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Veröffentlicht am 28.09.2017

Abenteuer mit Aristoteles

Wer fragt schon einen Kater?
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Kater Aristoteles erzählt seinen großen und kleinen Lesern seine eigene Geschichte und seine Abenteuer, als er seine Familie verließ... warum er das tat?

Seit einem Jahr lebt er bei Anna und deren Familie- ...

Kater Aristoteles erzählt seinen großen und kleinen Lesern seine eigene Geschichte und seine Abenteuer, als er seine Familie verließ... warum er das tat?

Seit einem Jahr lebt er bei Anna und deren Familie- damals bekam Anna ihn als Überraschungsgeschenk zu ihrem 8. Geburtstag.
Nun ist bald wieder Annas Geburtstag, aber zu seinem Schrecken wünscht sich Anna nun einen Hund! Einen von diesen kläffenden Kötern! Wie soll er, Aristoteles, mit soetwas unter einem Dach zusammenleben? Das kommt gar nicht in Frage!
So heckt er einen perfiden Plan aus: Er verschwindet für ein paar Tage, Anna wird ihn vermissen, suchen und auf den Hund verzichten- und Ari könnte endlich in Annas Zimmer und Bett schlafen statt im nach Äpfeln müffelndem Keller.

Die Geschichte, aus Sicht des egozentrischen Katers erzählt, ist schon sehr unterhaltsam.
Der Schreibstil ist locker und leicht, sodaß auch Kinder ab 8 diese Geschichte allein lesen können. Ari erzählt von seinen Menschen, den Fritzewskis, Anna und deren besten Freundin sowie seinem Alltags-Leben bei ihnen.
Aber auch von seinen Abenteuern, die er erlebt, als er das Zuhause verläßt. Wer selbst Katzen/ Kater als Mitbewohner hat wird vieles wiedererkennen! :)

Das Buch lädt mit dieser Geschichte zum Schmunzeln ein, zum Entdecken durch z.B. die liebevollen, farbigen Zeichnungen, aber auch zum Nachdenken, wie Haustiere bei uns leben (müssen).

Ein tolles Buch, auf den hoffentlich noch weitere Geschichten mit/ von Ari folgen werden! -

Veröffentlicht am 28.09.2017

Kims Leben als Buch?

Und du kommst auch drin vor
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Kim, ein Mädchen, das nicht wirklich Interesse an Büchern hat, ist mit ihrer Klasse bei einer Lesung - und dort bemerkt sie, daß es in dem vorgestellten Buch um SIE geht, ihr Leben- aber das kann doch ...


Kim, ein Mädchen, das nicht wirklich Interesse an Büchern hat, ist mit ihrer Klasse bei einer Lesung - und dort bemerkt sie, daß es in dem vorgestellten Buch um SIE geht, ihr Leben- aber das kann doch nicht sein? Oder doch?
Leider verweigert sich die Autorin ihr (und ihren Fragen) und so muß sie versuchen, auf anderen Wegen dahinterzukommen- wenn auch nicht immer legal.

Respekt an die Autorin für diese gute Idee - ich war äußerst gespannt auf die Umsetzung der Geschichte- und wurde nicht enttäuscht.

Obwohl schon längst dem Teeniealter entwachsen lese ich mit Begeisterung gern interessante Jugendromane.
Da man vieles schon selbst erlebt hat, kann man sich sehr gut in die Handlungen einfühlen. So auch hier- wenngleich ich Kim´s Desinteresse an Büchern nie nachvollziehen könnte/ gekonnt hätte ;)

Kim Josephine, 15, sitzt also bei dieser Lesung und spitzt auf einmal ihre Ohren- zu viele Parallelen gibt es zu ihrem Leben und so steigert sie sich nachfolgend in dieses Buch hinein, beginnt es sogar selbst zu lesen.
Doch passieren die Dinge nun, weil es eben so in dem Buch steht oder weil es sowieso passiert wäre?

