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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2021

Familie über alles

Wenn ich wiederkomme
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In einem kleinen Land in Rumänien beschließt Daniela, verheiratet mit zwei Kindern im Teenageralter, in einer Nacht heimlich zu gehen und alles und jeden aufzugeben. Reiseziel: Italien. Der Grund, der ...

In einem kleinen Land in Rumänien beschließt Daniela, verheiratet mit zwei Kindern im Teenageralter, in einer Nacht heimlich zu gehen und alles und jeden aufzugeben. Reiseziel: Italien. Der Grund, der sie antreibt, ist die Möglichkeit zu arbeiten, um den Kindern eine würdevolle Existenz im Heimatland zu ermöglichen. Daniela findet sich in Mailand wieder, als Angestellte eines Unternehmens und wird zur Betreuerin von Giovanni, einem Mann mit Alzheimer.
Die anfängliche Auswirkung auf das neue Leben macht Daniela zu einer Maschine, die ausschließlich der Anhäufung von Geld gewidmet ist, um die Auslandserfahrungen so schnell wie möglich zu beenden und nach Hause zurückkehren zu können. Die Beziehungen zu Angelica und Manuel werden zunehmend fremder und ihr Mann verlässt sie auch für einen Job als Lkw Fahrer in Sibirien. Die Jungen sind ihrer selbst ausgeliefert, obwohl es glücklicherweise das wachsame Auge der Großeltern gibt. Daniela verliert bald den Puls des Lebens ihrer Kinder und verliert ihre Verbindungen zur Vergangenheit und zur Heimat.
Ein Roman, den ich an einem einzigen Tag verschlungen habe, der für mich ein Thema ofenbahrte, das ich nicht kannte. Wie die Kinder, die allein in Rumänien leben oder Verwandten und Nachbarn anvertraut werden, weil ihre Eltern zur Auswanderung gezwungen sind. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 26.10.2021

Stillstand nirgendwo

Der Kolibri
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Stillstand ist unmöglich, Panta rei: alles fließt. So bewegt sich auch Marco, der Protagonist. Sein Leben ist das der oberen Mittleschicht, seine Ängste und Wünsche fordert Schmerzen, Vergnügen und Leid ...

Stillstand ist unmöglich, Panta rei: alles fließt. So bewegt sich auch Marco, der Protagonist. Sein Leben ist das der oberen Mittleschicht, seine Ängste und Wünsche fordert Schmerzen, Vergnügen und Leid heraus. Sein soyiels Umfeld sind Architekten, Ingenieure, Ärzte, Anwälte und dergleichen. Sie haben keine finanziellen Schwierigkeiten, daher müssen ihre Leiden anderer Art sein, hauptsächlich in Bezug auf Gesundheit und Beziehungen. Was an dem Protagonisten Marco Carrera ungewöhnlich ist, ist das schiere Ausmaß dieser Leiden, die das zentrale Thema des Romans bilden. Abgesehen davon gibt es nichts Besonderes an Marco, der als anständiger, fleißiger Mann auftritt, sportlich interessiert und mit einer starken Fähigkeit zu Freundschaft und Liebe. Als ob er sich der Fragilheit seines Schreibens bewusst wäre, mischt der Autor die Chronologie seiner Erzählung und wechselt zwischen der Erzählung von Dritten und der Brieftechnik, die vielen italienischen Schriftstellern am Herzen liegt. Sogelingt ihm ein ungewöhnliches, etwas gewöhnungsbedürftiges Werk.

Veröffentlicht am 26.10.2021

Eine überzeugende Lektüre über eine sehr schwierige Zeit in Irland

Grace – Vom Preisträger des Booker Prize 2023 ("Prophet Song")
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Eine bemerkenswerte Schrift, die die Autorin hier nutzt. Die poetische, lyrische Sprache erzählt uns die erschütternde Geschichte eines jungen Mädchens, das in den düstersten Tagen der Kartoffelhungersnot ...

Eine bemerkenswerte Schrift, die die Autorin hier nutzt. Die poetische, lyrische Sprache erzählt uns die erschütternde Geschichte eines jungen Mädchens, das in den düstersten Tagen der Kartoffelhungersnot Irlands alleine überleben muss. Unsere Heldin, Grace, zieht noch als Kind, von ihrer Mutter wegen Nahrungsmittelknappheit aus ihrem Haus verbannt, ihren eigenen Weg durch ein verarmtes Land um zu sich selbst zu finden und mit dem Überleben zu kämpfen.
Lynchs Schreiben bietet einen Grund, uns Graces tückischer und gefährlicher Reise zu unterwerfen, wenn sie gegen die härtesten Umstände erwachsen wird.
Das Buch ist sehr deprimierend aber dies wird schon vom Klappentext klar gemacht.
Alles in allem ein lesenwerter Roman mit einigen Schwächen. Der Dialog ohne Anführungszeichen machte es manchmal schwierig ihm zu folgen. Eine überzeugende Lektüre über eine sehr schwierige Zeit in Irland.

Veröffentlicht am 26.10.2021

Hochspannung pur

Meeressarg (Ein Fabian-Risk-Krimi 6)
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Fabian Risk hat in diesem sechsten Band mit seinem schlimmsten Feind zu kämpfen und das sind seine Gewissensbisse und seine Trauer. Denn sein Sohn Theo ist tot, er hat sich in der Untersuchungshaft das ...

Fabian Risk hat in diesem sechsten Band mit seinem schlimmsten Feind zu kämpfen und das sind seine Gewissensbisse und seine Trauer. Denn sein Sohn Theo ist tot, er hat sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen. Risk hat ihn zu überreden versucht sich der Polizei zu stellen und laut den Beamten hat er Selbstmord begangen. Doch Risk ist sich im Nachhinein nicht sicher, ob dies wirklich so vonstatten gegangen ist.
Darüber hinaus gibt es noch Feind Nr. 2, Kim Sleizner, den er zusammen mit seiner ehemalige Kollegin Dunja Hougard versucht hinter Gitter zu bringen. Doch der ranghohe skrupellose Polizist der dänischen Hauptstadt hat noch so einige Ässe im Ärmel.
Nahtlos an den Vorgänger setzt auch dieser Band ein und das sei schon vorweg gesagt, ohne die Reihe der Bänder einzuhalten ist dieses Buch nicht zu empfehlen, da das Hintergrundwissen hier wirklich das A und O ist.
Dunjas ungleicher Kampf gegen Sleizner und Fabians phychische Situation, der nachden vielen Schicksalsschlägen nicht mehr weiterleben kann, nehmen den Hauptteil der Geschichte an. man weiß am Ende nicht ob es noch einen weiteren Nachfolger geben wird, ich bezweifle dies jedoch stark. Nichtsdestotrotz, ist dieser Thriller nichts für dünnhäutige Leser. Mit als Fan hat er gefallen obwohl ich manchmal schon innehalten musste.

Veröffentlicht am 03.10.2021

Eine ergreifende und emotionale Geschichte

Wie schön wir waren
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Wie schön wir waren ist eine tragische Geschichte und handelt von Gier, Privilegien, Unterdrückung und Missbrauch. Es ist kein leichtes Buch, man sollte sich im Vornerein klar sein, dass man Taschentücher ...

Wie schön wir waren ist eine tragische Geschichte und handelt von Gier, Privilegien, Unterdrückung und Missbrauch. Es ist kein leichtes Buch, man sollte sich im Vornerein klar sein, dass man Taschentücher parat haben muss.
Im Buch geht es um ein kleines fiktives afrikanisches Dorf, dessen Menschen ausschließlich auf die Landwirtschaft und aufeinander angewiesen sind, bis eine amerikanische Ölgesellschaft kommt und beginnt, ihr schönes Land zu zerstören und Krankheit und Tod herbeizuführen. Die Gemeinschaft sieht anfangs nur passiv zu und ist wütend, da sie schwere Verluste erleidet. Im Zentrum der Geschichte steht ein junges Mädchen namens Thula. Sie schweißt sich mich Menschenrechtsaktivisten außerhalb ihres Dorfes zusammen und wir begleiten ihre Entwicklung und sehen wie sie gegen die Ungerechtigkeit , die ihr Volk ausgesetzt wird, ankämpft.
Imbolo konnte hiermit wieder eine traurige, aber dennoch lyrische Geschichte schreiben. Die Charaktere und die Atmosphäre sind lebendig und man konnte sehen, wie ihre Frustrationen deutlich in der Oberfläche ragt, wie es auch nach Jahren der Vernachlässigung und Misshandlung durch die Behörden der Fall ist. Ich habe ihr nachempfunden und war teilweise sehr aufgebracht. Obwohl wir es eigentlich wissen, ist es immer ein Unterschied wenn man so einen Roman liest. Das Schlimme ist, trotzdem verändern wir nichts. Für mich ein großartiges Buch, der uns alle antreiben muss etwas zu tun.