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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2019

Übergabe eines Imperiums

Wir, die wir jung sind
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Das Cover ist recht nichtssagend, so könnte die Familiensaga überall angesiedelt sein. Wir erleben den alternden Maharadscha Devraj, der sein Familienimperium auch nach seinem Tod in guten Händen wissen ...

Das Cover ist recht nichtssagend, so könnte die Familiensaga überall angesiedelt sein. Wir erleben den alternden Maharadscha Devraj, der sein Familienimperium auch nach seinem Tod in guten Händen wissen will. Er selbst hat drei Töchter, sein Berater zwei Söhne, die für die Fortführung von "The Company" in Frage kämen. Auf dem Rückflug aus Amerika reist Jivan an, der mit 13 Jahren seine Heimat Indien verlassen hat und seit einem Jahrzehnt den Lebensstil Amerikas verinnerlicht hat.
Der Roman weißt eine Fülle an für uns fremdklingende Namen auf, viele Menschen und ihre Verbindungen untereinander verwirren. Die hohe Seitenanzahl ist für diese Familiengeschichte und die Machtverhältnisse Indiens wohl nötig, um die komplexen Zusammenhänge zu verstehen.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Taten aus der Vergangenheit führen in die Jetztzeit

Eisige Tage
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Der Prolog des Thrillers führt uns nach Leipzig ins Jahr 1952. Ein Geschwisterpaar wird von Soldaten aufgefunden, der Junge kann entkommen, das Mädchen wird brutal vergewaltigt.
In der Jetztzeit wird ...

Der Prolog des Thrillers führt uns nach Leipzig ins Jahr 1952. Ein Geschwisterpaar wird von Soldaten aufgefunden, der Junge kann entkommen, das Mädchen wird brutal vergewaltigt.
In der Jetztzeit wird eine tiefgefrorene Leiche aus einem Auto im Elster-Saale-Kanal gefischt. Der Tote ist ein russischer Anwalt der ein Bild eines seit einer Woche vermissten Mädchens bei sich trug. Am Tag vorher hatte er einem Straßenstrich-Mädchen dieses Foto gezeigt, sie konnte ihm nicht weiterhelfen.
Taten aus der Vergangenheit führen zu Taten in der Jetztzeit. Hinzu kommt bei diesem komplexen Hergang ein interessantes Ermittlerduo, die taffe Kommissarin Hanna Seiler und der Querkopf Milo Novic, die für interessante Dialoge sorgen.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Einblicke in die Seele

Auf Erden sind wir kurz grandios
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Ocean Vuong beschreibt aus der Sicht von little dog ein oder sein Leben in Form eines Briefes an seine Mutter. Aus Vietnam stammend ist die kleine Familie, seine Mutter Rose, seine Großmutter Lan und er ...

Ocean Vuong beschreibt aus der Sicht von little dog ein oder sein Leben in Form eines Briefes an seine Mutter. Aus Vietnam stammend ist die kleine Familie, seine Mutter Rose, seine Großmutter Lan und er in die USA eingereist. Lan war in Kriegszeiten mit Paul, einem amerikanischen GI verheiratet, der inzwischen mit einer Amerikanerin verheiratet ist. Die Schrecken des Krieges sind bei der Mutter und der Großmutter allgegenwärtig, Ängste plagen sie, der Geist ist verwirrt und sie neigen zu Gewalt und dann wieder zu viel Zärtlichkeit. Sie schlagen sich mit Billigjobs, die die Gesundheit ruinieren, durchs Leben. little dog lernt bei der Arbeit als Tabakpflücker Trevor kennen und lieben, eine Liebe, die geheim bleiben muss.
Sehr feinfühlig und poetisch, manchmal auch kraftvoll brutal, lernen wir das Leben in Kriegszeiten in Vietnam und als Neuamerikaner mit allen Schwierigkeiten kennen. Der Tod ist immer ein Begleiter, doch immer mit der Hoffnung auf neues Leben. Es werden Fragmente erzählt, nicht chronologisch, jedoch sinnvoll aneinander gesetzt. Literarisch herausragend.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Würde und Freiheit

Die geheime Mission des Kardinals
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In der katholischen Kirche gibt es viele Heilig- und Seligsprechungen von Menschen, die, nach Einschätzung des Vatikans, heilende Kräfte für die Psyche oder Physis hatten. Aus dem nahen Osten war noch ...

In der katholischen Kirche gibt es viele Heilig- und Seligsprechungen von Menschen, die, nach Einschätzung des Vatikans, heilende Kräfte für die Psyche oder Physis hatten. Aus dem nahen Osten war noch keiner dabei. Seit vielen Jahren versuchen in Syrien, dem christlichen Glauben verwurzelte, Wunderheiler von der Kirche anerkannt zu werden. Endlich wird ein Kardinal zu Untersuchung entsandt. Als dieser tot in einem Ölfass wieder auftaucht, wird der als unbestechlich geltende Kommissar Barudi unter Mithilfe eines als Mafiajäger bekannten italienischen Kommissar zur Aufklärung des heiklen Falles entsandt. Gab es einen Zwist unter den als Wunderheiligen tätigen, neidete einer die Anhängerschaft des anderen oder gab es Konflikte zwischen Muslimen und Christen. In Syrien im Jahre 2010 brodelte es, im Irak und Afghanistan ausgebildete Muslime kamen als Gottesdiener ins Land, der Präsident herrschte mit seinem riesigen Familienclan autoritär und kaum jemand wagte, ihn zu kritisieren.
Die Aufklärung des Mordes wird immer wieder unterbrochen durch Hintergrundberichte über das Land und die sehr unterschiedlichen Menschen, über die politischen Gegebenheiten in Syrien. Die persönlichen Erfahrungen des Kommissars, der in mehr als 40 Jahren Dienstzeit viel erlebt hat, werden in Tagebuchform dazwischen geschoben. Ein hochinteressanter Bericht über ein Syrien kurz vor Kriegsausbruch mit vielen Einblicken in die Seele der Menschen, denen das Wichtigste im Leben Freiheit und Würde ist.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Wechselbälger

Kalte Wasser
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Die Geburt der eineiigen Zwillinge war für Lauren eine Tortur, die sie nur mit Hilfe der Medikamente überstehen konnte. Zwei gesunde Jungen, da sollte sie doch glücklich sein und die Beiden sofort in ihr ...

Die Geburt der eineiigen Zwillinge war für Lauren eine Tortur, die sie nur mit Hilfe der Medikamente überstehen konnte. Zwei gesunde Jungen, da sollte sie doch glücklich sein und die Beiden sofort in ihr Herz schließen. Sie fühlt sich schuldig, dass dem nicht so ist. Wie eine Löwenmutter kämpfte sie einige Zeit später um ihre Kinder. Im abgeteilten Nachbarbett hörte sie Gesang und Babylaute. Sie sah eine verdreckte, übel riechende Frau mit einem Korb, aus dem Bewegung kam. Lauren soll eines ihrer Kinder gegen eines aus dem Korb tauschen. Lauren flüchtet mit den Zwillingen ins Bad und informiert die Polizei. Doch keiner war da, keiner hat etwas gesehen, es konnte keiner die Station betreten. Die Polizistin Harper lässt der Vorfall keine Ruhe, irgendetwas stimmt nicht. Tage später, bereits in ihrem eigenen Zuhause, wird sie von einer Unbekannten beobachtet. Sind die Kinder weiterhin in Gefahr? Recherchen ergeben, dass bereits vor 40 Jahren einer Zwillingsmutter der gleiche Tausch vorgeschlagen wurde.
Nach der reinen Vernunft kann es Wechselbälger nicht geben, Feen und Wassermenschen, die Kinder eintauschen oder holen wollen. Beim Lesen des sehr spannend geschriebenen Romans ist man stets im Zweifel, was man glauben kann und was nicht. Die anfänglichen Seiten über die Geburt der Kinder sollte man Schwangeren nicht zum Lesen geben. Das Gesundheitssystem in Großbritannien, in dem die Handlung spielt, ist nicht das Beste.