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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2019

Intime Einblicke in eine persönliche Familiengeschichte

Schattenfamilien
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Durch eine Buchverlosung für eine Leserunde bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Da ich mich schon länger mit dem Thema Krieg, Kriegstrauma und vererbte Traumas beschäftige, hat mich dieses ...

Durch eine Buchverlosung für eine Leserunde bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Da ich mich schon länger mit dem Thema Krieg, Kriegstrauma und vererbte Traumas beschäftige, hat mich dieses Buch gleich angesprochen.


Titel, Cover und Klappentext haben ein interessantes Sachbuch versprochen, das hilft ein tieferes Verständnis für die Kriegs- und Nachkriegszeit zu bekommen. Inhaltlich kann das Buch dieses Versprechen leider nicht halten.

Hauptsächlich geht es in diesem Buch um den jungen Hans ( Vater der Autorin ) und die Briefe die er von verschiedenen Stationen nach Hause zu den Eltern schickt. Durch die Briefe bekommt man ein Gefühl für damalige Zeit aus seiner Sicht.

Die Fragen vom Klappentext,
" Warum ist es möglich gewesen, so viel Unkenntnis über die Rolle unserer eigenen Vorfahren in der Zeit des Nationalsozialismus bis heute zu bewahren?"
und
"Wodurch ist dieses Unwissen entstanden und weshalb kommen erst in den letzten Jahren so viele wichtige historische Details aus dieser Zeit an Licht?"
fand ich durch das Buch nicht beantwortet.

Die Autorin hat sich mutig ihrer eigenen Familiengeschichte gestellt und für sich den Weg der Öffentlichkeit gewählt um möglichst viel Licht auf die Schatten ihrer eigenen Familie zu werfen.

Für den Mut und die Ehrlichkeit der Autorin gebe ich 3 Sympathiepunkte.

Veröffentlicht am 01.02.2019

Eine stille melancholische Erzählung über das Leben in Holt

Abendrot
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Zeitlos - Berührend - Traurig - Heiter

Ich bin durch eine Leserunde auf dieses Buch aufmerksam geworden. Kent Haruf und seine Bücher waren mir bis jetzt völlig unbekannt. Ein fiktiver Ort irgendwo ...

Zeitlos - Berührend - Traurig - Heiter

Ich bin durch eine Leserunde auf dieses Buch aufmerksam geworden. Kent Haruf und seine Bücher waren mir bis jetzt völlig unbekannt. Ein fiktiver Ort irgendwo in Colorado, Viehzüchter und schwierige Umstände, das hat mich neugierig gemacht.

Da ich den Vorgängerband "Lied der Weite" nicht kenne, waren alle Beteiligten für mich neu. Ich würde empfehlen "Lied der Weite" vorher zu lesen. Dann sind einige Protagonisten schon bekannt und man kennt die Hintergründe bessser.

Das Buch handelt von Einzelschicksalen, Dramen und dem Kampf ums tägliche Bestehen in einer Welt / Stadt die scheinbar nichts zu bieten hat. Der Autor richtet den Scheinwerfer auf kurze Episoden und Ereignisse der Einwohner und schafft damit eine Bandbreite an Eindrücken. Die einzelnen Personen sind so detailiert beschrieben, dass man sie vor sich sieht. Manche mag man sofort, z.B. den alten kauzigen Rancher Raymond, bei anderen schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen. Ein spürbares Anliegen sind dem Autor die Kinder. Hier in dieser Geschichte erfahren die Kinder schon sehr früh wie hart das Leben sein kann und sie lernen irgendwie damit zurecht zu kommen. Fast jeder trägt auf irgendeine Art Narben mit sich herum, äußerliche und innerliche.

Für mich war der Erzählstil erst gewöhnungsbedürftig, doch nach den ersten Seiten war ich in der richtigen Stimmung. Das Buch hat sein eigenens Tempo und seinen eigenen Takt. Wer sich darauf einlassen kann, hat schöne Lesestunden.

„Kent Haruf nimmt uns mit, wohin wir nie wollten, und bald wollen wir von dort nicht mehr weg.“ Bernhard Schlink -- Ja, das stimmt. Holt hat eine seltsame Anziehungskraft

Veröffentlicht am 29.01.2019

Keine schönen Aussichten

Der Draghi-Crash
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Bei diesem Buch hat mich der Titel neugierig gemacht. Mario Draghi und die Europäische Zentralbank als Verursacher der nächsten Krise?

Die meisten wissen, dass wir momentan in einer Nullzins-Phase stecken. ...

Bei diesem Buch hat mich der Titel neugierig gemacht. Mario Draghi und die Europäische Zentralbank als Verursacher der nächsten Krise?

Die meisten wissen, dass wir momentan in einer Nullzins-Phase stecken. Die EZB druckt Geld und kauft großzügig Wertpapiere auf. Wichtig ist, dass Geld in den Markt fließt. Welche Konsequenzen hat das aber kurz- und langfristig? Dafür gibt es kaum seriöse Antworten.

Der Autor kritisiert in diesem Buch die politischen Eingriffe in die Märkte und prophezeit eine riesige Konkurswelle. Durch überbordende Bürokratie und unflexible Systeme sind nötige Veränderungen und Umstrukturierungen kaum machbar.

Er fordert mehr Vertrauen in die Märkte und weniger Eingriffe durch staatliche Einrichtungen.

Obwohl es ein trockenes und ernstes Thema ist, hat der Autor einige Stellen mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor gewürzt.

