Profilbild von jeanne_darc

jeanne_darc

Lesejury Star
offline

jeanne_darc ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jeanne_darc über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2023

Wie Wissen unser Handeln beeinflusst

Zwischen Mauern
0

Margareta, kurz Meta, nimmt sich eine Auszeit von Ihrer Anstellung bei einer Bank und sucht nach einer sinnvollen ehrenamtlichen Beschäftigung, wo sie für Menschen da sein kann. Sie wird für die Nachtwache ...

Margareta, kurz Meta, nimmt sich eine Auszeit von Ihrer Anstellung bei einer Bank und sucht nach einer sinnvollen ehrenamtlichen Beschäftigung, wo sie für Menschen da sein kann. Sie wird für die Nachtwache in einem Pflegeheim eingeteilt, das schon bessere Tage erlebt hat und kurz vor der Schließung steht. Neben ihr lernen wir den etwas kauzigen Dr. Pomp kennen, der ständig sein altes Stethoskop sucht, das mit dem Zweischlauchsystem, ohne Schnickschnack, Moses, der sich nachts aufopfernd allein um 52 Bewohner kümmert und Angelika, die tagsüber für die Versorgung zuständig ist und immer für Moses die Tabletten richtet und Eistee zubereitet. Ein eingeschworenes Team voller Fürsorge und Menschlichkeit.

Es ist keine Geschichte zum dahin gleiten, sondern der Leser verbringt 6 Nächte mit Meta in der Sterbebegleitung von Herrn T.. Sie ist völlig unerfahren auf diesem Gebiet, findet sich jedoch schnell gut zurecht und versucht Herrn T. die Nächte erträglicher zu machen, da zu sein und auszuhalten, bis sie seine Hintergrundgeschichte erfährt. Jetzt fängt sie an, mit sich zu hadern.

Hier liegt der Fokus auf den Handlungen, wie wir ohne ein Vorwissen mit einem Menschen umgehen und wie sich das verändern kann, wenn wir mehr über diesen Menschen erfahren. Wie viel Wissen benötigen wir eigentlich über einen Menschen? Ist es denn nicht völlig nebensächlich, denn ein Jeder hat, meiner Meinung nach, ein Recht auf Respekt und Würde in der letzten Lebensphase.

Die Charakterisierung der Protagonisten beschränkt sich nur auf diesen einen Lebensbereich, hier liegt das Hauptaugenmerk auf den Situationen und den Interaktionen. Sprachlich völlig in Ordnung, kurze Kapitel eingeteilt in Nächte, viel Dialog, sehr schnell zu lesen, aber durchaus auch lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2023

Atmosphärischer und spannungsgeladener Polarkreis-Krimi

Tief im Schatten
0

Heiß ersehnt habe ich den zweiten Fall von Hanna Ahlander, denn die sympathische Ermittlerin und ihr Kollege Daniel Lindskog sind mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen. Dieses Mal gibt der Mord an ...

Heiß ersehnt habe ich den zweiten Fall von Hanna Ahlander, denn die sympathische Ermittlerin und ihr Kollege Daniel Lindskog sind mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen. Dieses Mal gibt der Mord an dem einstmals berühmten Skifahrer Johan Andersson Rätsel auf. Johan war mit seiner offenen und empathischen Art allseits beliebt, wie sollte er sich da Feinde gemacht haben.

Dieser Fall spielt nur wenige Wochen nach dem ersten Einsatz von Hanna und so zeigt sich Schweden von seiner kältesten Seite. Dies vermittelt bereits das schön gestaltete Cover. Die bildhafte Beschreibung der Umgebung von Åre und die tolle Ermittlungsarbeit haben mich wieder ganz nah an dem Fall teilhaben lassen.

Die Geschichte ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt, die fast zum Schluss ineinander übergehen. Die Autorin hat es mit ihrem Schreibstil und den Geschehnissen wieder geschafft, mich zu fesseln und den Spannungsbogen bis zum Ende ansteigen zu lassen, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Hanna und Daniel als Hauptprotagonisten waren sehr authentisch und der Leser kann gut die Entwicklung der Charaktere verfolgen. Hanna, die allmählich Abstand von ihrem alten Leben nimmt und Daniels Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf. Als Team sind die Beiden unschlagbar. Dieser Teil kann, dank kleiner Rückblicke, ganz unabhängig vom ersten Teil gelesen werden.

Mit diesem Buch ist Viveca Sten wieder ein sehr atmosphärischer Krimi gelungen, den ich absolut weiterempfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2023

Unerfüllte Erwartungen und Generationskonflikte

Bei euch ist es immer so unheimlich still
0

Für mich war es der erste Roman von Alena Schröder und ich muss sagen, dass er mir überraschend gut gefallen hat.

Die Geschichte von Evelyn Borowski und ihrer angeheirateten Familie bzw. ihrer Tochter ...

Für mich war es der erste Roman von Alena Schröder und ich muss sagen, dass er mir überraschend gut gefallen hat.

Die Geschichte von Evelyn Borowski und ihrer angeheirateten Familie bzw. ihrer Tochter Silvia spielt auf zwei Zeitebenen. Der eine Zeitstrang beginnt in der Nachkriegszeit 1950, wo alles im Aufbruch ist und die Menschen sich nach den vielen Jahren des Leidens und der Entbehrungen ein neues Leben aufbauen. Der andere Zeitstrang beginnt 1989, einige Monate vor dem Mauerfall. Eine Zeit des Umschwungs, in dem die Handlung um die zwei Protagonistinnen perfekt integriert ist.

