Einblick in die Geschichte von Kate
ZIMMER 706Dieser Roman dreht und wendet sich primär um den Hauptcharakter Kate.
Eine verheirate Frau und Mutter von zwei Kindern, die nach der Geburt ihres Kindes den Geschäftsmann James kennenlernt und mit ihm ...
Dieser Roman dreht und wendet sich primär um den Hauptcharakter Kate.
Eine verheirate Frau und Mutter von zwei Kindern, die nach der Geburt ihres Kindes den Geschäftsmann James kennenlernt und mit ihm eine jahrelange Affäre eingeht.
Die Geschichte beginnt mit der Gegenwart - Kate und James hatten sich wie so oft zum Sex in einem Hotel getroffen - und der unerwarteten Situation einer Geiselnahme des Hotels durch Terroristen.
Was zunächst spannend und bedrohlich klingt, gerät aber im Verlauf des Romans stark in den Hintergrund und verkommt zu einem fast beliebigen Stilmittel, Zeit und Ort für einen Einblick in Kates Charakter zu erlangen.
In zahlreichen Rückblicken und Zeitsprüngen erfährt der Lesende mehr und mehr über Kates Vergangenheit. Er erfährt von ihrer durch den Tod der Mutter und später einer weiteren nahen Person ausgelösten Einsamkeit und von ihren Verlustängsten. Es wird auf das Seelenleben ihres Mannes Vics eingegangen, der ebenfalls von einer schweren Kindheit/Jugend geplagt wurde.
Im Verlauf der Erzählung wird immer klarer, dass sie sich ihrem Mann, der ihr stets eine große, wahre Liebe und Offenheit entgegenbrachte, selbst doch niemals richtig öffnen konnte. Stets befürchtete sie, dass ihre Freude, ihr fester Halt, ihr gesamtes Leben auf der Schneide stünde und ein falsches Wort oder einfach nur der schlichte Zufall alles zusammenbrechen lassen könnte.
In James fand sie dann einen einfachen Ausweg aus dieser Situation: keine unnötigen Sorgen. Keine Gedanken über Konsequenzen. Einfach nur Spaß und "Leben". Bereits früh wird dem Lesenden klar, dass sie ihren Verstand in diesen Situationen auszuschalten scheint und dies auch genießt. Obwohl sie durch diese Aktionen geradezu das Ende ihres sicheren, wohlbehüteten Lebens heraufbeschwört, kann sie sich nicht dazu bewegen, die Affäre zu beenden.
Stattdessen belügt sie ihre Familie und sich selbst bei jedem Seitensprung aufs Neue.
Im Verlaufe der Handlung gibt es mehrere Situationen, in denen Kate die Gelegenheit hat, ihrem Mann gegenüber reinen Tisch zu machen. Doch selbst im Angesicht ihres möglichen Todes, kann sie sich nicht dazu entschließen, offen und ehrlich ihm gegenüber zu sein. Selbst in den Situationen nicht, in denen sie daran zweifelt, ob ihr Mann nicht schon etwas ahnen oder wissen könnte.
Sie entschließt sich bewusst, ihre Lügen mit ins Grab zu nehmen.
Um ihr Gewissen zu erleichtern und ihre Sünden sich selbst gegenüber zu rechtfertigen, versucht sie in James eine Person zu sehen, die in derselben privaten Situation steckt. Leider muss sie feststellen, dass James ihr gegenüber auch nicht ganz ehrlich war - so ist seine eigene Ehe nicht so eng und fest, wie es Kate immer annahm. Kate muss sich selbst eingestehen, dass sie deutlich mehr zu verlieren hat, als James und so ein Ungleichgewicht in ihrer Beziehung herrscht, was schließlich zum Entschluss führt, diese Affäre letztendlich doch beenden zu wollen.
Der Roman endet mit einem Cliffhanger. Hier wurde die Chance vertan, die tatsächlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu beleuchten.
Hat Kate überlebt? Hat ihre Ehe überlebt? Wurde die Affäre wirklich beendet? Wie denkt sie an all diese Geschehnisse aus einem ferneren Zeitpunkt in der Zukunft zurück? Konnte sie sich schließlich doch noch zur Wahrheit bekennen oder ist sie mit ihren Lügen davongekommen? Konnte sie aufgrund ihres Erlebnisses einen inneren Frieden erlangen oder haben sich ihre Verlustängste womöglich noch verstärkt?
Insgesamt lässt der Roman mich relativ unzufrieden zurück. Bereits auf den ersten Seiten stellten sich mir die Fragen nach dem "Warum?" und "Welche Konsequenzen hat das für sie?"
Und auch wenn kurz vor Ende des Romans auf die erste Frage eine Antwort geliefert wurde, fehlt letztendlich doch die Schlussfolgerung. Das "Ende" bleibt offen und Kate somit jegliche Konsequenz - ob gut oder schlecht - erspart.