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Saskia_Krueger

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Eine Geschichte über zwei absolut hinreißende Charaktere, die einem das Herz erwärmen

You Are My Sun
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You Are My Sun von Cornelia Franke

(Rezensionsexemplar)

Begonnen: 21.12.23
Beendet: 04.01.23
Genre: LGBTQ+ Romance, Charakterdriven
Herausgeber: Selfpublished
Erscheinungsdatum: 16.06.23
Seitenzahl: ...

You Are My Sun von Cornelia Franke

(Rezensionsexemplar)

Begonnen: 21.12.23
Beendet: 04.01.23
Genre: LGBTQ+ Romance, Charakterdriven
Herausgeber: Selfpublished
Erscheinungsdatum: 16.06.23
Seitenzahl: 353
Format: eBook
Preis: 3,99 € + KU
ISBN: B0C4HHPT9S
Reihe: Teil 1 einer Reihe, kann einzeln gelesen werden
Perspektive: Jae-Sun & Henry, Er-Erzähler
Setting: New York, Otaku Store
Tropes: Slow burn, Friends-to-Lovers, Sunshine vs. Grumpy, Meet Cute

Wie bin ich auf das Buch aufmerksam geworden?
Bei den Leserunden von Lovelybooks

Warum wollte ich es unbedingt lesen?
Ich lese gerne LGBTQ+ Storys, vor allem BL. Außerdem hat mich das Thema der Selbstfindung angesprochen.

Liebstes Zitat
„Jae-Sun…“, setzte er atemlos an und verschluckte sich an seinen Worten, die laut durch seine Gedanken polterten. Kann ich dich noch einmal küssen? Auch wenn es nicht regnet? Hast du das ernst gemeint?
(S. 100)

Kurze Zusammenfassung
In der Geschichte geht es um Jae-Sun, der einen Otaku-Store eröffnet und Henry, der in diesen Laden stolpert und seitdem jeden Freitag eine Gacha-Figur zieht. Sie beide haben schwer mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen und sehnen sich nach demselben – einfach so geliebt zu werden wie sie sind.

Liebste Charaktere: Jae-Sun, Henry, Tori

Liebste Szene: LA Umarmung

Liebstes Kapitel: Kapitel 29

Was nehme ich mit?
- Mut man selbst zu sein
- Selbstliebe

Was hat mir gefallen, was nicht und wieso?
(Ausführliche Meinung & Zusammenfassung am Ende)

Idee
Die Idee rund um die Charaktere und ihre Geschichten, sowie ihre Liebesgeschichte fand ich schön und habe es so noch nicht gelesen. Das Setting war auch außergewöhnlich und schön.

Umsetzung
Es wird abwechselnd aus der Sicht von Jae-Sun und Henry geschrieben, im Er-Erzähler und in der Vergangenheit. Was perfekt gewählt ist, da der Ich-Erzähler vermutlich zu nah gewesen wäre und die Geschichte dadurch noch erdrückender geworden wäre.

Titel und Cover passen hervorragend zur Geschichte. Vor allem der Titel wirkt nach Beendigung des Buches noch mal viel tiefer nach.

„Ich habe mein bestes Gacha längst gezogen.“ Mit der freien Hand wanderte er über Henrys Rücken, bis seine Finger mit seinen Haaren spielten. „Hab mein ganzes Geld in das Tori to Neko gesteckt, gedreht und dann bist du durch die Tür gestolpert und in meiner offenen Handfläche gelandet.“
(S. 264)

Thema
Die Themen sind miteinander sehr stimmig und machen das ganze Buch rund. Es geht um Vergangenheitsbewältigung, Vergebung und Einsamkeit; Freundschaft, Liebe und LGBTQ+. Wie die Themen angegangen und im Buch platziert wurden hat mir gut gefallen.

