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Veröffentlicht am 17.03.2025

Ändere den Blick in den Spiegel

Gefühle verstehen, Probleme bewältigen
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"Es muss sich also nicht dein Spiegelbild ändern, sondern dein Blick in den Spiegel."

Dieser psychologische Ratgeber ist voll solcher verblüffend einfacher und dennoch sehr durchgreifender Sätze, die ...

"Es muss sich also nicht dein Spiegelbild ändern, sondern dein Blick in den Spiegel."

Dieser psychologische Ratgeber ist voll solcher verblüffend einfacher und dennoch sehr durchgreifender Sätze, die unmittelbar einleuchten. Es gilt, die Fähigkeit zu nutzen, die eigenen Gefühle mit den Gedanken zu steuern, anstatt sich sowohl Gedanken als auch Gefühlen hilflos ausgeliefert zu fühlen.

Was einfach klingt, ist natürlich eine hohe Kunst, bei der es gilt, lebenslang zu üben. So ist das Buch, das in komplett neu überarbeiteter Neuauflage erschienen ist, nicht nur ein Klassiker der Selbsthilfeliteratur, sondern wird auch für mich ein persönlicher Klassiker werden.

Dr. Doris Wolf und Dr. Robert Merkle bieten als Psychologen und Psychotherspeuten eine Fülle von Ansätzen, etwa bei Ängsten, geringer Selbstachtung, Depressionen, Kränkungen, Eifersucht usw. Der Text ist komprimiert, hier sitzt wirklich jeder Satz, trifft ins Schwarze und dürfte als Strategie der kognitiven Verhaltenstherapie vielfach erprobt sein.

Mir hat bisher jedes Buch des Autorenduos weitergeholfen. Ich kann die Bücher aus dem PAL-Verlag sehr empfehlen, ebenso wie dessen Lebensfreude-Newsletter, der selbst schon eine kleine Auszeit bietet.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Kollision

Ein ungezähmtes Tier
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"Doch diese Begegnung war in Wahrheit eine Kollision. Ein Frontalzusammenstoß. Ein Unfall, dessen Ausmaß niemand ahnen konnte."

Eigentlich bin ich keine Freundin nicht-linearen Erzählens, aber ...

"Doch diese Begegnung war in Wahrheit eine Kollision. Ein Frontalzusammenstoß. Ein Unfall, dessen Ausmaß niemand ahnen konnte."

Eigentlich bin ich keine Freundin nicht-linearen Erzählens, aber diese Story ist von Dicker wirklich virtuos konstruiert. Die Abgründe und Wendungen, die sich nach und nach offenbaren, entfalten einen fast unheimlichen Lesesog. Ich musste das Buch in nur zwei Tagen beenden.

Arpad und Sophie sind ein goldenes Paar, das alle Blicke auf sich zieht. Mit ihren Kinder logieren sie in einer Genfer Villa, fahren mit ihren Sportwagen oder in den Traumurlaub nach Mauritius.

Greg und Karine hingegen bewohnen ein Reihenhaus in der "Warze", einer Siedlung, für die sich das Villenviertel absurderweise schämt. Eigentlich sind auch sie in vieler Hinsicht privilegiert, fühlen sich aber nur wie ein blasser Schatten des anderen Paares. Während Karine um Sophies Freundschaft buhlt, entwickelt Greg für Sophie eine regelrechte Besessenheit. Doch bei näherer Betrachtung zeigt die Fassade des Traumpaars erste Risse und beim Blick in die Vergangenheit wirken diese klaftertief...

Vordergründig geht es in diesem Roman um einen Juwelenraub in Genf, aber in der Tat um so viel mehr. Geheimnisse der Vergangenheit und menschliche Obsessionen werden hier brillant in Szene gesetzt. Eigentlich gibt es keine echten Sympathieträger, was dem Mitfiebern aber keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil. Ein Pageturner der Spitzenklasse!

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Das Mädchen mit dem geschenkten Herzen

Academy of Lies (Band 1) - Anatomie einer Verschwörung
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Quinn Schreiber lebt schon seit ihrer Kindheit mit einem Spenderherzen, das nun langsam zu versagen beginnt.Auf ein neues Organtransplantat hat sie mit ihrer schwierigen Kombination aus Blutgruppe und ...

Quinn Schreiber lebt schon seit ihrer Kindheit mit einem Spenderherzen, das nun langsam zu versagen beginnt.Auf ein neues Organtransplantat hat sie mit ihrer schwierigen Kombination aus Blutgruppe und Rhesusfaktor kaum Hoffnung. Dennoch beginnt sie ein Mefizinstudium an der elitären Wilhelm-Schreiber-Akademie, deren Gründer ihr verstorbener Großvater war. Noch vor ihrer ersten Vorlesung wird Quinn Zeugin eines Mordes. Und es soll nicht der einzige an der Akademie bleiben...

Die Stoy hat mich in mehrfacher Hinsicht überzeugt, überrascht und mitgerissen. Sie lebt von der wunderbar düsteren Atmosphäre und von Quinn, die eine faszinierend sperrige Protagonistin abgibt, die eine beeindruckende Entwicklung durchläuft.

Es handelt sich hier um den Auftakt einer Reihe, die al Medizinthriller ausgewiesen ist. Die Geschichte ist allerdings wesentlich vielschichtiger. Ich kann noch immer nicht sagen, ob sich hier tatsächlich alles wird wissenschaftlich erklären lassen. Und wer wird der love interest werden, der geheimnisvolle Leonas? Das ist wirklich raffiniert geschrieben und mir in dieser Form tatsächlich überhaupt noch nicht begegnet.

