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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.07.2024

Wie böse ist das denn?

Bösland
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Bernhard Aichner - Autor einiger Krimis, deren lakonische und einfache Erzählweise fesselnd ist, hat mit 'Bösland' wieder einen Krimi (oder Thriller, weil er schlimm ist) auf den Markt gebracht, der es ...

Bernhard Aichner - Autor einiger Krimis, deren lakonische und einfache Erzählweise fesselnd ist, hat mit 'Bösland' wieder einen Krimi (oder Thriller, weil er schlimm ist) auf den Markt gebracht, der es in sich hat:

Allein der Einstieg - blutrot geschrieben 'Ich kann mich wieder an alles erinnern'.
Der alte Mann hatte ihn immer geschlagen. Mit dem Gürtel und sagte dabei 'komm mit mir in das Bösland'. Doch eines Tages ist er tot und wird von dem geschundenen Bub gefunden. Die Mutter ist weggeflüchtet. Eine kaputte dystopische Familie. Ben, das Kind, litt.
Und was wurde aus diesem gequälten Kind?

Ein großartiger Text, der sich so gar nicht nach einem Krimi, einem Thriller anhört. Eher ein Psychogramm einer gequälten Seele. Ein zehnjähriger Junge und sein bester Freund, der Felix Kux, Sohn des örtlichen Arztes. Sie machten ein Fest aus dem Selbstmord des schlimmes Vaters. Der hing in Bösland, dort wo er immer seinen verletzlichen kleinen Sohn prügelte, an ihm sein Unvermögen, seine Aggressionen austobte. Ben und Felix luden die Dorfkinder ein, die hängende Leiche zu beschauen. Gegen ein Entgelt. Damit kauften sie eine Torte, denn es war Bens Geburtstag. Und Wein, und sie besoffen sich im Wald, schliefen dort den Rausch aus. Keiner vermisste sie.

Therese ist seine Therapeutin, von dem erwachsenen Ben. Warum hat er getan, was er getan hat. Ja, warum, Gesellschaft?

So tiefgehend geschrieben. 'Inside a murderer', ja warum wurde er denn so wie er geworden war?

Aichner versteht einfach aus den einfachen Worten so viel heraus zu holen. Immer wieder gut zu lesen.

Große Empfehlung.
Auch das Umschlagsbild dazu passend, mysteriös, anders.






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Veröffentlicht am 19.06.2024

Abenteuergeschichte - per Faltboot auf Weltreise!

Der Flussregenpfeifer
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Das Vorwort - unglaublich, reißt einem gleich mit. Wer oder was ist das Monster?

Und dann beginnt die Reise: Die in Ulm an der Donau begann und in Australien aufhörte... Mai 1932. Nur wenig Geld in der ...

Das Vorwort - unglaublich, reißt einem gleich mit. Wer oder was ist das Monster?

Und dann beginnt die Reise: Die in Ulm an der Donau begann und in Australien aufhörte... Mai 1932. Nur wenig Geld in der Tasche und ein paar Lebensmittel in seinem Boot.
Bereits die Reise von Hamburg nach Ulm wird vom Autor Tobias Friedrich so lebendig erzählt, als wäre er damals dabei gewesen. Wie seine Umwelt auf den zukünftigen Weltreisenden reagiert, mit Häme, mit Mitleid. Großartig der Einstieg, mitreißend die Erzählung.
Mit zehn Reichsmark paddeltelt er hinaus in die Große Welt.

Ständig beim Lesen habe ich das Gefühl ich schaue Oskar über die Schulter, leide mit bei jedem Schritt, den er unternimmt. Und doch fühle ich auch die Begeisterung und die Aufbruchstimmung des Weltreisenden.
Allein schon die Vorbereitungen zur langen Reise, der Aufbau des Kajaks (da hat jemand Ahnung, das kann doch nicht nur angelesenes Wissen sein?) bis dann endlich, nach zwanzig Minuten sein 'Sonnenschein' (schwesterlich so getauft) vor ihm lag. Bereit!
Dann die Lutschergeschichte... herrlich! Ehrlich?

Nachvollziehbar die Stationen, von Övelgönne (mir bekannt) nach Ulm (mir bekannt) die Donau entlang (nur stellenweise bekannt) an der Küste entlang im Mittelmeer bis Zypern (mir bekannt). Und dann hinüber nach Arabien (stellenweise mir bekannt) nach Indien (auch bekannt) und so weiter...

Für Abenteuerlustige ein Muss, für Weltinteressierte ein Sollte, für Literaturbegeisterte ein Genuss.

Das Umschlagsbild, das eher Retro wirkt, zeigt einen Kajakfahrer in wildem Wasser, einsam paddelnd, umgeben von exotischen Pflanzenblätter.

