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Veröffentlicht am 31.07.2018

Emotionen - die tickenden Zeitbomben in uns

Der emotionale Rucksack
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Einer meiner neuen Lieblingsratgeber, wenn es um Gefühle und unvorhergesehene, plötzliche Emotionsausbrüche geht, ist eindeutig "Der emotionale Rucksack - Wie wir mit ungesunden Gefühlen aufräumen" von ...


Einer meiner neuen Lieblingsratgeber, wenn es um Gefühle und unvorhergesehene, plötzliche Emotionsausbrüche geht, ist eindeutig "Der emotionale Rucksack - Wie wir mit ungesunden Gefühlen aufräumen" von Vivian Dittmar. Emotionen lassen sich nicht so einfach steuern und sind immer plausibel. Doch warum ist das so? Liegt es an der Situation selbst oder an Erinnerungsfetzen, die wir mit irgendetwas verknüpft haben und Zack, Bumms, Peng, Emotion ist da?! Um diese und andere Probleme oder doch eher Geschenke kümmert sich Vivian Dittmar in ihrem Buch.

"Während Gefühle [...] aus dem Moment heraus, durch meine Interpretation einer Situation entstehen, stammen Emotionen aus der Vergangenheit. Sie sind in Situationen entstanden, die wir zum damaligen Zeitpunkt nicht fühlen wollten oder konnten."

Neben vielen fachlichen Erklärungen beinhaltet das Buch über unseren Rucksack, den wir täglch mit uns herumschleppen, viele nützliche Umgehenshinweise und, was ich bei einem Ratgeber stets wichtig finde, eine Ansicht der Autorin selbst, die zum Denken anregt. Mit einigen Übungen erkunden wir gemeinsam mit ihr den Inhalt unseres persönlichen Gepäcks und gehen den Ursahen auf den Grund. Um ein paa Begriffe und Fragen in den Raum zu werfen: Von Rittern, Drachen und Prinzessinnen - wie sieht ein Drama aus? Warum brauchen manche Menschen Dramen im Alltag? Und wo bleibt der Held?
Wie sieht es mit Panik aus? Mitleid? Betäubung und Ignoranz? Das Feierabendbier, Nikotin und andere Hilfsmittel der Betäubung und des Verdrängens sind heutzutage schon recht Alltag geworden. Wie können wir dies umgehen?

"Der Sauerstoff unserer Psyche ist unser Bewusstsein. Und damit meine ich nicht eine intellektuelle Einsicht, dass dieses oder jenes Päckchen in unserem Rucksack schlummert. Mit Bewusstsein meine ich unser inneres Gewahrsein, das durch unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird."

Es ist ganz gewiss kein einfaches Buch und die Übungen sollten großteils auch lieber mit Unterstützung von Freunden absolviert werden, da diese sonst mögliche Triggerpunkte darstellen können, aus dem der 'Teilnehmer' nicht so einfach herauskommt. Ich selbst habe dieses Buch hin und wieder abgebrochen, da es recht aufwühlend sein kann, sich mit sich selbst und seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, aber es gibt ein gutes Gefühl sich näher kennenzulernen. Der Rucksack löst sich natürlich auch mit Hilfestellung nicht einfach in Luft auf, aber es ist einfacher ihn und sich selbst zu akzeptieren und eigene Verhaltensweisen zu schätzen.
So ist es dann auch ein Buch für fast jeden, der sich mit seinen Emotionen auseinandersetzen möchte. Es stellt allerdings keinen Therapeuten dar und sollte daher auch nur als ein Hilfmittel gesehen werden.

Veröffentlicht am 24.07.2018

Ida - ein Buch, eine Geschichte, ein Lebensroman

Ida
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Dora, wie Sigmund Freud sie in seiner Hysterie-Analyse betitelte, gilt als eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts. Vielleicht weil gerade dieser Fall für die damalige Zeit so überraschend ...

Dora, wie Sigmund Freud sie in seiner Hysterie-Analyse betitelte, gilt als eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts. Vielleicht weil gerade dieser Fall für die damalige Zeit so überraschend anders war und für sehr viel Faszination und Aufmerksamkeit sorgte. Vielleicht aber auch, weil Doras Leben nicht gerade einfach war.

