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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2017

und täglich grüßt das Muttertier

Mutter ruft an
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Bastian Bielendorfer, bekannt durch seine Bücher über sein Dasein als Lehrerkind, erzählt hier von seinem Leben mit seiner Mutter. Dabei geht es nicht darum, dass er ein noch bei den Eltern lebendes Muttersöhnchen ...

Bastian Bielendorfer, bekannt durch seine Bücher über sein Dasein als Lehrerkind, erzählt hier von seinem Leben mit seiner Mutter. Dabei geht es nicht darum, dass er ein noch bei den Eltern lebendes Muttersöhnchen ist, sondern, dass er mit seiner Freundin in Köln lebt, seine Eltern im Ruhrgebiet und seine Mutter ihn oft anruft. Oft hat sie Gründe, warum sie ihn anruft, wie zum Beispiel, weil sie sich ausgesperrt hat und bei Schnee im Strandkorb sitzt und dringend die Nummer eines Schlüsseldienstes braucht. Oder sie ruft begeistert an, weil sie sich endlich ein Handy gekauft hat - natürlich nur das Beste. Zwischendurch schreibt sie auch SMS - wobei diese eine ganze Zeit sehr kurz ausfallen, weil sie denkt, dass sie nur soviel schreiben darf, wie in das Kästchen passt. Ganz ab und zu ruft auch Papa Bielendorfer mal an, aber das sind dann schon Ausnahmesituationen, wenn er z.B. spontan 600 CDs "verbrannt" werden möchte. Und Bastian muss damit klarkommen, alle Fragen in Ruhe beantworten und im Zweifelsfall den Hörer an seine Freundin weiterreichen - deren Gelassenheit manchmal schon übermenschlich wirkt

Ich habe das Hörbuch im Auto gehört und fand es dafür genau richtig. Die Kapitel sind zwar mit 4-9 min schon sehr unterschiedlich lang und in der CD habe ich kein Booklet gefunden, das so ungefähr Aufschluss über die zu erwartende Länge gibt, aber dann muss man sich halt entscheiden, ob man später weiterhört, oder ein paar Minuten auf dem Parkplatz im Auto sitzt. Jedes zweite Kapitel steht unter der Überschrift "Mutter simst" und ist ziemlich kurz (1-2 min), da hier Bastian und seine Mutter nur per SMS kommunizieren.

Die Situationen und Fragen wirken manchmal ziemlich abstrus, haben mich aber sehr oft an meine Schwiegereltern erinnert, von denen ähnliche Fragen kommen könnten oder schon kamen. Mein Mann fand das Hörbuch deshalb allerdings nur halb so lustig wie ich, weil er die Situationen eben zu gut kannte... An einigen Stellen tat Bastian mir auch sehr leid, da seine Eltern ihn schon oft noch wie ein Kind behandeln und ihn wegen seines noch nicht abgeschlossenen Studiums nicht ernst nehmen.

Fazit: Ein amüsantes Hörbuch, das ich für Autofahrten nur empfehlen kann.

Veröffentlicht am 01.08.2017

eher eine sanfte Brise

Wind aus West mit starken Böen
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Katharina hat ein ruhiges Leben: Sie und ihr Freund Jens haben jeder seine eigene Wohnung, damit man auch mal seine Ruhe haben kann, sie hat einen guten Job bei einer Rechercheagentur... alles ganz im ...

Katharina hat ein ruhiges Leben: Sie und ihr Freund Jens haben jeder seine eigene Wohnung, damit man auch mal seine Ruhe haben kann, sie hat einen guten Job bei einer Rechercheagentur... alles ganz im Gegensatz zu dem, wie sie in ihrer Kindheit und Jugend gelebt hat, wo sie unter dem bunten Hippie-Leben ihrer Eltern sehr gelitten hat. Ihre Schwester Inken hingegen kam damit gut klar und ist auch auf ihrer Heimatinsel Sylt geblieben, während Katharina der Insel schnell den Rücken gekehrt hat. Nun muss sie für einen Rechercheauftrag für einen berühmten Autor wieder dorthin und das auch noch für mehrere Wochen. Dass sie sich dort mit ihrer Schwester trifft, ist klar, aber dass ihr ihre erste große Liebe über den Weg läuft, hätte sie gerne vermieden...

