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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2016

Viele Rückblenden mit Längen

Irgendwo im Glück
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Maisie Bean lebt mit ihrer Familie in Dublin. Nach einer kurzen, von Gewalt geprägten Ehe mit Danny Fox ist Maisie mit ihren Kindern Jeremy und Valerie zu ihrer Mutter Bridie gezogen. Maisie ist eine sehr ...

Maisie Bean lebt mit ihrer Familie in Dublin. Nach einer kurzen, von Gewalt geprägten Ehe mit Danny Fox ist Maisie mit ihren Kindern Jeremy und Valerie zu ihrer Mutter Bridie gezogen. Maisie ist eine sehr engagierte Mutter, die ihren Kindern eine sehr sozial ausgerichtete Erziehung angedeihen lässt und gleichzeitig mit zwei Jobs die Familie finanziell über Wasser hält. Mit den Jahren erkrankt Bridie an Demenz. Vor allem der ältere Jeremy unterstützt Maisie tatkräftig in der Betreuung seiner dementen „Grammy“.
Kurz nach Neujahr 1995, gerade als sich Maisie nach lahrelanger Pause wieder zu verlieben beginnt, verschwindet Jeremy.
Der Roman ist aus einer rückblickenden Perspektive geschrieben. Aus dem Prolog erfährt man, dass Maisie gestärkt aus der schweren Zeit hervorgegangen ist und ihre Erlebnisse in einem Buch verarbeitet hat. Die Rückblicke sind jeweils aus der Sicht von verschiedenen beteiligten Figuren verfasst, von Familienangehörigen sowie Freunden, die dann teilweise auch an dem fiktiven Buch mitgewirkt haben.
Den Aufbau des Roman finde ich sehr raffiniert. Man wird in der ersten Hälfte mit der Lebenswahrheit von Maisies Familie vertraut gemacht und in der zweiten spürt man Schritt für Schritt auf welches Anliegen die Autorin als Botschaft dieses Buches abzielt.
Leider empfand ich die ersten zwei Drittel des Romans als recht langatmig. Die vielen Rückblenden haben mich nicht selten gelangweilt und die Handlung konnte mich nur selten wirklich emotional abholen. Erschwerend kam für mich dazu, dass die Sprache eine sehr einfache ist, gespickt mit vielen Kraftausdrücken, was dem Roman durchaus an Authenzität verleiht. Meinen Geschmack trifft das leider nicht. Dafür habe ich viel zu wenig erfahren über das Leben in Dublin, über Irland, über das Milieu, in dem die Handlung spielt. Die Geschichte ist abgesehen von wenigen Ausnahmen, einfach nicht vor meinem inneren Auge erwacht. Die Handlung hätte irgendwo stattfinden können, was im Prinzip nicht schlecht sein muss, da es der Autorin wahrscheinlich mehr um ihre Botschaft ging, die das Buch vermittelt. Da diese ohnehin meinem persönlichen Selbstverständnis entspricht, war das jetzt auch nichts Neues für mich. Für einmal wäre vermutlich das Hörbuch in gekürzter Lesung für mich besser gewesen.
Ich vergebe dem Buch 3 Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wird Griet es packen?

Vergeltung im Münzhaus
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Mit „Vergeltung im Münzhaus“ setzt Petra Schier der 6-teiligen Reihe um die Apothekerin Adelina Burka das Krönchen auf. Der Roman setzt 3 Jahre nach dem Ende von „Verschwörung im Zunfthaus“ ein. Im Zentrum ...


