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Veröffentlicht am 15.09.2016

Todesstrand

Todesstrand
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Inhalt (übernommen)

Emma Klar war eine leidenschaftliche Polizistin. Bis ein Einsatz gegen einen Mädchenhändlerring furchtbar schief lief. Sie war eine Nacht in der Gewalt von Teith und seinen Männern. ...

Inhalt (übernommen)

Emma Klar war eine leidenschaftliche Polizistin. Bis ein Einsatz gegen einen Mädchenhändlerring furchtbar schief lief. Sie war eine Nacht in der Gewalt von Teith und seinen Männern. Nun hat sie sich ins beschauliche Wismar zurückgezogen - angeblich als Privatdetektivin. Aber eigentlich nutzt sie die Fassade für verdeckte Ermittlungen. Ihr erster Fall in der Detektei erscheint harmlos. Ein Mann glaubt nicht, dass sein sechzehnjährige Tochter sich umgebracht hat. Routiniert macht sich Emma an die Arbeit. Bald findet sie heraus, dass noch andere junge Frauen verschwunden sind - und sie stößt auf einen Namen, der sie beinahe in Panik versetzt: Teith.

Charaktere

Emma konnte ich sofort in mein Leserherz schließen. Sie hatte zwar durchaus Züge, wie sie in vielen Krimis vorkommen - psychisch angeschlagen, aber trotzdem stark - doch konnte sie durch ihr Mitgefühl und ihr Herz punkten.

Auch Johanna - ihre BKA-Kollegin - etwas schrullig und ungewöhnlich hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Sie war erfrischend mit ihrer Kaffe- und Keks-Macke.

Auch die anderen Nebencharaktere waren von Katharina Peters liebevoll und detailliert beschrieben und haben die Geschichte toll ergänzt.

Schreibstil

Katharina Peters hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil. Ich war sofort in der Geschichte drin und bin auch mit den vielen Namen nicht durcheinandergekommen, da sie immer wieder etwas erwähnt, sodass sie sofort zugeordnet werden konnten. Auch den Plot fand ich interessant. Leider muss ich aber sagen, dass ich die Geschichte zu kurz, zu wenig ausgearbeitet fand. Manchmal gingen mir die Ermittlungen zu schnell und zu glatt. Alles hat auf Anhieb funktioniert und "durch Zufall" wurde man auf irgendein Detail aufmerksam, das man im Fall vor zwei Jahren noch nicht gesehen hatte. Auch habe ich die Spannung vermisst: Der Leser weiß von Anfang an, wer der Täter ist und wer auf welcher Seite steht. Hier hätte ich mir eine überraschende Wendung gewünscht, sodass die ohnehin schon wenige Spannung noch etwas ins Spiel gekommen wäre. Leider konnte mich auch der Schluss nicht überzeugen: Auch hier kam dieser viel zu schnell, alles lief zu glatt ab und für mich blieben offene Fragen zurück.

Fazit

Ein Krimi mit guten Ansätzen und sympathischen Charakteren aus dem man etwas mehr hätte machen können.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Wind war es

Der Wind war es
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Inhalt (übernommen)

Eine junge Laientheatergruppe aus München verbringt eineige Wochen in einem winzigen Dorf am Meer: Stefan, der ambitionierte Autor, mit seiner Freundin Barbara. Anton, der Regisseur, ...

Inhalt (übernommen)

Eine junge Laientheatergruppe aus München verbringt eineige Wochen in einem winzigen Dorf am Meer: Stefan, der ambitionierte Autor, mit seiner Freundin Barbara. Anton, der Regisseur, der alles auf eine Karte gesetzt hat. Michael, der charismatische Germanistikstudent. Katrin, die Kunststudentin, die heimlich in Michael verliebt ist und immer bestrebt, die richtige der drei Brillen aufzusetzen. Und Lisa, die Medizinstudentin, die ihre gewohnte Zurückhaltung auf dieser Reise aufgeben wird. Die Truppe beginnt mit den Proben für ein neues Stück, und alles scheint nach Plan zu laufen. Dann aber kommt ein heftiger Sturm auf, der niemand verschont. Er tobt und wütet tagelang, macht die Köpfe wirr, wirbelt durcheinander, weckt Leidenschaften, lockt Gefühle hervor, schürt Eifersucht. Danach ist nichts, wie es war. Als am Morgen nach der letzten winddurchtosten Nacht ein Mitglied der Gruppe tot aufgefunden wird, sitzt der Schock tief...