Katharina Adler widmet nun der Geschichte ihrer jüdischen Urgroßmutter Ida Adler einen Roman, der das Leben einer ganz besonderen Frau porträtiert. Aufgrund ihrer als Kind unerklärlichen, ständigen Erkrankungen, schickten sie ihre Eltern zu dem damals hoch gelobten Sigmund Freud auf Kur. Alle anderen Ärzte konnten ihr einfach nicht helfen, ihre immer wieder aussetzende Stimme und andere Probleme zu heilen. Freud stellte mit seiner Psychoanalyse für die damalige Zeit einen neuartigen, vielversprechenden Ansatz dar...

"Sie musste sich anhören, wie er ihr unterstellte, sie halte wegen des Papas alle Männer für geschlechtskrank, also auch den Herrn Zellenka, und bringe damit wiederum ihren Ausfluss in Verbindung." "Ob Schachtel oder Schlüssel, alles wurde ihm zum Genital. Und der Bahnhof diene dem >Verkehre<."

Aufgrund dieser dann doch recht fraglichen Therapiemethode war Ida, alias Dora, dann auch die erste, die eine Kur bei Freud abgebrochen hat. Aus dem jungen, eher pflichtbewussten, und artigen Mädchen, wird eine sehr unbequeme, mutige Frau. Sie wird Anhängrin der sozialistischen Partei, wird Ehefrau und Mutter und eröffnet ihre eigene Bridge-Stube und muss aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln und Parteizugehörigkeit nicht nur einmal die Flucht antreten.

"'Glaub mir', Ida hob die Hand vors Gesicht, 'wenn ich etwas die letzten Jahre gelernt habe, dann, wie man sich unsichtbar macht.'"

Am Ende muss ich nun leider sagen, dass ich gar nicht so genau weiß, was ich zu diesem Buch eigentlich noch sagen soll. Aufgrund des Klappentextes hatte ich eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Freudschen Theorie, fernab, des fachlichen "Blablablas" seiner selbst, erwartet. (Wer selbst schon einmal in den Genuss einer Psychotherapie gekommen ist oder sich sogar mit Freud und seinen Theorien beschäftigt hat, weiß vielleicht was ich meine.) Ida, die bekannte Frau, die als eine der wenigen, die vorzeitig eine Kur bei Freud beendete und danach ihr Leben entdeckt... Naja, ganz so war es dann irgendwie doch nicht. Das Hauptaugenmerk lag dann auf viel mehr und zeigte einen viel größeren Ausschnitt aus ihrem Leben - von Kindheit über Freud, dem Sozialismus bis hin zu ihrer Flucht in die USA. Dieses dabei Tagebuchartige ohne direkt Tagebucheinträge zu enthalten gefiel mir sehr. Es sind Lebensphasen von 1892 bis 1945, die hier in einem faszinierenden Wechsel das Leben der Ida Adler mit ihren Höhen und Tiefen darstellen. "Ida ist ein Plädoyer für die Wahrheit der Empfindung und die Vielfalt ihrer Versionen, ein [...] Lebensroman, in den sich ein halbes Jahrhundert mit seinen Verwerfungen eingeschrieben hat.", heißt es und umso länger ich darüber nachdenke, umso mehr fasst es diesen Roman ganz gut zusammen. Für Menschen mit Historien/Freud/Biografie-Faible sicherlich ein nettes Buch, aber allen, die hier einen emotional mitreißenden Roman erwarten, würde ich eher davon abraten.

"Wo geht es zum Ausgang, zum Ausgang müssen wir, oder gibt es nur einen Eingang, einen Eingang, aus dem wir hinausmüssen?"

Veröffentlicht am 25.06.2018

Auf der Suche nach Heimat

Häuser aus Sand
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"Häuser aus Sand" von Hala Alyan - Ein Roman über eine Familie, die sich innerhalb mehrerer Generationen auf der Flucht befindet und sich stets neuen Herausforderungen des Lebens stellen muss. Salma musste ...

"Häuser aus Sand" von Hala Alyan - Ein Roman über eine Familie, die sich innerhalb mehrerer Generationen auf der Flucht befindet und sich stets neuen Herausforderungen des Lebens stellen muss. Salma musste sich bereits vor einigen Jahren in Nablus ein neues Leben aufbauen. Ihre geliebte Heimat und Wurzeln in Jaffa musste sie mit ihrer Familie verlassen. Sie hofft nun endlich anzukommen und dass ihre Kinder endlich Halt finden. Doch ein Blick in den Kaffeesatz verrät ihr, dass auch ihrer heiratenden Tochter Alia ein schwieriges, unruhiges Leben auf der Flucht bevorsteht. Zwischen Krieg, Flucht und dem Wunsch endlich eine Heimat zu finden begleiten wir die Familie in eine sich scheinbar ständig ändernde Welt.

