Profilbild von drachenzahn

drachenzahn

Lesejury Profi
offline

drachenzahn ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit drachenzahn über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2023

Bittersüße Tiergeschichte

Nova – Aufbruch in die Wildnis
0

Das Buch „Nova“ ist wirklich wunderschön und herzergreifend. Alles fühlt sich echt sowie lebensnah an. Die Geschichte wird zwar aus Sicht der Tiere erzählt, wirkt dabei aber durchaus authentisch und zieht ...

Das Buch „Nova“ ist wirklich wunderschön und herzergreifend. Alles fühlt sich echt sowie lebensnah an. Die Geschichte wird zwar aus Sicht der Tiere erzählt, wirkt dabei aber durchaus authentisch und zieht einen schnell in seinen Bann. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass auch Themen wie Trauer und Tod eine Rolle spielen.

Nova wird von der älteren Dame Ma Millie aufgenommen. Sie liebt ihr warmes, gemütliches Zuhause. Doch dann wird Millie sehr krank und das Kätzchen ist fest entschlossen, allen Gefahren zu trotzen und Hilfe zu holen. So wagt sie sich in den dunklen Wald. Es beginnt eine spannende Reise mit vielen brenzligen Situationen, neuen Freunden und Feinden sowie eine Suche nach dem eigenen Ich. Nova lernt nicht nur die Welt von einer neuen Seite kennen, auch sich selbst und ihre innere Stärke erblickt sie in einem anderen Licht.

Die Autorin Megan Wagner Lloyd beschreibt auf wunderbar poetische Weise die Reise der kleinen Katze. Überwiegend wird die Geschichte aus Novas Perspektive erzählt, hin und wieder bekommen wir jedoch auch einen Einblick in die Sichtweise der Füchsin und des Luchses. Im Buch befinden sich einige Illustrationen im Stil von Holzschnitten. Sie passen an sich gut zum Text. Ich finde es aber sehr schade, dass sie sich teilweise wiederholen. Die Kapitel sind meist recht kurz, weshalb sich das Buch auch sehr gut für Leseanfänger eignen würde.

Die Geschichte ist für Kinder ab acht Jahren geschrieben. Ich würde allerdings empfehlen, es mit ihnen gemeinsam zu lesen, da einige Themen angesprochen werden, die für Kinder beunruhigend sein könnten. Die Autorin die Natur sehr realistisch dar. Der Luchs jagt und frisst das Kaninchen. Nova wächst an ihrer Reise, geht aber keineswegs völlig unbeschadet daraus hervor. Und auch lieb gewonnene Personen gehen von uns.

Dies wird alles sehr warmherzig und mit Ruhe sowie Liebe erzählt. Es gibt keine billige Effekthascherei. Aber der Tod könnte für das ein oder andere Kind dennoch sehr emotional und schwierig zu verarbeiten sein. Da man aber auch solche Themen nicht endlos von Kindern fernhalten kann und sollte, finde ich, dass dieses Buch eine gute Möglichkeit darstellt, sie damit zu konfrontieren. Zumal auch andere Themen wie Freundschaft, Mut, Hilfsbereitschaft und Charakterentwicklung eine große Rolle spielen.

Das Buch ist wirklich wunderschön. Man kann sich gut in die kleine Katze und ihre Gefühle hineinversetzen. Allerdings sollte es besser begleitet mit einem Erwachsenen gelesenen werden, da einige Themen angesprochen werden, die für zusätzlichen Gesprächsbedarf sorgen könnten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2023

Tierische Krimigeschichte für kleine Detektive

Meisterdetektiv Sherlock Bones, Band 1 - Die Jagd nach den Kronjuwelen
0

„Die Jagd nach den Kronjuwelen“ ist der erste Band von aktuell drei Büchern der Reihe „Meisterdetektiv Sherlock Bones“. Die Reihe spielt bewusst mit den Klischees ihrer tierischen Helden und den berühmten ...

„Die Jagd nach den Kronjuwelen“ ist der erste Band von aktuell drei Büchern der Reihe „Meisterdetektiv Sherlock Bones“. Die Reihe spielt bewusst mit den Klischees ihrer tierischen Helden und den berühmten Vorbildern. Das Buch ist lustig, spannend und perfekt geeignet für Kinder ab acht Jahren.

In diesem Band wurden die Kronjuwelen der englischen Königin entwendet und Sherlock Bones sowie seine Assistentin Jane Catson versuchen, den Täter ausfindig zu machen und den Schatz seiner Besitzerin zurückzugeben. Einige witzige Wortspiele wie Barker Street (bark = bellen) gehen im Deutschen leider verloren, andere wurden aber passend übertragen („Pfotington Palace“).

Die jungen Leser verfolgen dabei nicht nur passiv dem jeweiligen Fall, sondern werden auch aktiv dazu aufgefordert, verschiedene Rätsel zu lösen. Darunter befinden sich mehrere Mathe- (lösbar ab Ende Klasse 2) und Puzzleaufgaben, aber auch solche zum Sinnverständnis und zum Knobeln. Die abwechslungsreichen Zwischenstopps bieten zudem Leseanfängern eine gute Pause.

Kinder werden das Buch wahrscheinlich lieben. Der Fall ist durchaus unterhaltsam, der Täter nicht sofort offensichtlich und die beiden Helden müssen sich auch in gefährlicheren Situationen behaupten. Bei aller Spannung geht jedoch nie der Humor verloren.

Als Erwachsener sieht man das Ganze aber vielleicht schon etwas kritischer. Mich persönlich stört zum Beispiel, dass man die Rätsel problemlos überspringen kann. Sie bringen keinerlei Mehrwert zu der Geschichte. Es handelt sich dabei lediglich um eine Rätselpause. Hier wäre es schön gewesen, wenn sich zumindest ein Lösungswort oder -satz ergeben hätte, in dem einen Hinweis zum nächsten Buch versteckt ist oder ähnliches.

Weniger toll fand ich auch, dass der Polizeiinspektor selbst die Strafen für die Verbrecher festlegt. Geradezu willkürlich und meiner Meinung auch völlig ungerecht muss laut seinem Urteil ein Tier eine Haftstrafe verbüßen und eine anderes (das durchaus schlimmere Taten begangen hat) kommt mit einer Geldstrafe davon. Warum, ist mir absolut schleierhaft. Ein Kind wird das aber sicher nicht weiter hinterfragen.

Das Buch ist jedoch für die anvisierte Zielgruppe absolut perfekt. Grundschulkinder werden die liebenswerten Charaktere mögen und sich über deren tierische Eigenschaften amüsieren können. Der Fall ist zudem spannend und die Rätsel bieten immer wieder einen unterhaltsamen Zwischenstopp.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2023

Eine spannende Zeitreise

Mein Erdbuch - die Zeit
0

Das erste Band von Matilda Rutas Erdbüchern widmet sich dem Thema Zeit und ist eine Mischung aus Graphic Novel, Sach- und Lehrbuch sowie eine Anregung für die Beschäftigung mit ersten philosophischen Fragestellungen. ...

Das erste Band von Matilda Rutas Erdbüchern widmet sich dem Thema Zeit und ist eine Mischung aus Graphic Novel, Sach- und Lehrbuch sowie eine Anregung für die Beschäftigung mit ersten philosophischen Fragestellungen. Es handelt sich um eine faszinierende Reise durch die Geschichte unserer Erde und eignet sich perfekt für Kinder im Grundschulalter. Aber auch ältere erhalten hier einen spannenden sowie unterhaltsamen Einblick in die Entstehung unserer Welt.

Die grünhaarige Alice und ihre Katze Misse begleiten uns auf ihrer Entdeckungsreise. Mit ihnen zusammen lernen wir die wichtigsten Zeitalter kennen und erhalten ein ungefähres Gefühl dafür, was Zeit bedeutet und welche Rolle die Menschen für die Erde spielen. Um dies noch besser zu veranschaulichen, gibt es am Seitenrand unten eine Zeitleiste. Jeder Strich entspricht einer Million Jahren.

Um die Geschehnisse auf der Zeitleiste zu verfolgen, muss man das Buch hochkant halten, da die Seiten von oben nach unten aufgebaut sind. Für eingeschobene Wissenstexte dreht man das Buch allerdings wieder zurück. Das ist eine gute Möglichkeit, um die Kinder nicht zu verwirren und klar zu unterscheiden, was passiert gerade auf dem Zeitstrahl und was ist nur ein Ausblick auf später.

