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Veröffentlicht am 06.10.2023

Anders als Titel und Klappentext vermuten lassen

Die Frauen vom Reichstag: Stimmen der Freiheit
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Februar 1919: Zum allerersten Mal gehören dem neu gewählten Parlament auch Frauen an. Dies ist der Grund, weshalb Dr. Marlene von Runstedt und Sonja Grawitz nach langer Zeit wieder aufeinandertreffen. ...

Februar 1919: Zum allerersten Mal gehören dem neu gewählten Parlament auch Frauen an. Dies ist der Grund, weshalb Dr. Marlene von Runstedt und Sonja Grawitz nach langer Zeit wieder aufeinandertreffen. Einst waren sie Freundinnen, doch die Begegnung mit Justus von Oswald hat sie zu Rivalinnen gemacht. Die Ereignisse, welche die beiden Frauen an diesen Punkt gebracht haben, werden in diesem Roman erzählt.

Das Cover ist eine Variation der seit längerem häufig verwendeten Frauenfigur vor Gebäuden. Die Wahl fiel hier passenderweise auf das Brandenburger Tor und seine Nebengebäude, auch die abgebildete Frau scheint mir nicht unpassend, wenn auch vielleicht etwas zu modern gekleidet. Tatsächlich war es das Coverbild in Verbindung mit dem Titel „Die Frauen vom Reichstag“, das mich zu diesem Buch greifen ließ.

Die Aufmachung und auch der Klappentext haben mich erwarten lassen, dass die Geschichte überwiegend in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg spielt, sich vorrangig um das neue Parlament dreht und die fiktive Erzählung sich vor diesem Hintergrund entfaltet und dazu dient, mir als Leserin die ersten Frauen im Parlament näher zu bringen.

Tatsächlich findet der Großteil der Handlung jedoch im Zeitraum vorher statt. In diversen Rückblenden wird der Werdegang der Protagonistinnen erzählt. Dabei werden zwar immer wieder historische Ereignisse eingeflochten, den größten Raum nehmen aber doch die persönlichen Geschichten ein. Das ist zwar durchaus unterhaltsam, der Schreibstil der Autorin angenehm, aber die Charaktere bleiben doch seltsam blass. Auf Marlenes Beweggründe wird noch so weit eingegangen, dass ihr Handeln in weiten Teilen nachvollziehbar ist, auch Sonja ist eine zwar nicht sehr sympathische, aber in sich doch recht schlüssige Figur. Das Verhalten der männlichen Protagonisten hat mich jedoch häufiger ratlos den Kopf schütteln lassen.

Auch meine Erwartung, durch dieses Buch auf unterhaltsame Weise etwas über die ersten deutschen Parlamentarierinnen zu lernen, hat sich leider nicht erfüllt. Selbst die historischen Abläufe hat mir der Roman nicht wirklich näher gebracht, was vor allem daran lag, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt, sondern munter zwischen den Jahren hin und her gesprungen wird.

Insgesamt wirkt es auf mich, als habe die Autorin einerseits einen geschichtlichen Roman schreiben, andererseits aber auch die fiktive Dreiecksgeschichte erzählen wollen (die wie ich durch die Inhaltsbeschreibungen der nachfolgenden Bände weiß, auch diese vorbereitet) und sich irgendwo dazwischen verloren.

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