"Sie waren nicht mit Sommeraufenthalten in Europa und mit Dinnerpartys groß geworden, sondern hatten ihren Brüdern Granatsplitter aus den Beinen entfernt und ihre Schwestern nach einer Vergewaltigung gewaschen. In ihren Körpern gab es keinen Raum für Liebe..."

Obwohl ich von der Leseprobe noch recht angetan war, hat mich dieser Roman sehr schnell enttäuscht. "Häuser aus Sand" verspricht thematisch sehr viel. Die Geschichte spielt in der Region Palästina und berichtet über die Flucht, sowie politische Zusammenhänge und Geschehnisse. Doch irgendwie empfand ich alles so lieblos angerissen und der Plot sowie die Dialoge wurden nach und nach recht ermüdend und langweilig. Vielleicht hatte ich mir auch einfach mehr Höhen und Tiefen erwartet, mehr Persönlichkeit, tolle Charaktere, die ihr Leid, Ängste und Gedanken mit dem Leser teilen, aber schon nach kurzer Zeit graute es mir vor weiteren eintönigen Dialogen ohne Tiefgang und ohne jegliche Emotion (zumindest erreichte mich diese nicht). Auch die ständig aufploppenden arabischen Fremdwörter, die im Glossar zwar erklärt wurden, aber eher als Fremdkörper agierten und so in dieser Form eher nervig waren. Einfache Worte hätten für mich auch einfach in Deutsch belassen werden können und hätten so weniger zur ständigen Unterbrechung des Leseflusses beigetragen.
So habe ich dieses Buch dann auch nach den ersten 160 Seiten abgebrochen. Vielleicht fehlen mir so die entscheidenden Passagen für eine begeisterte Meinung, aber ich hatte einfach keine Freude mehr daran und mich eher zum Lesen gezwungen, als begeistert weiterlesen zu wollen. Sehr schade.

Veröffentlicht am 19.06.2018

Zwischen Angst, Aufregung und einer besonderen Vater-Sohn-Beziehung

Wir sind dann wohl die Angehörigen
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"Es war der 25.März 1996, es war Frühling, und mein Leben sollte von da an ein anderes sein. Es sollte keinen unbeschwerten Frühling mehr für mich geben, kein Vogelgezwitscher ohne diesen Satz in meinem ...

"Es war der 25.März 1996, es war Frühling, und mein Leben sollte von da an ein anderes sein. Es sollte keinen unbeschwerten Frühling mehr für mich geben, kein Vogelgezwitscher ohne diesen Satz in meinem Kopf, ohne meinen ersten Gedanken an die Lateinarbeit, die ich hätte schreiben sollen und die ich [...] verpassen würde."

Was geht in einem Kind vor, wenn es aufwacht und seine Mutter ihm erklärt, dass sein Vater entführt wurde und sie nun für eine gewisse Zeit ein "Abenteuer" bestehen müssen? Genau darum dreht es sich in dem Buch "Wir sind dann wohl die Angehörigen" von Johann Scheerer. Mit diesem Buch erzählt er seine Erlebnisse während der Entführung von Jan Philipp Reemtsma im März 1996. Es geht um Verlustangst, um das Herausreißen aus der Normalität und die polizeilichen Ermittlungen aus Sicht eines 13 Jährigen. "Wenn alle Forderungen erfüllt werden, wird Herr Reemtsma 48 Stunden nach Erhalt des Lösegelds von uns unverletzt freigelassen." heißt es. Doch vielleicht ist das alles auch nur ein Spiel, dass die Entführer hier spielen und sie werden ihn gar nicht frei lassen?! Vielleicht ist er ja auch schon tot. Jedenfalls muss Johann die angekündigte Lateinarbeit nicht schreiben, denn an Schule wäre momentan nicht mehr zu denken. Es ist ja auch nur eine kurze 'Auszeit', doch aus den ursprünglichen 48 Stunden, sollten ganze 33 Tage werden. Vielleicht liegt es auch einfach an der desaströsen Arbeit der Polizei, vielleicht ist es aber auch seitens der Entführer so provoziert. Und so lernen wir die Geschichte Johanns kennen, der sich zwischen dem polizeilichen Wust aus Ermittlungen, Warten und Angehörigenbetreuung wiederfindet, abgeschirmt von der Normalität.