Nach einer wahren Geschichte, so der Untertitel:
Oskar Speck lieferte die Vorlage für dieses Buch: Noch in der Weimarer Republik scheiterte der junge Oskar, wie so viele, in der Wirtschaftsrezession. Doch er, der begeisterte Kajakfahrer aus Hamburg, beschliesst nicht klein beizugeben, sondern er bricht auf. Er hörte davon, dass auf Zypern in den Kupferminen Geld zu verdienen sei. Und wie komme man denn nach Zypern - klar doch, mit dem Faltboot. Die Donau ab Ulm lässt es sich noch leicht schippern. Doch auf der Vardar wird es hart. Das erste Mal, dass sein Boot zerstört wird. Insgesamt vier Mal braucht er ein neues Boot auf seiner über sieben Jahre dauernden Reise.
Zypern und die Kupferminen locken ihn letztendlich doch nicht, er will weiter. Über den Euphrat den Persischen Golf entlang nach Indien, in das heutige Sri Lanka, und immer weiter... bis er nach Australien kommt. Dort wird er interniert. Denn inzwischen ist NaziDeutschland im Krieg mit der Welt.
Speck bleibt in Australien und macht sein Leben dort. Er schreibt ein Reisebuch. Doch berühmt wird er leider nie.

Die Schreibe des Autors ist gelungen und macht Lust auf weitere Bücher von ihm!

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Veröffentlicht am 12.06.2024

Ein Märchen, was kein Märchen ist...

Das kostbarste aller Güter
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Zufällig stolperte ich beim Lesen auf die Erwähnung dieses Jugendbuches - allein schon der Titel 'Das Kostbarste aller Güter' hat meine Neugierde ausgelöst. Das Kostbarste aller Güter? Ich suchte und fand ...

Zufällig stolperte ich beim Lesen auf die Erwähnung dieses Jugendbuches - allein schon der Titel 'Das Kostbarste aller Güter' hat meine Neugierde ausgelöst. Das Kostbarste aller Güter? Ich suchte und fand viele Informationen über das Buch, bis ich es schließlich in meine Fingern hielt.

Natürlich interessiert mich die Shoa / Holocaust (als Betroffene, die aus einer Familie von sechs Nazi Opfern stammt, von denen es drei nicht überlebten - der jüdische Teil und der Großonkel, der mit seiner jüdischen Freundin einen Sohn zeugte), auch wenn das Thema mich immer sehr intensiv berührt und ich dann stundenlang wieder in dieser herzlosen Zeit lebe. Doch es ist ein wichtiges Thema, was sich leider leider immer noch wiederholt.

Das Buch beginnt wie ein Märchen, ist kind- und jugendgerecht geschrieben ( von der Wortwahl her) und erzählt von der Armut und dem dahin Vegetieren von ärmeren Menschen in jener Zeit, die Zweiter Weltkrieg genannt wird. Eine äußerst arme Frau mit ständigem Hunger sieht diesen Zug, für den eine Schneise durch ihren Wald, wo der arme Tagelöhner und seine Frau wohnt, geschlagen wurde.
Die Frau hat sich immer ein Kind gewünscht, doch sie wurden nie mit einem Kind gesegnet, was der Mann gut fand. Denn er hätte nicht gewusst wie das Kind ernähren.

Die Frau beobachtete nun diesen Zug, der pünktlich immer durch den Wald fuhr, ein Güterzug. Sie richtete ihren Tagesablauf nach dem Zug, denn sie erhoffte sich etwas von dem Güterzug. Ein Güterzug muss doch Gutes transportieren, Güter. Und was ist wichtiger als Lebensmittel zum Überleben, also muss doch dieser Zug Essen mitführen. Sie wartete immer auf die Durchfahrt. Und eines Tages findet die Frau auch etwas, was aus dem Zug geworfen wurde.
Der Zug fährt in ein Vernichtungslager und eine Mutter mit zwei Säuglingen wirft den einen, in ein Gebetstuch gewickelt, aus dem Zug. Sie glaubt nur genügend Milch für den einen Säugling zu haben. Das aus dem Zug geworfene Mädchen wird von der armen Frau gefunden. Es wird als 'das Kostbarste Gut' gefunden und nach Hause genommen. Der Mann ist dagegen, dass sie das Kind behält, denn er merkt sofort an dem jüdischen Gebetstuch, dass das Kind ein jüdisches Kind ist.
Doch die Frau setzt sich durch ...

Auf 128 Seiten erzählt der Autor Jean - Claude Grumberg (selbst jüdisch und Autor vieler interessanter Werke) das Märchen, was kein Märchen ist... Im Buch sind einige Schwarzweiß Zeichnungen von Ulrike Möltgen, eindringlich gemalt, die ein wenig an Käthe Kollwitz erinnern.

Das Buch ist ein Buch über die Liebe der Eltern zu ihrem Kind (nicht ihr leibliches, sondern das aufgefundene und deswegen umso kostbarer, die Liebe)

Das Büchlein erhielt den Deutschen Jugendliterarturpreis

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Veröffentlicht am 18.05.2024

nie nie nie aufgeben!

