Meine geniale Freundin: Die Ich-Erzählerin Elena berichtet über ihr Heranwachsen in Neapel, in der bittere Armut und familiäre Gewalt die Norm sind. Während Elena die Chance hat ihrem Leben dort durch Bildung zu entkommen, bleibt ihrer Freundin nur die Aussicht im Schuhgeschäft des Vaters zu arbeiten. Das Buch gibt dem Leser einen Einblick in die Verhältnisse der einfachen Leute in der Zeit der 1950er bis 1960er Jahre in Neapel am Bild der beiden heranwachsenden Mädchen. Die kurzen Kapitel aber auch der sehr angenehm zu lesende Schreib- und Erzählstil sorgten dafür, dass ich in Null Komma Nichts das Buch schon wieder beendet hatte. Die einzelnen Figuren aber auch die beschriebenen Lebensbedingungen wirkten auf mich sehr authentisch. Der Roman ist im besten Sinne des Wortes episch und doch ruhig und persönlich in seinem Umfang.
Die Geschichte eines neuen Namens: Dieser zweite Teil der Neapolitanischen Saga setzt die Geschichte der Freundschaft von Lenu und Lila bis ins junge Erwachsenenalter fort. Es ist eine komplexe, konkurrierende Verbindung, die zu vielen Kämpfen, gebrochene Herzen, Verrat und viel Drama führt. Aber ich war absolut fasziniert und gefesselt, wie die Autorin es geschafft hat die unterschiedlichen Entwicklungen von Lenu und Lila in Szene zu setzen. Der Kampf, es aus der heimischen Umgebung heraus zu schaffen, etwas zu tun, was einen letztlich auch voranbringt, der Beste zu sein, durch Bildung einen Weg aus der Enge und der Armut zu finden und somit seine Träume und Hoffnungen und natürlich auch die Liebe zu leben ist sehr anschaulich erzählt. Ich war erneut überrascht wie schnell ich diesen Schmöker doch durch hatte. Einmal begonnen war ich wieder so eingenommen von der Geschichte, dass ich das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen konnte. Auch der 2. Teil hat mir wieder gut gefallen.
Die Geschichte der getrennten Wege: Auch der 3. Teil der Neapolitanischen Saga ist in Hinsicht auf die Seitenzahl alles andere als ein „Leichtgewicht“. Aber auch diesen Roman hatte ich im Nu ausgelesen. Der Roman, der ja die Geschichte um die beiden Hauptprotagonistinnen Elena und Lila weiterführt, ist in deren 20er bis 30er Lebensjahre angekommen. Parallel und sich auch gelegentlich überschneidend, werden ihre beider Lebenswege mit Heirat, Kinder, Familie, Liebhaber aber auch vielen Selbstzweifeln erzählt. Als Leser erkennt man, wie die beiden Frauen durch die Gesellschaft in der sie leben bzw. mit den Menschen mit denen sie sich umgeben geprägt werden und sich verändern oder verändert werden. Da der Hauptfokus auf Elena und Lila liegt bleiben andere Charaktere eher blass, aber wirklich unangenehm fand ich das im Ganzen betrachtet nicht. Ich fand es sehr überzeugend, wie es der Autorin gelungen ist, die beiden doch recht unterschiedlich verlaufenden Leben letztlich wieder so gekonnt zu verweben. Ich bin schon jetzt auf den nächsten Teil gespannt.
Die Geschichte des verlorenen Kindes: Auch in Teil 4 dieser Saga über die Leben von Elena und ihrer Freundin seit Kindertagen Lila kann die eine nicht ohne die andere. Es geht auch hier um die Liebe, Familie und Kinder. Was oberflächlich betrachtet wie ein Frauenroman anmutet ist aber vielmehr. Geht es doch auch um Politik und den Status als Frau in einer noch immer männerdominierten Gesellschaft. Dabei ist der Schreib- und Erzählstil so überzeugend, dass die Emotionen und das Erlebte der beiden Hauptcharaktere so echt und gut beschrieben sind, dass es sich fast wie eine Autobiografie als ein fiktiver Roman anfühlt. Ein bisschen traurig bin jetzt schon, dass ich mich von Elena und Lila verabschieden muss, waren sie mir doch sehr ans Herz gewachsen. Für alle die die Beiden erst noch kennenlernen möchten, empfehle ich diese Saga in der richtigen Reihenfolge zu lesen, aber auch keinen Teil auszulassen. Ich empfehle also nicht nur diesen 4. Teil sondern in diesem Fall die gesamte Neapolitanische Saga.
Die Umsetzung als Hörbücher ist gelungen und eine angenehme Alternative zu den Büchern.