Weil er Angst hatte. Nicht nur das, Angst bestimmte ihn, hielt ihn eisern im Griff. Angst, allein zu sein, verlassen zu werden, Angst, dass sein Wunsch nach Zuneigung wieder unerfüllt blieb… Angst, dass sich Henry eines Tages von ihm abwandte, weil Jae-Sun – schon wieder – nicht das Richtige war.
(S. 160)

Er gab sich so viel Mühe, die Leben seiner Mitmenschen mit Wärme und Licht zu füllen, dass man schnell die Dunkelheit übersah, die ihn wie ein Schatten überallhin begleitete.
(S. 233)

Geschichte
Der Beginn der Geschichte zieht einen direkt in die Story, sodass die ersten fünf Kapitel quasi an mir vorbeigezogen sind. Auch danach ließ es sich gut weg lesen.

Das Setting passt zur Geschichte und auch die Vergangenheit wird während der Geschichte vermittelt und schmiegt sich gut rein. So wird man nicht mit Rückblenden rausgerissen.

Zu Beginn gibt es eine Playlist passend zum Buch, was ich ein schönes Gimmick ist. Es gibt keinen Prolog, man fängt sofort mit dem Buch an. Dafür gibt es einen Epilog, den ich geliebt habe. Und sogar einen Übergang zu Teil 2 gibt es, der wirklich Lust darauf macht.

Charaktere
Die Charaktere haben mein Herz im Sturm erobert, ich liebe sie sehr und finde sie sind einfach Zucker. Ich kann ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen und sie hatten eine unglaubliche Tiefe. Ihre Handlungen passen zu ihnen.

Ich mochte die Entwicklung von ihnen. Sie war nicht zu schnell und doch konnte man bei Henry sehen was mit einem Menschen passiert, wenn es einmal „Klick“ macht.

Was mir echt gut gefallen hat was das Verständnis der beiden untereinander. Jae-Sun wusste genau was in Henry los ist und sie beide haben sich nie gegenseitig zu etwas gedrängt. Ich finde sie tun sich beide unfassbar gut.

Jae-Sun
„Tue ich das? Ich hab dich noch nie lachen gehört.“
„Innerlich“, wich Henry aus.
„Dann muss ich mich wohl mehr anstrengen, damit das auch äußerlich klappt. Ich würde dich gerne lachen hören.“
(S. 115)

Henry
Da Henry nicht einmal mit seinen eigenen Gefühlen zurechtkam, diese oft nicht richtig deuten konnte, wie sollte er dies bei Fremden schaffen?
(S. 39)

Tori
Ein Strahlen schlich sich in Toris Augen, heller, als Jae-Sun es für möglich gehalten hatte. „Das ist so süß!“
(S. 331)

Spannung
Die Spannung passiert vorrangig durch die beiden Hauptfiguren und ihren Konflikten. Einerseits die, die sie mit sich selbst austragen und die mit anderen.

Die Spannungskurve würde ich fast als W bezeichnen. Es gibt immer wieder Up and Downs. Bis zum Schluss ist alles offen.

Liebesgeschichte
Die Lovestory der beiden war wirklich hinreißend. Sie waren so süß miteinander und gleichzeitig so vorsichtig. An manchen Stellen hatte ich ein warmes Kribbeln im Bauch und dann war ich teilweise richtig sauer auf sie.

Es gab auch ein, zwei heißere Szenen, die gut geschrieben waren, aber abgeblendet wurden. Ich persönlich fand es nicht schlimm, weil das die Grundstimmung der Geschichte vielleicht etwas kaputt gemacht hätte.

„Umarmungen für alle, richtig?“
Jae-Sun nickt vorsichtig.
„Komm her.“
„W-was?“
Henry ließ die Arme ein Stück sinken und das T-Shirt fiel dabei zu Boden. „Willst du keine Umarmung? Oder muss ich erst nett bitten?“
Jae-Sun durchquerte das Hotelzimmer so schnell, dass er Henry mehr ansprang, als dass er in seine Arme fiel.
(S.155)

Drama
Aufgrund der Vergangenheiten und den daraus folgenden Problemen, die die Figuren jetzt im Erwachsenem Alter haben, hatte ich ziemlich Mitleid mit ihnen. Ich konnte mich gut hineinversetzen. Und manche Szenen haben mir fast das Herz gebrochen.

