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Veröffentlicht am 29.03.2017

gelungene Fortsetzung

Das Licht in deiner Stimme
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Tiryn ist eine junge Frau Mitte 20, die in Florida aufgewachsen ist, durch ihren Opa Nicholas, der aus Deutschland stammt, aber auch die Geschichten von der rauen Ostsee kennt. So sehr Tiryn ihre Heimat ...

Tiryn ist eine junge Frau Mitte 20, die in Florida aufgewachsen ist, durch ihren Opa Nicholas, der aus Deutschland stammt, aber auch die Geschichten von der rauen Ostsee kennt. So sehr Tiryn ihre Heimat mag, so sehr spürt sie auch, dass ihre wahre Heimat an der Ostsee liegt. Um das herauszufinden, fliegt sie schließlich nach Deutschland, wo sie erst mal nett aufgenommen wird - bis sie erzählt, wer ihr Großvater ist. Nicholas gilt in seiner Heimat jedoch als Verräter, weil er damals seine Verlobte Henny einfach verlassen hat. Tiryn will wissen, was hinter der Geschichte steckt - und immerhin gibt es einige Menschen in Ahrenshoop, die ihr eine Chance geben, weil sie nichts für die Fehler ihres Großvaters kann. Doch ob Ahrenshoop wirklich ihre Heimat ist, kann nur Tiryn feststellen...

Nachdem ich "Das Meer in deinem Namen" verschlungen habe, musste ich auch die Fortsetzung lesen. Und auch diese hat mich nicht enttäuscht: Sie liest sich so flüssig wie der erste Teil. Da der Zugang diesmal aus Tiryns/Nicholas Perspektive geschieht, setzt sich langsam ein Mosaik zusammen, was damals mit Henny, Nicholas und Myra passiert ist. Die Teile aus Myras Perspektive sind zwar noch sehr unvollständig, aber ich vermute, da kommt im dritten Band noch einiges.

Allerdings muss ich feststellen, dass dieser Band gegen Ende leider ein paar Längen hatte. Natürlich ist es schön, Tiryn über die Insel zu folgen und dabei die Insel aus ihrer Wahrnehmung beschrieben zu bekommen, aber gegen Ende gibt es hier so einige Doppelungen, bei denen ich mich beim querlesen ertappt habe. Am Anfang war es genau die detaillierte Beschreibung der ihr vollkommen neuen Eindrücke, die das Lesevergnügen noch erhöht haben, aber gegen Ende des Buches war es dann einfach nichts neues mehr, sondern hat irgendwie das Ende, das ich an einem Punkt als rund empfunden habe, noch weiter hinausgezögert.

Tiryn ist eine Protagonistin, die ich beim ersten Kennenlernen durchaus unterschätzt habe. Sie ist klug, mutig, selbstständig, kämpferisch und weiß, was sie will. So hat sie auch ihr Ziel, einmal im Leben (am liebsten noch vor ihrem 25. Geburtstag) nach Ahrenshoop zu kommen und die Heimat ihres Großvaters kennenzulernen - allerdings fehlt ihr dafür das Geld. Trotzdem hält sie an ihrem Traum fest und durch eine Fügung kommt sie schließlich nach Deutschland. Dort angekommen schafft sie es, sich den dortigen Gegebenheiten - inklusive der Feindseligkeit, die ihr von manchen Seiten entgegenschlägt - zu stellen und ihnen die Stirn zu bieten. Dabei hat sie mich mit ihrer Schlagfertigkeit an manchen Stellen auch durchaus überrascht.

Die anderen Personen in Ahrenshoop sind zum Großteil "alte Bekannte", bei denen ich mich gefreut habe, zu sehen, wie es ihnen inzwischen geht. Vor allem aus Florida kamen auch noch einige neue Gesichter hinzu und vor allem war es spannend, Nicholas näher kennenzulernen und mit ihm, Henny und Myra eine Zeitreise bis zurück in ihre Kindheit zu unternehmen.

