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Veröffentlicht am 11.08.2017

Spannender Pfalz-Krimi

Biertrinker sind verdächtig
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Detlev Menkes Familie besitzt ein rentables Weingut, doch bisher hat er es erfolgreich vermieden, seiner Schwester und der Mutter bei der damit verbundenen Arbeit zu helfen. Er hat es lieber dabei belassen, ...

Detlev Menkes Familie besitzt ein rentables Weingut, doch bisher hat er es erfolgreich vermieden, seiner Schwester und der Mutter bei der damit verbundenen Arbeit zu helfen. Er hat es lieber dabei belassen, sich von den beiden seinen Lebensunterhalt finanzieren zu lassen. Doch damit ist nun Schluss, denn seine Schwester hat beschlossen, ihm den Geldhahn empfindlich zuzudrehen. Menke versucht nun als Detektiv Fuß zu fassen. Doch die Kunden lassen auf sich warten. Als er endlich einen geheimnisvollen Anruf erhält, kann es Menke kaum erwarten, die Kenntnisse, die er sich bei einem Fernlehrgang angeeignet hat, in die Tat umzusetzen. Allerdings ahnt Menke nicht, dass ihn dieser Job mitten in eine Mordermittlung führen wird - und dann noch als Hauptverdächtiger!

Der Einstieg in diesen Regionalkrimi gelingt mühelos. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Handlungsorte und Protagonisten werden so lebendig beschrieben, dass man die entsprechenden Szenen beim Lesen sofort vor Augen hat. Dadurch kann man sich ganz auf die spannende Handlung einlassen, und mit Menke, und der später hinzugezogenen Mordkommission, die Ermittlungen aufnehmen. Der Krimi wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die häufig an entscheidenden Stellen wechseln. Das erhöht die Spannung, sodass man bereits nach kurzer Zeit in den Sog der Handlung gerät. Außerdem hat man dadurch einen guten Gesamtüberblick. 

Bei diesem Fall ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Überraschende Wendungen sorgen dafür, dass man die selbst angestellten Vermutungen oft über den Haufen werfen und neu ansetzen muss. Dadurch bleiben das Interesse an dem Fall und die damit verbundene Spannung durchgehend erhalten. Ganz nebenbei erfährt man einiges über die Arbeit von Pathologen, Rechtsmedizinern und der Mordkommission. Diese Informationen werden wohldosiert und gelegentlich auch sehr humorvoll in die Handlung eingestreut, sodass sie nicht zu trocken wirken, sondern sich harmonisch in den Krimi einfügen. 

Angelika Godau gelingt es außerdem hervorragend, die Hintergrundkulissen dieses Krimis zu beschreiben. Man ist sich stets bewusst, dass die Handlung sich in der Pfalz zuträgt und hat beim Lesen spontan die Weingüter, Gasthäuser und auch die kleinen Gassen vor Augen. Es wirkt alles so lebendig, dass man das Gefühl hat, selbst am Ort des Geschehens zu sein. 

Die Protagonisten können ebenso begeistern. Obwohl Menke, durch seinen Lebensstil, sich auf Kosten anderer durchs Leben zu schnorren, nicht unbedingt zu den Menschen gehört, die man auf Anhieb sympathisch findet, gelingt es ihm mühelos, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Das liegt auch zum Großteil an seinem Dackel Alli, den er heiß und innig liebt. Die beiden zusammen zu beobachten ist einfach großartig. Doch auch die anderen Akteure wirken sehr lebendig. Man fasst spontane Sympathien oder auch Abneigungen und kann der Handlung deshalb fasziniert folgen. 

Krimis und Thriller sind ja meine absoluten Favoriten. Beim Lesen dieses Pfalz-Krimis habe ich mich von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend spannend unterhalten. Die Protagonisten und auch die Handlungsorte wirkten auf mich so lebendig, dass ich mich ganz auf die Geschichte einlassen und mich kaum von ihr lösen konnte. Ich vergebe deshalb begeisterte fünf Bewertungssternchen und ein klare Empfehlung für Krimifans. 