Worte schürten Hoffnung, verletzten, zerstörten, schmerzten.
(S. 173)

Wie sehr sich Jae-Sun auch zusammenzuhalten versuchte, etwas in ihm zerbrach endgültig.
(S. 214)

Lesespaß
Obwohl die Themen natürlich an einigen Stellen schwer waren, hat das meinen Lesespaß nicht im geringsten gemindert. Außerdem gab es auch immer wieder witzige Stellen, die alles aufgelockert haben.

„Mein Herz sagt Ja, mein Kopf … ist ein Idiot.“
(S. 325)

Schreibstil
Den Schreibstil fand ich gut und schnell zu lesen. Er hat die Gefühle gut transportiert und manchmal hat er mein Herz stark umklammert und mitgerissen.

Er hatte alles verloren. Seinen Schulfreund, seine Hoffnung, seine Chance auf Glück. Endgültig. Es tat so weh. Alles. Stehen. Atmen. Hier sein. Sich aufrecht halten. Alles war auf einmal nur noch Schmerz.
(S. 171)

Lesefluss
Ich wüsste jetzt nicht, dass ich über irgendwas gestolpert wäre, was meinen Lesefluss unterbrochen hätte.

Ende
Ich mochte das Ende und fand es sehr passend. Allerdings bleibt für mich eine quälende Frage offen. Was ist mit Ren?

„Es klingt so, als würde er seiner Katze freudig erzählen, dass du seine Gefühle erwiderst…“
(S. 334)

Erster Eindruck nach lesen
Ich bin froh, die Geschichte gelesen zu haben und bin glücklich. Ich habe mitgefiebert, mitgelitten und liebe die beiden Jungs einfach.

Erneut lesen
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Aber wenn ich mal wieder Lust auf eine BL Story habe, werde ich sicher an diese hier denken.



Meinung zusammengefasst
Ich habe das Buch, die Charaktere und die Liebesgeschichte geliebt. Es war sehr spannend die Entwicklung der beiden zu verfolgen. Ich kann die Geschichte uneingeschränkt empfehlen.

Positive Punkte
- Setting toll
- Themen gut gewählt
- Große Liebe zu den Charakteren
- Schreibstil transportiert Gefühle

Negative Punkte
- Was ist mit Ren?

Bewertung
Idee 5/5
Umsetzung 5/5
Thema 5/5
Geschichte 5/5
Charaktere 5/5
Spannung 5/5
Liebesgeschichte 5/5
Drama/Traurig 5/5
Lesespaß 5/5
Schreibstil 5/5
Lesefluss 5/5
Ende 4/5
Erster Eindruck nach beenden 5/5
Erneut lesen 4/5

Gesamtbewertung: 4,85 = 4,9

Veröffentlicht am 07.01.2024

Eine Spenden-Anthologie über die „Menschlichen“ Abgründe

Between Cracks
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Between Cracks: Un/Menschlichkeit von Fanny Remus

(Rezensionsexemplar)

Begonnen: 18.12.23
Beendet: 30.12.23
Genre: Anthologie
Herausgeber: Selfpublished
Erscheinungsdatum: 22.11.23
Seitenzahl: 156
Format: ...

Between Cracks: Un/Menschlichkeit von Fanny Remus

(Rezensionsexemplar)

Begonnen: 18.12.23
Beendet: 30.12.23
Genre: Anthologie
Herausgeber: Selfpublished
Erscheinungsdatum: 22.11.23
Seitenzahl: 156
Format: eBook
Preis: 2,99 € + KU
ISBN: B0CN4XSVKP

Wie bin ich auf das Buch aufmerksam geworden?
Ich habe bei Lovelybooks die Leserunden durchgesehen und das Cover hat mich direkt angesprochen.

Warum wollte ich es unbedingt lesen?
Cover und Klappentext klangen nach gruseligen Storys über menschliche Abgründe. Da hatte ich richtig Lust drauf.