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die darauf hoffen lässt, dass das Ende der Trilogie mindestens genauso gut wird.

Reihenfolge:

1. Das Meer in deinem Namen

2. Das Licht in deiner Stimme

3. Der Horizont in deinen Augen

Veröffentlicht am 29.03.2017

lehrreich und lustig

Für mich ist auch die 6. Stunde
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Frau Freitag kennt man ja durchaus von den Büchern, die sie über ihre Klasse an einer Berliner Brennpunktschule geschrieben hat. Mit "Für mich ist auch die 6. Stunde" legt sie nun ein etwas anderes Buch ...

Frau Freitag kennt man ja durchaus von den Büchern, die sie über ihre Klasse an einer Berliner Brennpunktschule geschrieben hat. Mit "Für mich ist auch die 6. Stunde" legt sie nun ein etwas anderes Buch vor, da es sich hierbei eher um ein Fachbuch handelt. Allerdings heißt das nicht, dass Frau Freitag jetzt verknöchert und trocken Theorien darstellt und ausbreitet, sondern vielmehr erzählt sie, wie sie seit dem Referendariat versucht, den idealen Unterrichtsstil zu finden, was ihr dabei hilft, was gar nicht, was Allzweckwaffen sind, welche Tipps sie woher bekommen hat... Dabei greift sie auch auf Beispielszenen aus ihrem Unterricht zurück, die (wie man es aus den Vorgängerbüchern gewohnt ist) mal kurios sind, mal lustig, mal erschreckend.

Frau Freitag ist Lehrerin mit Leib und Seele, das merkt man diesem Buch an. Sie mag ihre Schüler, auch wenn sie sie manchmal auf die Palme bringen. Entsprechend basieren auch ihre Tipps und Analysen von Schülerverhalten nicht auf dem Prinzip "lieber Lehrer - böse Schüler", sondern sie nimmt die unterschiedlichen Schülertypen genau unter die Lupe und zeigt die jeweiligen Stärken und Schwächen auf, wo die Schüler vielleicht auch selbst Probleme haben und wie man auf dieser Grundlage mit ihnen umgehen kann, sie vielleicht irgendwo zu packen kriegt, so dass sie sich gebraucht und wertgeschätzt fühlen.

Sehr spannend fand ich auch die Analyse der verschiedenen Lehrertypen und die Verhaltenstipps fürs Lehrerzimmer. Hier lauern so einige Fallstricke, in die gerade motivierte junge Lehrer schnell tappen können - ganz abgesehen davon, dass ich behaupten würde, dass es in vielen anderen Firmen ähnlich sein dürfte.

Das Buch ist sehr geeignet für Lehrer, die Anregungen suchen (gerade auch für jüngere), aber auch für Menschen, die in verschiedenen Gebieten mit Gruppen von Jugendlichen arbeiten und mitunter daran verzweifeln, mit ihnen halbwegs sortiert ins Gespräch zu kommen. Da Frau Freitag ein großes Gespür für Schüler und die Probleme, die die Jugendzeit mit sich bringt, hat, findet man hier viele Hinweise, an die man eigentlich selbst hätte denken können, die man aber gerne mal übersieht oder abtut. Abgesehen davon, dass sie auf den Stellenwert von "Privatgesprächen" (z.B. über Serien, Hobbies, Wandertage,...) und Spielstunden hinweist, die zwar auf keinen Lehrplan hinarbeiten, aber für das Arbeitsklima unglaublich wichtig sind.

Fazit: Ein sehr gut zu lesendes Fachbuch über die Arbeit einer Lehrerin, das ich nur empfehlen kann.

Veröffentlicht am 29.03.2017

Was Pfarrer sich lieber nur denken

111 Dinge, die ein evangelischer Pfarrer nicht sagt (und eine Pfarrerin natürlich auch nicht)
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"111 Dinge, die ein evangelischer Pfarrer nicht sagt" setzt sich aus neun Kategorien zusammen, in denen sich Sätze finden, die evangelische Pfarrer (Pfarrerinnen natürlich auch) nicht sagen würden, sich ...