Der Mann, der überlebte
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"Er wurde als Neger in der Sklaverei geboren. Ehe er laufen lernte, wurde er zum Waisen. Vorurteile, Armut und Krankheit bedrückten ihn..." Aus dem Klappentext von 1966.
Der Mann, der überlebte. George ...

"Er wurde als Neger in der Sklaverei geboren. Ehe er laufen lernte, wurde er zum Waisen. Vorurteile, Armut und Krankheit bedrückten ihn..." Aus dem Klappentext von 1966.
Der Mann, der überlebte. George W. Carver und sein Werk, von Lawrence Elliott.

Ein Buch, was ich in einer Bücherzelle fand. Es riecht nach altem Buch. Doch vom ersten Wort an hat mich das Buch so eingefangen. Das Schicksal dieses jungen Menschen, der sich und sein Schicksal meisterte. Er trotzte allem Übel, er fing an zu beobachten, zu untersuchen. Hörte nie auf nach Bildung zu fragen und wurde ein sehr gebildeter Mensch.

Er fand auf seinem Weg Menschen die ihn unterstützten. Da spielte auch die Hautfarbe keine Probleme. Er begegnete viel Ablehnung, auch da spielte die Hautfarbe keine Rolle.
So berührend geschrieben, so voller Empathie. Der Autor verstand wirklich den Helden George seiner Leserschaft näher zu bringen. Manche sagen, George W. Carver sei der größte Amerikaner überhaupt. Auf jeden Fall war er ein wichtiger Mensch.

Ich bin so etwas von beeindruckt. Never be tired of learning (auch mein Lebensmotto).

George W. Carver hat seinen Weg in mein Herz gefunden.

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Veröffentlicht am 18.05.2024

Was die Natur uns lehrt..

Ein Garten offenbart sich
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Ein wunderschönes kleines aber doch mächtiges Buch:

Ein Garten offenbart sich. Allein schon der Titel, was offenbart er, wem? Mir? Allen, die sich darin aufhalten? Denjenigen, die ihn hüten, bewahren, ...

Ein wunderschönes kleines aber doch mächtiges Buch:

Ein Garten offenbart sich. Allein schon der Titel, was offenbart er, wem? Mir? Allen, die sich darin aufhalten? Denjenigen, die ihn hüten, bewahren, hegen, bewirtschaften?

Das Buch ist sehr wertvoll, gehört aber langsam gelesen, um die Worte nachklingen zu lassen. Da ich es bereits in vielen Buchhandlungen entdeckt habe, vermute ich eine gute Akzeptanz, was dem Buch auch gebührt. Das ist das Schöne bei guten Büchern, dass Erinnerungen wieder geweckt werden... das Buch entschleunigt! Mich hat es so entschleunigt, dass ich es ständig bei mir trage und immer wieder meine Nase in das Buch stecke und jedes Wort nachklingen lasse...

Die beiden Söhne erklären der Mutter wie sie ihren Garten verbessern kann. Naturdüngung, einfach weiterwachsen lassen. Respekt gegenüber der Natur. Kein Ausreißen. Der Kohl treibt erneut aus (genauso mache ich es mit Kohlstrünken, dass ich sie ins Wasser stecke und sie treiben wieder aus... und die Blätter können geerntet werden). Mir hat der Abschnitt über das Leben am Meer der Großmutter sehr gut gefallen: Denn es erinnerte mich an meine Großmutter, die im Haus der Familie für 200 Jahre lebte (was heute abgerissen wurde). Ein Plumpsklo mit Zeitungspapier gab es ebenso ... wenige Dinge, alles wurde wiederverwendet, benützt bis es unbrauchbar geworden war. Meine Oma hatte auch Ahnung von Wildkräutern, was sie an mich weitergab... Meine Oma sammelte auch Pilze. Vieles an dem Text erinnerte mich sofort an früher... Landleben! Und bei meiner letzten Tante mütterlicherseits gibt es auch diesen immer brennenden Ofen, auf dem gekocht wird. Immer ein Topf mit warmen Wasser steht, in den Schlund des Ofens wird Papier entsorgt... Wertvolles Wissen, wie man sich selbst hilft... kam alles wieder hoch mit dem Lesen... Auf dem Land wusste man sich zu helfen. Für Notzeiten wichtig (denn Oma hat zwei Weltkriege und die Spanische Grippe überlebt).

Unschätzbare Erinnerungen... danke, sie kamen wieder hervor... vor allem, da ich an Ostern mit meiner Verwandtschaft saß und wir mit dem Bruder meines Vaters über die früheren Zeiten sinnierte... (während der Jüngste in der Runde sich im Korridor isolierte und zeichnete, immerhin, während er immer wieder auf sein Smarty schaute... ).

Der Buchumschlag allein, der stabile Papierumschlag, die Zeichnung - das fällt jedem Naturinteressierten Lesenden sofort auf. Viel Erfolg wünsche ich dem Büchlein. Mir hat es sehr gut gefallen!

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