Liebstes Zitat
Ich bin Sünde. Ich bin Freiheit. Ich bin König und Diener, Gott und Verdammter – und ich bin hier, um dir ein Angebot zu machen.
(S.120 – Des Teufels Kreis)

Kurze Zusammenfassung
In acht Kurzgeschichten werden die Leser Stück für Stück in die Tiefe der „menschlichen“ Abgründe gezogen. Genretechnisch ist für jeden etwas dabei. Es gibt Fantasy, Sci-Fi, Historisches, Horror/Splatter und Spice.
Die einzelnen Geschichten wurden so angelegt, dass sie einen eigenen Spannungsbogen ergeben.

Liebstes Kapitel: Des Teufels Kreis

Was hat mir gefallen, was nicht und wieso?

Da es unterschiedliche Geschichten von unterschiedlichen Autoren gibt, kann ich meinem üblichen Bewertungskonstrukt nicht nachgehen, da ich sonst zu viel verraten würde. Also halte ich es alles allgemeiner.

Die Aufmachung ist schon ein Hingucker. Mal abgesehen von dem Cover, dass mich ja direkt angesprochen hat, gibt es für jede Geschichte eine eigenen Kapitelzierde, die am Ende ein Gesamtbild ergeben. Man merkt einfach, dass sich viele Gedanken gemacht wurden.

Zudem gibt es vor jeder Geschichte eine Content Note Liste. Diese ist sicherlich für einige Personen hilfreich, wobei ich sie sammelt an den Anfang (oder das Ende) gestellt hätte, da sie vor allem bei einer Geschichte sehr arg gespoilert hat, sodass etwas der Lesespaß verloren ging.

Jede Geschichte hat mich nachdenken lassen. Man wurde von allen unterhalten, aber vor allem in den Bann gezogen. Sie zu lesen war spannend und teilweise verstörend. Bei der letzten hatte ich sogar ein beklemmendes Gefühl im Magen und das hat noch nicht einmal Stephen King bei mir geschafft.

Ich mochte jede der Geschichten, einige mehr, andere weniger. Aber man kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Außerdem unterstützt man einen guten Zweck mit dem Kauf.


Positive Punkte
- Spenden Anthologie für einen guten Zweck
- Für jeden was dabei
- Aufmachung von außen und innen
- Spannend

Negative Punkte
- Content Notes nicht gut platziert

Bewertung
The Blooming Lord von Milian Ventus 4/5
Lost Voice von Elysa Winters 4/5
Fuck von Fanny G. Remus 4/5
Iris von Vivian Kraft 4/5
Das erste Mal vergisst man nicht von Martin Moch 5/5
Des Teufels Kreis von Ian Raine 5/5
A Song of Blood and Love von Jack Sandmann 4/5
Ich. Kenne. Dich. Nicht. von Eileen Stortz 5/5

Gesamtbewertung: 4,37 = 4,4

Veröffentlicht am 27.12.2023

Eine Geschichte übers sich anzweifeln und wiederfinden

Tünde weiss alles
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Tünde weiss alles von Maiken Brathe

(Rezensionsexemplar)

Begonnen: 13.12.2023
Beendet: 18.12.2023
Genre: Frauenroman, Charakterdriven
Herausgeber: Ulrike Helmer Verlag
Erscheinungsdatum: 28.08.2023
Seitenzahl: ...

Tünde weiss alles von Maiken Brathe

(Rezensionsexemplar)

Begonnen: 13.12.2023
Beendet: 18.12.2023
Genre: Frauenroman, Charakterdriven
Herausgeber: Ulrike Helmer Verlag
Erscheinungsdatum: 28.08.2023
Seitenzahl: 260
Format: eBook
Preis: 16,99 €
ISBN: 9783897419148
Perspektive: Tünde
Setting: kleines Norddeutsches Dorf

Wie bin ich auf das Buch aufmerksam geworden?

Durch das Youtubevideo von MsDrunkencherrys Bücherstapel

Warum wollte ich es unbedingt lesen?