Ich finde es sehr gut, dass nicht nur trocken das Wissen wiedergegeben wird, sondern wir gezielt angeregt werden, über bestimmte Sachverhalte nachzudenken. Die Erde selbst spricht uns in Form eines Gedichts zu Beginn und am Ende des Buches an und gibt dem Buch so einen deutlichen Rahmen, macht uns zu einem Teil ihres Wesens.

Die Sachtexte werden durch die Comicstrips deutlich aufgelockert und auch lesefaule Kinder durch die collagenhaften Texte mitgenommen. Sie entscheiden selbst, was sie lesen, worüber sie sich näher informieren wollen. Die großformatigen Bilder sind nie zu bunt oder zu überladen und passen sich perfekt an das jeweilige Thema auf einer Doppelseite an.

Es wird zudem angesprochen, welchen massiven Einfluss die Menschheit auf das Artensterben in der jüngsten Geschichte hat, benannt als das „große Grollen“. Gleichzeitig werden die Kinder aber positiv abgeholt und es wird erklärt, dass die Menschen noch die Möglichkeit haben, ihre Lebensweise zu bedenken sowie zu ändern.

Das Buch eignet sich des Weiteren perfekt für den Unterricht in Ethik oder Sachunterricht. Aus diesem Grund befindet sich auf den letzten Seiten ein QR-Code, unter dem man verschiedene handlungsorientierte Ideen herunterladen kann.

Ich bin von diesem Buch sehr begeistert und freue mich schon auf den nächsten Band über das Leben, der jedoch bislang noch nicht erschienen ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2023

Amüsantes Horrormärchen

Ever & After, Band 1 - Der schlafende Prinz
0

Da ich Märchenadaptionen sehr gerne lese, kam ich auch um das Buch „Ever & After“ nicht herum. Ich hatte zwar eigentlich nur eine seichte Romantasy erwartet und war dann positiv überrascht, als sich die ...

Da ich Märchenadaptionen sehr gerne lese, kam ich auch um das Buch „Ever & After“ nicht herum. Ich hatte zwar eigentlich nur eine seichte Romantasy erwartet und war dann positiv überrascht, als sich die Geschichte eher in Richtung Horror- und Abenteuergeschichte entwickelte, ohne aber je komplett den Humor oder die Romantik aus den Augen zu verlieren. Es handelt sich um einen ersten Band und endet auf einen fiesen Cliffhanger. Der nächste Band ist für Oktober 2024 angekündigt.

Rain White soll der jahrhundertelangen Tradition folgen und an ihrem 18. Geburtstag den schlafenden Prinzen küssen. Das rebellische Mädchen hat aber kein Interesse an diesem Quatsch und weigert sich. Das kommt beim Märchenrat alles andere als gut an. Schließlich wurde prophezeit, dass durch den Kuss die Magie wieder ins Land zurückkehren soll. Die Frage ist nur, ist diese Aussicht denn auch wirklich erstrebenswert? Rain White und die Welt erlebt eine böse Überraschung, als der Kuss ganz anders endet als erwartet oder erhofft.

Das Buch ist durchweg spannend und es fiel mir mitunter schwer, meinen Kindle aus der Hand zu legen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Manche Handlungsstränge sind zwar recht vorhersehbar, andere wiederum nicht oder nur im Ansatz. Insgesamt bleibt der Spannungsbogen durchweg erhalten. Die Charaktere sind zudem sehr unterschiedlich und weisen Ecken und Kanten auf. Die Motive einzelner sind selten offensichtlich zu erkennen und lassen einen gewissen Raum für Spekulation.

In die Geschichte werden immer wieder (veränderte) Märchen über die Vasallen des Prinzen eingestreut. Diese wurden im Ton eines klassischen Märchens erzählt und beleuchten den Hintergrund der Figur näher. Zu jedem Kapitel steht des Weiteren ein Zitat aus einem Original der Gebrüder Grimm.

Das einzige, was ich so gar nicht an der Geschichte mochte, ist das Love Triangle. In der einen Minute knutscht sie mit dem einen, in der nächsten Minute schlägt ihr Herz Purzelbäume wegen eines anderen. Ich persönlich mag solche Konstellation prinzipiell nicht besonders, wobei es hier noch halbwegs geschmackvoll rübergebracht wurde.

