ihre Verbündeten Jeremy, Nicky, Abby und wie sie alle heißen. Die Tatsache, dass es sich bei diesen Figuren um pubertierende Jugendliche handelt, hatte ich dabei zwar immer im Kopf, aber entschuldigt hat das vieler ihrer Dummheiten dann doch nicht. Sofia ist ein sehr "brutaler" Charakter und versucht jeden Konflikt mit Gewalt zu lösen. Insgesamt wurde dauernd irgendjemand verprügelt, vergiftet, fast ertränkt, fast erschossen, fast verstümmelt oder sonstiges, was mich mit jeder Seite zunehmend gestört hat. Das Buch ist als Jugendbuch deklariert, daher ist meiner Meinung nach die erhöhte Darstellung von Gewalt nicht unbedingt nötig. Man sollte lieber vermitteln, dass es andere Wege gibt, Probleme und Streitereien zu lösen. Der einzige Charakter, den ich wirklich gelungen fand, war Isaac. Das aber auch nur, weil er ein spannendes und mysteriöses Verhalten an den Tag legt und man erst relativ spät erfährt, warum er überhaupt in die Stadt gekommen ist.

Desweiteren wirkten die Charaktere einfach nur wahnsinnig blass. Da wird mal eingeworfen, dass einer homosexuell ist, der andere farbig, ein anderer ein klischeebehafteter Säufer-Schläger-Vater. Auf mich wirkte es zeitweise so, als seien es einfach zu viele Charaktere, mit denen zu viele gesellschaftliche Probleme und Kritiken untergebracht werden sollen. Klar, 80er Jahre und Homosexualität und Hautfarbe – schwieriges Thema. Auch wenn man es schon hundert Mal gelesen hat, kann es ja trotzdem Thema eines neuen Buches sein. Aber es hatte keine einzige Auswirkung auf die Geschichte, die ich dann doch erwartet hätte. Viel Potenzial – wenig Umsetzung.

Der zweite Punkt, der mich enorm gestört hat, ist das Ende. Isaac taucht realtiv früh in der Geschichte auf, übt das ganze Buch über Druck auf Sofia und ihre Eltern aus, damit sie mit ihm kommt und dann auf einmal ist er wieder verschwunden – nach Hause gefahren – und zufrieden damit, dass sie doch bei ihren Eltern bleiben kann. Das alles wirkte auf mich einfach nicht rund. Insgesamt wurden ziemlich viele Fragen, vor allem im Bezug auf die Studie und Isaac, aufgeworfen, deren Antwort ich in diesem Buch dann leider nicht finden konnte.

Fazit
Sturmflimmern ist im Grunde eine gute Geschichte, spannend und fesselnd, die sich mit gesellschaftlichen Problemen, Konflikten und Gewalt befasst. Dabei hätte man sicher eine starke Botschaft vermitteln können, was meiner Meinung nach jedoch leider nicht vollkommen gelungen ist.