Die Bücher von Dora Heldt sind meist locker-leicht, lesen sich sehr zügig weg und verbreiten Urlaubsflair. Hier war das leider nicht ganz so der Fall, irgendwie kam mir das Buch oft ein bisschen zäh vor, fast so angestrengt perfektionistisch, wie Katharina es lange ist. Vielleicht ist das Absicht und die Hauptfigur sollte den Stil des Buches prägen, aber ich hätte mir gewünscht, dass es mehr von der Leichtigkeit versprüht, die Dora Heldts Bücher sonst haben.

Die Charaktere sind alle erst mal sympathisch, allerdings ging mir Katharinas überhebliche Art irgendwann ziemlich auf die Nerven. Ihr fehlt lange Zeit die Empathie, dass es noch etwas anderes als Perfektion geben kann - oder, an ihrer Kleidung festgemacht, etwas anderes als braun-weiß-beige. Dagegen ist ihre Schwester Inken schön entspannt, wirkt manchmal vielleicht ein bisschen verplant, aber ist dabei einfach sympathisch. Wäre sie nicht ins Spiel gekommen, hätte ich das Buch vielleicht abgebrochen, weil mir Katharina zu anstrengend war. Zumal Katharina ja keine "richtigen" Probleme hat, sie plänkelt halt so vor sich hin und findet alles schlimm, was nicht ihren Vorstellungen entspricht. Dafür ist Inkens Seite umso sympathischer, die Figuren kann man sich richtig gut vorstellen. Die Darstellungsweise wird zwar beabsichtigt sein, für mich war es aber zuviel des Guten. Zumal auch von der Handlung her gefühlt nicht viel passiert, es gibt keinen richtigen Höhepunkt, stattdessen zwei kleine. Das Buch ist in drei Teile unterteilt, aber warum das so ist, hat sich mir nicht wirklich erschlossen.

Fazit: Bisher das für mich schwächste Buch von Dora Heldt. Nett für zwischendurch, aber leider nicht mehr.

Veröffentlicht am 01.08.2017

spannender Sommertrip

Ein Sommer und vier Tage
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Paula ist eine brave Musterschülerin, die tut, was ihre Eltern von ihr verlangen. Damit das Abi auch entsprechend wird, soll sie den Sommer in einem Lerncamp in Italien verbringen. Doch schon bei der Abfahrt ...

Paula ist eine brave Musterschülerin, die tut, was ihre Eltern von ihr verlangen. Damit das Abi auch entsprechend wird, soll sie den Sommer in einem Lerncamp in Italien verbringen. Doch schon bei der Abfahrt wird klar, dass die älteren Schüler, die das ganze betreuen, die Anwesenheitskontrolle nicht zu streng durchziehen - und plötzlich finden sich Paula und Lewis, der süßeste Typ der Gruppe, an einer Autobahnraststätte wieder, weil der Bus ohne sie weitergefahren ist. Die beiden machen das Beste aus der Situation und machen sich auf einen Roadtrip durch Italien, um wenigstens ein paar Tage lang alles zu sehen, was Italien zu bieten hat...

Als ich im Klappentext den Begriff "süßester Typ" gelesen habe, habe ich das Buch erst mal wieder weggelegt, weil es mir zu teeniehaft klang. Dann kamen hier und auf Twitter lauter begeisterte Rezensionen und schließlich musste ich es einfach haben. Und ich habe es nicht bereut, das Buch ist eine lockere Sommerlektüre, die sich sehr mit dem Erwachsenwerden und was dazu gehört beschäftigt. Natürlich sind Jugendliches Zielgruppe des Romans, aber der Sprache merkt man das jetzt nicht übermäßig an. Das Buch liest sich sehr flüssig, ich wollte es kaum aus der Hand legen. Ich wollte einfach immer wissen, wie es weitergeht.

