Profilbild von Neko92

Neko92

Lesejury-Mitglied
offline

Neko92 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Neko92 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2018

Schöner historischer Roman, doch ein Charakter war etwas schwach

Die Bücherjäger
0

Ein schöner historischer Roman mit vielen versteckten und liebevoll eingebundenen historischen Kleinigkeiten, die immer wieder im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen (zum Beispiel ein Einhornhorn). ...

Ein schöner historischer Roman mit vielen versteckten und liebevoll eingebundenen historischen Kleinigkeiten, die immer wieder im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen (zum Beispiel ein Einhornhorn). Es gibt allerdings, anders als ich vom Klappentext erwartet habe, keine echten Magieelemente, denn die Hinweise auf solche werden immer wieder durch historischen Aberglauben oder Tricks von den Hauptfiguren erklärt.
Historisch scheint das Buch sehr gut aufgearbeitet zu sein. Die sehr authentisch dargestellten Figuren haben teilweise tatsächlich gelebt. Sie sind interessant in die Zeit des Konstanzer Konzils und das Problem der drei Päpste eingearbeitet worden und zusätzlichen mit einem fiktiven Spannungsbogen versetzt worden.
Allerdings bin ich der Meinung, dass der Charakter von Poggio etwas schwach dargestellt ist. Ich hatte gedacht, dass der Bücherjäger Poggio durch seine Faszination an den alten (z.B. griechischen) Schriften und Philosophien eigentlich ein stark anzumutender Charakter sei. Allerdings wird er bei der Frau seiner Träume, die zunächst ein hinterlistiges Biest ist, schwach wie ein frischer Jüngling. Auch Baldassare spielt ihm übel mit, obwohl sie bereits jahrelang befreundet sind. Das fand ich etwas schade, und ich denke nicht, dass dies unbedingt realistisch ist. Dagegen haben die anderen Figuren, und gerade Agnes(e) und Baldassare, einen vielschichtigen Charakter, auch wenn es kaum gute Charaktereigenschaften sind.
Auch die Geschichte an sich verlief nicht unbedingt so, wie ich es erwartet hatte. Statt den König zu stürzen und zum Beispiel selbst nach einer Art von Macht zu streben, wird Agnes(e) durch die Erinnerung an ihren verstorbenen Mann schnell „geheilt“. Auch durch das Frühlingsfest / Turnier und mehrere Zufälle hat das Buch eine eher schnelles Ende, aus dem man noch mehr hätte machen können. Andererseits freut es mich auch, dass nicht jedes Buch zu einem Dreiteiler aufgebauscht wird und es war auch interessant im Nachhinein zu überlegen, wie die Geschichte verlaufen ist.

Insgesamt ist der Roman sehr schön und historisch anscheinend sehr korrekt geschrieben.