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Veröffentlicht am 29.04.2021

Nichts für schwache Nerven

VANITAS - Rot wie Feuer
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Grandioser Abschluss der Vanitas Trilogie

Im letzten Band der Vanitas-Trilogie begibt sich Carolin direkt in die Höhle des Löwen und taucht ausgerechnet dort unter, wo der Karpin-Clan sein Unheil treibt, ...

Grandioser Abschluss der Vanitas Trilogie

Im letzten Band der Vanitas-Trilogie begibt sich Carolin direkt in die Höhle des Löwen und taucht ausgerechnet dort unter, wo der Karpin-Clan sein Unheil treibt, in Frankfurt.
Sie hat keine Lust, ihr Leben lang auf der Flucht zu sein und vor ihren Problemen davonzulaufen. Stattdessen schmiedet sie einen äußerst riskanten Plan. Geschickt stiftet sie Unruhe zwischen den Karpins und dem armenischen Malakyan-Klan und zettelt einen Bandenkrieg an. Ihr Ziel ist es, dass die Malkyans ihr den Job abnehmen und die Karpins ausschalten. Doch während sie bei ihrem Rachefeldzug noch darauf bedacht ist, dass ihr in Frankfurt niemand auf die Spur kommt, holen sie die Schatten aus der Vergangenheit ein. Wegen des Mordes ihres Nachbarn in Wien wird sie per internationaler Fahndung als Zeugin gesucht. Nicht hilfreich, wenn man im Untergrund bleiben will. Und dann liegen auf einmal Blumen vor ihrer Tür, die eine mehr als deutliche Sprache sprechen.
Ursula Poznanski ist derzeit meine uneingeschränkte Lieblings-Thriller-Autorin. Auch mit Vanitas 3 – Rot wie Feuer hat sie wieder einen außerordentlich spannenden Thriller geschrieben mit unerwarteten Wendungen bis zum Schluss. Ich wundere mich bei all ihren Büchern, dass diese noch nicht längst verfilmt sind. Andererseits, glaube ich, wären meine Nerven zu schwach mir die Verfilmung dieses Thrillers anzusehen. Als Buch für mich allerdings ein wirklich grandioser Abschluss der genialen Vanitas-Trilogie.

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Veröffentlicht am 25.04.2021

Amüsantes Erdmännchen-Abenteuer

Der Wald ruft
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Ich weiß gar nicht, wie es mir passieren konnte, dass die Erdmännchen-Krimis bisher total an mir vorbeigegangen sind. Wahrscheinlich hätte ich bis heute nichts von Rufus, Ray und Co gehört, wenn es bei ...

Ich weiß gar nicht, wie es mir passieren konnte, dass die Erdmännchen-Krimis bisher total an mir vorbeigegangen sind. Wahrscheinlich hätte ich bis heute nichts von Rufus, Ray und Co gehört, wenn es bei lovelybooks nicht ein Gewinnspiel zum neuesten Hörspiel der Bande gegeben hätte, zu dessen Teilnahme mich vor allem der Sprecher Christoph Maria Herbst bewogen hat.
Was für ein Glück! Eine äußerst amüsante Geschichte.
Dass der großartige Strombergdarsteller die Geschichte grandios vorlesen würde, war mir von vornherein klar.
Aber dem Abenteuer, das die Erdmännchen bestehen müssen, zuzuhören, hat wirklich Spaß gemacht. Diese müssen ihr bisheriges Zuhause, den Berliner Zoo, Hals über Kopf verlassen und sich auf eine abenteuerliche Flucht begeben, da sie als Touristenattraktion an ein Einkaufszentrum in Norwegen verkauft werden sollen. Zufluchtsort ist der deutsche Wald. Dort angekommen werden die Flüchtlinge nicht von allen gleichermaßen freudig aufgenommen. Besonders die Wildschweine, allen voran Eber Hermann und Sohn Fritz, versuchen die guten Sitten im deutschen Wald vor den „dahergelaufenen Afrikanern“ zu verteidigen. Immerhin bekommen die Erdmännchen zunächst Duldungsrecht, nicht zuletzt weil Rufus eine flammende Rede schwingt, die von „I had a dream“ bis zu „Ich bin ein Berliner“ reicht und die darin kulminiert, dass er sogar den Mandarin-Enten einen „krassen Migrationshintergrund“ zuschreibt, als Beleg dafür, dass ein jeder ein Einwanderer ist, wenn man nur weit genug zurückgeht.
Natürlich geht das Zusammenleben nicht lange gut und die Erdmännchen müssen noch so einige Abenteuer bestehen, bevor sie sich ihren Platz in ihrer neuen Heimat erkämpft haben.
Auch wenn es sich bei diesem Hörspiel meiner Meinung nach eher um eine Abenteuergeschichte als um einen Krimi handelt, fand ich die Geschichte sehr spannend und rasant erzählt. Die ganzen, sehr deutlichen Anspielungen auf unsere Gesellschaft fand ich sehr amüsant und ich musste mehr als einmal laut lachen.
Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass die Wildschweine vielleicht nicht dringend im sächsischen Dialekt hätten sprechen müssen. Ist vielleicht doch etwas arg klischeehaft und die Geschichte ist an sich schon so witzig erzählt, dass das gar nicht notwendig gewesen wäre.
Insgesamt aber eine absolute Hörempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.04.2021

Gelungene Darstellung unserer Zeit

Über Menschen
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„Über Menschen“ – der Titel von Juli Zehs neuem Roman erinnert an ihr Buch „Unterleuten“ von 2016. Wieder befinden wir uns im ländlichen Brandenburg, dort treffen wir jedoch nicht auf alte Bekannte. Protagonistin ...

„Über Menschen“ – der Titel von Juli Zehs neuem Roman erinnert an ihr Buch „Unterleuten“ von 2016. Wieder befinden wir uns im ländlichen Brandenburg, dort treffen wir jedoch nicht auf alte Bekannte. Protagonistin ist diesmal die Werbetexterin Dora. Diese flieht mitten im 1. Lockdown im Frühjahr 2020 vor der Hysterie und Panik Berlins im Allgemeinen und der ihres politisch überkorrekten Freundes Roberts im Speziellen aufs Land. Sie hat es satt, immer alles richtig machen und zu allem eine Meinung haben zu müssen, selbst wenn es keine einfachen Lösungen gibt.
Ihr Freund Robert hatte sich bereits vor Corona verbissen dem Klimaschutz verschrieben und erlebt nun geradezu mit Genugtuung, dass die Menschen dank der Pandemie endlich die drohende Apokalypse erkennen müssen. Dora ist das alles zu prinzipiell. Natürlich findet auch sie, dass man etwas fürs Klima tun muss und dass man sich an Coronaregeln halten sollte. Im Gegensatz zu Robert glaubt sie aber nicht an absolute Wahrheiten, sieht in allem auch die Widersprüche und will dem Meinungsterror, der in der Hauptstadt herrscht, entfliehen. Als Robert ihr dann auch noch verbieten will, mit dem Hund längere Spaziergänge zu machen, bringt dies das Fass zum Überlaufen.
Zum Glück hat sie sich schon vor Corona in aller Heimlichkeit ein altes Gutshaus im brandenburgischen Nest Bracken gekauft.
Dort trifft sie als Erstes auf ihren neuen Nachbarn Gote, der sich als Dorf-Nazi vorstellt und auch sonst keinen allzu sympathischen Eindruck macht. Doch wenn Not am Mann ist, ist er immer zur Stelle und Nachbarschaftshilfe ist bei ihm nicht nur ein Wort. Das Gleiche gilt für den Nachbarn Heini. Unaufgefordert hilft er ihr, ihren Riesengarten in den Griff zu bekommen. Leider reißt er jedoch unentwegt rassistische Witze.
Und dann ist da noch das schwule Pärchen, das einen Blumenladen besitzt und recht liberal wirkt, jedoch die AFD wählt.
All diese Widersprüche verwirren Dora und sie fragt sich, ob und inwieweit sie Stellung beziehen muss. Gleichzeitig erkennt sie immer mehr, dass die Welt sich nicht so einfach in Schwarz und Weiß einteilen lässt. Stattdessen wird sie mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontiert. Denn ist für sie, wie für alle Großstadttanten, nicht jeder ein Nazi, der anderer Meinung ist? Hält sie sich aufgrund ihrer linksliberalen Einstellungen nicht doch für etwas Besseres und ist letztendlich genauso wenig zu einem Diskurs bereit wie die, die politische Meinungen vertreten, die ihren konträr sind?
Ich war unheimlich gespannt auf diesen neuen Roman von Juli Zeh, nicht nur weil ich ihre Bücher sehr mag, sondern vor allem, weil ich neugierig war, wie man Corona sozusagen in Echtzeit thematisieren kann, wenn man noch mittendrin steckt, zumal das Thema ja unglaublich emotionsgeladen ist. Aber es ist natürlich kein Buch, das dazu auffordert, irgendwelche Positionen einzunehmen. So wie Dora erkennen muss, dass es Grautöne gibt, nicht alles nur richtig oder falsch ist, verstehe ich es auch als eine Aufforderung an uns, nicht immer alles dogmatisch zu sehen, nicht nur unsere eigenen Ängste gelten zu lassen, Menschen nicht aufgrund einzelner Aspekte in eine Kategorie zu stecken.
Für mich eine gelungene Darstellung der Zeit, die wir im Moment durchleben. Es wird aber auch interessant sein, diesen Roman in ein paar Jahren noch einmal im Rückblick auf die Zeit der Pandemie zu lesen.

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Viel Lärm um nichts in Italien

Viel Lärm um Chiozza
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Viel Lärm in Chiozza - der deutsche Titel erinnert nicht von ungefähr an Shakespeares Viel Lärm um nichts. Das Gezanke der Einwohner Chiozzas wird im Grunde nur von Nichtigkeiten verursacht, und zwar vor ...

Viel Lärm in Chiozza - der deutsche Titel erinnert nicht von ungefähr an Shakespeares Viel Lärm um nichts. Das Gezanke der Einwohner Chiozzas wird im Grunde nur von Nichtigkeiten verursacht, und zwar vor allem, weil in dem kleinen Fischerdorf ein eklatantes Ungleichgewicht an Männern und Frauen herrscht und die heiratswilligen Frauen schauen müssen, dass sie einen Mann abbekommen. Und so geraten diese auch gleich im ersten Akt in einen heftigen Streit, während sie beim Klöppeln (Wer kennt sie nicht, die hübschen Spitzendeckchen, für die Burano so bekannt ist.) darauf warten, dass die Männer vom Fischen zurückkommen. Es werden Ansprüche auf bestimmte Männer gestellt, die Reihenfolge beim Heiraten muss eingehalten werden und überhaupt muss man erst einmal durch das Tragen eines Jungfernrocks anzeigen, dass man überhaupt auf dem Heiratsmarkt zur Verfügung steht. Als die Männer dann mit ihrem Fang an Land kommen, werden sie schnell in den Streit hineingezogen. Wie dies alles dann, genauso wie es sich für eine Komödie gehört, doch noch zu einem guten Ende kommt, ist eigentlich schon die ganze Handlung. Eine kurze, unterhaltsame Geschichte, die man in ein, zwei Stunden gelesen hat.

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Asiatische Spezialitäten im Südwesten Frankreichs

Die sonderbare Karriere der Frau Choi
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Wie bei jedem ihrer Romane hat mich auch hier wieder Vanderbekes ganz besondere Art zu schreiben angesprochen. Und tatsächlich spricht Vanderbeke den Leser auch immer wieder direkt an, gibt ihm das Gefühl ...

Wie bei jedem ihrer Romane hat mich auch hier wieder Vanderbekes ganz besondere Art zu schreiben angesprochen. Und tatsächlich spricht Vanderbeke den Leser auch immer wieder direkt an, gibt ihm das Gefühl schon Bescheid zu wissen, während sie ausschweifend mehrere Geschichten und Nebengeschichten zu erzählen beginnt. Man hat ständig das Gefühl, sie weicht vom Thema ab, um doch immer wieder auf den Punkt zu kommen. Keine der scheinbaren Nebengeschichten bleibt unauserzählt. Bei meiner Recherche zu dem Buch habe ich festgestellt, dass dieser Eintopf an unterschiedlichen Geschichten nicht jedem mundet, für mich macht das aber genau den Reiz des Buchs aus, ist es doch die typisch Vanderbeksche Erzählweise.

Die Geschichte spielt in einem dieser typischen, verschlafenen, kleinen Orte im Südwesten Frankreichs, wie wir sie alle aus unseren Sommerurlauben kennen, einer dieser Orte, in die sich im Winter jedoch kein Tourist verirren würde. Vanderbeke gibt dem Ort auch keinen Namen, sondern spricht immer nur von M*.
In dieses M
zieht die Koreanerin Frau Choi aus Gwangju (übrigens die sechstgrößte Stadt Südkoreas, wie ich gegoogelt habe) mit ihrem Sohn. Nun ist es ja erst einmal sowieso verwunderlich, dass sich eine Fremde in einem kleinen Ort wie M* niederlässt. Doch wenn diese Fremde dann auch noch eine Koreanerin ist, ist das geradezu exotisch. Und so kann auch keiner damit rechnen, dass genau diese neue Einwohnerin das Schicksal des Ortes verändern wird.
Zunächst einmal eröffnet sie ein koreanisches Restaurant ganz im Stil des japanischen Stararchitekten Itami Juns, das wider Erwarten sehr erfolgreich ist in einer Gegend, in der man traditionell bevorzugt Lamm mit verkochten Bohnen isst.
Das Restaurant ist jedoch nicht nur eine kulinarische und architektonische Bereicherung für den Ort, mit ihren exotischen Gerichten befreit Frau Choi auch den Sohn einer Freundin von seiner Migräne und räumt so ganz nebenbei unliebsame Mitbürger unauffällig aus dem Weg. So unauffällig, dass nicht einmal ein im Ort Urlaub machendes Forensiker-Ehepaar ihr auf die Schliche kommt, zumindest nicht so ganz ...
Aber Frau Choi sorgt nicht nur dafür, dass der kleine Ort im Südwesten Frankreichs von aller Negativität befreit wird, sie hilft dem verschlafenen Nest auch zu einem regelrechten Aufschwung.

Eine wunderbare Geschichte in Vanderbekes typischen, wunderbaren Stil geschrieben.

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