Obendrein ist das Buch auch noch wunderschön verpackt. Cover und Buchschnitt greifen ein Symbol auf, das in der Story eine wichtige Rolle spielt.

Ein Überraschungshit, der ungeduldig auf die Fortsetzung warten lässt.



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Veröffentlicht am 06.03.2025

Endlich nach Luft schnappen

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume ...

"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume eigentlich mit circa fünfunddreißig Jahren auf?
Ich hätte gerne einen Plan für die nächste Hälfte, irgendwas außer der Vorbereitung auf das Sterben."

Das fragt sich Nina mit fast fünfzig. Bei der Scheidung hat sie sich von ihrem begüterten Ehemann ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Inzwischen hat dieser mit einer um Jahrzehnte jüngeren Influencerin eine neue Familie gegründet. Als Nina auf einem Gartenfest dem dreißigjährigen David begegnet, spürt sie zum ersten Mal seit langem wieder Anziehungskraft und Lebenslust. Die beiden landen gemeinsam im Bett und bald stellt sich die Frage ob da je mehr sein kann...

Anika Decker schafft das Kunststück, gleichzeitig leichtfüßig, tiefgründig und amüsant zu erzählen, auf wie vielfältige Weise Frauen noch immer anders behandelt werden als Männer. Die Geschichte bietet dabei, anders als vom Klappentext beworben, einiges mehr als die Age-Gap-Lovestory. Viel Raum nimmt zum Beispiel auch eine Me too-Problematik in der Filmfirma, in der Nina arbeitet ein, ebenso wie das Hausfrauendasein von Ninas Schwester Lena und weitere Familienthemen.

Wirklich aus dem Leben gegriffen waren für mich Ninas Kinder, die die Handlungen ihres Vaters ohne weiteres akzeptieren, Nina ob ihres Interesse an einem jüngeren Mann aber regelrecht beschämen und abkanzeln. Oft legt Anika Decker den Finger gekonnt in die Wunde, z. B. als Nina auf Tinder von einem einzigen gleichaltrigen Mann ein Like bekommt, trotz ihres guten Aussehens ein so seltenes Ereignis, das es von Nina und ihrer Freundin sogar bejubelt wird.

Mich hat es begeistert, dass hier zahlreiche Missstände angesprochen werden und das Lesen dann gleichzeitig noch so viel Spaß machte. Teilweise habe ich förmlich an den Seiten geklebt. Nur schade, dass das Ende dann doch so überzuckert und übertrieben daherkam, das es für mich nicht recht zur übrigen Story passen wollte.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Schenk mir Glück

Die Magnolienkatzen
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"Für ein Lebewesen zu sorgen hieß auch eines Tages Abschied zu nehmen. Als würde das ganze Glück, das man einst verspürt hatte, auf einmal mit einer Welle der Trauer vergolten werden, mit Zinsen ...

"Für ein Lebewesen zu sorgen hieß auch eines Tages Abschied zu nehmen. Als würde das ganze Glück, das man einst verspürt hatte, auf einmal mit einer Welle der Trauer vergolten werden, mit Zinsen obendrauf."

Noriko und ihre Familie sehen sich eher als Hundefreunde. Doch nachdem sie die klaffende Leere kennengelernt haben, die der Tod eines Haustiers hinterlässt, haben sie vor langer Zeit beschlossen, ihr Leben nicht mehr mit Tieren zu teilen. Noriko hat in der Liebe kein dauerhaftes Glück gefunden, wollte nie Kinder, ist nun über 50 und als Schriftstellerin in einer Schaffenskrise. Nach dem Tod ihres Vaters zieht sie wieder zu ihrer Mutter in ein Haus in Yokohama. Dort wo ihr Vater zu Norikos Geburt einst eine Magnolie pflanzte, wirft eine Streunerkatze fünf Kitten, kurz nachdem Noriko in einem Schrein um Glück gebeten hat.

Zunächst hofft Noriko, die Katzen gingen sie nichts an. Doch nachdem auch der Tierschutz aus Kapazitätsgründen nicht helfen kann, kümmern sich Noriko und ihre Mutter um die sechs Katzen. Und schon bald heißt die Mutterkatze Mimi und Norikos Welt ist nicht mehr die gleiche, denn sie erkennt, jede Katze ist eben so einzigartig wie unersetzlich...

Leider gibt es kein Nachwort, aber da die Autorin ebenfalls Noriko heißt, handelt es sich vermutlich um eigene Erlebnisse. Es ist eine kleine, feine Geschichte, die man an nur einem Nachmittag lesen kann und die mich trotzdem sehr berührt hat. Sehr hübsch sind auch die Abbildungen der Katzen im Innenteil, die an Tuschezeichnungen erinnern.

"Ich fühlte mich, als würden in meinem Haus lauter Blumen blühen."

Wieviel die Verbindung zu Katzen verändern kann, beschreibt die Autorin auf beeindruckende Weise. Wir begleiten sie vor allem durch das erste Jahr nach der Geburt der Kitten und darüber hinaus. Tierfreunde können das Buch unbesorgt lesen. Den Verlust geliebter Tiere muss man hier, außer bei der Rückschau in die Kindheit, nicht befürchten. Genau das macht ja sonst Tierbücher ausgerechnet für Tierfreunde oft schlecht lesbar. Es ist hier eher lustig mitzuerleben, wie im Umfeld von Noriko eine wahre Katzenmanie rund um die Kitten ausbricht und auch Norikos Mutter ihre Einstellung zu Katzen komplett zum Positiven verändert.

"Menschen, die Katzen nicht mögen, sind bloß Menschen, die noch nie eine hatten."

Vor allem wer dies mit Katzen auf dem Schoß liest, kann dem nur von Herzen zustimmen.

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