Damit man die Zusammenhänge in diesem Buch versteht, sollte man ein wirtschaftliches Grundwissen haben, sonst wird es an einigen Stellen schwierig.

Ob seine Ideen und Vorschläge tragfähig sind kann ich nicht beurteilen. Seine Gedanken und Argumente finde ich auf jeden Fall diskussionswürdig

Veröffentlicht am 29.01.2019

Sehr tiefsinniges Buch über die religiösen Inhalte in den eigentlich brutalen und dreckigen Italowestern aus den 60er Jahren

Gnade spricht Gott – Amen mein Colt
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Der Autor ist großer Fan der Italowestern und schaut diese Filme schon seit der Jugend mit großer Leidenschaft an. Als Christ und Theologe hat er erkannt, dass kein anderes Genre in der Filmwelt so deutliche ...

Der Autor ist großer Fan der Italowestern und schaut diese Filme schon seit der Jugend mit großer Leidenschaft an. Als Christ und Theologe hat er erkannt, dass kein anderes Genre in der Filmwelt so deutliche Bezüge zu Religion und den christlichen Symbolen hat, wie dieses.


Er hat in akribischer Arbeit die Filme nach ihren Botschaften und Symbolen untersucht und in diesem Buch auf ansprechende Art zusammengefasst.

Die Kapitelaufteilung hat auch Sinn und eine inhaltliche Logik, weil sie dem logischen Aufbau für den Film folgt:

I. Die Protagonisten
II. Die weiteren Mitwirkenden
III. Topographie
IV. Konfliktfelder
V. Requisiten und Rituale
VI. Spezifisch christliche Themen und Traditionen
VII. " Erlöse uns von dem Bösen"

Mir gefallen die Interpretation von Michael Striss sehr und ich wurde durch das Lesen sehr angeregt in die Symbolsprache einzutauchen.

Fast jede Aussage wird mit Filmszenen und Filmquellen ergänzt und wer die Filme einmal gesehen hat, erinnert sich sofort wieder an die betreffende Szenen.

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil ich großes Interesse an Mythologie und christlich-religiösen Symbolen habe und konnte wirklich einiges für mich herausarbeiten und neu erkennen.

Nach jedem Kapitel gibt es ein paar Bilder / Filmszenen um das Thema auch optisch darzustellen.

Im Anhang findet der Leser eine Auflistung der 50 persönlichen Favoriten des Autors. Einige sind bekannt von vielen habe ich noch gar nie gehört.

Mit Anhang und Quellen-/ Filmverzeichnis hat das Buch 670 Seiten, die man nicht schnell überfliegt und durchliest, sondern man braucht Zeit und die richtige Stimmung damit man voll auf seine Kosten kommt.

Das Cover finde ich etwas unglücklich gewählt, weil es eher an einen Piraten am Steuerrad eines Schiffes erinnert. Mit einem anderen Cover würde das Buch bestimmt besser zur Geltung kommen.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Tolles Debüt - Bitte mehr davon

Die Klosterbraut
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Die Geschichte spielt in der Zeit zwischen Mai 1226 - Mai 1232. Das Mädchen Franka von Marienfeld bereitet sich auf ihren Eintritt ins Kloster vor. Sie wartet nur noch die Hochzeit ihrer älteren Schwester ...

Die Geschichte spielt in der Zeit zwischen Mai 1226 - Mai 1232. Das Mädchen Franka von Marienfeld bereitet sich auf ihren Eintritt ins Kloster vor. Sie wartet nur noch die Hochzeit ihrer älteren Schwester Melinda ab. Ein letztes Mal will sie in den Wald und das Gefühl von Freiheit spüren.

Im Wald trifft sie in einer misslichen Lage auf einen jungen Ritter der ihr zur Hilfe kommt. Dieser Ritter ist anders als alle Männer denen sie bisher begegnet ist. Er berührt ihr Herz. Schnell wird ihr bewusst, dass er der Bräutigam ihrer Schwester sein muss.

Der junge Ritter, Wulfgar vom Röllberg, soll sich auf Wunsch seines Vaters vermählen. Die Eltern haben alle nötigen Verhandlungen schon getroffen. Obwohl seine Braut wunderschön ist, hat er nur Augen für die Schwester. Franka. Sie ist unkonventionell, tatkräftig und wortgewandt.

Franka entscheidet sich aus Treue zu ihrer Familie für das Klosterleben und verzichtet auf den Mann ihres Herzens. Sie flüchtet ins Kloster

Wulfgar heiratet wie geplant Melinda und leidet unter der trostlosen Ehe. Später schließt er sich dem Kreuzzug an um für die Befreiung von Jerusalem zu kämpfen.

Es stellt sich die Frage: Gibt es trotz der aussichtslosen Situation eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft der Beiden?

Die Autorin hat sehr sympathische Protagonisten geschaffen, die mir sehr nahe waren beim Lesen. Durch den sehr angenehmen Schreibstil und die unerwarteten Wendungen, war das Buch schön und spannend zu lesen. Ich konnte es nur schwer aus der Hand legen.

Für mich war der historische Rahmen im ersten Drittel des Buches etwas zu wenig. Am Anfang hätte die Geschichte in jeder Zeit spielen können. Ab dem Kloster und dem Burgleben des frisch Vermählten war die Zeit für mich spürbarer. Das ist aber nur eine Kleinigkeit und hat meinen Lesespaß nicht geschmälert.

Ich würde sehr gerne mehr Geschichten aus der Feder dieser Autorin lesen.