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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.07.2025

Allein unter Holzfällern

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Der Name Lagerlöf (Nils Holgersson kennt man ja) und der Buchtitel "Wo die Moltebeeren leuchten (Moltebeeren sind gelbe Sumpfbrombeeren, kannte ich nicht, klingt aber für mich als Beerenfan toll) haben ...

Der Name Lagerlöf (Nils Holgersson kennt man ja) und der Buchtitel "Wo die Moltebeeren leuchten (Moltebeeren sind gelbe Sumpfbrombeeren, kannte ich nicht, klingt aber für mich als Beerenfan toll) haben mich einfach neugierig gemacht auf diesen Roman.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen (1938 und 2022) in Schweden. Wie oft in Büchern, die dieses Stilmittel verwenden, hat mir der Vergangenheitsteil um einiges besser gefallen, als der in der "Gegenwart". Wobei gefallen bedeuten soll, interessiert. In den 2022ern geht es um Eva, die in Nordschweden einen Wald abholzen will und dabei auf vehementen Widerstand von Umweltschützern und Rentierbesitzern bekommt. Irgendwie kam ich dieser Eva nicht so richtig nahe.

In den 1938ern ist es Siv, die ihre Familie finanziell unterstützen muss und deshalb in einem einsamen Holzfällercamp den Haushalt und die Küche übernimmt. Für eine 17jährige zur damaligen Zeit - allein unter Männern - eine große Herausforderung. Siv fand ich toll. Ihre mutige, bodenständige, pragmatische Art haben mir sofort gefallen und ich habe ihre Erlebnisse gerne gelesen.

Alles in allem ein unterhaltsamer Roman mit schönem Schreibstil. Ich werde auf jeden Fall Band 2 dieser Trilogie auch lesen.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Begeisterung

Himmel ohne Ende
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Es war klar, "Himmel ohne Ende" gehört für mich zur Pflichtlektüre. Seit ihren Anfängen als Poetry-Slamerin bin ich ein großer Fan von ihr. Es ist einfach wundervoll, was sie mit der deutschen Sprache ...

Es war klar, "Himmel ohne Ende" gehört für mich zur Pflichtlektüre. Seit ihren Anfängen als Poetry-Slamerin bin ich ein großer Fan von ihr. Es ist einfach wundervoll, was sie mit der deutschen Sprache zaubern kann. Schon in ihren Kurztexten steckt so viel Kluges und Wahrhaftiges, so viel Menschlichkeit, die man nur erzählen kann, wenn man sein Gegenüber aber auch sich selbst gut beobachten und reflektieren kann. Eigentlich bestand für mich gar kein Zweifel daran, dass das Buch von Julia Engelmann - ihr erstes - mir gefallen würde. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Mit großer Freude konnte ich feststellen, dass Frau Engelmann nicht nur kurze Texte sondern auch ganze Bücher kann. Ihre Charaktere sind lebendig und glaubwürdig. Man kann mit ihnen leiden, sich mit ihnen freuen und staunen. Man spürt, wie ein junger Mensch durch die Pupertät erst mal aus der Bahn geworfen wird, um dann Stück für Stück auf den Weg es Erwachsenwerdens einschwenken kann.

Es war wundervoll, die junge Charlie zu begleiten. Und wie schön, dass das Buch beim Diogenes-Verlag eine Heimat gefunden hat, die ein hochwertiges Buch in stimmig-schöner Aufmachung bietet.

Ich bin begeistert.

Veröffentlicht am 04.07.2025

Fehler auf beiden Seiten

Fenster ohne Aussicht
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Am 7. Oktober 2023 greift die Hamas aus dem Gazastreifen Israel an. An diesem grauenvollen Tag sterben Hunderte und Hunderte werden nach Gaza entführt. Der Autor, Dror Mishani beschreibt, wie er in Frankreich ...

Am 7. Oktober 2023 greift die Hamas aus dem Gazastreifen Israel an. An diesem grauenvollen Tag sterben Hunderte und Hunderte werden nach Gaza entführt. Der Autor, Dror Mishani beschreibt, wie er in Frankreich von dem Angriff erfuhr. Wie er mit seiner Frau in einem Bunker sprach, wie Israel im Schockzustand war. Er erzählt auch, wie es seiner Meinung nach dazu kam, was falsch lief und wie man zu einem Frieden kommen könnte, der endlich tragbar wäre. Und dass die Palästinenser genauso Schuld sind, wie auch die Israelis ihren Beitrag zu dieser verfahrenen Situation beigetragen haben. Mit großer Ehrlichkeit und einem klugen Blick auf die menschlichen und politischen Fehler hat er mich überrascht und abgeholt. Jetzt verstehe ich das Ganze ein klein wenig besser. Und ich bin von der Situation und dem Leid auf beiden Seiten sehr angefaßt.

Veröffentlicht am 04.07.2025

vortrefflich

Die Geschichten in uns
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Benedict Wells ist ein begnadeter Erzähler. Dass er diesmal keinen Roman schreibt, sondern über seine Arbeit und den Prozess des Schreibens ein Buch verfasst hat, fand ich ebenso ungewöhnlich wie interessant. ...

Benedict Wells ist ein begnadeter Erzähler. Dass er diesmal keinen Roman schreibt, sondern über seine Arbeit und den Prozess des Schreibens ein Buch verfasst hat, fand ich ebenso ungewöhnlich wie interessant. Ich war gespannt, vor allem, da ich für mich selber gerne Geschichten schreibe. Wie macht dass ein Profi, wie Wells. Wie geht er vor, wie legt er den Plot an, wie formt er die Charaktere.

Ein kluges Buch, in welchem Wells viel über sich selbst verrät. Das ist so authentisch - das Leben schreibt die besten Bücher. Vortrefflic

Veröffentlicht am 03.07.2025

Erwachsen werden ist nicht leicht

Amphibium
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Das Buch lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück.
Bombastisch ist die Sprache in dieser Geschichte. Kraftvoll und voll lebendiger Bilder, wild und zügellos, laut und zart zugleich. Und die Entwicklung ...

Das Buch lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück.
Bombastisch ist die Sprache in dieser Geschichte. Kraftvoll und voll lebendiger Bilder, wild und zügellos, laut und zart zugleich. Und die Entwicklung des Mädchens von Kind zur jungen 'Frau kann man mit all der Zerrissenheit und Wucht spüren, die da in den kindlichen Körper fährt. Dazu die Dramatik einer psychisch kranken Mutter, die Sissy Dinge abverlangt, die man als Elfjährige eigentlich noch nicht stemmen müssen sollte.

Kritikpunkt für mich ist, dass das Mädchen in ihren Gedanken und Gefühlen mir zu erwachsen war. Ich musste immer wieder an meine eigene Jungend in diesem Alter denken und dass der Prozess des Erwachsenwerdens für mich keiner war, den ich in diesem Alter schon so reflektiert habe. Ich denke nicht, dass Elfjährige das so tun. Ein wenig mehr Kindlichkeit hätte ich glaubwürdiger gefunden. Aber so was ist ja Geschmackssache. Dennoch ein gutes Buch.