Charaktere

Hier treffen sechs Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können: Jeder verfolgt mit dem Aufenthalt am Meer ein anderes Ziel, will teilweise zu sich selber finden, oder einfach nur den Sommer und die Liebe genießen. Leider lernen wir die sechs nicht wirklich grundlegend kennen: Die Geschichte beginnt mitten im Leben der Jugendlichen, wir erfahren keine Vorgeschichte und auch gibt es kein Danach. Wir sind dürfen "nur" diesen einen Sommer in Kroatien mit ihnen verbringen. Als der Sturm aufzieht, ändern sich die Charaktere, jeder geht mit dem Wind anders um. Alle werden im wahrsten Sinne des Wortes durcheinandergewirbelt, sie müssen sich ihren Gefühlen stellen, der Frage, was sie wirklich wollen. Und jeder reagiert untypisch: Ich finde - bis auf Anton - haben sich alle im Sturm um 180 Grad gedreht.

Einzig und allein Toma und Julia, Barbaras Tante und ihr Freund, konnte mich wirklich überzeugen. Sie haben Beständigkeit und Ruhe in die Geschichte gebracht und hier kam viel Gefühl für mich rüber.

Schreibstil

Natasa Dragnic hat eine sehr außergewöhnliche Erzählweise: kurze, knappe Sätze im Wechsel mit Monologen und geheimnisvollen Worten, Andeutungen konnten mich überzeugen. Die Natur, das Meer und den Sturm war in meinem Wohnzimmer! Auch lebte das Buch von verschiedenen Tempi: Der Anfang gemächlich, alle sind auf Sommer eingestellt, Mitten im Sturm wird alles aufregender, verwirrender.

Leider manchmal etwas zu verwirrend. Die Gedanken, die Beobachtungen und die Erzählperspektive wechselte so schnell, dass ich nicht mehr folgen konnte. Auch hat mir manchmal der Tiefgang gefehlt: Ich hab zwar alles mitbekommen, weiß wer wie auf was reagiert hat, aber leider nur oberflächlich. Ich hätte mir mehr tiefer gehende Gespräche, Diskussionen, Gedankengänge gewünscht. Und der Schluss ließ für mich zu viele Fragen nach dem "Warum?" auf.

Fazit

Ein ungewöhnlicher Roman, der einen ins romantische Kroatien entführt voller (oberflächlicher) Emotionen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Sommer mit Lulu

Die Sommer mit Lulu
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Inhalt (übernommen)

Die Villa Los Roques ist ein zeitloser Ort: Seit drei Generationen zieht das kleine Strandhotel im äußersten Osten Mallorcas Bohemiens und Lebenskünstler an. Als Lulu, die Besitzerin, ...

Inhalt (übernommen)

Die Villa Los Roques ist ein zeitloser Ort: Seit drei Generationen zieht das kleine Strandhotel im äußersten Osten Mallorcas Bohemiens und Lebenskünstler an. Als Lulu, die Besitzerin, inzwischen über 80 Jahre alt, eine Nachmittags zufällig auf ihren ersten Ehemann Gerald trifft, kommt es zum Handgemenge, und die einstigen Liebenden ertrinken im Meer. Entsetzt kehren Luc und Aegina, die Kinder aus den zweiten Ehen, auf die Insel zurück, um ein schweres Erbe anzutreten, immer der Frage nach: Was ist im Sommer 1948 passiert? Denn in der kleinen Inselgemeinschaft hat jede Intrige und jede Affäre ihren Ursprung in der Vergangenheit. Und die alten Enttäuschungen sind längst nicht vergeben.

Schreibstil

Der Leser bekommt die Geschichte um Gerald und Lulu rückwärts erzählt: Eine spannende Alternative, die den Spannungsbogen aufrecht erhalten hat. Da man als Leser schon mehr weiß, als die Protagonisten. Nur das Geheimnis selber wird bis zum Schluss bewahrt. Leider muss ich sagen, dass mir die Sprache teilweise sehr schwer gefallen ist, zu lesen. Für mich als nicht Spanisch Sprechende waren zu viele Wortwechsel in dieser Sprache enthalten - es ließ sich leider bis auf wenige Ausnahmen auch nicht herleiten, was gesprochen wurde. Und das Übersetzungsprogramm wurde mir auf Dauer zu lästig. Auch war mir der Bezug zu "Odysseus" und "Homer" zu viel. Wer die Geschichte um den bekannten Seefahrer, wie ich, zuletzt in der Schule gelesen hat und nicht mehr richtig weiß, was sie beinhaltet, tut sich schwer, die Beziehung zur Geschichte um Gerald herzustellen.
Leider muss ich auch sagen, dass ich vom Schluss etwas enttäuscht war: Ich hätte nicht gedacht, dass das der Auslöser dafür war, dass die Geschichte der beiden so endet, wie sie endet.
Positiv erwähnen möchte ich das Flair, den das Buch hat: Man kann sich Mallorca mit seinen Gerüchen, seiner Sonne und seinem Meer ins Wohnzimmer holen.

Charaktere

Eigentlich erfährt man nicht sehr viel von den Protagonisten, da sich der Schwerpunkt durch die verschiedenen Zeitebenen immer wieder ändert: Lulu habe ich als eine komische Alte kennen gelernt und leider konnte ich auch bis zum Schluss keinen Zugang zu ihr finden. Ihr Handlungsweisen haben mich verständnislos zurückgelassen.
Gerald hingegen war der "Pechvogel". Ein sympathischer Kerl, der viel im Leben mitmachen musste und aber trotzdem herzlich blieb und für etwas bestraft wurde, wofür er nicht konnte.
Auch Luc und Aegina - beide von ihrer Vergangenheit geprägt - konnten nicht aus ihrer Haut. Sie haben sich immer wieder zu falschen Zeit am falschen Ort getroffen. Sie haben sich zu sehr von der Vergangenheit beeinflussen lassen. Nichts desto trotz konnte zumindest Aegina durch ihre herzliche Art Sympathiepunkte gewinnen - Luc hingegen konnte ich nur mit Mitleid betrachten.

Fazit

"Die Sommer mit Lulu" ist kein Roman, den man am Pool oder am Meer "so kurz mal" lesen sollte. Er fordert den Leser und will seine ganze Aufmerksamkeit, die er auch verdient hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Zauber von Schokolade...

Der Duft der Träume
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„Der Duft der Träume“ ist ein Roman, der die Geschichte einer Schokoladenkanne erzählt. Wie ist sie entstanden? Wer hat sie in Auftrag gegeben? Wen hat sie im Leben begleitet und glücklich gemacht? Welche ...

„Der Duft der Träume“ ist ein Roman, der die Geschichte einer Schokoladenkanne erzählt. Wie ist sie entstanden? Wer hat sie in Auftrag gegeben? Wen hat sie im Leben begleitet und glücklich gemacht? Welche Wege ist sie gegangen?

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen. Sara, Inhaberin einer Confiserie, Aurora, Dienstmädchen im 19. Jahrhundert und Mariana, Ehefrau eines Schokoladenproduzenten im 18. Jahrhundert. Alle drei haben etwas gemeinsam: Ihren Wohnort Barcelona, ihre Liebe zur Schokolade und eben diese Kanne aus weißen Porzellan.

Mehr möchte ich zum Inhalt nicht erzählen, da ich finde, dass sonst zuviel vom Zauber um die Kanne und die Schokolade genommen wird.

Care Santos ist ein außergewöhnlicher Roman gelungen, der in umgekehrter Reihenfolge erzählt wird. Wir erfahren zuerst die Geschichte um Sara, dann Aurora und am Ende Marianas.
Durch ungewöhnliche Erzählperspektiven schafft Santos es, die Geschichte spannend zu halten. Kein Teil ist wie der andere, jede Geschichte der Frauen wird aus einer anderen Perspektive erzählt. Besonders toll fand ich den Teil um Aurora: Hier spielt auch die Musik, im Speziellen die Oper, noch eine kleine Rolle.
Auch die Sprache fand ich als äußerst angenehm. Sie hat mich sofort in die jeweilige Geschichte finden lassen und sich sehr flüssig lesen lassen.

Und ganz nebenbei erfahren wir auch noch etwas zu Barcelona und zur Schokoladenherstellung.

Der Roman – der sich für mich als historischer Roman entpuppt hat – ist eine Liebeserklärung an Barcelona und an Schokolade!
Er hat mich überrascht, mich Schokolade noch mehr genießen lassen, mich schmunzeln lassen, und zum Nachdenken angeregt.

Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Winter so weit

Winter so weit
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Inhalt (übernommen)
Calvin, 19, ehemaliger Neonazi, hat durch seine Liebe zu dem syrischen Mädchen Nura gelernt, umzudenken. Er hat seine Clique verlassen, Namen und Identität geändert und den Ausstieg ...