"Ich hatte Angst vor einem weiteren Schritt ins Unbekannte, ins Unberechenbare. Ich sehnte mich nach der Normalität, die mir genommen worden war"

Wer hier nun ein sehr detailliertes, klassisches und gewaltiges Entführungs-/Kriminal-/Alles-ist-so-furchtbar-Buch erwartet, wäre mit diesem Buch eher falsch bedient. Es ist nämlich die Geschichte aus der Sicht eines Jungen, der die damaligen Vorgänge während der Entführung seines Vaters schildert. Damit ist es auch nicht so ein detailliertes Abbild, wie es Reemtsma selbst in seinem Buch beschreibt. Es ist diese Mischung aus kurzer Freude über die verpasste Arbeit, die Besuche im Musikladen und die Betreuung seitens der Polizei, die Angst, dass er seinen Vater vielleicht nicht mehr wiedersehen wird, die zu überbrückende Langeweile und das Warten auf einen neuen Anruf der Entführer... Und stets schwingt eine gewisse kindliche Distanziertheit und Unverständnis mit. Es ist nicht nur ein Bericht über eine Entführung, seitens der Familie selbst, es ist viel mehr und gerade das hat es für mich zu einer sehr interessanten Geschichte gemacht. Der einzige Nachteil: Ich habe dieses Buch innerhalb eines Sonntags komplett durchgelesen und war dann schon irgendwie enttäuscht, dass es bereits vorbei war.

Veröffentlicht am 01.05.2018

Kochen für einen gesunden Darm

Schlank mit Darm Kochbuch
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Passend zur Ratgeberreihe "... mit Darm" von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann (und Regina Rautenberg) erschien nun im südwest-Verlag ein Kochbuch. "Schlank mit Darm Kochbuch" heißt es und bietet an die ...

Passend zur Ratgeberreihe "... mit Darm" von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann (und Regina Rautenberg) erschien nun im südwest-Verlag ein Kochbuch. "Schlank mit Darm Kochbuch" heißt es und bietet an die 100 Rezepte zur Förderung einer gesunden Darmflora - und nein, dieses Buch ist wirklich kein (reiner) Abnehmhelfer.
Der Aufbau ist analog zu den Büchern der Reihe, wobei hier die Einleitung mit Wissenswertes über den Darm und warum eine gesunde Darmflora so wichtig und hilfreich ist, natürlich recht komprimiert ausfällt. Dies macht natürlich Sinn, denn im Vordergrund stehen hier die verschiedensten Rezepte, von einfach bis etwas aufwändiger.

"Da unsere Mikroben von dem leben (müssen), was wir ihnen vorsetzen, breiten sich die Keime aus, die mit den Lebensbedingungen im jeweiligen Darm am besten zurechtkommen."

Da unsere Gesundheit großteils von den ansässigen Darmbakterien abhängig ist, lohnt es sich auch nicht nur unseren Geschmacksknospen, sondern auch unseren Untermietern etwas Gutes zu tun. Eine gesunde Darmflora kann nicht nur Anspannung und den Stresshormonspiegel absenken, er kann einiges mehr. Wie bereits aus anderen Büchern bekannt, hat der Darm einen gewaltigen Einfluss auf die Psyche, das Wohlbefinden und allerhand neuerer Volkskrankheiten oder auch Demenz. In unserem Körper werden unwahrscheinlich viele Stoffe produziert und umgewandelt. Und dass dabei dank unpassender Keime im Darm auch negativ Beeinflussendes entstehen kann, sollte uns allen bewusst sein.
Dieses Kochbuch soll nun Abhilfe schaffen und uns mit Abwechslung und zahlreichen 'guten Stoffen' gesünder, ausdauerfähiger und belastbarer machen. Gut, vielleicht sogar schlank, denn auch dabei sind die Bakterien im Darm nicht ganz unschuldig.

Ansonsten ähnelt dieses Kochbuch anderen Büchern. Es gibt verschiedenste Rezepte von Salat über Fisch, Fleisch und Geflügel bis zu einfachen Gemüsegerichten. So wird auch auf die vegetarische und vegane Ernährung geachtet und ein großes Spektrum für jeden eröffnet. Einzige Kritikpunkte wären in meinem Fall die Angabe der Zutaten, die stets auf 4 Personen ausgelegt ist sowie die Aufnahme von Gerichten für Berufstätige bzw. Gerichte zum Mitnehmen. Diese Idee ist im Grunde toll, doch dass man belegte Brötchen, Kuchen und Muffins oder mal einen Kartoffelsalat mitnehmen kann, ist nicht sonderlich originell oder neu.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Guten Hunger! Ihr Darm wird es Ihnen danken.