Evelyn hat eher einen kühlen emotionsarmen Charakter und das ist es auch, was Silvia immer zu schaffen gemacht hat. Sie fühlte sich von ihrer Mutter nie richtig wahrgenommen und nach einem dramatischen Ereignis kurz vor ihrem 16. Geburtstag verlässt sie überstürzt die Familie.
Als sie mit ihrer kleinen Tochter Hannah 1989 nach Ildingen zurückkehrt, möchte sie sich dieser schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung stellen und die Vergangenheit aufarbeiten. Stück für Stück erfährt der Leser mehr über Hintergründe und Geschehnisse.

Schön beschrieben wird die sehr langsame Annäherung der beiden Frauen auf ihre ganz eigene Art und wie Hannah dabei eine ganz entscheidende Rolle spielt. Bei diesem klaren und bildhaften Schreibstil konnte ich mich sehr gut in Silvias Situation hineinversetzen. So unterschiedlich alle Charaktere der Handlung auch waren, sie blieben immer authentisch und haben diese scheinbare Kleinstadtidylle hervorragend widergespiegelt. Das Cover ist farblich sehr ansprechend gestaltet und macht Lust auf die Lektüre, die ich sehr gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.08.2023

Die einzigartige Kraft der Freundschaft – sehr bewegend

Das Chaos eines Augenblicks
0

Der Debütroman von Becky Hunter erzählt die ergreifende Geschichte von den allerbesten Freundinnen Scarlett und Evie. Sie wohnen zusammen in London und seit Evie’s MS-Diagnose gibt Scarlett ihr Rückhalt. ...

Der Debütroman von Becky Hunter erzählt die ergreifende Geschichte von den allerbesten Freundinnen Scarlett und Evie. Sie wohnen zusammen in London und seit Evie’s MS-Diagnose gibt Scarlett ihr Rückhalt. Doch durch eine einzige Entscheidung wird Scarlett jäh aus dem Leben gerissen und für Evie bricht eine Welt zusammen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive beider Freundinnen erzählt, was ich anfangs eher befremdlich fand, hat sich schnell zu einer besseren Sichtweise auf die Dinge herausgestellt. Hat mir als Leser verdeutlicht, wie tief doch diese Freundschaft war. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich durch die Seiten hat fliegen lassen. Der Aufbau der Charaktere ist hier ganz fantastisch gelungen, authentisch, lebensnah. Man konnte Evie richtig nachempfinden, wie schwer die Multiple Sklerose ihr Leben belastet und mit welchen Symptomen sie zu kämpfen hat. Aber auch mit Trauer und Krankheit ist ein Weiterleben möglich, es muss nur Menschen geben, die einen aus dem Schneckenhaus herausholen und Mut zusprechen, um so manches Mal über sich hinaus wachsen zu können.

Das schön gestaltete Cover ist zwar sehr minimalistisch gehalten, doch der Betrachter erkennt sofort, dass es hier um eine ganz innige Freundschaft zweier junger Frauen geht. Die warmen Farben unterstreichen dies noch.

Ein sehr bewegender Roman voller Hoffnung, Vertrauen, Trauer und die Magie der Liebe. Meine absolute Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2023

Den letzten Tagen und Stunden mehr Leben geben

Und wir tanzen, und wir fallen
0

Ein Roman der unter die Haut geht und sehr bewegend die Freundschaft zweier Frauen, Ashley und Edith, erzählt, die sich seit über 40 Jahren kennen. In dieser Zeit haben sie viele gemeinsame Erinnerungen ...

Ein Roman der unter die Haut geht und sehr bewegend die Freundschaft zweier Frauen, Ashley und Edith, erzählt, die sich seit über 40 Jahren kennen. In dieser Zeit haben sie viele gemeinsame Erinnerungen angehäuft. Kindergarten, Schule, tolle Urlaube, Hochzeiten, Kinder und auch Krisen. Alles, was gute Freundinnen verbindet und eine Freundschaft so wertvoll macht. Seit 3 Jahren ist Edi an Krebs erkrankt, austherapiert und wird bald sterben. Der Umzug in ein Hospiz steht an. Nachdem ein Hospizplatz in der Nähe zu Ash’s Haus gefunden wurde, kümmert sich Ash aufopfernd um ihre Freundin. Sie versucht Edi’s letzte Wünsche zu erfüllen, ob Melonenwürfel, Pringles oder den einzigartigen Zitronen-Polenta-Kuchen von Daisy.
Es wird geweint, gelacht, gesungen und mit jedem Kapitel nähert man sich Edi’s letztem Atemzug. Die Autorin beschreibt diese Zeit so intensiv, dass mir ganz warm ums Herz wird. Wie schwer es ist das Unausweichliche zu akzeptieren und loszulassen, denn man hatte doch noch so viel vor. Den letzten Stunden mehr Leben geben und gemeinsam verbringen, Familie und Freunde um sich haben, ist doch das Einzige, was dann noch zählt.
Der Schreibstil war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und mir teilweise etwas zu flapsig, aber ich denke diese Lockerheit macht dieses schwere Thema des Sterbens etwas erträglicher.
Die Charaktere waren gut ausgearbeitet, wobei Ash’s Befindlichkeiten etwas zu sehr dominiert haben. Die Gestaltung des Covers finde ich sehr passend, die Farben sind frisch aber gedeckt. Es ist doch das was übrig bleibt, wenn wir gehen, unser vielleicht letztes Lieblingsgetränk auf dem Nachttisch und die letzte Blume die bereits verwelkt. Für die herzzerreißende schöne Lektüre gebe ich meine absolute Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere