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Veröffentlicht am 18.01.2025

Wer ist hier eigentlich der Wolf im Schafspelz?

Von Schafen und Wölfen
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Der aktuelle Thriller "Von Schafen und Wölfen" von Achim Zons klang für mich bereits vom Teasertext her sehr spannend, brisant und hochaktuell und genau deshalb hatte das Werk mein Leseinteresse geweckt. ...

Der aktuelle Thriller "Von Schafen und Wölfen" von Achim Zons klang für mich bereits vom Teasertext her sehr spannend, brisant und hochaktuell und genau deshalb hatte das Werk mein Leseinteresse geweckt. Vor allem der Passus "Hochaktuell, rasant und voll beißendem Witz" hatte mir den Mund wässrig gemacht.

Sehr klug ist wohl der offizielle Erscheinungstermin des Thrillers gewählt, nur neun Tage nach der Vereidigung des neuen 47. Präsidenten der USA am 20. Januar 2025.

Thriller leben für mich persönlich vor allem durch die Thrill-Momente, die unfassbare Spannung und von Charakteren, mit denen man quasi mitfiebern kann.

Meine ganz persönlichen Erwartungen traf das vorliegende Werk dann leider nicht gänzlich sondern blieb überwiegend große Teile weit davon zurück.

Gleich zu Beginn im Plot hat man es mit einer ganz undurchsichtigen Gemengelage zu tun, bei der ich mir persönlich schwer tat einen roten Faden zu finden und auch die unterschiedlichen Protagonisten auseinanderzuhalten. Man wird quasi unverhohlen in die Szenerie geworfen und weiß ehrlich gesagt nicht so recht wo links und wo rechts ist.

Die Undurchsichtigkeit ist jetzt für mich normalerweise kein generelles K.O.-Kriterium, aber hier im vorliegenden Fall nicht perfekt zum Einstieg in die Story gewählt. Wenn es allerdings das Anliegen vom Autor war, den Leser komplett zu verwirren, so ist dies grandios gelungen.

Die unterschiedlichen Charakteren wirkten auf mich in großen Teilen auch zu wenig nahbar und vor allem in Teilen auch nur mäßig nachvollziehbar. Gerade auch bei den "Bad Boys" im Plot hege ich persönlich meine berechtigten Zweifel, wieso dann zum Teil in der Art und Weise gehandelt wurde, wenn es sich denn, wie im Roman beschrieben, um extra ausgewählte Spezialisten handeln soll.

Die Aktualität und die Brisanz des Themas sind seitens des Autors sehr clever gewählt. Schlussendlich verwebt er seine fiktive Story mit dem tatsächlichen Sturm auf das Capitol von der letzten präsidialen Amtsübergabe. Auch bei den Kontrahenten selbst muss man doch immer wieder bei der Namensgebung schmunzeln und erkennt hier sofort Parallelen zu unserer Welt.

Die Erzählung selbst teilt sich in sehr kleine Puzzlestücke auf, die dann peu à peu zum großen Ganzen zusammengesetzt werden müssen. Bei diesen mitunter kleinen Blitzsequenzen darf man nur nicht falsch kombinieren oder abbiegen, sonst entsteht zum Schluss das falsche "Kunstwerk". Diese bruchstückhafte Darlegung hat seine Vor- und auch Nachteile, wobei für mich in diesem Fall die Nachteile wegen dem fehlenden roten Faden dann leider überwiegen. Auch waren mir ziemlich schnell die Bad Boys im Plot klar und so war für mich dann doch die Spannung und damit auch die Luft sehr schnell raus.

Ich persönlich hätte eine Story ähnlich dem Hollywood-Blockbuster "Shooter" mit ähnlichen Thrill-Momenten erwartet. Da lag ich dann leider falsch und musste mich eher mit einer in Teilen eher nüchternen Erzählung vorlieb nehmen.

Alles in allem ein solider Thriller für zwischendurch, der allerdings sein vorhandenes Potenzial leider nie voll ausspielt und weit hinter meinen persönlichen Erwartungen blieb. Vielleicht findet ja der baldige 47. US-Präsident mehr Gefallen daran.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Aline Abbouds Sicht auf den Libanon und ihre dort ansässige Familie

Barfuß in Tetas Garten
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Aline Abbouds aktuelles Buch "Barfuß in Tetas Garten - Berlin, mein Libanon und ich" liest sich vor allem extremst kurzweilig. In etwa so, als säße man mit der Autorin in einem Café und Aline erzählt von ...

Aline Abbouds aktuelles Buch "Barfuß in Tetas Garten - Berlin, mein Libanon und ich" liest sich vor allem extremst kurzweilig. In etwa so, als säße man mit der Autorin in einem Café und Aline erzählt von ihrer Kindheit und ihrer Beziehung zu ihrer Familie im Libanon.

Der Libanon selbst ist sehr wahrscheinlich vielen von uns eher nur aus den Nachrichten präsent. Dort überwiegen dann eher nur die stetig sich wiederholenden Horror-Nachrichten und man erfährt viel zu wenig über das "normale" Leben im Libanon.

Abbouds Sicht der Dinge gibt dort dann ganz persönliche Einblicke in diese sehr liebenswerte Großfamilie der Abbouds. Genährt werden die kurzen Episoden aus dem noch jungen Leben der Tagesthemen-Moderatorin von ihren regelmäßigen Urlaubsaufenthalten bei ihrer Oma Teta im Libanon.

Gespannt wird der Bogen dabei dann von den Kindheitserinnerungen bis zur aktuellen Gegenwart. Dabei gibt es viele einmalige Momente, die Aline mit uns Lesenden teilt. Sie spart am Ende allerdings auch nicht mit nervenaufreibenden Erfahrungen, die so vielleicht im Libanon für die Allgemeinheit mittlerweile leider zum Alltag geworden sind. So verwundert es dann eben auch nicht, dass man quasi von jetzt auf gleich an der Seite von Aline aus dem Libanon aufbricht und sich quasi aus der Gefahrenzone flieht.

Summa summarum plaudert hier Aline Abboud aus dem Nähkästchen und erzählt hier sehr offen und ehrlich von ihrer Kindheit während ihrer zahlreichen Urlaube im Libanon. Als Leser bekommt man einen sehr realistischen Eindruck vom Alltag im Libanon und auch eine Idee, welche Schönheit in diesem versteckt ist. Nach dem Buch ist bei mir auf alle Fälle das Interesse geweckt, um mir die Kultur wie auch die Menschen im Libanon einmal selbst in einem Urlaub live vor Ort anzusehen.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Der "widderwillige" Widder Willi stellt die ganze Familie auf die Probe

Widder Willi will aber!
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Die Autorin Romy Pohl trifft bei uns mit ihrem aktuellen Kinderbuch "Widder Willi will aber!" ziemlich genau voll ins Schwarze. Das Buch rund um den "widderwilligen" Widder Willi trifft dabei genau unseren ...

Die Autorin Romy Pohl trifft bei uns mit ihrem aktuellen Kinderbuch "Widder Willi will aber!" ziemlich genau voll ins Schwarze. Das Buch rund um den "widderwilligen" Widder Willi trifft dabei genau unseren Geschmack bei Kinderbüchern.

Ins Auge stechen gleich, beim ersten Blick ins Buch, die tollen bunten und kindgerechten Illustrationen von Marta Balmaseda, die den kleinen Widder Willi im ganz normalen Alltag bei seiner Familie einfangen.

Schnell wird durch die Erzählung und die passende Bebilderung klar, dass Willi gerade in der eher schwierigen Trotzphase steckt, die ganze Familie auf Trab hält und dabei auch gehörig auf die Probe stellt.

Wer kennt sie nicht, die Trotzphasen der Lütten zuhause. Die Geschichte nimmt diese Entwicklungsphase dann gekonnt auf und erzählt eine tolle Geschichte, in der Widder Willi im Mittelpunkt des Geschehens steht.

Die perfekte Symbiose zwischen den eher kurzen prägnanten Texten und der zugehörigen durchweg bunten Bebilderung hat von aller Anfang an ein unglaubliche Sogwirkung für die (Vor)Lesekinder. Die Schriftgröße der Texte selbst dürfte dabei allerdings nach unserem Geschmack gerne noch einen kleinen Ticken größer ausfallen, wenn die Kinder vielleicht schon etwas größer sind und selbst lesen möchten.

Alles in allem hat der "widderwillige" Widder Willi unsere Herzen im Sturm erobert und den Lütten in ihrer Trotz- und Entwicklungsphase manchmal dann auch gekonnt den Spiegel vorgehalten.

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Was, ihr kennt den Sumpfmumpf noch nicht? Dann solltet ihr euch einfach mal auf das "trollige" Kerlchen einlassen

Der Sumpfmumpf und die Hoffnung
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Wer kennt sie nicht die Stimmen des inneren Schweinehundes, vom Engelchen und Teufelchen oder vielleicht auch vom inneren Kind. Bloß was will uns jetzt Alexandra Wagner einen vom Sumpfmumpf erzählen?

Vor ...

Wer kennt sie nicht die Stimmen des inneren Schweinehundes, vom Engelchen und Teufelchen oder vielleicht auch vom inneren Kind. Bloß was will uns jetzt Alexandra Wagner einen vom Sumpfmumpf erzählen?

Vor dem aktuellen Kinderbuch "Der Sumpfmumpf und die Hoffnung" von Alexandra Wagner hatten wir als viel belesene Familie noch nie von dieser Kreatur gehört. Uns ging es bestimmt wie vielen anderen Familien gerade, die sich nun ad hoc fragen, wer oder was ist denn dieser Sumpfmumpf, woher kommt er und was macht er mit uns? Fragen über Fragen, die im toll illustrierten Kinderbuch dann dann nach um nach aufgelöst werden.

So viel sei vielleicht bereits noch verraten: Den Sumpfmumpf tragen wir, ob groß oder klein, alle in uns und er beeinflusst uns mitunter täglich in unseren Handlungen.

Alexandra Wagner erschafft in ihrem Werk ein unheimlich tolles Wesen, dass dann für die Angst in unserer Welt steht und mit der wir wohl die letzten Jahre dann stärker konfrontiert wurden als uns allen lieb ist. Die Aufarbeitung des Themas rund um Ängste geschieht vor allem kindgerecht. Manche Kinder sind vielleicht eher "maulfaul" bzw. können ihre Ängste und Emotionen vielleicht noch nicht so eindeutig kommunizieren oder sind einfach sehr unsicher, ob sie darüber reden sollen. Genau dann ist das Buch der perfekte Anlass, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen.

Amelie stellt sich im Buch ihren ganz persönlichen Ängsten und damit ihrem ganz persönlichen inneren Ungeheuer, dem Sumpfmumpf.

Die Texte sind für Kinder leicht zu erfassen und gehen im Buch selbst eine perfekte Symbiose mit den durchweg bunten Illustrationen ein. Dabei gelang es uns persönlich als Familie vom Start weg ultraschnell tief in die Geschichte einzutauchen und gleichzeitig auch abzutauchen.

Gerade das Konzept des Buches gefällt uns persönlich dann sehr gut. Wir finden das Thema perfekt getroffen, um mit den Kindern ins Gespräch und den Dialog zu kommen und die eigenen Ängste zu benennen. Das Ungeheuer Sumpfmumpf verliert dann nach um nach den Schrecken und wirkt nicht mehr so übermächtig, als er vielleicht anfänglich daher kam. Dabei helfen dann die Hoffnung und Fantasie tatkräftig und tun ihr Übriges, um dem Sumpfmumpf bzw. besser gesagt den eigenen Ängsten offen zu begegnen.

Dieses Buch ist der beste Beweis dafür, dass wir alle gemeinsam mit und an unseren Ängsten wachsen können. Die Ängste dürfen präsent sein, da sie sicherlich eine Art Frühwarnsystem für uns sind. Allerdings hilft Wagners Werk dann dabei, mit diesen Ängsten besser umzugehen und ihnen nicht zu viel Raum zu geben.

Für uns als Familie war dieses Buch eine unheimliche Bereicherung in diesem fast abgelaufenen Lesejahr 2024 und wird von uns noch viele Male in die Hand genommen werden. Gerade deshalb verdient es unsere ganz persönliche Auszeichnung "Kinderbuch-Leseperle 2024".

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Veröffentlicht am 04.12.2024

DER Weihnachtsklassiker von Charles Dickens in neuem Glanz

Ein Weihnachtslied in Prosa
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Bernd Mannhardt legt mit seinem aktuellen Hörbuch zu beliebten Weihnachtsklassikern nochmals nach (Der Tannenbaum von Hans Christian Andersens wurde bereits auch als Hörbuch vom Autor eingesprochen und ...

Bernd Mannhardt legt mit seinem aktuellen Hörbuch zu beliebten Weihnachtsklassikern nochmals nach (Der Tannenbaum von Hans Christian Andersens wurde bereits auch als Hörbuch vom Autor eingesprochen und publiziert) und veröffentlicht die Geschichte rund um Ebenezer Scrooge in einer neuen Hörversion.

Die ursprüngliche Geschichte rund um den alten Geízkragen Scrooge dürfte denke ich vielen bereits bekannt sein. Schließiich stammt diese aus Charles Dickens Feder und wurde anno 1843 veröffentlicht. Trotz, dass die Geschichte bereits so alt ist verliert sie bis in die heutige schnelllebige Zeit nicht an ihrem Gehalt und Glanz.

Vielmehr haucht Mannhardt mit seiner sehr genialen sprachlichen Umsetzung und der variablen Tonalität dem 184-jährigen Scrooge neues Leben ein.

Für uns gehört dieser Weihnachts- und Adventsklassiker dann einfach zu unserer ganz persönlichen Routine in der besonderen Zeit dann mit dazu, um sich auf das Fest der Feste einzustimmen.

Als kleiner Wermutstropfen muss man hier zum Ende hin mit einer Einkürzung der Geschichte vorlieb nehmen. Außerdem war leider an einer Stelle auch ein Voice-Over von zwei verschiedenen Tonspuren zu hören.

Summa summarum ein tolle traditionelle Geschichte, die nie an ihrem eigentlichen Wert verlieren wird.

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