"111 Dinge, die ein evangelischer Pfarrer nicht sagt" setzt sich aus neun Kategorien zusammen, in denen sich Sätze finden, die evangelische Pfarrer (Pfarrerinnen natürlich auch) nicht sagen würden, sich aber durchaus denken und um Versprecher, die mehr oder weniger auffällig sind. Letztere Kategorie trägt passenderweise die Überschrift "Nehmt und trinkt alles daraus" (Margot Käsmann auf dem Kirchentag in Hannover bei der Einsetzung des Abendmahls).

Der Großteil des Buches besteht jedoch aus Sätzen, die man besser nie sagt, z.B. "Wenn schon der Fernseher während des Taufgesprächs läuft, würde ich gerne 'Shopping Queen' gucken." Sehr schön auch die Kategorie "Die liebe Gemeinde", in der man sich als Pfarrer bei Presbyteriumssitzungen besser folgende Aussage verkneift: "Aber natürlich können wir gerne im Kirchenvorstand zwei Stunden darüber diskutieren, ob es Schnitzel oder Würstchen am Gemeindefest gibt und zu welchen Preisen wir das anbieten. Ich hab Zeit und der Punkt mit der Jugendarbeit ist nicht so wichtig und kann bis zum nächsten Mal warten."

Ich hab mich beim Lesen des Buches köstlich amüsiert, zumal ich mich in vielen Szenen wiederfinden konnte - sei es noch aus meiner Zeit als Ehrenamtliche, aber auch jetzt aus meiner beruflichen Perspektive. Man darf dieses Buch genauso wie das Gemeindeleben nicht zu ernst nehmen, sonst besteht eher die Gefahr, dass man daran verzweifelt. Und manche Szenen sind einfach nur herrlich, wie diese aus dem Reli-Unterricht: "Sagen Sie mal, Frau Pfarrerin, wie alt sind sie?" - "37." - "Aha, und wie lange ist das mit Jesus jetzt her?" - "So ungefähr 2.000 Jahre." - "Schade, dann haben Sie das mit dem Jesus auch nicht so genau mitgekriegt."

Und umgekehrt hofft man, dass die Gemeinde nicht zu oft betet: "Heiliger Geist, lass das Wunder geschehen, dass wir die Gedanken, die der Herr Pfarrer sich ausgedacht hat, auch verstehen."

Fazit: Ein amüsantes Büchlein für zwischendurch.

Veröffentlicht am 29.03.2017

gruseliger Psychothriller

Die Flut
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Auf Amrum geht ein Mörder um. Allein das versetzt die Insel in Angst und Schrecken, sein Vorgehen macht das alles noch schlimmer: Er kommt irgendwie in das Ferienhaus von Pärchen, betäubt beide und bringt ...

Auf Amrum geht ein Mörder um. Allein das versetzt die Insel in Angst und Schrecken, sein Vorgehen macht das alles noch schlimmer: Er kommt irgendwie in das Ferienhaus von Pärchen, betäubt beide und bringt sie an den Strand, wo er die Frau bis zum Hals im Sand eingräbt, den Mann an einem Pfahl anbindet und dieser so zusehen muss, wie seine Frau ertrinkt. Die Polizei tappt im Dunkeln und die Insel verfällt immer mehr in Angst, weil niemand mehr weiß, wem man trauen kann.

Puh, das war mal ein Psychothriller vom feinsten. Man lernt den Täter zwar zu Beginn schon kennen, weiß aber nicht, wer er ist. Diese Frage habe ich während der ganzen Lektüre immer wieder neu lösen müssen, weil sich meine Verdachtsmomente alle als falsch herausstellten. Die Auflösung gibt es auch erst ganz ganz am Schluss - und auf eine Weise, dass ich wirklich einen Moment fassungslos war, auch wenn die Lösung nicht abwegig war.

Viele Charaktere sind nett und man bekommt schnell einen Draht zu ihnen, allerdings gibt es auch einige, die sperriger sind, allen voran den Chefermittler. Man ahnt zwar schnell, was hinter seinem Verhalten stecken könnte, aber dadurch wird es an manchen Stellen nicht besser. Dazu gehören aber auch einige Inselbewohner und Feriengäste, die so alle nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei mir schnell ins Visier geraten sind. Gleichzeitig sind andere so nett und unauffällig, dass es schon wieder auffällig wird. Und zu alldem kommt die Tatsache, dass alle paar Kapitel die Sicht des Täters geschildert wird, der sich der Polizei um Längen überlegen fühlt und sich so in Sicherheit wiegt.

Die Kapitel sind sehr kurz und enden noch nicht mal unbedingt mit Cliffhangern, trotzdem konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Für mich war es der erste Strobel, aber es wird nicht der letzte gewesen sein =)

Fazit: Ein spannender Thriller mit Gänsehautfaktor, den ich nur empfehlen kann.

Veröffentlicht am 29.03.2017

fesselnder Roman

Love Letters to the Dead
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Laurel muss nach dem Tod ihrer Schwester May alles neu sortieren - da kommt ihr die Aufgabe ihrer Englischlehrerin sehr gelegen: Schreibe einen Brief an eine verstorbene Persönlichkeit. Sie schreibt an ...

Laurel muss nach dem Tod ihrer Schwester May alles neu sortieren - da kommt ihr die Aufgabe ihrer Englischlehrerin sehr gelegen: Schreibe einen Brief an eine verstorbene Persönlichkeit. Sie schreibt an Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester, weil beide zu früh gestorben sind. Laurel gibt die Hausaufgabe zwar nicht ab, aber sie merkt, wie gut ihr das Briefeschreiben tut und so schreibt sie noch mehr Briefe: an Janice Joplin, Amy Winehouse, Heath Ledger und viele andere Promis, die jung gestorben sind. Sie erzählt ihnen aus ihrem Leben, wie sie sich verliebt und von May, ihrer großen Schwester. Und erst mit der Zeit lernt sie, dass sie das, was sie diesen Menschen anvertraut, auch ihren neuen Freundinnen sagen kann.

Ich hatte schon viele gemischte Stimmen zu diesem Jugendroman gehört und war nun sehr gespannt, wie er mir gefallen würde. Vom Stil her liest er sich sehr flüssig, auch wenn er nur aus den Briefen besteht, die Laurel schreibt. In manche Zusammenhänge muss man sich so erst mal einfinden, andere werden erst mit der Zeit deutlich, aber auch bei nicht-Brief-Romanen weiß man nicht immer von Anfang an alles. Es war viel mehr spannend zu sehen, was diese Hausaufgabe mit Laurel macht, wie sie merkt, dass sie auf diesem Weg mit dem Verlust klarkommt - der für sie noch dadurch verstärkt wurde, dass ihre Mutter weggezogen ist und sie nun abwechselnd bei ihrem Vater und ihrer frommen Tante wohnt.

Der Roman richtet sich an Jugendliche und handelt von einer Jugendlichen, was man zwischendurch deutlich merkt. So sind gerade die Unsicherheit und das Dazugehörenwollen starke Motive, bei denen man sich manchmal fragt, ob das in dem Maß noch gesund ist - und gegen Ende des Buches merkt, warum das bei Laurel so stark ausgeprägt ist. Die Briefe sind wie Puzzlestücke, bei denen man immer ein bisschen mehr über Laurel und May erfährt - und das was man erfährt ist nicht ganz ohne.

Ich finde diesen Roman sehr gelungen. Auf eine Art war er für mich ein Experiment, ob das Schreiben und Lesen von Briefen an tote Stars wirklich eine fesselnde Handlung ergeben können, aber dieses Buch zeigt: Das kann es auf jeden Fall, man muss sich nur auch darauf einlassen.

Fazit: Nicht nur für Jugendliche sehr zu empfehlen.