Der Schreibstil ist sehr locker, spritzig und sehr humorvoll. Die Autorin schafft es scheinbar mühelos, daß man nicht aufhören kann zu lesen, weil man wissen will, wie es weitergeht.
Alina Bronsky schafft, daß man sich in die Figuren einfühlt- in Kim ebenso wie in Petrowna, ihre beste Freundin und den Gegenpart. Auch die Randfiguren wie Kim´s Eltern fand ich detailliert gezeichnet.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gerne eine jugendliche Geschichte mit Tiefgang lesen möchte, wenn auch die übliche Liebesgeschichte zu kurz kam. Dafür wird näher auf Freund- und Familienverstrickungen eingegangen, was mich auch beschäftigt.
Sehr unterhaltsam!

Veröffentlicht am 28.09.2017

sehr eigen

Stille
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Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je?

Mit diesen 3 Fragen beschäftigte sich der Autor über Jahre und bot nun mit seinem Werk darüber einen Lösungsansatz mit 33 Versuchen einer ...

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je?

Mit diesen 3 Fragen beschäftigte sich der Autor über Jahre und bot nun mit seinem Werk darüber einen Lösungsansatz mit 33 Versuchen einer Beantwortung an.

Das ließ mich gespannt auf das Buch werden. Dennoch muss ich nun eingestehen, daß ich nach dem Lesen die Versuche überhaupt nicht als diese wahrgenommen habe.
Der Autor beschreibt vielmehr sein eigenes Empfinden auf seinen Reisen, wechselt dabei auch recht spontan und unstrukturiert durch verschiedene Themengebiete und deutet nur vage an, anstatt "Anleitungen" aufzuzeigen, deren man folgen könnte.
Daß allerdings nicht jeder, der sich vom allumgebenden Lärm verfolgt fühlt, mal eben zu den Polen reisen kann, noch dazu allein, sollte jedem klar sein. Denn Erling Kagge beschreibt dies als (s)einen Weg, die Stille (wieder-) zu finden.

Dennoch erzählt der Autor sehr unterhaltsam aus den verschiedensten Bereichen Anekdoten, sodaß ich dieses Buch eher als Unterhaltungsliteratur denn als Ratgeber wahrnahm. Der Schreibstil ist locker und leicht gehalten, obwohl auch Religion und Philosophie miteinflossen.
Die Zitate und Bilder empfand ich als passend und wohl ausgesucht.
Besonders die Aufmachung ist hervorzuheben- der Kontrast zwischen dem schlichten Cover und den farbigen Einbänden ist ein Überraschungsmoment, den ich so noch nicht erlebt habe.

Das Buch ist recht eigenwillig und bietet definitiv keine allgemeingültige Lösungen an. Leider. Denn das hatte ich eigentlich erwartet.
Dennoch ein interessantes Buch zu einem Thema, das nicht oft genug Gehör findet.

Veröffentlicht am 04.09.2017

skurrile Familie

Der Vater, der vom Himmel fiel
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Kann eine Geschichte, die mit einem tödlichen Unfall beginnt, dennoch humorvoll sein? Ohja, J. Paul Hendersons "Der Vater, der vom Himmel fiel" kann!

Der seit Jahren verwitwete Lyle Bowman stirbt durch ...

Kann eine Geschichte, die mit einem tödlichen Unfall beginnt, dennoch humorvoll sein? Ohja, J. Paul Hendersons "Der Vater, der vom Himmel fiel" kann!

Der seit Jahren verwitwete Lyle Bowman stirbt durch ein irrwitziges Missgeschick. Dabei hat er das Gefühl, daß er vieles noch nicht erledigt hat. Seine Söhne, Greg und Billy, sind seit langem verstritten, der Ältere lebt seit Jahren in Amerika. Lyles Bruder Frank scheint an Demenz erkrankt zu sein oder warum stellt er sich der Polizei wegen Vergehen, die er nicht beging?

Sie alle treffen auf Lyles Beerdigung aufeinander und es gibt noch weitere offene Fragen- wer war die junge Frau bei der Rede des Pfarrers- hatte Lyle etwa eine Geliebte? Wenn ja, wer ist sie?

Um das Haus des Vaters zu verkaufen will Greg es zuvor renovieren. Billy ist mit seiner Familie und seinem Job zu sehr eingespannt, sagt er.
Denn jeder in dieser Familie hat Geheimnisse und Sehnsüchte, deren Auflösungen manchmal so obskur sind, daß man nicht weiß, ob man Lachen oder doch eher Mitgefühl haben soll. Und so macht Greg eine "übersinnliche" Erfahrung in seinem Elternhaus, die ihn dazu verleitet, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und somit den letzten Willen seines Vaters zu erfüllen.

Henderson gelingt es in seiner Geschichte viele Emotionen aufzugreifen und dennoch weiterhin einen äußerst spannenden Unterhaltungsroman abzuliefern. Es wird nie langweilig!
Liebevoll zeichnet er seine Figuren, ohne den Zeigefinger zu erheben oder zu urteilen.
Sein Roman besticht neben dem Humor, den überraschenden Wendungen und den skurrilen Akteuren vor allem mit einer überraschenden Tiefe.

Denn schlußendlich lautet das Fazit: es ist nie zu spät, dein Leben zum Besseren zu verändern!

Veröffentlicht am 21.08.2017

Der glückliche Graf

Ein Gentleman in Moskau
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Das Cover ist eher schlicht in seiner (Farb-)Gestaltung, jedoch darin passend auf den Inhalt abgestimmt- so zurückhaltend, höflich, gebildet und von einer ausgesuchten Integrität wie der Graf dargestellt ...

Das Cover ist eher schlicht in seiner (Farb-)Gestaltung, jedoch darin passend auf den Inhalt abgestimmt- so zurückhaltend, höflich, gebildet und von einer ausgesuchten Integrität wie der Graf dargestellt wird.

(Der) Graf Alexander Rostov hat ein genußfreudiges Leben in Müßiggang geführt. Das soll sich nun grundlegend ändern.
Im Rußland der 20er Jahre wird er von der Revolutionsregierung unter lebenslangen Hausarrest gestellt, allerdings im legendären Moskauer Hotel Metropol. Nur bewohnt er dort nicht weiter seine Suite, sondern eine winzige Dachkammer.

Das privilegierte Leben gewohnt, richtet er sich in seinen neuen Lebensumständen ein. Trotz aller Beschränkungen führt er weiterhin ein beschauliches Dasein. Bis er Nina kennenlernt.
Das kleine Mädchen, dessen Vater zur neuen Regierung gehört, lebt ebenfalls im Hotel und begeistert Alexander durch ihre Neugierde.
Durch sie lernt Alexander, hinter die Kulissen des Hotels zu schauen. Dieses kleine, in sich geschlossene, Universum- in dem es nicht um eine Masse geht, sondern um jeden Einzelnen.

Das ist auch die Parallele zu diesem Buch, in dem der Hauptprotagonist zum großen Star avanciert- und das mit leisen Tönen.
Mutig stellt er sich dem Leben, erinnert sich dabei stets an seine "gute Kinderstube", stellt seine Bedürfnisse hinter denen anderen hintenan.
Und dennoch schafft er es, dabei ein zufriedenes Glück auszustrahlen, das in unserer Zeit seinesgleichen sucht.

Der Autor Amor Towles sagt, er hätte diesen Roman geschrieben, um von der Bestimmung zu sprechen, die jeder für sich finden muß.
Alexander ist dies gelungen. Und Amor Towles mit seiner Wahl, uns von Alexander zu erzählen ebenso.

Der Schreibstil ist so lebendig, dabei ironisch, jedoch mit ganz viel Charme versetzt, sodaß man gar nicht anders kann, als mit dem Grafen zu sympathisieren.

Ein pures (Lese-)Vergnügen!