Veröffentlicht am 07.08.2017

Wunderbare Atmosphäre und lebendige Charaktere

Die Frau am See
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Obwohl die Amerikanerin Maddie starke Bedenken hat, reist sie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihrem Ehemann Ellis und dessen bestem Freund in einen kleinen Ort in den schottischen Highlands. Ellis ...

Obwohl die Amerikanerin Maddie starke Bedenken hat, reist sie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihrem Ehemann Ellis und dessen bestem Freund in einen kleinen Ort in den schottischen Highlands. Ellis will sich unbedingt beweisen und den Nachweis für die Existenz des Ungeheuers Nessie erbringen. Diese Mission wird für die Männer zur fixen Idee, denn Ellis erhofft sich dadurch große Anerkennung. Am Anfang begleitet Maddie die Männer, doch schon bald bleibt sie allein im Gasthof zurück. Nach einer Weile überdenkt sie ihr bisheriges Leben und lernt die Menschen, die in dem Gasthof arbeiten, besser kennen. Maddie verändert sich und betrachtet den geheimnisvollen Wirt Angus bald mit ganz anderen Augen. Das bleibt Ellis nicht verborgen, der den Wandel mit Unwillen bemerkt... 
 
Der Einstieg in die Geschichte verläuft eher gemächlich und wirkt stellenweise sogar etwas langatmig. Da der Schreibstil aber sehr angenehm und flüssig lesbar ist, verfolgt man das Geschehen dennoch mit Interesse. Denn die Autorin versteht es hervorragend,  Personen und Handlungsorte so lebendig zu beschreiben, dass man sie beim Lesen spontan vor Augen hat. Besonders die Szenen in dem Gasthof wirken so real, dass man schon beinahe meint, selbst dabei zu sein. Die schottische Atmosphäre, die zwischen den Zeilen schwebt, ist geradezu spürbar. Trotz des anfangs eher gemächlichen Einstiegs, gerät man unwillkürlich in den Sog der Geschichte.
 
Die Protagonisten wirken ebenso lebendig wie die Hintergrundkulisse. Man fasst spontane Sympathien oder Abneigungen zu den jeweiligen Akteuren. Deshalb kann man sich ganz auf die Erzählung einlassen und mit Maddie mitfiebern. Die mystischen und geheimnisvollen Aspekte dieses Romans passen perfekt in die Geschichte. Sie sind genau richtig dosiert und wirken nicht zu unglaubwürdig. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse, sodass es einige spannende Szenen gibt.
 
Ich habe mich beim Lesen dieses Romans sehr gut unterhalten, da ich ganz in die Geschichte eintauchen und sie genießen konnte. Die schottische Atmosphäre und die lebendigen Charaktere zogen mich in den Bann. Ich vergebe deshalb begeisterte vier von fünf möglichen Bewertungssternen. Das eine ziehe ich für den etwas langatmigen Einstieg ab.

Veröffentlicht am 06.08.2017

Psychothriller, der seinen Reiz eher gemächlich entwickelt und dann mit einem überraschendem Ende punktet

Die Verlassene
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Hannah kommt von einem sehr erfolgreichen Seminar zurück und kann es kaum erwarten, ihrem Lebensgefährten Matt zu erzählen, dass ihr eine Beförderung in Aussicht gestellt wurde. Doch bei ihrer Heimkehr ...

Hannah kommt von einem sehr erfolgreichen Seminar zurück und kann es kaum erwarten, ihrem Lebensgefährten Matt zu erzählen, dass ihr eine Beförderung in Aussicht gestellt wurde. Doch bei ihrer Heimkehr findet sie das Haus verlassen vor. Nicht nur Matt ist weg, sondern auch all seine Sachen. Als sie versuchen will ihn zu kontaktieren, stellt sie fest, dass seine Nummer aus ihrem Handy gelöscht wurde, auch alle Mails und alle Fotos sind verschwunden. Es ist fast so, als hätte es ihn nie gegeben. Hannah gerät in Panik. Ist ihm etwas passiert? Sie beginnt fieberhaft nach ihm zu suchen. Plötzlich bekommt sie Nachrichten von einem anonymen Absender. Außerdem hat sie das Gefühl, dass sich jemand heimlich Zutritt zu ihrem Haus verschafft und sie beobachtet....

Dieser Psychothriller wird in der Ich-Form, aus der Sicht der Hauptprotagonistin Hannah, erzählt. Der Einstieg gelingt relativ mühelos, da man sich in die Gedanken von Hannah hineinversetzen und ihre aufkommende Panik nachvollziehen kann. Spannung kommt dennoch zunächst kaum auf. Denn Hannahs Gedanken drehen sich am Anfang eher im Kreis und sie beschreibt Dinge und Begebenheiten, die einem selbst beim Lesen eher belanglos vorkommen, ziemlich ausführlich. Dadurch hat man das Gefühl, dass die Handlung etwas auf der Stelle tritt.

Der Schreibstil ist allerdings sehr flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen. Obwohl die Handlung eher gemächlich startet, verfolgt man durchgehend interessiert das Geschehen. Denn es gibt überhaupt keinen Hinweis darauf, was mit Matt passiert ist. Nach und nach zieht dann die Spannung etwas an. Es stellt sich zwar keine Hochspannung ein, aber die ungeklärten Fragen und die geheimnisvollen Vorgänge sorgen dafür, dass sich eine unterschwellige Anspannung beim Lesen einstellt. Man ist hin- und hergerissen und weiß nicht, was man glauben soll, sodass man schließlich doch in den Sog der Erzählung gerät. Relativ kurze Kapitel unterstützen das noch, da man dadurch dazu verführt wird weiterzulesen.

Die Protagonisten dieses Thrillers sind gewöhnungsbedürftig. Sympathieträger sind hier wirklich rar gesät. Selbst Hannah, in deren Haut man ja quasi durch die gewählte Erzählperspektive steckt, beginnt langsam, aber stetig, zu nerven. Sie scheint alles andere zu vernachlässigen und ist nur noch darauf fixiert Matt zu finden. Ihre beste Freundin, die ihr ja eigentlich einen gewissen Halt bieten sollte, wirkt wie eine verwöhnte Frau, die nur auf sich bezogen ist und auch die anderen Charaktere wirken nicht gerade sympathisch.

Zum Ende hin punktet dieser Thriller mit einer unerwarteten Wendung, die dafür sorgt, dass man nicht glauben mag, was man da liest. Die Spannung steigt steil nach oben und die Ereignisse überschlagen sich.

Ich habe mich beim Lesen dieses Psychothrillers im Großen und Ganzen gut unterhalten. Obwohl ich zugeben muss, dass es auch einige Längen gab, konnte ich mich etwa ab der Hälfte kaum noch vom Gelesenen lösen. Ich wollte unbedingt erfahren, was los ist und habe gespannt die Ereignisse verfolgt. Die unterschwellige Anspannung habe ich regelrecht zwischen den Zeilen gespürt, sodass sich bei mir der besondere Reiz eines Psychothrillers entfaltet hat. In meiner Bewertung bin ich hin- und hergerissen. Denn es gab einige zu detaillierte Szenen, die für mich die Handlung eher auf der Stelle treten ließen und die Charaktere wurden mir beim Lesen auch immer unsympathischer. Das spektakuläre Finale hat mich dann aber wieder versöhnt, sodass das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala doch vier von fünf Sternchen bekommt.

Veröffentlicht am 01.08.2017

Durchgehend interessant, aber für mich hätte es etwas spannender sein dürfen

Oxen. Das erste Opfer
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Niels Oxen ist ein hochdekorierter Ex-Soldat. Er ist traumatisiert und zieht sich gemeinsam mit seinem Hund in die Wälder Dänemarks zurück. Bei einem nächtlichen Streifzug fällt ihm auf, dass das nahegelegenen ...