Außerdem ist wirklich wenig ersichtlich, warum man den bösen Prinzen überhaupt erwecken sollte. Seit Jahrhunderten probieren die großen Märchenfamilien es immer wieder, im Wissen, dass der schlafende Mann keineswegs der charmante Held der Geschichte sein wird. Einige trainieren sogar ganz gezielt für die Apokalypse. Ist der Besitz von Magie und die erhoffte Neuverteilung von Ländereien wirklich ein Massaker wert?

Auch wenn die Hintergrundgeschichte per se wenig Sinn ergibt, war das Buch dennoch äußerst unterhaltsam und ich bin sehr gespannt, was die Fortsetzung zu bieten hat. Leider muss ich mich bis dahin noch ein ganzes Jahr gedulden. Ich denke jedoch, dass das Buch es wert sein wird. Zumindest bietet dieser erste Band eine kurzweilige, humorreiche und spannende Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2023

Wunderschönes Buch über die Macht der Farben

Die graue Stadt
0

Das neueste Buch „Die graue Stadt“ vom renommierten Künstler Torben Kuhlmann, den viele sicher von seiner genialen Mäuse-Reihe kennen, ist optisch ein absoluter Traum. Die großformatigen Zeichnungen sind ...

Das neueste Buch „Die graue Stadt“ vom renommierten Künstler Torben Kuhlmann, den viele sicher von seiner genialen Mäuse-Reihe kennen, ist optisch ein absoluter Traum. Die großformatigen Zeichnungen sind ein beeindruckendes Spiel mit den Farben und bringen diese wirkungsvoll zur Geltung. An sich hätte ich diesem Buch gern fünf Sterne gegeben, aber leider war ich dann von der allzu raschen Auflösung doch etwas enttäuscht.

Robin zieht mit ihrem Vater in eine seltsam graue Stadt. Farben scheinen überall zu fehlen und von allen abgelehnt zu werden. Robins gelbe Regenjacke ist den Autoritäten ein Dorn im Auge. Robin und ihr Freund Alani wollen sich dem eintönigen Grau jedoch nicht unterwerfen und versuchen, dem Geheimnis der Grauwerke auf die Spur zu kommen.

Auch in diesem Buch hat Kuhlmann einen kleinen wissenschaftlichen Ausflug eingebaut. In diesem Fall erklärt er die Brechung des Lichts sowie die Verfahren der Farbmischung. Die Idee hinter dem Buch ist definitiv spannend und wichtig. Die Kinder lehnen sich gegen die hiesigen Konventionen auf, die jede Individualität und Kreativität im Ansatz ersticken wollen und somit natürlich ebenfalls das freie Denken. Die Botschaft ist überaus wichtig und wird anhand der genialen Illustrationen toll veranschaulicht.

Ich bin allerdings etwas enttäuscht von der allzu schnellen Problemlösung. Die Kinder müssen am Ende gar nicht viel tun, um den Grauwerken das Handwerk zu legen. Da fragt man sich schon, wie sie überhaupt die Macht übernehmen konnten, wenn sich alle so blitzschnell wieder vom Grau abwenden. Der Schluss macht insofern in meinen Augen wenig Sinn.

Es wäre auch interessant zu wissen, was Robins Vater über die graue Stadt dachte oder über das rebellische Verhalten seiner Tochter. Leider spielt er selbst überhaupt keine Rolle. Sie lehnt sich allein gegen letztlich namenlose, anonyme Figuren auf und nicht gegen solche, die ihr tatsächlich auch etwas bedeuten. Überhaupt bleiben die Grauwerke und deren Ursprung sowie deren Motive im Dunkeln.

Das Buch „Die graue Stadt“ ist wirklich wunderschön und allein die Illustrationen sind ein Kauf wert. Des Weiteren hat die Geschichte gute Ansätze. Ich wünschte mir aber noch mehr Tiefe und Hintergründe. Ansonsten handelt es sich aber um ein weiteres gelungenes Werk von Torben Kuhlmann, das ich allen Kindern ab acht Jahren uneingeschränkt empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere