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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2024

Wie die Wale ein Menschenleben beeinflussen können

Die Reise der Wale
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Die Autorin Leigh Calvez ist Walforscherin und hat über ein Jahrzehnt ihres Lebens den Walen gewidmet. In ihrem Buch erzählt sie uns von ihren eigenen Begegnungen mit Buckelwalen, Blauwalen, Orcas und ...

Die Autorin Leigh Calvez ist Walforscherin und hat über ein Jahrzehnt ihres Lebens den Walen gewidmet. In ihrem Buch erzählt sie uns von ihren eigenen Begegnungen mit Buckelwalen, Blauwalen, Orcas und vielen weiteren Meeressäugern. Zusätzlich vermittelt sie uns Walwissen aus erster Quelle und liefert spannende Hintergrundinformationen zur Walforschung und auch zur Beziehung zwischen Mensch und Wal.



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Wenn ein Wal auf dem Cover ist, muss ich das Buch lesen - das war schon immer so. Doch seit es Sachbücher gibt, die von persönlichen Erlebnissen mit Walen erzählen, bin ich regelrecht verliebt in Walbücher.


Ein Aspekt hat mir bei „Die Reise der Wale“ besonders gut gefallen:


Die Autorin berichtet zwar schonungslos von all den schlimmen Dingen, die wir Menschen den Walen antun. Doch sie zeigt auf, dass es Lösungen gibt, dass sich der Kampf für die Wale lohnt, dass es bereits Fortschritte gibt, die sich in unseren Meeren zeigen. Häufig lese ich davon, dass wir Menschen die Welt der Wale zerstören. Das ist natürlich richtig, doch ich habe in diesem Buch erstmals gelesen, dass wir die Welt wirklich retten können - und dafür gibt es bereits handfeste Beweise.


Das hat mich tief bewegt und es motiviert ungemein dazu, weiterzumachen und niemals aufzugeben, eine „Hüterin“ zu sein. Der Begriff spielt auch in Leigh Calvez‘ Leben eine große Rolle. Manche mögen ihre Sichtweise als esoterisch ansehen. Doch ich finde es wunderbar, die Dinge auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.


Zweifelsohne hat die Autorin so viel Positives für die Wale bewirkt und konnte so nah mit ihnen in Kontakt treten, wie kaum ein anderen Mensch, sodass wir ihren wunderschönen und nahezu magischen Wal-Momenten Gehör schenken sollten. 🐋

Eine große Empfehlung für alle, die Wale lieben. Ich habe wieder so viel Neues gelernt, was mich mein Leben lang begleiten wird. 🐋

Veröffentlicht am 24.08.2024

Urlaubslektüre der anderen Art

Heim schwimmen
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Das Ehepaar Joe und Isabel verbringt gemeinsam mit ihrer Tochter Nina und einem befreundeten Ehepaar eine Sommerwoche in einem Ferienhaus an der Côte d‘Azur. Dann taucht Kitty Finch auf und wirbelt die ...

Das Ehepaar Joe und Isabel verbringt gemeinsam mit ihrer Tochter Nina und einem befreundeten Ehepaar eine Sommerwoche in einem Ferienhaus an der Côte d‘Azur. Dann taucht Kitty Finch auf und wirbelt die erholsamen Ferien ganz schön durcheinander. Die junge Frau bezieht ein übriges Zimmer im Ferienhaus und freundet sich mit Nina an. Und dann sind da noch all die Geheimnisse, die die Urlauber*innen verbergen…

💦👙☀️🪻

Hui, war das ein Ritt! Für einen ganz kurzen Moment dachte, das könnte ein entspannter Sommerferien-Roman werden. Aber dieses Gefühl hielt nicht lange an, denn ganz schnell haben Verwunderung, Skurrilität und bizarre Begebenheiten das Zepter übernommen.

Schon beim ersten Auftritt von Kitty Finch war ich nicht sicher, ob das gerade wirklich so passiert, wie es aus Sicht eines Ferienhausgasts erzählt wird. Wie alle Szenen war auch diese in lebhafter und schöner Sprache geschildert, sodass sich sofort bunte Bilder in meinem Kopf entwickelten. Doch die Bilder waren so merkwürdig, dass ich schmunzeln musste.

Dieses Schmunzeln hat mich während der kompletten Lektüre begleitet. Im Verlauf des Buchs gibt es durchaus auch ernste Momente, denn die Charaktere haben mit ihrer eigenen Vergangenheit oder mit ihren Lebensumständen zu kämpfen. Doch der Autorin gelingt es, jeder Figur einen schrulligen und sonderbaren Stempel aufzudrücken. So ist es einfach okay, dass sich alle ein wenig komisch benehmen, dass vielleicht manchmal die Fantasie übernimmt oder dass sie sich gelegentlich im Ton vergreifen.

Mir hat diese verrückte Ferienwoche gut gefallen und ich habe mich durchweg unterhalten gefühlt - vor allem von den kuriosen und interessanten Haupt- und Nebenfiguren. Besonders gelungen fand ich die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen und diese unterschwellige Schwere, die sich permanent auf die gesamte Szenerie gelegt hat. Einen Hauch weniger Verwirrung hätte ich mir in manchen Momenten gewünscht.

Veröffentlicht am 24.08.2024

Die Vögel und der Mond

Wilde Geschöpfe
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Amy ist auf den schottischen Orkneyinseln aufgewachsen und reist eines Tages nach Berlin - um für unbestimmte Zeit zu bleiben. Sie ist trockene Alkoholikerin und ist auf der Suche nach einem neuen Leben, ...

Amy ist auf den schottischen Orkneyinseln aufgewachsen und reist eines Tages nach Berlin - um für unbestimmte Zeit zu bleiben. Sie ist trockene Alkoholikerin und ist auf der Suche nach einem neuen Leben, nach der Liebe, nach sich selbst. Dort verbringt sie ein Jahr mit Abenteuern, wechselnden Wohnungen, Deutschunterricht, neuen Freund*innen und wilden Geschöpfen.

🪶

Die Autorin ist 34 Jahre alt, als sie das Jahr in Berlin verbringt - genauso alt wie ich heute bin. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen uns. Denn wie sie in der Großstadt die Natur findet, wie sie zwischen all den Gebäuden Vögel an ihrem Ruf erkennt, wie sie, besessen von der Idee, ein bestimmtes Tier zu finden, mitten in der Nacht durch die Straßen zieht und wie sie erstrahlt in einer unmessbaren Begeisterung für all die Lebewesen - das alles hat mich tief berührt, weil ich genauso bin.

Amy hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und ist ständig auf der Suche nach einem Menschen, der ihr Leben auf die nächste Stufe hebt, der sie vervollständigt und der sie ankommen lässt. Wie unfassbar schwer das ist, und ob das in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt noch möglich ist, erzählt sie uns in ihrem Buch.

Ein wahres Highlight ist dabei die Sprache, in der uns die Autorin mitnimmt durch ihre Zeit in Berlin. Dieses Buch ist ein perfekte Mischung aus kreativen Gedanken, aus einem direkten und ungeschönten Stil und aus zauberhafter Poesie.

Amy liebt die Vögel und den Mond, sie ist zerbrechlich und stark, mutig und schwach. Sie ist so nahbar und echt und sie findet schließlich etwas viel Wichtigeres, als das, wonach sie gesucht hat.

Für mich ist das Buch ein wahrer Glücksgriff. Es passt zu mir, ich fühle es und es bestärkt mich darin, loszulassen und zuzulassen. Auf den letzten Seiten muss ich weinen und das ist okay.

Veröffentlicht am 02.08.2024

Große Benjamin-Liebe 💜

Wesentliche Bedürfnisse
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„Wesentliche Bedürfnisse“ handelt von Benjamin Leiser, einem Kunsprofessor, der Vorlesungen hält und damit die Studierenden mitreißt und in seinen Bann zieht. Dieser Roman handelt aber auch von der Zeit ...

„Wesentliche Bedürfnisse“ handelt von Benjamin Leiser, einem Kunsprofessor, der Vorlesungen hält und damit die Studierenden mitreißt und in seinen Bann zieht. Dieser Roman handelt aber auch von der Zeit des Mauerfalls, vom Erwachsenwerden und vom Erwachsensein, von Wünschen und Plänen, die wieder verworfen werden (müssen), vom Selbstwertgefühl und vom Zweifeln, davon neu anzufangen und von der ewigen Suche nach der eigenen Definition von Glück.


💜💜💜


In so vielen Aspekten des Romans habe ich mich gut aufgehoben gefühlt, ich habe eigene Gedanken wiedererkannt, konnte so vieles nachempfinden und habe mich auch manchmal über Benjamins Verhalten geärgert - so als würde ich mich über meine eigenen kleinen Eigenarten ärgern. Auf wunderbare Weise zeigt Res Sigusch mit Benjamin als Hauptfigur, dass Geschlechter überhaupt keine Rolle spielen. Wir alle haben dieselben Sorgen, fühlen uns manchmal als Versager*innen, streben nach der ganz persönlichen Erfüllung und sind hin und wieder einsam, egal ob wir in Gesellschaft von Mitmenschen sind oder nicht.


Übrigens ist eine gewisse Melancholie Benjamins stetige Begleiterin, was der Geschichte eine wundervolle Schwere verleiht.


Ich hätte nie und nimmer für möglich gehalten, dass ich mich mit einem männlichen Protagonisten einmal so verbunden fühlen und mich so sehr mit ihm identifizieren könnte. Und gerade dieses Sprengen von Grenzen, dieses Durchbrechen von Altgedachtem habe ich an diesem Roman so geliebt.


Ein spannender anderer Aspekt des Romans ist die Definition von Kunst. Schließlich ist Benjamin Kunstprofessor und die Thematik spielt durchweg eine Rolle, wenn für mich auch nicht die Hauptrolle. Doch als Kunstinteressierte war dieser Punkt ein Mitgrund für die Entscheidung, das Buch zu lesen. Dass die Thematik auf diese rebellische, trotzige und unvoreingenommene Art durch Benjamin verkörpert wurde, hat mein Herz für die Kunst mehr als erfüllt.


Große Leseempfehlung für eine frische und gefühlvolle Geschichte, für die ich mir eine Fortsetzung wünsche.

Veröffentlicht am 23.07.2024

Geräuschlos gleiten sie durch die Nacht

Das geheime Leben der Eule
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Old Brown ist ein Waldkauz und irgendwann kreuzen sich die Wege von ihm und John Lewis-Stempel – von da an immer wieder und so werden sie »gute Bekannte« (S.11). Darüber hinaus ist das Buch gespickt mit ...

Old Brown ist ein Waldkauz und irgendwann kreuzen sich die Wege von ihm und John Lewis-Stempel – von da an immer wieder und so werden sie »gute Bekannte« (S.11). Darüber hinaus ist das Buch gespickt mit Eulenwissen, mit Poesie, mit Eulenarten, mit Sagen und Legenden und mit dem Zusammenleben zwischen Mensch und Vogel. Doch woher stammt eigentlich der Begriff Eule und warum bevorzugt sie die Nacht? Und wieso geht eine solche Faszination von diesen besonderen Vögeln aus? Das alles und noch mehr klärt der Autor im Buch »Das geheime Leben der Eule«.

🦉🦉🦉

Das Genre Nature Writing nimmt von Monat zu Monat mehr Platz in meinem Bücherregal ein. Denn die Zeiten, in Tierlexika blättern zu müssen, um nüchterne, wissenschaftliche Informationen zu erhalten, sind glücklicherweise vorbei. Auch wenn ich natürlich für ein schnelles Nachschlagen auch weiterhin die guten alten Bestimmungsbücher nutze. Doch das Besondere an Büchern wie dieses von John Lewis-Stempel ist, dass endlich die Emotionen Platz finden dürfen, die wir fühlen, wenn wir die Natur erleben. Und das ist dem Autor in diesem Fall wirklich sehr gut gelungen. Denn ich lerne beim Lesen nicht nur unglaublich viel über Eulen, sondern ich erlebe das Tierwissen regelrecht. Und alles was wir am eigenen Leib spüren, was uns Gänsehaut macht und was uns berührt, das können wir uns merken. Es ist erwiesen, dass Menschen auf diese Weise besser lernen – und dass das Gelernte langfristig in Erinnerung bleibt.

Es ist also kein Wunder, warum mir die Momente zwischen dem Autor und Old Brown im Buch am besten gefallen. So detailliert, so zärtlich und so echt, wie er die winzigen Augenblicke mit dem Waldkauz beschreibt, so lange werde ich an diese Zeilen denken, werde mich erinnern und dabei nichts als Wärme empfinden.

Darüber hinaus ist das Kapitel über die verschiedenen Eulenarten unfassbar gut gelungen. Der Autor vermittelt die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten, die Merkmale und Besonderheiten und die ganz eigenständige Persönlichkeit der Eulen, ganz ohne auch nur einen Hauch von Langatmigkeit entstehen zu lassen. Und obwohl es eigentlich um die britischen Eulenarten geht, sind diese mit den deutschen Eulenarten nahezu übereinstimmend. Außerdem sind zusätzliche Hinweise über weitere in Deutschland vorkommende Eulenarten ergänzt – das könnte jedoch auch in der deutschen Übersetzung hinzugefügt worden sein. In jedem Fall ist das für deutschsprachige Lesende natürlich von Vorteil.

Mein einziger Kritikpunkt – wenn man es so nennen kann – ist, dass das frühere Verhalten der Menschen gegenüber Eulen sehr viele Seiten in Anspruch nimmt. Keine Frage ist es wichtig und sinnvoll, darüber zu sprechen, vor allem um uns ein warnendes Beispiel zu sein, jedoch hätte mit ein etwas kleinerer Seitenumfang dazu ausgereicht. Viel lieber hätte ich noch so viel mehr über Lewis-Stempels Eulenbegegnungen erfahren, die für mich so ungemein beeindruckend waren.

Insgesamt kann ich das Buch für alle Freund*innen des Genres Nature Writing und für alle Eulenfans (von denen es erstaunlich viele gibt) sehr empfehlen! Mein neu erworbenes Eulenwissen werde ich gleich heute Abend testen und am Waldrand nach Eulen horchen!