Niels Oxen ist ein hochdekorierter Ex-Soldat. Er ist traumatisiert und zieht sich gemeinsam mit seinem Hund in die Wälder Dänemarks zurück. Bei einem nächtlichen Streifzug fällt ihm auf, dass das nahegelegenen Schloss mit Videoüberwachung und Sicherheitspersonal streng gesichert ist. Das macht Oxen neugierig und so schleicht er sich an den Kameras vorbei und begibt sich auf das Grundstück. Dort macht er einen grausamen Fund. Oxen ahnt, dass es besser ist, so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Doch es dauert nicht lange, bis Oxen in seinem Lager im Wald aufgespürt und zu einem polizeilichen Verhör abgeholt wird. Denn in der fraglichen Nacht wurde der Schlossbesitzer offenbar zu Tode gefoltert. Oxen steht plötzlich auf der Liste der Verdächtigen. Der Geheimdienst hat allerdings Interesse daran, dass Oxen Nachforschungen in dieser Sache anstellt und stellt ihm Margrethe Franck an die Seite. Die beiden ahnen nicht, in welches Wespennest sie bei ihren Ermittlungen stechen. Ein Katz- und Mausspiel, bei dem undurchschaubar ist, wer auf welcher Seite steht, beginnt.....

"Oxen - Das erste Opfer" ist der Auftaktband der Trilogie um den hochdekorierten und traumatisierten Ex-Soldaten Niels Oxen, der den Kampf gegen eine mächtige Geheimorganisation aufnimmt. Der Einstieg macht zwar neugierig auf den weiteren Verlauf, doch insgesamt gesehen, startet die Handlung eher gemächlich. Man verfolgt zwar interessiert das Geschehen, doch die erhoffte Spannung lässt leider etwas auf sich warten.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Orte und Personen lebhaft vorstellen, sodass man die Szenen beim Lesen sofort vor Augen hat. Der Hauptprotagonist wirkt sehr authentisch, sodass man schon bald gebannt seine Ermittlungen verfolgt. Dadurch, dass man nicht weiß, wem Oxen eigentlich vertrauen kann und was hinter allem steckt, gerät man, trotz der zunächst fehlenden Spannung, in den Sog der Handlung. Man verfolgt gebannt das Katz- und Mausspiel und muss, durch überraschende Wendungen, die eigenen Ermittlungsansätze oft über den Haufen werfen und neu ansetzen. Sehr interessant ist es auch, zu beobachten, wie aus Oxen und der Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck langsam ein Team wird. Zum Ende hin, wird es richtig spannend, wobei der Abschluss selbst natürlich recht offen bleibt. Doch da es sich hier ja erst um den Auftaktband der Trilogie handelt, wird Oxen sicher noch einiges ans Tageslicht bringen können.

Ich habe mich beim Lesen dieses Buchs sehr gut unterhalten. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir von einem Thriller schon etwas mehr Spannung erhofft hatte. Doch der Fall selbst, die authentischen Charaktere und die Ungewissheit, wer eigentlich auf welcher Seite steht, konnten mich dann doch in ihren Bann ziehen. Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten Bände und bin schon gespannt, welche Entdeckungen Oxen noch machen wird. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt das Buch vier von fünf möglichen Sternen. Das eine ziehe ich ab, da es für meinen Geschmack etwas zu wenig Spannung in diesem Thriller gab.

Veröffentlicht am 30.07.2017

Über weite Teile eher gemächlich, doch dann kommt Hochspannung auf!

Der Nebelmann
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Kurz vor Weihnachten verlässt die sechszehnjährige Anna Lou nachmittags ihr Elternhaus und macht sich auf den Weg zu einem Treffen in der Kirche. Dort kommt sie allerdings nie an. Niemand scheint etwas ...