Nach dem Klappentext hatte ich eine magische/ schicksalshafte Verbindung zwischen Tünde und Libby erwartet.

Liebstes Zitat

„Wohin soll ich denn zurück?“
Sie fängt die Unterlippe mit den Schneidezähnen ein. Sehe auf das Blut, das nachströmt, als sie die Lippe wieder frei lässt. Geschwollen. Rot.
„Zu mir.“ (S. 244)

Kurze Zusammenfassung

Das Buch erzählt die Geschichte einer 39-jährigen „Wahrsagerin“, die nach ihrer Trennung ihrer Ex-Frau zurück in ihr Heimatdorf gezogen ist. Sie kümmert sich um ihre pflegebedürftige Tante und ihren Nachbarn, der wie ein Ersatzvater für sie ist. Sie ist mit sich und der Situation mehr als unzufrieden, hängt mit ihren Gedanken noch bei ihrer Ex, während sie den Dorfbewohnern die „Zukunft“ voraussagt. Dann taucht Libby bei ihr auf und nestet sich bei ihr ein, obwohl sie der Grund für die Trennung ist. Tünde ist alles andere als begeistert, denn Libby stellt ihr Leben gehörig auf den Kopf.

Liebste Charaktere: Jensen und Libby

Liebste Szene: Libby und ihre Postboten-Metapher

Was nehme ich mit?

Positives sollte man wie ein Geschenk annehmen, Negatives wie Aa ablehnen.

Was hat mir gefallen, was nicht und wieso?
(Ausführliche Meinung & Zusammenfassung am Ende)

Idee

Ich mag die Idee und die Message dahinter sehr.

Umsetzung

In dem Buch gab es keine Action oder Magie, dass tut dem Buch aber keinen Abbruch. Der Hauptaugenmerk liegt auf Tünde und ihrem negativen Selbstbild und Libbys Positivität. Durch den Klappentext hatte ich zwar mit Magie und mit mehr Elli gerechnet, was mich schon etwas enttäuscht hat, aber dennoch mochte ich das Buch.

Thema

Die Themen sind sehr tiefgehend und wichtig. Es geht um Identitätssuche, Bodyshaming, Selbstzweifel und den inneren Kritiker, mit dem sicher viele (wenn nicht sogar alle) schon mal in Kontakt gekommen ist. Ich finde das die alle gut darstellt und umgesetzt wurden. Es ist als würde man in Tündes Kopf sitzen und mitfühlen.

„Übergewichtig“, sagt mein Arzt. […]
„Mehrgewichtig“, sagte Elli. […]
„Fett“, sage ich. […] (S. 5)

Schon lange fürchte ich mich nicht mehr vor irgendwem. Nur vor mir selbst. (S. 42)

Alle Gedanken drängen auf die Bühne, hasten vor, stolpern, überschlagen sich, die gegenwärtigen kloppen sich mit rückblickenden, die Zukunftsangst mit der Erfahrung. (S. 76)

Hunde sollten keine Schokolade essen. Tündes auch nicht. (S. 121)

Was für eine Frage! Libby will nicht zuerst wissen, was es bedeutet, sondern es geht um mich. Um mich. (S. 165)

Ich bin überflüssig. Wofür bin ich da? Tante Hedi braucht mich nicht mehr. Niemand braucht mich mehr. (S. 184)

Geschichte

Die Szenen mit Claudia hätten meiner Meinung nach weniger sein können, oder andererseits mehr ausgebaut werden können. Sie waren für mich irgendwie verwaschen. Ansonsten hat dieser Geschichte nicht viel gefehlt. Ich finde das Libby Tünde absolut gut tut und finde wir brauchen alle eine Libby im Leben. Zumindest würde ich mir eine wünschen.

„Siehst du!“ Ihre Hände breiten sich aus wie bei einer Offenbarung. „Du entscheidest, ob du die Kacke annimmst, die dir jemand reicht.“ (S. 171)

Seit Libby da ist, kenne ich uns alle nicht mehr. (S.203)

Charaktere

Die Charaktere finde ich absolut gelungen und menschlich. Die Handlungen der Figuren haben zu den Charakteren gepasst. Sie sind wie aus dem Leben und ich kann mir geradezu vorstellen das dieses Dorf mit diesen Menschen wirklich im Norden Deutschlands existiert. Sie leben da die typische Dorfgemeinschaft.

Obwohl ich Libby am Anfang nicht mochte, weil sie mit so einer Selbstverständlichkeit da einfach auftaucht, doch das hat sich schnell geändert. Die Libby, unser kleines Naivchen, hat mich mit ihrer positiven Art sehr beeindruckt.

Mir ist es unbegreiflich, wie sie immer wieder Einlass findet: in Betten, in Herzen, in meine Lücke. (S. 143)
(Ja, auch in mein Herz.)

„Warum lachst du nicht mit, Tünde? Es ist so komisch! Ironische Fistel!“
„Ich will dich nicht auslachen.“
„Das ist doch kein Auslachen. Das ist lustig! Ständig passieren mir so witzige Sachen. Ist das nicht großartig? Lachen ist so schön.“ (S. 169)

Jensen, der wie ein Ersatzvater für Tünde ist, ist ein absoluter Gutmensch. Er ist absolut toll und er hat mein Herz im Sturm erobert (wie ein großer Onkel). Und das er Plattdeutsch schnackt, finde ich super. Das macht ihn nochmal besonders und da ich ein Nordkind bin, verstehe ich auch einiges, wenn auch nicht alles.

Besonders ist aber auch die Entwicklung von Tünde. Alles passiert genau in dem richtigen Tempo. Ich liebe die Wandlung die sie durchgemacht hat. Sie ist super inspirierend.

Spannung

Die Spannung in diesem Buch war für mich durchwachsen. Es gab Stellen die musste ich einfach weiterlesen und welche wo ich mich fast schon gezwungen habe. Das waren vor allem die ersten zwei-drei Kapitel (schwer zu verstehen) und die Szenen mit Claudia (Ich habe oft nicht verstanden worum es ging, was das bedeutet und sie waren manchmal wie nicht fertiggeschrieben). Dagegen waren die Szenen mit Libby und mit Jensen interessant, spannend und teilweise wunderschön.

Drama

Mal abgesehen von Tündes Zweifeln, ihrer körperlichen Scham und den Betrug ihrer Frau passiert hier so viel, dass mir im Herzen weh tat. Ich hatte so viel Mitleid mit Tünde. Wie ihre Vergangenheit war, aber auch ihre Gegenwart. Das Tante Hedi schon so abbaut und der Plattschnacker Jensen, der irgendwie alles verloren hat und trotzdem immer weiter macht. Geweint habe ich aber nicht.

Lesespaß

Durch die Themen und den Schreibstil war das Buch keine leichte Kost. Dennoch hat Libby alles mit ihrer Art aufgelockert. Die Geschichte hatte definitiv Witz und Charme.

Lachst du jetzt doch? Pfui! (S. 168)

„Wenn der Postbote dir einen Haufen Aa vorbeibringt, dann nimmst du den doch nicht an, oder, Tünde?“ (S. 170)

„Und wie heißt du bei dem Spiel?“ Libby lächelt, strafft die Schultern und sagt mit ernster Miene: „Schlagertrulla.“ (S. 199)

Schreibstil

Über die fehlenden Absätze bei Szenensprüngen habe ich bereits gesprochen. Ansonsten fand ich den Schreibstil anspruchsvoller als bei den Büchern, die ich sonst so lese, was vermutlich am Thema/Genre lag. Dafür ist das Buch voller schöner, malerischer Beschreibungen und neuen Lebensweisheiten.

Beobachtet mich mit ihren strahlenden Augen. Flapp. Flapp. Flügelschläge ihrer Wimpern. (S. 34)

Da sind helle Sprenkel in Libbys Iris. Als wäre die grüne Farbe zu Ende gegangen. Nicht ausgemalt. (S. 84)

Es sind nur Dinge. Auch wenn sie eine Seele haben. (S. 106)

Ich schließe die Augen, horche auf das Flattern der Dinge, die der Wind fest im Griff hat, genieße die Berührungen meiner Haare, die vor dem Gesicht wehen. Kaum mag ich es denken, zu kostbar die Idee! Ein Hauch, eine Tauperle, ein Impuls. Das fühlt sich an wie glücklich sein. (S. 112)
(Dieses Zitat spricht mir absolut aus der Seele.)

Geruch von Wärme auf Beton, Blütenzauber und auch die olfaktorische Herausforderung der Bauernhöfe in der Nähe. (S. 203)

Lächle, immer läuft irgendwas: die Nase, das Radio, die Zeit davon. (S. 252)

Lesefluss

Manche Sachen habe ich leider nicht verstanden, dass war mir etwas zu hoch oder ich musste sehr lange darüber nachdenken, bis sich mir der Sinn erschloss.

Etwas nicht mit Emotionen zu füttern, bedeutet nicht, dass es verhungert. (S. 74)

Ich wusste schon früher, dass sie ihn verlieren wird. Verloren hat. Sah es an seinem Blick, der manchmal etwas länger auf Dingen haften blieb, die ihm nichts mehr bedeuteten. (S. 173)

Ein paar mehr Absätze wären gut gewesen, da ich teilweise nicht wusste wo ich gerade bin (Vergangenheit oder Gegenwart). Dafür bin ich über keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler gestolpert.

Ende

Ich finde das Ende super gelungen und gut gewählt. Natürlich möchte man gerne wissen wie es weitergeht mit Tünde, Libby, Jensen, Tante Hedi und allen anderen. Doch Tündes Wandlung ist gut vorangeschritten und ich hatte zum Schluss tatsächlich Gänsehaut und einen fetten Kloß im Hals.

Also, du musst gehen.
Schade, ich hatte mich mittlerweile an dich gewöhnt.
Muss sein.
Darf ich dich irgendwann mal besuchen?
Das werde ich wohl nicht verhindern können. Du tauchst bestimmt eines Tages wieder auf.
Stimmt, lacht es in mir, aber da bin ich wie eine Vampirin. Ich komme nur, wenn du mich einlädst. (S. 255)

Erster Eindruck nach lesen

Zu aller erst war ich froh das Buch beendet zu haben. Allerdings hat es nicht lange gedauert und dann fehlte Tünde mir, weil sie irgendwie ein Teil von mir geworden ist. Tünde ist mir sehr ähnlich und ihre Wandlung inspiriert mich.

Erneut lesen

Vermutlich werde ich es nicht noch einmal lesen, bin aber froh es gelesen zu haben. Dafür werde ich mir die Zitate sicher immer mal wieder zu Gemüte führen. Und mit großer Gewissheit kann ich sagen, dass ich Tünde nicht vergessen werde und an sie denken werde.



Meinung zusammengefasst

Obwohl ich aufgrund des Klappentextes mit etwas anderem und vor allem mit etwas Fantasy gerechnet habe und mir der Schreibstil nicht ganz so gut gefällt, hat das Buch einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Ich musste erstmal alles sacken lassen und bin froh, dass Tünde nun ein Teil meiner Seele ist.

Positive Punkte Negative Punkte
-Charaktere gelungen -ersten Kapitel schwer zu
-wichtiges Thema verstehen/lesen, du fehlende Absätze
-am Ende Gänsehaut -einiges habe ich nicht verstanden
-Witz und Charme ohne die -vom Klappentext her etwas anderes
Themen ins lächerliche zu ziehen erwartet
-tolle Entwicklung der Hauptfigur

Bewertung
Idee 5/5
Umsetzung 4/5
Thema 5/5
Geschichte 4/5
Charaktere 5/5
Spannung 3/5
Drama/Traurig 4/5
Lesespaß 3/5
Schreibstil 3/5
Lesefluss 3/5
Ende 5/5
Erster Eindruck nach beenden 3/5
Erneut lesen 2/5

Gesamtbewertung: 3,77 = 3,8