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Veröffentlicht am 19.01.2018

eine grandiose Fortsetzung, die mühelos mit dem fantastischen Auftakt mithalten kann

Die Auslese - Nichts vergessen und nie vergeben
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Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben ist eine großartige Fortsetzung und mindestens genauso fesselnd wie der Vorgänger. Die Handlung setzt nicht unmittelbar am Ende des Auftaktes an, sondern ...

Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben ist eine großartige Fortsetzung und mindestens genauso fesselnd wie der Vorgänger. Die Handlung setzt nicht unmittelbar am Ende des Auftaktes an, sondern erst etwas später, es wird aber darauf Bezug genommen und die wichtigsten Ereignisse im Rahmen der Auslese werden früher oder später noch einmal erwähnt.
Es ist mehr als nachvollziehbar, dass Cia zunächst nicht wahrhaben will, dass ihr aufgezeichneter Bericht der Wahrheit entspricht, obwohl es sich scheinbar um ihre eigene Stimme handelt, weil die beschriebenen Erlebnisse unfassbar schrecklich sind und sie keinerlei Erinnerungen mehr daran hat. Es ist also kein Wunder, dass Cia das Gehörte erst einmal verdrängt und sich auf die bevorstehenden Prüfungen konzentriert, insbesondere da sie nicht weiß, welche Konsequenzen ein Versagen wirklich nach sich zöge. Nichtsdestotrotz ist sie natürlich entschlossen die Wahrheit aufzudecken und fängt damit an herauszufinden, was es bedeutet, wenn jemand von der Uni abgezogen wird.
Als sie sicher ist, dass die Behauptungen nicht erfunden sind, hegt sie zuerst den Wunsch sofort zu fliehen, weil sie verständlicherweise große Angst hat und nicht klar denken kann. Jemand, dem sie vertrauen kann, macht ihr jedoch noch rechtzeitig klar, welche Folgen eine Flucht für ihre Familie haben könnte, auch wenn es ihr selbst gelingen sollte zu überleben. Er erzählt ihr außerdem von einem Netzwerk, das plant die Auslese abzuschaffen und bietet ihr an sich daran zu beteiligen. Damit gibt er ihr ein Ziel, auf das sie hinarbeiten kann und für das sich das Risiko lohnt.

Denn sogar nach der Auslese schweben die Studenten weiterhin in Lebensgefahr. Abgesehen von der ständigen Bedrohung im Falle von schlechten Leistungen von der Universität abgezogen zu werden, müssen die Erstsemester in ihren jeweiligen Studiengängen eine Einweihung durchlaufen, in der sie hart geprüft werden. Die schwierigen Aufgaben, die sie dabei bewältigen müssen, werden bei Versagen anfangs nur gering bestraft, im späteren Verlauf müssen sie aber mitunter mit ihrem Leben dafür bezahlen. Nicht alle überstehen diese Phase und niemand weiß, was mit den anderen geschieht. Diejenigen, die aus Tosu-Stadt kommen, werden womöglich einer anderen Arbeit zugeteilt, doch die Studenten aus den Kolonien haben wahrscheinlich nicht so viel Glück.

Während der Einweihung treffen Cia und die anderen Studenten aus den Kolonien erstmals auf die Studenten, die direkt aus Tosu-Stadt kommen, sich schon allein auf Grund dieser Tatsache häufig für etwas Besseres halten und deren erster Auswahlprozess nicht annähernd mit der Auswahl vergleichbar ist. Einige sind zudem die Kinder wichtiger Führungspersönlichkeiten und glauben daher ihr Studienplatz sei ihnen sicher. Allerdings sollte man nicht vorschnell alle in einen Topf werfen, denn auch unter ihnen gibt es natürlich solche und solche. Manchen wurden moralische Wertvorstellungen mit auf den Weg gegeben, andere haben kein Problem damit über Leichen zu gehen um ihr Ziel zu erreichen. Fraglich ist nur, wer in welche Kategorie gehört und wem, falls überhaupt, man vertrauen kann.

Cia ist eine sehr mutige und überaus intelligente Protagonistin, die in entscheidenden Momenten ihrer Intuition vertraut. Dadurch sind ihre jeweiligen Ergebnisse aber angeblich zu gut für ein Mädchen aus den Kolonien und man hat Sorge, dass sie eine zu starke Führungspersönlichkeit abgeben könnte, weshalb sie schon bald unter strenger Beobachtung steht. Die Verantwortlichen wollen einen Weg finden sie aus dem Programm zu entfernen und geben ihr den wohl umfangreichsten Stundenplan aller Erstsemester, in der Hoffnung, dass sie versagt. Dabei muss sie das enorme Pensum nicht einfach nur bewältigen, sie muss es zusätzlich so aussehen lassen, als ob es ihr keinerlei Probleme bereiten würde. Wenn sie sich zu sehr von den anderen Studenten absondert, besteht nämlich die Gefahr, dass diese melden man würde sie zu stark beanspruchen oder gar überfordern. Glücklicherweise hat Cia einen Studienberater bekommen, der auf ihrer Seite ist und sie unterstützt.

Neben dem Studium versucht sie entschlossen Beweise für den grausamen Auswahlprozess zu finden um die Rebellen auf diese Weise zu unterstützen. Es ist wahrlich bewundernswert, dass Cia trotz der traumatischen Erfahrungen den friedlichen Weg bevorzugt und ebenfalls der Ansicht ist, dass die Lösung nicht in noch mehr Blutvergießen bestehen kann, auch wenn Dr. Barnes und seine Unterstützer den Tod mehr als verdient hätten. Deren gnadenloses Verfahren mit den Studenten ist einfach krank und verabscheuungswürdig. Man kann gar nicht fassen, wie viele Menschen von der wahren Natur der Auslese wissen und es billigend in Kauf nehmen oder wissentlich wegsehen um die Verantwortung von sich zu weisen, obwohl sie das ebenso schuldig macht. Umso erfreulicher ist es also, dass es neben Dr. Barnes‘ mächtigen, gewissenlosen Freunden auch Menschen gibt, die dem Ganzen ein Ende bereiten wollen.

Da sie unterschiedlichen Studiengängen zugewiesen wurden, können Cia und Tomas sich nur noch sehr selten treffen, sodass die Romantik in der Fortsetzung auf ein Minimum reduziert ist. Mehr als ein paar Küsse hier und da gibt es nicht, allerdings haben beide genug andere Sorgen. Als zusammen mit den Alpträumen Cias Erinnerungen langsam zurückkehren, treibt das ferner zusätzlich einen Keil zwischen sie, weil Tomas Geheimnisse vor ihr hat, die unter anderem Zandris Tod betreffen. Die Wahrheit stellt ihre Beziehung auf eine harte Probe, doch Cia liebt Tomas und würde ihm trotz allem immer noch ihr Leben anvertrauen.

Im Gegensatz zu Will, dem es durch seinen Charme fast gelingt einen wieder um den Finger zu wickeln. Man hat seine Taten während der Auslese jedoch nicht, so wie er, vergessen und obgleich er nicht erneut zum Killer wird, zeigt sich deutlich, dass er nach wie vor das Potenzial dazu hat.

Vor Damone, einem der Studenten aus Tosu-Stadt, muss Cia sich ebenfalls in Acht nehmen. Sein gewaltiges Ego kann es nicht verkraften, dass ein Mädchen, noch dazu eines aus den Kolonien, cleverer ist als er, trotzdessen er vermutlich nur dank seines einflussreichen Vaters einen Platz an der Uni bekam. Er ist sehr gewalttätig, unbarmherzig und damit ausgesprochen verachtenswert.

Enzo und Raffe sind dagegen zwei neue, eher vertrauenswürdige Figuren aus Tosu-Stadt, die relativ schnell an Sympathie gewinnen. Sie sind zwar ebenfalls Cias Konkurrenten, der Zweck heiligt für sie anscheinend aber nicht jedes Mittel und man kann sich durchaus auf sie verlassen.

Besonders interessant ist darüberhinaus die Präsidentin des Vereinigten Commonwealth, die man im zweiten Band näher kennen lernt. Sie ist eine starke, selbstbewusste Frau, die ebenso entschlossen ihre Ziele verfolgt wie Cia. Im Finale der Reihe wird sich dann vermutlich zeigen, ob man ihr wirklich vertrauen und das Schicksal der Studenten in ihre Hände legen kann.

Die Handlung ist durchgängig spannend und geradezu Nerven aufreibend. Man muss immerzu auf der Hut sein und weiß nie, was als nächstes passiert. Im Verlauf des Geschehens müssen viele Charaktere ihr Leben lassen, was einem bei manchen gleichgültig ist, einen bei anderen wiederum sehr traurig stimmt, vor allem als es gegen Schluss völlig überraschend eine der liebsten Nebenfiguren trifft. Des Weiteren ist sogar Cia gezwungen Dinge zu tun, die sie mit ihrem Gewissen eigentlich nicht vereinbaren kann. Verrat lauert an jeder Ecke und am Ende sorgen schockierende Enthüllungen für einen herben Rückschlag.

Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben endet nicht mit einem Cliffhanger, dennoch kann man es kaum erwarten den dritten Band zu lesen. Viele Fragen bleiben offen, viele Probleme ungelöst und man freut sich sehr darauf zu erfahren, wie Cia nach den letzten Ereignissen weiter vorgeht. In jedem Fall wird es eine Rebellion geben, auf die eine oder andere Weise. Die Frage ist nur, wer letztlich als Sieger daraus hervorgeht.


FAZIT

Die Auslese – Nichts vergessen und nie vergeben ist eine grandiose Fortsetzung, die mühelos mit dem fantastischen Auftakt mithalten kann und einen von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht. Das hoffentlich ebenso mitreißende Finale kann man nach diesem zweiten Teil also kaum noch erwarten.

Veröffentlicht am 19.01.2018

eine überaus empfehlenswerte Fortsetzung, die man sich als Liebhaber der Spiegelwelt auf gar keinen Fall entgehen lassen darf

Reckless 3. Das goldene Garn
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Reckless – Das Goldene Garn ist eine großartige Fortsetzung, mit der Cornelia Funke einen erneut in eine phantastische, magische Welt entführt. Ihr Ideenreichtum ist scheinbar unerschöpflich und man braucht ...

Reckless – Das Goldene Garn ist eine großartige Fortsetzung, mit der Cornelia Funke einen erneut in eine phantastische, magische Welt entführt. Ihr Ideenreichtum ist scheinbar unerschöpflich und man braucht viel länger als gewöhnlich um die vierhunderteinundsechzig Seiten zu lesen, weil ihr bildgewaltiger, klangvoller Schreibstil danach verlangt ohne Eile genossen zu werden.
Bereits zu Beginn konfrontiert die Autorin sowohl ihre Charaktere als auch den Leser in vielerlei Hinsicht mit einigen schockierenden Enthüllungen. Der Erlelf hat eine viel tiefere Verbindung zu Jacobs sowie Wills Leben als man es jemals für möglich gehalten hätte und er ist noch viel gefährlicher und gnadenloser als bisher gedacht. Der Preis für seine Hilfe im zweiten Band ist ausgesprochen hoch und man kann Jacobs Wunsch diesen niemals zu bezahlen daher mehr als verstehen. Außerdem plant er die Rückkehr seiner Art in die Spiegelwelt offenbar schon seit Jahrhunderten und etliche seiner Taten, die erst jetzt enthüllt werden, werfen ein völlig neues Licht auf bestimmte, vorangegangene Ereignisse.

Ferner werden von Anfang an einige neue Figuren eingeführt, darunter eine, über die man so einiges gehört hat, die allerdings erst jetzt selbst in Erscheinung tritt und für viele Überraschungen sorgt, obschon sie alles andere als sympathisch ist. Der Kanadier Sylvain ist hingegen ein äußerst liebenswerter, neuer Charakter, den man einfach mögen muss, auch wenn er manchmal Ärger verursacht.

Die Goyl sind einerseits keine angenehmen, andererseits aber ziemlich spannende Figuren, die es nie langweilig werden lassen. Interessant sind ebenso die zwei rätselhaften Spiegelwesen Sechzehn und Siebzehn. Zum Teil erwecken sie den Anschein kaltherzig und seelenlos zu sein, bestimmten Personen gegenüber zeigen sie ab und an jedoch Gefühle.

Clara taucht im dritten Band leider kaum auf, dafür kehrt Will in die Spiegelwelt zurück. Unglücklicherweise lässt er sich sehr leicht manipulieren und ist nur schwer zu durchschauen. Dadurch wirkt er ein wenig unnahbar und man fühlt sich ihm nicht wirklich verbunden.

Seinen Bruder Jacob liebt man dafür umso mehr und man leidet richtig mit ihm als es ihm immer schwerer fällt seine Gefühle für Fuchs zu unterdrucken und nur ein Freund zu sein. Man merkt deutlich, wie sehr er sie liebt und Fuchs ist in dieser Hinsicht keineswegs blind. Sie versucht sogar sich ein bisschen von ihm zu distanzieren und anderen Männern mehr Aufmerksamkeit zu schenken um seinen Wunsch zu respektieren. Das gelingt ihr aber nur kurzzeitig und letztendlich landet sie stets wieder bei Jacob. Gegen die wahre Liebe sind sie beide machtlos.

Ebenso wie die Dunkle Fee, die man im Verlauf der Handlung nun besser kennenlernt. Ihre Motive werden klarer und sie erhält eine verletzliche, fast menschliche Seite. Ungeachtet ihrer Macht und Unsterblichkeit hat man dadurch Mitleid mit ihr als Kami’en sie verrät. Nachdem der Goyl deren Machenschaften aufgedeckt hat, hasst man ihre Konkurrentin Amalie darum mindestens genauso stark wie die Dunkle. Ihr Wunsch diese Gefühle – Liebe, Schmerz, Hass – auf irgendeine Weise loszuwerden ist also überaus verständlich.

Die verschiedenen Arten der Liebe sind ein zentrales Thema des dritten Teils, wobei das Abenteuer neben der Romantik niemals zu kurz kommt. Cornelia Funke gelingt es diese beiden Aspekte fortwährend im Gleichgewicht zu halten und ihre Szenen wirken trotz tiefer Emotionen niemals überladen.

Es gibt etliche spannende Momente und unvorhergesehene Wendungen, denn Jacob schafft es immer irgendwie sich (und damit meistens auch Fuchs) in Lebensgefahr zu bringen. Doch die beiden sind ein tolles Team, ergänzen sich perfekt und man kann sich den einen gar nicht ohne die andere vorstellen. Sie kennen den jeweils anderen mitunter besser als sich selbst, wollen ihn aber nie verändern, was ihre Beziehung so besonders und einzigartig macht.

Die aufregende Verfolgungsjagd führt Jacob und Fuchs in völlig neue Länder und das konstante, ereignisreiche Tempo sorgt dafür, dass die Handlung nie langatmig wirkt, jedoch ohne die Dinge zu überstürzen. Wo Zeit und Raum für gewisse Entwicklungen nötig ist, gewährt die Autorin sie ihren Charakteren auch. Dabei wird die Geschichte wunderbar durch die schönen Illustrationen am Anfang eines jeden Kapitels unterstützt.

Dank der zahlreichen, verschiedenen Perspektiven erhält man einen umfassenden Einblick in sämtliche Geschehnisse, sodass man als Leser oft einen kleinen Wissensvorsprung hat. Das mindert die Spannung allerdings nicht im Geringsten, sondern erweitert nur den persönlichen Blickwinkel. Viele Intrigen werden gesponnen, nicht nur unter den Adligen, und es gibt sogar am Ende noch genügend ungelüftete Geheimnisse, darunter beispielswese der Grund für den Fluch über die Erlelfen. Viele Erkenntnisse werfen zudem neue Fragen auf, die dann hoffentlich in einem der nächsten Bände beantwortet werden.

Russland sowie die russischen Märchen bilden ein tolles Setting und wegen der faszinierenden Kreaturen wie zum Beispiel Baba Jaga hegt man bald selbst den Wunsch nach einem entsprechenden Spiegel zu suchen, da man nur zu gern auf einem fliegenden Teppich diese Welt erkunden würde. Die nächste Reise wird scheinbar nach Asien führen und man freut sich schon jetzt darauf diesen Teil der Spiegelwelt zu entdecken.


FAZIT

Reckless – Das Goldene Garn ist eine überaus empfehlenswerte Fortsetzung, die man sich als Liebhaber der Spiegelwelt auf gar keinen Fall entgehen lassen darf. Cornelia Funke begeistert mit ihrem malerischen Schreibstil und bringt einem dabei noch den russischen Märchenschatz ein wenig näher. Von Jacob und Fuchs kann man ohnehin nie genug bekommen, weshalb man sich sehr darüber freut, dass mindestens noch drei weitere Bände folgen sollen!

Veröffentlicht am 19.01.2018

definitiv nicht der Abschluss, den man sich für diese bisher so fesselnde, dystopische Reihe von Lauren DeStefano gewünscht hätte

Land ohne Lilien - Gefangen
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Land ohne Lilien – Gefangen ist zwar kein schlechtes Buch, insgesamt aber leider nur ein eher mittelmäßiger Abschluss einer bisher sehr gelungenen Reihe, der seinen beiden Vorgängern nicht gerecht wird.
Während ...

Land ohne Lilien – Gefangen ist zwar kein schlechtes Buch, insgesamt aber leider nur ein eher mittelmäßiger Abschluss einer bisher sehr gelungenen Reihe, der seinen beiden Vorgängern nicht gerecht wird.
Während der gesamten ersten Hälfte tritt die Geschichte die ganze Zeit über auf der Stelle und es passiert so gut wie nichts, was die Charaktere in irgendeiner Weise voranbringen würde. Rhine denkt zwar pausenlos daran Rowan zu finden, bricht jedoch erst in der zweiten Hälfte des Buches tatsächlich zu ihrer Suche auf. Müsste man diese Seiten zusammenfassen, gäbe es seit dem Ende des zweiten Bandes, der zugleich der Anfang des Finales ist, daher nur ein einziges, nennenswertes Ereignis bevor dann endlich die eigentliche Handlung beginnt. Aber sogar danach ist von Spannung leider kaum etwas zu spüren und selbst wenn sich zur Abwechslung eine brenzlige Situation anbahnt, hält diese leider nie allzu lange an.

Die ersten beiden Bände der Trilogie konnten vielleicht auch nicht mit viel Spannung punkten, dafür allerdings mit den Charakteren, die im Verlauf des dritten Teils nun größtenteils an Charme verlieren oder viel zu kurz kommen. Gabriel taucht zum Beispiel erst auf den letzten Seiten wieder auf und die wenigen Sätze, die Lauren DeStefano ihm widmet, können nicht über seine lange Abwesenheit hinwegtrösten. Von der Liebesgeschichte zwischen ihm und Rhine fehlt damit jede Spur und es ist sehr auffällig, wie selten Rhine an Gabriel denkt. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, warum sie sich keine großen Sorgen um ihn zu machen scheint und ob sie ihn überhaupt noch liebt, falls sie es denn je wirklich getan hat.

Die Begegnung mit Rowan ist sogar noch enttäuschender. An Stelle eines entschlossenen Rebellen entpuppt sich ihr Zwilling als die willenlose Marionette eines Hintermanns, dessen Worten er ohne groß darüber nachzudenken einfach Glauben schenkt und ansonsten unfassbar blass bleibt. Schlimmer noch, er raubt auch Rhine ihren eigenen Willen, denn sie folgt ihm plötzlich bedenkenlos überall hin und begibt sich für ihn überdies wieder in die Höhle des Löwen, nachdem sie sich zuvor so mühsam aus dessen Klauen befreit hatte. Als Leser kann man ganz und gar nicht nachvollziehen, warum sie ihren Bruder nicht umgehend über seinen Förderer und über dessen wahres Wesen aufklärt um Rowan vor ihm zu schützen. Stattdessen erweckt sie geradezu den Anschein als würde ihr ihre Freiheit nun nichts mehr bedeuten, obwohl sie sie sich zuvor so hart erkämpft hat.

Das alles macht Rhine nicht gänzlich unsympathisch und man hat sie nach wie vor gern, doch sie denkt und handelt teilweise eben völlig untypisch für ihren Charakter, wofür man mangels einleuchtender Erklärungen leider kein Verständnis aufbringen kann. Aus dem einstigen Monster macht sie nun beispielsweise einen Menschen, dessen Handeln sie auf einmal verstehen kann. Nur weil Vaughn behauptet trotz all seiner Lügen von Anfang an geplant zu haben die Zwillinge irgendwann wieder zu vereinen, soll er jetzt nicht mehr das personifizierte Böse sein? Dabei hat er noch viel mehr – nicht nur sprichwörtliche – Leichen im Keller als bisher angenommen, was Rhine zu diesem Zeitpunkt bereits bewusst ist.

Linden schafft es dagegen ein wenig an Sympathie zu gewinnen, nachdem er endlich einsieht, dass sein Vater mit vielen Taten weit mehr als nur ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen ist. Insgesamt bleibt er aber recht eindimensional und eher passiv, selbst als er aus ungeahnter Quelle Tatsachen über seine erste Liebe Rose erfährt, die Vaughn ihm absichtlich verschwiegen hat.

Rhines ehemalige Schwesterfrau Cecily ist nicht mehr ganz so nervig wie bislang und macht als einzige eine positive Entwicklung durch. Sie wird erwachsener, beklagt sich weniger und mit der Zeit vergibt man ihr sogar ihren erneuten Verrat im vorherigen Band. Trotz allem, was sie in ihren jungen Jahren bereits durchgemacht hat, sollte man schließlich nicht vergessen, dass sie eigentlich immer noch ein Kind ist.

Besonders liebenswert ist allerdings vor allem Lindens Onkel Reed, bei dem es sich um eine einzigartige, herrlich verschrobene Figur mit einem guten Herzen handelt. Sein Auftauchen ist eines der wenigen richtig positiven Dinge dieses Finales, weshalb es sehr schade ist, dass er keine noch größere Rolle in der Geschichte eingenommen hat.

Lauren DeStefano gelingt es zum Ende hin zwar noch den Leser mit einigen wenigen unerwarteten Wendungen zu konfrontieren, die Umsetzung ist dabei aber zumeist weniger gelungen und der erhoffte Höhepunkt bleibt aus. Der erste plötzliche Tod einer gewissen Figur etwa erscheint völlig zwecklos angesichts der Tatsache, dass er scheinbar keinen großen Effekt auf die Person hat, dessen ganzer Lebensinhalt in der Rettung ihres Lebens bestand. Der aus heiterem Himmel folgende Tod einer zweiten Figur ist eine weitere Überraschung, wirkt jedoch viel zu überstürzt und es mangelt der Lage erneut an Spannung, zumal dieser Mord nicht die geringsten Konsequenzen für den Täter nach sich zieht.

Generell wird die Geschichte im letzten Drittel immer abstruser und viele Begebenheiten ergeben keinerlei Sinn. Die ganze Zeit hat Vaughn angeblich vergebens nach einem Heilmittel gesucht und auf einmal gibt es längst eines, das nur noch ausprobiert werden muss, was dann sogleich von Erfolg gekrönt ist. Damit hat sich die Autorin die Lösung ihrer zuvor geschaffenen Probleme viel zu einfach gemacht.

Der Schluss erscheint insgesamt unausgereift, übereilt und nicht gut durchdacht. Obwohl man sich durchaus über den Ausgang für die Figuren freut, lässt er einen nicht mit einem zufriedenen Gefühl zurück. Das geradezu heitere Resultat passt einfach nicht zu der sonst eher düsteren Atmosphäre der Dystopie, insbesondere nicht, weil es viel zu leicht erreicht wurde.

Darüber hinaus bleiben einige Fragen offen, deren Antworten zum Teil von großer Bedeutung für die Handlung hätten sein müssen, wenn man bedenkt, dass die ganze Reihe danach benannt wurde. Dennoch erfährt man nicht, was es mit dem Chemical Gardens Projekt von Rhines und Rowans Eltern auf sich hatte. Dass es außerdem gesunde Menschen gibt, die von dem Virus noch nie etwas gehört haben, wird ferner nur kurz angesprochen und danach kaum weiter thematisiert, obgleich es Rhines ganze Welt in völlig neues Licht taucht und unzählige, neue Fragen aufwirft.


FAZIT

Land ohne Lilien – Gefangen ist definitiv nicht der Abschluss, den man sich für diese bisher so fesselnde, dystopische Reihe von Lauren DeStefano gewünscht hätte und das Finale weist gegenüber den beiden Vorgängern zu viele Schwächen auf um einfach darüber hinwegsehen zu können. Da einen das Schicksal der lieb gewonnenen Charaktere interessiert, will man natürlich wissen, wie die Geschichte endet, weshalb man das Buch trotz allem recht schnell gelesen hat. Echte Begeisterung kommt dabei aber dieses Mal leider nicht mehr auf.

Veröffentlicht am 19.01.2018

ein gelungenes Kinderbuch, das durch lustige Charaktere, eine spannende Handlung und tolle Illustrationen sowohl optisch als auch inhaltlich zu überzeugen vermag

Inspektor Barney - Ein Hunde-Krimi, Band 01
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Inspektor Barney – Tatort Hühnerstall ist ein wirklich tolles Kinderbuch, das vor allem junge Leser garantiert gut zu unterhalten vermag. Dazu tragen auch die unterschiedlich großen, wunderbaren Illustrationen ...

Inspektor Barney – Tatort Hühnerstall ist ein wirklich tolles Kinderbuch, das vor allem junge Leser garantiert gut zu unterhalten vermag. Dazu tragen auch die unterschiedlich großen, wunderbaren Illustrationen von Kevin Cornell bei, die die Handlung gut unterstreichen.
Barneys mürrische Art, die der Geschichte eine ganz besondere Note verleiht, seine witzigen Sprüche und seine genialen Vergleiche machen das Buch von Beginn an sehr humorvoll. Außerdem spricht der Ex-Rettungshund, aus dessen Perspektive die Geschichte größtenteils erzählt wird, den Leser ab und zu direkt an und baut so gleich eine Verbindung zu ihm auf.

Daneben gibt es zudem einige Kapitel aus der Sicht des Bösewichts, die sich durch eine andere Schriftart schon optisch vom Rest des Buches abheben und einen Einblick in seine Gedanken gewähren. Man weiß so zwar bereits vor dem Protagonisten, wer die Küken entführt hat, jedoch noch lange nicht, warum er das getan hat. Auf jeden Fall hat Kalle, der nebenbei bemerkt ganz schön diabolisch ist, eindeutig etwas gegen Barney, sodass es scheinbar mit ihm zusammenhängt. Warum er es auf ihn abgesehen hatte, erfährt man aber natürlich erst zum Schluss.

Die Henne Henrietta, die Barney bloß Hetti nennt, ist, ehrlich gesagt, ein relativ dummes Huhn, doch ihre Küken sind nicht nur frech, sondern teilweise richtig clever. Hetti liebt sie offensichtlich sehr und sogar Barney scheint die kleinen Hühnchen schließlich ein wenig lieb gewonnen zu haben, trotz der Scherereien, die sie ihm beschert haben.

Die Handlung ist überraschenderweise ziemlich spannend, denn es stehen gleich mehrere Leben auf dem Spiel. Darüber hinaus har Doreen Cronin ein paar interessante Wendungen eingebaut und hinter der Entführung steckt letztlich viel mehr als zunächst angenommen. An einer Stelle wäre allerdings eine kurze Erklärung wünschenswert gewesen, da es zu bezweifeln ist, dass Kinder wissen, was „Paukenröhrchen“ sind und warum Kalle so große Angst davor hat solche zu erhalten.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und am Ende geht, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, selbstverständlich alles gut aus. Aber wer hätte gedacht, dass ein paar clevere Küken, ein verrücktes Huhn und ein brummiger Rettungshund im Ruhestand ein so gutes Team abgeben würden.

Eine einzige Frage bleibt noch offen, nämlich warum Barneys Tage als Rettungshund vorbei sind. Vielleicht verrät er das ja dann in der Fortsetzung, auf die man schon jetzt richtig Lust bekommen hat.


FAZIT

Inspektor Barney – Tatort Hühnerstall ist ein gelungenes Kinderbuch, das durch lustige Charaktere, eine spannende Handlung und tolle Illustrationen sowohl optisch als auch inhaltlich zu überzeugen vermag. Sehr empfehlenswert, insbesondere für Hunde- und Hühnerfans.

Veröffentlicht am 19.01.2018

eine außerordentlich gut gelungene Fortsetzung, nach deren Ende man die Rückkehr zur Gallagher Akademie bereits freudig erwartet

Gallagher Girls 4: Mit Spionen spielt man nicht
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Mit Spionen spielt man nicht ist eine großartige Fortsetzung, die alle drei Vorgänger in den Schatten stellt. Dieser vierte Band ist so spannend und Nerven aufreibend, dass es mitunter kaum auszuhalten ...

Mit Spionen spielt man nicht ist eine großartige Fortsetzung, die alle drei Vorgänger in den Schatten stellt. Dieser vierte Band ist so spannend und Nerven aufreibend, dass es mitunter kaum auszuhalten ist und man möchte ihn am liebsten in einem Rutsch durchlesen, weil man es gar nicht mehr aus der Hand legen will, sobald man einmal begonnen hat.
Im Gegensatz zu den ersten Bänden, die man vielleicht noch unabhängig voneinander lesen konnte, baut der vierte Band direkt auf dem dritten auf und spätestens jetzt braucht man das Wissen aus den Vorgängern um die Zusammenhänge wirklich verstehen zu können.

Darüber hinaus gewinnt die Handlung, wie es sich schon im dritten Teil angedeutet hat, mit dem zunehmenden Alter der Protagonisten – Cameron ist am Ende des Buches mittlerweile schon siebzehn Jahre alt – an Ernsthaftigkeit, ohne dabei jedoch den Humor zu verlieren, an den man sich schon so gewöhnt hat. Diese Entwicklung passt sehr gut zur grundsätzlichen Thematik der Reihe, da Spionage ja in der Tat ein riskantes Geschäft ist. Es macht die Geschichte insgesamt zudem glaubwürdiger, weil man sich nun besser vorstellen kann, dass aus den Gallagher Girls später einmal echte Agentinnen verschiedener Geheimdienste werden.

Cammie ist eine tolle Protagonistin, mit der man sich sehr verbunden fühlt, sodass man ihre Empfindungen jederzeit teilt. Auch sie stellt fest, dass aus dem ehemaligen Spionage-Spiel inzwischen der bittere Ernst geworden ist, für den sie so lange ausgebildet wurde. Sie schwebt permanent in Gefahr – zwar ist ihr Leben nicht bedroht, dafür aber ihre Freiheit – und die Gallagher Akademie beginnt sich für sie weniger wie ein Zuhause und stattdessen mehr wie ein Gefängnis anzufühlen. Der Zirkel hat seine Augen und Ohren überall, sogar innerhalb der CIA, weshalb man niemandem mehr trauen kann.

Für den Leser ist es außerdem genauso frustrierend wie für Cammie, dass man ihr ständig die dringend benötigten Antworten verweigert und die Erwachsenen mehr zu wissen scheinen als sie zugeben. Sie lassen sie lieber im Dunkeln tappen, was natürlich nur dazu führt, dass Cam selbst Nachforschungen anstellt und sich auf die Jagd nach Antworten macht. Jene auf die wichtigste Frage, nämlich was der Cavan-Zirkel von ihr will oder wofür sie sie brauchen, kennen, zu aller Leidwesen, allerdings auch sie nicht.

Im Verlauf des vierten Bandes erhält man insgesamt aber dennoch einige interessante Informationen. Man erfährt mehr über den Zirkel, seine Mitglieder und seine Ziele. Durch schockierende Entdeckungen findet man mehr über das Blackthorne Institut heraus. Man lernt mehr über Zach und obgleich die Enthüllungen in Bezug auf ihn besonders erschütternd sind, kann man ihn dadurch jedoch letztlich besser verstehen und einschätzen. Und schließlich erfährt man sogar endlich mehr über Cammies Vater sowie seinen Tod bzw. sein spurloses Verschwinden, wobei die Antworten hierzu wiederum einige neue Fragen aufwerfen. Letzteres gilt ebenso für die mysteriösen Andeutungen, die der Zirkel selbst Cammie gegenüber macht.

Es kommen erschreckende Wahrheiten über Joe Solomon ans Licht, die Cams Welt und alles, was sie bisher zu wissen glaubte, auf den Kopf stellen. Kann man ihm noch trauen oder hat man sich wirklich von ihm hinters Licht führen lassen? Hat man sich so in ihm getäuscht oder sollte man auf seine Instinkte hören? Wie sehr kann ein Mensch sich ändern? Was hat er mit dem Tod ihres Vaters zu tun?
Je nachdem, wofür man sich entscheidet, behält man am Ende entweder Recht oder hat ihn völlig falsch eingeschätzt.

Nachdem sie das Rätsel um Mr Solomons Botschaft den Tauben zu folgen gelöst haben, müssen die vier Mädchen sich auf schwierige, gefährliche Missionen begeben. Außerdem wird es immer schwerer zu beurteilen, wer Freund und wer Feind ist. Mit Sicherheit weiß Cammie nur, dass sie Macey, Bex und Liz blind vertrauen kann. Ihre Freundinnen würden sie jederzeit mit ihrem Leben beschützen, unterstützen sie aber auch tatkräftig dabei Antworten zu finden. Sie sind nach wie vor ein fantastisches Team und um ihre tiefe Freundschaft kann man sie wirklich nur beneiden.
Es ist richtig rührend zu sehen, wie vorsichtig die früher so draufgängerische Bex geworden ist, nachdem sie miterleben musste, wie ihre beste Freundin beinahe entführt worden wäre, wie Macey sich für Cam einsetzt und Partei für sie ergreift und dass Liz sich aktiv an ihren Plänen beteiligt, obwohl sie sich bewusst gegen den Unterricht in Geheimoperationen entschieden hat, weil ihre Stärken eher woanders liegen. Dafür liebt man sie genauso sehr wie Cameron, die es selbst kaum noch erträgt, dass die Menschen, die ihr am meisten bedeuten, ihretwegen ständig in Gefahr geraten. Das kann man nur zu gut verstehen und es ist bewundernswert, wie mutig und tapfer Cammie sich trotz allem verhält.

Man weiß, dass Zach und Cam viel füreinander empfinden, doch ihre Liebesgeschichte spielt nur noch am Rande eine Rolle, da sie sich kaum sehen und viel wichtigere Angelegenheiten sie beschäftigen, wie zum Beispiel dem Cavan-Zirkel das Handwerk zu legen.

Zum Schluss hin überschlagen sich die Ereignisse geradezu, sodass man die Handlung noch gebannter verfolgt als ohnehin schon, und steuern schließlich auf einen sehr aufregenden Höhepunkt zu, der einen völlig sprachlos zurücklässt. Überdies muss Cammie letztlich noch eine schwierige Entscheidung für ihre Zukunft treffen, wenn sie sich nicht für den Rest ihres Lebens verstecken will. Das Erscheinen des fünften Bandes kann man nach diesem vielversprechenden Ende somit kaum noch erwarten, denn man will unbedingt wissen, wie Cammies nächste Schritte wohl aussehen werden.


FAZIT

Mit Spionen spielt man nicht ist eine außerordentlich gut gelungene Fortsetzung, nach deren Ende man die Rückkehr zur Gallagher Akademie bereits freudig erwartet. Es ist einfach großartig, wie positiv sich diese Reihe bisher entwickelt hat und es kann sogar eigentlich nur noch besser werden!