Mit „Vergeltung im Münzhaus“ setzt Petra Schier der 6-teiligen Reihe um die Apothekerin Adelina Burka das Krönchen auf. Der Roman setzt 3 Jahre nach dem Ende von „Verschwörung im Zunfthaus“ ein. Im Zentrum dieses Bandes steht Griet, die uneheliche Tochter von Neklas, die in ihrer Kindheit von ihrem Stiefvater als Kindhure verdingt wurde und später in der Familie von Adelina und Neklas liebevolle Aufnahme gefunden hat. Griet ist bei Adelina aufgeblüht und beschäftigt sich am liebsten mit alchemistischen Experimenten. Die körperliche Nähe zu Männern kann Griet auf Grund ihrer Traumatisierungen kaum aushalten.
Griets Freundin Clara van Oeche ist Hebamme. Sie hat ein ähnliches Schicksal hinter sie und pflegt eine sehr innige Freundschaft zu Griet. Als Claras Vater Urs van Oeche tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Clara. Die junge Frau wird im Kunibersturm eingekerkert. Griet und die ganze Familie Burka sind von Claras Unschuld überzeugt und setzen alles dran, dass Clara aus dem Gefängnis freikommt. Unterstützt werden sie dabei von einem neuen Nachbarn am Alter Markt. Cristan Reese, der 2. Hauptmann der Stadtsoldaten und Ziehsohn des amtierenden Gewaltrichters Georg Reese führt die Befragungen in Claras Fall durch. Weil Clara wie Griet oft ängstlich auf Männer reagiert, nimmt Cristan Griet als Verstärkung zu Claras Verhören mit.
Ich habe es sehr genossen, dass dieser Abschluss der Serie bereits eine etwas andere Perspektive einnimmt als die bisherigen Bände. Adelina ist nach wie vor die Person, die den Burka-Klan zusammenhält, sie steht aber nicht mehr im Zentrum der Handlung. Neben der Aufklärung des Mordes am Kürschner Urs van Oeche handelt dieser Roman von der Entwicklung Griets und ihrem Leben mit den schweren Traumatisierungen, die sie aus ihrer Kindheit noch immer mitschleppt. Das fand ich sehr gefühlvoll und gut nachvollziehbar dargestellt, so dass ich mich gut in die junge, verunsicherte Frau einfühlen konnte. Aber es ist gleichermaßen der einzige Kritikpunkt, den ich am Buch habe. Für meinen Geschmack war ein bisschen zu oft betont, dass Griet nicht von Männern berührt werden mag. Irgendwann weiß man, dass sie zusammenfährt, wenn ihr ein Mann sehr nahe kommt.
Um bei den vielen Personen den Überblick zu haben, ist hinten im Buch ein nützliches Personenverzeichnis zu finden. Das ermöglicht es auch leicht, dieses Buch isoliert zu lesen und zu verstehen.
Ich konnte mit diesem abschließenden Roman wunderschön Abschied von Adelina nehmen. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn sie als Nebenfigur wiedermal in einem historischen Roman von Petra Schier einen Auftritt feiern würde. Wir werden sehen.... Ich vergebe diesem Buch 4,5 Sterne, weil das nicht überall geht, gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sehr spannende Handlung

Tödliche Jagd
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Die Autorin Silvia Stolzenburg ist vor allem bekannt durch minutiös recherchierte historische Romane. Ich war erst etwas skeptisch, als ich gelesen habe, dass sie jetzt auch Kriminalromane schreibt. Das ...

Die Autorin Silvia Stolzenburg ist vor allem bekannt durch minutiös recherchierte historische Romane. Ich war erst etwas skeptisch, als ich gelesen habe, dass sie jetzt auch Kriminalromane schreibt. Das geht nicht immer gut. Aber in diesem Fall muss ich sagen, mit „Tödliche Jagd“ ist der Autorin ein echter Wurf gelungen. Zumindest was meinen Geschmack betrifft.
Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Serie. Hauptfigur ist Anna Benz, eine junge Kommissarin, die in Tübingen wohnt und am LKA in Stuttgart arbeitet. Diesen Fall bearbeitet sie mit ihrem Kollegen Markus Hauer, der nicht gerade ihre große Sympathie erweckt. Sie wird zu einer Leiche im Stuttgarter Schlossgarten gerufen. Die Ermittlungen führen Anna und Markus sowohl ins Rotlichtmilieu als auch in Pharmakologische und Toxikologische Forschungslabore.
Gleichzeitig kämpft auch die Kantonspolizei der Stadt Zürich mit einem ungeklärten Mordfall. Die Überreste eines toten Mannes werden im Tigergehege im Zürcher Zoo aufgefunden. Da bei beiden Fällen eine gemeinsame Spur auftaucht, arbeiten die Stuttgarter und Zürcher Teams zusammen.
Ich fand diesen Kriminalroman sehr spannend und konnte richtig gut in Annas Umfeld eintauchen. Da ich die Schauplätze Stuttgart, Tübingen und Zürich recht gut kenne, konnte ich mir die Handlungsorte sehr gut vorstellen. Sie sind sehr anschaulich und authentisch beschrieben, so dass auch etwas von der Stimmung des jeweiligen Handlungsortes rüber kommt.
In diesem Teil wird vor allem das Privatleben von Anna beleuchtet, während Markus noch etwas im Hintergrund bleibt. Mit Anna konnte ich sehr gut mitfühlen und die Unsicherheiten, die sie als junge Frau im Beruf, aber auch in der Beziehung zu Jens, einem Tübinger Physiklehrer erlebt, sehr gut nachempfinden. Sprachlich ist der Krimi in einer sehr eingängigen Sprache verfasst, so dass er sich flüssig lesen lässt.
Ich werde dieses Reihe auf jeden Fall treu bleiben und freue mich schon auf die Fortsetzungen.
Von mir erhält dieses Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine brutale Welt

Der Junge, der Träume schenkte
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Die junge Cetta, die in Süditalien in armen Verhältnissen groß wird, will ihrem Sohn Natale eine bessere Zukunft ermöglichen. Sie wandert mit ihm nach Amerika aus. Da man mit dem Namen Natale in New York ...

Die junge Cetta, die in Süditalien in armen Verhältnissen groß wird, will ihrem Sohn Natale eine bessere Zukunft ermöglichen. Sie wandert mit ihm nach Amerika aus. Da man mit dem Namen Natale in New York nicht viel anfangen kann, wird er von der Einwanderungsbehörde kurzerhand mit Christmas übersetzt und so heißt der Junge fortan, der mit Cetta im ärmlichen New Yorker East End aufwächst. Cetta muss sich prostituieren, um sich un ihren Jungen zu ernähren. Christmas erlebt viel Schweres und begreift, dass die wahre Macht der Straße in den Gangs liegt. So gründet er seine eigene Gang, die Diamond Dogs und mogelt sich mit an Hochstapelei grenzenden Lügengeschichten durchs Leben.
Ein anderer Erzählstrang handelt von der jungen Ruth, die in einer wohlhabenden jüdischen Familie aufwächst. Eines Tages wird sie misshandelt und vergewaltigt, was ihr fortwährendes Leben auf Jahre hinaus überschattet.
Ich habe diese Geschichte als Hörbuch in einer gekürzten Lesung gehört. Ich habe anfangs sehr schnell in die Geschichte hineingefunden und Cetta und ihren kleinen Natale liebgewonnen. Dass das Leben Christmas, wie er fortan genannt wird in die brutale Welt der Gangs führt, war vom Klappentext her klar. Dennoch hatte ich etwas zu kämpfen mit den teilweise sehr brutalen Vergewaltigungsszenen. Die warmherzigeren Szenen, die zwischendrin bei Christmas wie bei Ruth eingestreut waren, habe ich sehr genossen. Aber insgesamt konnte mich das Hörbuch nicht so wirklich mitnehmen, wie ich es erwartet hätte. Von Cetta und den Problemen, die sie beim Einleben in Amerika hatten, habe ich kaum was erfahren. Dafür haben mich die Ausflüge in die Gangsterwelt nicht so wirklich interessiert. Interessant fand die mediengeschichtlichen Aspekte, die Entwicklung des Radios und Films zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Ich vermute, dass dieses Hörbuch Männern recht gut gefällt, weil es sich nicht mit ellenlangen Beschreibungen und gefühlvollen Schilderungen von Beziehungen aufhält. Möglicherweise wird das Hörbuch infolge der Kürzungen dem Roman nicht wirklich gerecht. Ich würde gerne 3,5 Sterne vergeben, da es aber zu einem 4 Sterne Buch doch noch einiges an Luft hat erhält dieses Hörbuch 3 Sterne mit einer verhaltenen Empfehlung.

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Veröffentlicht am 15.09.2016

Durchgehend spannend

Das Gold des Meeres
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In diesem dritten Teil der Feury-Serie von Daniel Wolf steht Balian de Fleury im Mittelpunkt. Balian ist der Sohn Rémys, des Buchmalers aus „Das Licht der Welt“. Balian muss das Handelshaus der Fleurys ...

In diesem dritten Teil der Feury-Serie von Daniel Wolf steht Balian de Fleury im Mittelpunkt. Balian ist der Sohn Rémys, des Buchmalers aus „Das Licht der Welt“. Balian muss das Handelshaus der Fleurys leiten und fühlt sich so gar nicht als Kaufmann geboren. So dauert es auch nicht lange, bis er das Geschäft an die Wand fährt und als einzigen Ausweg, um die Gläubiger zu befriedigen, eine gewagte Handelsreise gegen Osten nach Gotland mitmacht.
Die Reise führt durch unwirtliche Gegenden, von Raubrittern beherrschte Pässe, über stürmische See und durch Kriegsumkämpfte Länder.
Ich fand diesen Roman, der etwas kürzer ausfällt als die Vorgänger, zu keinem Zeitpunkt langweilig. Die Figuren sind sehr gut charakterisiert und das Personenverzeichnis vorne im Buch sowie der Stammbaum der de Fleurys in der vorderen Klappe hilft einem, dass man sich bei den zahlreichen Figuren schnell zurecht findet. In der hinteren Klappe ist eine Karte abgedruckt, die es einem erlaubt, die Reise nach zu vollziehen.
Dieses Buch vereinigt die Welt der Ritter mit der Welt der Kaufleute und vermittelt Einblicke in heidnische baltische Stämme. Aber auch sensibel dargestellte Liebesgeschichten kommen drin vor, ohne dass sie die gesamte Handlung beherrschen oder aufdringlich wirken.
Sprachlich lässt sich der 660 Seiten starke Schmöker wunderbar lesen. Ich konnte herrlich in die vergangenen Zeiten eintauchen und mit den Hauptfiguren mitfiebern. Ich habe auch einiges gelernt über den Fernhandel im Osten im 13. Jahrhunderts und über die Gefahren, die auf den Handelswegen lauerten.
Bei vielen neuen Büchern, die ich lese, denke ich am Ende: „Naja, war ganz schön, spannend, lehrreich oder was auch immer. Aber braucht die Welt dieses Buch wirklich oder ist es ein Jahr nach Erscheinen schon in der Versenkung verschwunden?“ Bei diesem Buch ist das definitiv anders. Dieser Roman ist, egal ob einzeln oder als Teil einer Reihe gelesen, auf jeden Fall eine Bereicherung für die Leserwelt und ich bin sicher, dass man ihn auch in 5 Jahren noch gerne lesen und schenken wird.
Von mir erhält dieses Buch 5 Sterne und es ist im Moment mein Lesehighlight im Jahr 2016.