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Veröffentlicht am 11.12.2017

Wunderschöne Neuausgabe

Jenseits von Afrika
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Ich habe vor Jahren den berühmten Film mit Robert Redford gesehen und war ganz verzaubert von Blixens Welt. Auch ihr verdanke ich meine erste außereuropäische Reise, die mich nach Kenia führte. Wo ich ...

Ich habe vor Jahren den berühmten Film mit Robert Redford gesehen und war ganz verzaubert von Blixens Welt. Auch ihr verdanke ich meine erste außereuropäische Reise, die mich nach Kenia führte. Wo ich dann sogar ihre Farm in der Nähe von Nairobi besuchte, die doch ganz anders als im Film ist. Nun wurde es endlich mal Zeit den Roman zu lesen und was passt dann besser als diese wunderschöne Manesse Ausgabe.
Manesse bringt gerade verschiedene Klassiker neu heraus mit modernen Covern. Das von Jenseits von Afrika ist meiner Meinung sehr gelungen. Es besticht durch einen warmen Gelbton und Zebras. Dazu das bekannte handliche Format und das gute Papier, was das Lesen zum Genuss macht.
Wenn man den Film kennt, wird man vom Buch überrascht, denn es ist völlig anders. Die im Film so zentrale Liebesgeschichte spielt im Buch nur eine untergeordnete Rolle. Viel mehr geht das Buch auf das Leben einer Frau in dieser für sie exotischen Welt ein! Man darf erleben, wie sehr sie aus sich heraus wächst. Sie stellt sich gegen eingesessene Konventionen und versucht in dem Land, was sie immer mehr liebt, stark zu bleiben.
Durch ihre gelungenen bildhaften Beschreibungen merkt man in jedem Satz ihre Liebe zu Kenia. Sie beschreibt die Afrikaner ohne die übliche Koloniale Überheblichkeit, auch wenn ihr Blick zum Teil sehr verklärt ist. Ihre Arbeiter sind nicht nur Staffage wie in vielen Romanen dieser Zeit, sondern eigene Charaktere mit Tiefe.
Blixen zu lesen ist ein Genuss, ihre Beschreibungen sind lang und intensiv, aber nie langweilig. Ich fühlte mich direkt nach Kenia versetzt, konnte mir ihre geliebten Ngong Berge sehr gut vorstellen. Ihre Sprache ist fast poetisch. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, genau das richtige um graue Regentage wieder hell zu machen.

Veröffentlicht am 09.12.2017

Erschreckend realitätsnah

Leere Herzen
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Juli Zeh ist mir als deutsche Autorin schon länger bekannt, aber irgendwie war für mich noch nie das passende Buch dabei. Diese Dystopie-Thriller-Mischung fand ich von seiner Geschichte so interessant, ...

Juli Zeh ist mir als deutsche Autorin schon länger bekannt, aber irgendwie war für mich noch nie das passende Buch dabei. Diese Dystopie-Thriller-Mischung fand ich von seiner Geschichte so interessant, dass ich es unbedingt lesen wollte.
Es ist ein wirklich ungewöhnlicher Plot: Britta Söldner und Babak Hamwi betreiben eine Firma „Die Brücke“, offiziell eine Heilpraxis, in Wahrheit ein Spiel mit dem Tod. Britta hat noch eine Tochter und einen Lebensgefährten, die nichts über Brittas wahre Arbeit wissen. Immer mehr wird auch klar, dass die Familie erst an zweiter Stelle kommt, was mir ihren Charakter nicht sympathischer machte. Im ganzen Roman blieb sie für mich kalt und gefühllos und vor allem besserwisserisch, was manchmal ganz schön nervte.
Man erfährt erst relativ spät, was es mit „Der Brücke“ auf sich hat, was den Spannungsbogen besonders am Anfang erhöht. Die Idee hinter der Brücke ist einfach, aber grandios. Leider kann ich mir wirklich vorstellen, dass es so etwas in der Realität geben könnte. Neben der Idee „Die Brücke“ ist die Gesellschaft, in der Britta lebt sehr interessant. Leider sind die Informationen dazu immer sehr spärlich.
Gefallen hat mir die Sprache von Juli Zeh, die bildhaft und angenehm zu lesen ist. Eine gewisse Unaufgeregtheit durchzieht den Roman, das machte für mich die ganze Geschichte noch erschreckender.
Juli Zeh hat einen spannenden und leider auch realistischen Zukunftsroman geschrieben, der zeigt wo unsere Gesellschaft hinsteuern kann. In ihrem Fokus liegen gerade die Menschen der gehobenen Mittelschicht, die durch ihren eigenen Egoismus und eine Empathielosigkeit die Gesellschaft an den eigenen Abgrund bringen. Es ist ein Roman, der durch seine Realitätsnähe nachhallt.

Veröffentlicht am 28.11.2017

Ungewöhnliches Design, ungewöhnliche Ideen

Moderne Granny Squares
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Ich habe schon einige einfache Sachen gehäkelt. Dabei sind mir auch immer wieder Granny Squares über den Weg gelaufen, aber ich hatte mich noch nie so richtig ran gewagt. Das lag auch zum Teil daran, dass ...

Ich habe schon einige einfache Sachen gehäkelt. Dabei sind mir auch immer wieder Granny Squares über den Weg gelaufen, aber ich hatte mich noch nie so richtig ran gewagt. Das lag auch zum Teil daran, dass mir außer Kissenhüllen und Decken kein wirkliches Projekt damit einfiel. Nun bekam ich ein Leseexemplar dieses etwas anderen Granny Squares Buches. Schon allein der Aufbau des Buches ist ungewöhnlich, denn man klappt es nach oben auf und nicht von rechts nach links. Die Seiten sind schwarz gehalten und die Häkelschrift in weißer Kreideschrift gehalten. Dadurch wirkt das ganze Buch sehr modern, passend zum Titel.
Es beginnt mit einem Grundmuster eines Granny Squares. Ich habe vorher noch nie eins gehäkelt und bin sehr gut mit der bebilderten Anleitung klar gekommen. Schon im ersten Anlauf sah es fast so aus wie im Buch. Mit diesem Grundmuster folgen im Buch nun sehr verschiedene und zum Teil der ungewöhnlich Vorschläge was man mit diesen kleinen Vierecken gestalten kann. Ich war wirklich überrascht, dass z.B. so verschiedene Kleidungsstücke möglich sind. Zum Teil wirken sie etwas unförmig, was natürlich auch an der viereckigen Form der Einzelteile liegt. Mir gefielen besonders die Stulpen und Overknees.
Was ein wenig schade ist, dass man selbst sehr viel mit der Wolle und Nadelstärke experimentieren muss. Denn es gibt kaum Wollempfehlungen in Art, Größe und Verbrauch für die einzelnen Projekte. Man muss sich also durch Probesquares selbst sein Garn testen. Bei vielen Projekten ist es auch nicht so wichtig wie bei Taschen, Schals etc., aber bei den Overknees, Rock oder Mantel wäre es schon schön Garnstärke und Zusammensetzung zu kennen.
Auch wenn die Granny Squares gut mir der Anleitung zu häkeln sind, ist es meiner Meinung nicht unbedingt ein Anfängerbuch, dafür muss man sich doch zu oft sich selbst zu helfen wissen. Aber wenn man schon mal ein wenig gehäkelt hat, sind die Anleitungen in diesem Buch eigentlich kein Problem. Insgesamt ist es aber ein wirklich schönes Buch, was die Aufmachung angeht, aber auch die ungewöhnlichen Ideen. Für alle die interessant, die aus Granny Squares nicht nur eine Decke häkeln wollen.

Veröffentlicht am 23.11.2017

Kein wirklicher Spannungsbogen

Das Vermächtnis der Spione
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John le Carré Thriller kenne ich einige als Buch aber auch als Verfilmung. Seine Kunst hinter die Kulissen der Geheimdienste zu schauen, fand ich immer sehr spannend. Dies ist nun mein erstes Hörbuch von ...

John le Carré Thriller kenne ich einige als Buch aber auch als Verfilmung. Seine Kunst hinter die Kulissen der Geheimdienste zu schauen, fand ich immer sehr spannend. Dies ist nun mein erstes Hörbuch von ihm. Ich kenne nicht alle Vorgängerbände dieser Reihe, aber das sollte eigentlich kein Problem sein, dachte ich. Aber ich kam nur sehr schwer rein.
Peter Guillam, Spion im Ruhestand wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Es gibt auf einmal Fragen zu dem Fall Windfall, wo in den 60er Jahren zwei Menschen an der Berliner Mauer starben. Peter muss zurück nach London und sich vielen Fragen stellen. Dabei wird versucht ein Geflecht von Spionen, Doppelagenten im Kalten Krieg zu lösen. Jedenfalls versuchte ich das als Hörerin. Denn man wird mit einer Vielzahl von Informationen überschüttet, wo man erst einmal nicht weiß, ist das wichtig oder kann das weg. Dazu zählen viele private Infos von Peter, die ich versuchte zu merken und mit dem eigentlichen Fall in Zusammenhang zu bringen. Dazu kommt noch eine Vielzahl von Personen, die ich kaum auseinander halten konnte. Gerade bei einem Hörbuch fällt es mir schwer.
Es zog sich insgesamt sehr in die Länge und ich musste mich doch öfters zwingen weiter zu hören. Durch das Abschweifen von der eigentlichen Haupthandlung zu den vielen Nebenschauplätzen baute sich kaum eine Spannung auf. Es plätscherte so vor sich hin. Ich muss wirklich sagen, das kann le Carré besser. Der Sprecher Walter Kreye dagegen macht einen guten Job. Unaufgeregt ohne übertriebene Betonung führt er durch den Roman.
Also ich kann den Roman als Hörbuch nicht empfehlen, dafür ist er zu unübersichtlich. Auch fehlt mir ein Spannungsbogen, so wie ich ihn aus anderen le Carré Thrillern kenne. Die Hintergründe zu den Agenten im Kalten Krieg bieten guten Stoff und der Plot ist durchaus gelungen, aber leider verliert sich le Carré in zu vielen Nebeninformationen, schade.

Veröffentlicht am 22.11.2017

Emotionaler Nachkriegskrimi

Tausend Teufel
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Dies ist nun der zweite Roman um Oberkommissar Max Heller. Es ist 1947 in Dresden der Krieg ist vorbei und die Sowjets haben das Sagen. Sie haben die Verwaltung übernommen. Der Großteil der Bevölkerung ...

Dies ist nun der zweite Roman um Oberkommissar Max Heller. Es ist 1947 in Dresden der Krieg ist vorbei und die Sowjets haben das Sagen. Sie haben die Verwaltung übernommen. Der Großteil der Bevölkerung hungert und lebt in erbärmlichen Verhältnissen. In dieser Trümmerstadt versucht Heller dennoch seinen Job als Polizist zu machen. Er wird zu einem Tatort gerufen, aber bevor er sich näher mit dem Opfer, ein toter sowjetischer Soldat, beschäftigen kann wird dieser vom Militär weggeschafft. Zurück bleibt ein Rucksack, in dem Heller einen abgetrennten Kopf findet. Heller steht vor einem Rätsel und muss sich wieder mit der sowjetischen Obrigkeit rumschlagen, die nur selten mit offenen Karten spielt.
Wie auch im ersten Teil der Reihe hatte ich auch hier wieder das Gefühl der Kriminalfall an sich ist eher zweitrangig. In erster Linie geht es eher um das Leben im Nachkriegs-Dresden. Das Leben der einfachen Bevölkerung, der Kampf ums Essen, Medizin, aber auch die Frage der Schuld werden immer wieder gestellt. Frank Goldammer zeichnet dabei ein sehr authentisches und emotionales Bild der Menschen in dieser Situation. Mit Max Heller hat er einen ganz besonderen Protagonisten geschaffen. Heller steht mit aller Macht zu seinen Prinzipien, egal welche Nachteile es ihm bringt. Er tritt in keine Partei ein und nimmt nur das für sich in Anspruch auf was er seiner Meinung ein Recht hat. Er fordert für sich nichts ein, er ist einfach ein guter Mensch, wie man ihn selten findet.
Die Atmosphäre im Roman ist dicht und wirkte auf mich sehr realistisch. Ich konnte die Verzweiflung spüren und als es um die Waisenkinder ging, ging mir das als Mutter besonders nahe und ich musste das Hörbuch sogar unterbrechen.
Für mich ist auch der zweite Teil in erster Linie ein Nachkriegsroman, wobei die Krimihandlung den roten Faden bildet. Der Autor konnte mich emotional wieder fangen. Und auch der Sprecher des Hörbuches Heikko Deutschmann macht wieder einen guten Job. Er betont gekonnt die verschiedenen Charakter ohne übertrieben zu klingen. Er kann die Angst und Verzweiflung von Heller sehr gut ausdrücken. Ein rundum gelungenes Hörbuch, was ich kaum ausstellen konnte. Ich freue mich schon sehr auf eine Fortsetzung.