Die Protagonisten Paula und Lewis sind eigentlich ziemlich gegensätzlich: Paula, die brave Streberin, nicht unattraktiv, aber mehr darauf getrimmt, ihren Eltern zu gefallen, trifft auf Lewis, den süßen Sunnyboy, dem ein gewisser Ruf Mädchen betreffend vorauseilt und dessen Noten abgefallen sind, weswegen er über Sommer nacharbeiten muss. Beide verstehen sich von Anfang an - und selbst während des Roadtrips kommen sie gut miteinander klar, was unter solchen Umständen ja nicht immer der Fall ist. Gleichzeitig fand ich Lewis an manchen Stellen komisch, bis sich endlich geklärt hat, was hinter seinem Verhalten steckt. Ich hatte es vermutet, kann auch verstehen, warum er nicht sofort alles erzählt hat, aber sein Verhalten war zwischendurch schon anstrengend, wo ich auch Paulas Reaktion gut verstehen konnte.

Fazit: Ein sommerlicher Roman über die Liebe und das Erwachsenwerden, der auch noch Lust auf einen Italien-Trip macht - was will man mehr? =)

Veröffentlicht am 01.08.2017

interessante Familienanalyse

Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke
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Familie Cooke ist erst mal eine gebeutelte Familie - doch auf den zweiten Blick merkt man, dass die Familie sich einen Großteil ihres Schicksals selbst eingehandelt hat: Der Vater ist Psychologe, der für ...

Familie Cooke ist erst mal eine gebeutelte Familie - doch auf den zweiten Blick merkt man, dass die Familie sich einen Großteil ihres Schicksals selbst eingehandelt hat: Der Vater ist Psychologe, der für seinen Beruf lebt und, wenn es schlecht läuft, sich mehr dem Alkohol zuwendet. Seine Frau hingegen bekommt dann Kopfschmerzen und Depressionen - wie damals, als die Familie ihre Tochter Fern verlor. Einige Jahre später lief dann noch der Sohn Lowell weg. Zurück blieb Rosemary, die bis dahin ein lebhaftes Kind war, das immer viel geredet hat und nun auf einmal verstummt. Wobei "verstummt" eher heißt, dass sie im normalen Maß redet und nicht mehr wie vorher ohne Punkt und Komma. Doch jetzt sind ca. 15-20 Jahre seit damals vergangen und Rosemary schreibt die Geschichte ihrer Familie auf.

Ich fand den Klappentext sehr ansprechend. Das Buch klingt nach einer interessanten und rätselhaften Familiengeschichte (Tragödie). Auf eine Art ist es das auch, allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, dass Rosemary berichtet, was damals passiert ist. Es ist alles sehr sachlich, so dass ich als Leserin mich als außenstehende Beobachterin gefühlt habe, die aber nicht mit in das Geschehen genommen wird. Dazu trägt auch bei, dass Rosemary gerne Beispiele ähnlicher Fälle anführt, die dann in ein paar Sätzen skizziert werden. Von diesen Beispielen stehen oft drei bis fünf hintereinander und oft wird darauf nicht mehr wirklich Bezug genommen. Und das an Stellen, wo ich eigentlich wissen wollte, wie es weitergeht, das hat mich schon genervt.

Das Buch ist in große Abschnitte unterteilt, die jeweils eine eigene Kapitelzählung haben. Oft beginnt mit den Abschnitten ein eigener Zeitabschnitt, mitunter aber auch nicht. Da hat es mich dann eher verwirrt, warum ein neuer Abschnitt beginnt, zumal die Handlung auch meistens weitergeht. Bei den zeitlichen Umbrüchen fand ich es aber gut.

Rosemary ist sehr eigen, aber dabei nicht unsympathisch. Sie ist eine junge Frau, die ihren Weg sucht und dazu gehören will. Ich konnte sie gut verstehen, gerade, nachdem ich mehr über sie erfahren hatte. Dass sie dadurch auch ein recht rationaler Mensch geworden ist, passt zum Stil des Buches, aber es nimmt einen einfach nicht mit. An sich bietet das Thema viel Potential, dass man sich mit dem Thema "Familie", aber auch mit dem anderen großen Thema "Tierhaltung" auseinandersetzt, aber so haben mich die Gedanken von Rosemary zum Thema mit der Zeit mehr und mehr genervt, zumal gefühlt auch irgendwann nix neues mehr kam, sondern immer wieder dieselben Fakten neu illustriert wurden. Es waren auch keine grundlegend neuen Erkenntnisse, aber immerhin Tatsachen, die man gut hätte aufarbeiten können.