Kurz vor Weihnachten verlässt die sechszehnjährige Anna Lou nachmittags ihr Elternhaus und macht sich auf den Weg zu einem Treffen in der Kirche. Dort kommt sie allerdings nie an. Niemand scheint etwas gesehen oder gehört zu haben. Die Polizei in dem kleinen Bergdorf weiß nicht genau, wo sie ansetzen soll und ob es sich wirklich um einen Ernstfall handelt. Könnte das Mädchen nicht auch einfach weggelaufen sein? Als Sonderermittler Vogel im Dorf eintrifft, um die Ermittlungen zu leiten, kommt Bewegung in die Suche. Vogel ist sofort davon überzeugt, dass Anna Lou einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Doch ihm fehlen Spuren und Hinweise. Deshalb beginnt er, die Medien einzubeziehen und schon bald steht Anna Lous Verschwinden im Mittelpunkt des Interesses. Medienvertreter und Schaulustige stürmen in den Ort, um direkt dabei zu sein. Es beginnt eine wahre Hetzjagd, bei der Vogel geflissentlich darüber hinwegsieht, dass auch Unschuldige ins Visier der Presse geraten könnten. Vogel hat nur ein Ziel: er muss den Fall unbedingt aufklären und zwar um jeden Preis!

Donato Carrisis Thriller beginnt zweiundsechzig Tage nach dem Verschwinden von Anna Lou. Sonderermittler Vogel wird blutverschmiert aufgefunden und hat sich offensichtlich den Zorn und das Misstrauen der Staatsanwältin zugezogen. Man ist sofort neugierig und fragt sich, was da passiert sein könnte. Ein Psychiater wird damit betraut, sich einen Eindruck von Vogel und seinem Zustand zu machen. Der Fall wird nun Stück für Stück in Rückblenden aufgerollt und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Der Autor springt zwischen den Zeiten hin und her und wechselt oftmals die Perspektiven. Da die Kapitel aber mit dem entsprechendem Datum und der genauen Angabe, um welchen Tag es sich vor oder nach dem Verschwinden von Anna Lou handelt, gekennzeichnet sind, fällt die zeitliche Orientierung leicht. Man ist sich stets bewusst, in welchem Zeitraum sich die jeweilige Handlung zuträgt.

Obwohl der Thriller, durch den interessanten Einstieg vom ersten Moment an die Neugier schürt, lässt die Spannung zunächst auf sich warten. Denn man lernt erstmal die Hauptakteure und die Gepflogenheiten in dem Dorf kennen. Da es kaum oder eher gar keine Spuren gibt, wirkt auch die Ermittlungsarbeit eher gemächlich und wenig interessant. Vogel setzt ganz auf die Medien und so beobachtet man dann, wie er sie geschickt für seine Zwecke einsetzt und welche Wirkung er damit hervorruft. Schon bald scheint sich niemand mehr richtig für das verschwundene Mädchen zu interessieren, sondern nur noch für die Sensation an sich.

Der Schreibstil von Donato Carrisi ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Orte mühelos vorstellen. Er versteht es außerdem hervorragend, die düstere Atmosphäre und auch die von den Medien aufgeheizte Stimmung glaubhaft zu vermitteln, sodass man der Handlung, trotz der zunächst kaum vorhandenen Spannung, interessiert folgt. Die Charaktere sind etwas gewöhnungsbedürftig, denn Vogel ist kein Sympathieträger, sondern ein eiskalter Egoist, der nur seinen eigenen Vorteil im Sinn hat. Auch sonst sind sympathische Protagonisten, die einen dazu verleiten könnten, mit ihnen mitzufiebern, eher rar gesät. Man betrachtet das Geschehen also eher distanziert.

Zum Ende hin steigt die Spannungskurve steil nach oben. Die Ereignisse überschlagen sich und überraschende Wendungen sorgen schließlich dafür, dass man die Auflösung kaum glauben mag.

Ich habe mich beim Lesen dieses Thrillers im Großen und Ganzen sehr gut unterhalten. Auch wenn ich zugeben muss, dass mir über weite Teile die Spannung zu kurz kam. Da ich dafür aber am Ende mit einem rasanten Finale, bei dem ich kaum glauben konnte, was ich da las, entschädigt wurde, sehe ich darüber großzügig hinweg und empfehle das Buch gerne weiter. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt der Thriller vier von fünf möglichen Sternen.