Inhalt (übernommen)
Calvin, 19, ehemaliger Neonazi, hat durch seine Liebe zu dem syrischen Mädchen Nura gelernt, umzudenken. Er hat seine Clique verlassen, Namen und Identität geändert und den Ausstieg geschafft. Doch er hat Nura verloren. Im Feuer, ganz am Ende, hat er ihr ein Versprechen gegeben: die dreizehnjährige Dschinan aus Syrien herauszuholen. Und er macht sich, zusammen mit Nuras Bruder Kamal, auf den Weg: Gegen alle Vernunft, gegen alle Regeln. Hinein in das Land, aus dem täglich Hunderte von Menschen fliehen. Während Calvins früherer Freund Pascal sich bemüht, Nuras Eltern in Berlin aufzuspüren und zu beseitigen, führt Calvins Weg durch zerstörte Städte und winterliche Berge. Er erlebt Zerstörung und Gewalt, Folter und Tod, doch immer wieder erfährt er auch eine Gastfreundschaft, die ihm neu ist. Als er in die Hände des IS gerät, weiß er, dass er nicht aufgeben wird. Denn nur wenn es ihm gelingt, Dschinan zu finden und zu retten, kann er, auf seine Weise, auch Nura wiederfinden.

Das Buch ist die Fortsetzung von „Sommer unter schwarzen Flügeln“. Es besteht aus zwei Handlungssträngen: Zum einen wird Calvins Reise nach Syrien erzählt, wir dürfen Teil haben an seinen Erlebnissen – positiv wie negativ – und er macht für mich eine totale Wandlung durch. Kennen gelernt als „aufrechten Deutschen“ und überzeugten Nazi hatte ich am Ende nicht das Gefühl einem Solchen 549 Seiten lang gefolgt zu sein.
„Aber in eine Zeit ohne Gedanken, kann man nicht zurück, wenn man einmal angefangen hat, zu denken." Genau dieses Zitat trifft es!
Calvin wurde vom unzufriedenen, wütenden und manchmal ohnmächtigen Teenager durch die Erlebnisse in Syrien zum Mann, der sich durch nicht brechen lässt.

Im zweiten Erzählstrang erfahren wir, wie es mit Nuris Familie weitergegangen ist: Sie sind inzwischen in Berlin und auch dort müssen sie sich Tag täglich gegen rechtes Gedankengut und rechte Anschläge wehren. Die Organisation „Hellersdorf hilft“ – allen voran Nick und Andrea – versuchen, den Neuankömmlingen so gut es geht zu helfen. Nick, selber Syrier und vor 15 Jahren nach Deutschland gekommen, war für mich der einzige Charakter ohne Ecken und Kanten: Er lebte fast schon zu angepasst und hat dabei leider seine Wurzeln vergessen, oder vergessen wollen.

Auch Cindy und Pascal tauchen in Berlin wieder auf: Cindy scheint nach dem Brand im Flüchtlingsheim, in dem Nuri ums Leben gekommen ist, endlich nachzudenken und entwickelt sich von der typischen „Nazi-Braut“ zu einer fast schon sympathischen Figur.
Pascal bedarf keiner Worte.

Der Schreibstil von Peer Martin hat mich auch in diesem Band wieder gefesselt: Eine außergewöhnliche bildhafte, sogar schon teilweise fast poetische Sprache (besonders schön fand ich die Assoziationen mit Farben) hat mich den Hauptprotagonisten nah sein lassen. Ich habe mit ihnen mitgefühlt und mitgelitten.
Auch ein besonderer Humor – besonders der von Calvin - hat das Buch an manchen Stellen aufgelockert.
Nach jedem Kapitel bekommt man Stichworte zur Internet-Recherche, die sehr informativ sind und die Geschichte super ergänzen und die politischen Hintergründe vertiefen. Und die Zitate vor jedem Kapitel haben darauf eingestimmt, wenn sie mich auch sehr oft sprachlos gemacht haben.

Fazit:
Ein wichtiges Buch, das mich wieder einmal sprachlos, nachdenklich und dankbar zurückgelassen hat. Sprachlos, dass es „Sowas“ in der heutigen Zeit wirklich noch gibt, nachdenklich, was man besser machen kann und muss und dankbar, dass ich in einem freien Land wie unserem leben darf.
Lesen, lesen, lesen!!!