Fazit: Schade, ich hatte mir etwas ganz anderes unter dem Buch vorgestellt, vor allem, dass man als Leser mehr mitgenommen wird und nicht so sehr in die Beobachterrolle gesteckt wird.

Veröffentlicht am 01.08.2017

bittersüße Lektüre

Lichtblaue Sommernächte
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Lauren ist glücklich: Nach einem etwas turbulenten Beziehungsstart ist sie mit Tim glücklich, sie haben zwei Töchter und ein hübsches Haus, Lauren überlegt sogar, ihr Studium wieder aufzunehmen - doch ...

Lauren ist glücklich: Nach einem etwas turbulenten Beziehungsstart ist sie mit Tim glücklich, sie haben zwei Töchter und ein hübsches Haus, Lauren überlegt sogar, ihr Studium wieder aufzunehmen - doch dann bekommt sie Kopfschmerzen. Erst fällt ihr nur auf, dass sie nicht mehr aufhören, doch irgendwann hält sie es gar nicht mehr aus und geht zum Arzt. Die Diagnose: Hirntumor, unheilbar. Die Prognose: Vermutlich noch ca. 1,5 Jahre. Sie beginnt eine Chemo, doch der Krebs kommt schneller zurück, als gedacht. Und so muss sie sich mit der Frage nach ihrem Sterben auseinandersetzen und wie sie sich ihr Sterben vorstellt.

Die Geschichte wird in drei Strängen erzählt: Den Anfang macht der Kindergeburtstag von Laurens jüngster Tochter, kurz nach Laurens Tod. Dieser Strang wird erst ganz am Ende des Buches wieder aufgegriffen. Dazwischen wechselt die Handlung zwischen Laurens letztem Abend, den sie mit ihrer Familie und ihren Freunden am Strand verbringt und Laurens Geschichte, die sie am Strand allen einmal lückenlos erzählt. Diese Vorgehensweise fand ich richtig gut. Man weiß zwar, was kommt, aber es so zu hören, wie alle, die schon im wesentlichen dabei waren, aber auch nicht alles wussten, macht einen ein bisschen zu einer Mitwisserin, so dass es nicht so dramatisch ist, dass der Klappentext relativ viel erzählt. Abgesehen davon wird so sehr viel Menschlichkeit transportiert, wo z.B. Laurens ältere Tochter ihr Verhalten ihrer Mutter gegenüber bereut und ihr das auch noch sagen kann.

Die Charaktere sind alle so, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Lauren ist zu Beginn eine lebenslustige junge Studentin, die höchstens damit hadert, dass sie mal ein paar Kilo abnehmen könnte. Im Laufe der Geschichte ändert sie sich sehr, die Krankheit zeichnet sie. Gleichzeitig will sie für ihre Familie stark sein und lächelt über ihre früheren Probleme. Ihre Familie ist ebenfalls sehr sympathisch: Tim als Ehemann, der fast verzweifelt und sich mit seiner Frau erst noch mal zusammenraufen muss. Die kleine Tochter, die gerade im Vorschulalter ist und noch nicht wirklich versteht, dass ihre Mutter sterben wird und die 14jährige große Tochter, die ihre Mutter nicht verlieren will, aber auch nicht aus ihrer pubertierenden Haut kann. Dazu die Clique und Laurens Eltern, die das alles nicht fassen können, aber trotzdem für Lauren da sein wollen.

Das Buch liest sich sehr flüssig, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Allerdings brauchte ich umgekehrt auch Pausen, um alles sacken zu lassen. Dazu kommt, dass das Buch zwar nicht rührselig geschrieben ist, aber von Anfang der Tod mitspielt, weswegen mir beim Lesen fast immer die Tränen in den Augen standen oder über die Backen liefen. Das hat so noch kein Buch geschafft! Für mich hat das dazu geführt, dass ich das Buch nur zu Hause gelesen habe. Das Thema ist nicht einfach, aber es ist gut aufgearbeitet. Das Buch wirkt auf eine Art leicht und bringt einen an den erstaunlichsten Stellen zum Schmunzeln. Die Entscheidungen fand ich immer sehr ausgereift und nachvollziehbar, das finde ich gut.

Fazit: Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann!