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Veröffentlicht am 06.04.2025

Risse der Realität

If We Were Gods
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Olivia kann es nicht fassen: als eine von wenigen Auserwählten war sie in der Arcanen Academy aufgenommen worden. Endlich hat sie die Möglichkeit, tiefer in die Risse der Welt einzutauchen. Neben ihre ...

Olivia kann es nicht fassen: als eine von wenigen Auserwählten war sie in der Arcanen Academy aufgenommen worden. Endlich hat sie die Möglichkeit, tiefer in die Risse der Welt einzutauchen. Neben ihre Freude und Ehrfurcht, die sie beim Blick auf die Akademie erfüllt, mischt sich bald auch die Furcht. Bisher war es ihr nie gelungen, ein Teil von etwas zu sein. Diesmal, so schwor sie sich, würde es anders sein. Doch war sie tatsächlich bereit, sich über jegliche Regeln hinwegzusetzen, nur um dazuzugehören?

Die Welt der Spalten

Lara Große entwickelt eine Welt, die vollkommen anders ist. Die Realität, die wir kennen und unser eigen nennen, ist durchzogen von Rissen, die bis zum Ursprung alles Lebens hinabreichen können. Aufgebaut wie eine Zwiebel verbergen sich Schicht um Schicht die Elemente, aus denen die Welt besteht: Wind, Erde, Feuer und Wasser bilden den Anfang, gefolgt von Metallen usw. Jede dieser sogenannten Ebenen ist durchzogen von Runen, die eine gewisse Eigenschaft des Elementes repräsentieren, welches damit beeinflusst werden kann. Nur wer die Rune selber findet, kann sie auch anwenden. So werden Schritt für Schritt junge Menschen dazu ausgebildet, die bekannte Realität zu verändern.

Zum Schreibstil und Charaktere

Lara Große verwendet eine einfache, bildhafte Sprache, die es möglich macht, diese ungewöhnliche Welt greifbar zu machen. Ihre Charaktere sind typische Teenager. Die gesamte Geschichte wird aus Olivias ich-Perspektive beschieben, was der Welt, wie wir sie als Leser und Leserin erleben, sofort einen subjektiven Anstrich verleiht. Während es Milo und Saxa sofort auf ihre positive Liste geschafft haben, wird Nasir, zum Beispiel, stets mit einem Anflug von Misstrauen verbunden.

Fazit

„If We Were Gods“ ist ein Fantasieroman, der einmal anders ist. Während in der Akademie lediglich die Grundlagen gelehrt werden, pirschen sich die Studentinnen und Studenten durch die unterschiedlichen Schichten und sammeln, wie bei einem Computerspiel, ihre Runen und verweben sie zu komplexen Zirkeln. Ich muss gestehen, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich so halbwegs verstanden habe, was sie da eigentlich machen. Das tatsächliche Ziel ist mir immer noch etwas schleierhaft. Zumindest vom Rest der Akademie, denn Olivias Lehrgruppe hat sich ja ein ganz bestimmtes gesetzt. Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich auch die Sicht einer typischen Teenagerin, die nicht nur ihre Freunde mit ihrem Bauchgefühl findet, sondern auch alles riskiert, nur um ein Teil einer Gruppe zu sein. Ungewöhnlich, aber äußerst realistisch, selbst wenn manche Entscheidungen und Gedanken von Olivia lediglich Kopfschütteln bei mir hervorriefen, war es nicht so, dass sie für mich unerklärlich waren.

Alles in allem ist es ein tolles Buch, das besonders durch eine neuartige Art der Magie als auch einem fantastischen Cover sofort ins Auge sticht.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Das Leben eines Kaisers

Die steinerne Krone
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Unerwartet beginnt das Buch von Michel Peinkofer nicht wie zunächst angenommen mit der Kindheit von Friedrich II., sondern entführt erst in die Zeit um den Zweiten Weltkrieg, wo sich ein Wissenschaftler ...

Unerwartet beginnt das Buch von Michel Peinkofer nicht wie zunächst angenommen mit der Kindheit von Friedrich II., sondern entführt erst in die Zeit um den Zweiten Weltkrieg, wo sich ein Wissenschaftler auf Anordnung des Nationalsozialistischen Deutschlands auf die Spuren von Friedrich II. heftet, um ihn als glänzendes Vorbild deutscher Tugend zu Verkaufen. Bei seinen Untersuchungen begleitet ihn die Leserin/der Leser, während er nun seinerseits in vergangene Zeiten verschwindet und sich den Geheimnissen der Geschichte widmet.

Das gesamte Buch gliedert sich in verschiedene Teile. Das Leben von Friedrich II. wird erzählt von einem unbekannten Dritten, die dem Kaiser nahe genug stand, um die zahlreichen Facetten seiner Persönlichkeit glaubhaft widerzugeben und die historische Gestalt vor dem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Trotz seiner Achtung vor der islamischen Kultur überzeugt er den Papst zum Beispiel von der Notwendigkeit eines Kreuzzuges. Die verschiedenen Abschnitte von Friedrichs Leben werden nicht zwingend in chronologischer Reihenfolge widergegeben, wodurch das Buch trotz der zahlreichen Fakten nicht biografisch wirkt.

Michael Peinkofer webt geschickt historische Zahlen in einen harmonischen Text, der stellenweise ein bisschen an einen Geschichtebuch erinnert, dabei jedoch den Lesefluss nicht einbüßt. Die verschiedenen Teile des Buches sind auch mit, für mich, unterschiedlicher Spannung verbunden. Während ich besonders den vierten Teil des Buches genoss, übte der zweite deutlich weniger Reiz aus und zog sich auch länger dahin.

Das dunkle Cover mit der stoischen Schrift und dem schlichten Grundriss der Burg üben einen gewissen Reiz aus und verleiten dazu, zumindest den Griff danach zu wagen.

Für Begeisterte von historischen Romanen stellt dieses Werk von Michael Peinkofer bestimmt einen Lesegenuss dar. Die stark vertretenen Zahlen könnten den einen oder die andere etwas abschrecken und auch die Erzählweise selbst wirkt an manchen Stellen etwas dünner als an anderen. Alles in allem ist es ein absoluter Lesegenuss und ich habe jede Sekunde damit genossen.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Die Grenzen eines Königs

Der König
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Kann jeder zum Mörder werden? Oder haben einige – ja, die meisten von uns – eine Art mentale oder moralische Sperre, die sie daran hindert, zu töten? Ich rede nicht davon, jemanden in Notwehr oder im Affekt ...

Kann jeder zum Mörder werden? Oder haben einige – ja, die meisten von uns – eine Art mentale oder moralische Sperre, die sie daran hindert, zu töten? Ich rede nicht davon, jemanden in Notwehr oder im Affekt zu töten, sondern davon, ganz normale, anständige Menschen, wie zum Beispiel Bent Halden, dazu zu bringen, einen Mitmenschen kaltblütig und ohne ein anderes Motiv, als das eigene Leben etwas besser oder leichter zu machen, zu töten.

Mit diesen Worten beginnt Jo Nesbo seinen neuen Kriminalroman, der anders als seine Vorgänger, nicht mehr hinter einem schwarzen Cover mit roter Schrift versteckt ist, sondern als hellgraues Buch mit Bronze schimmernden Worten beim ullstein Verlag erschien.

Wie bereits in seinem Buch „Ihr Königreich“ findet sich die Leserin bzw. der Leser in dem fiktiven kleinen Dorf Os wieder, das irgendwo in Norwegen liegt. Die beiden Brüder Carl und Roy „regieren“ über dieses verschlafene Nest, das auf den ersten Blick an ein idyllisches Dorfleben erinnert, unter dessen Oberfläche mehr Geheimnisse und Verbrechen schlummern, als es zunächst den Anschein hat.

Der König ist das Nachfolgewerk von „Ihr Königreich“. Zahlreiche Konflikte vom ersten Buch kommen auch hier wieder zu Sprache. Es ist hilfreich, den ersten Teil zu kennen, da die Charaktere dadurch viel greifbarer werden, es ist jedoch nicht zwingend notwendig. Jo Nesbo erläutert die wichtigsten Verwicklungen und Ereignisse, sodass auch ein Neuling dieser Geschichte ohne weiteres die komplexen Zusammenhänge nachvollziehen kann.

Der Autor liebt es, moralisch komplexe Figuren zu erschaffen und gipfelt dieses Streben mit dem Brüderpaar Roy und Carl, die für die Familie alles tun und vor nichts und niemandem zurückschrecken. Selbst vor Mord nicht. Wie auch schon beim ersten Teil folgen wir dem Älteren der beiden, Roy, auf seinen dubiosen Geschäftswegen und blicken über seine Schulter, während er hemmungslos die Schwäche seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger ausnutzt, um das zu bekommen, was er möchte. Die beiden Brüder agieren als funktionierende Einheit, sie kennen sich in- und auswendig und vertrauen blind auf die Stärken des jeweils anderen. Doch ihre dunkle Vergangenheit droht sie einzuholen und das Band zwischen ihnen wird auf eine harte Probe gestellt.

Ich starrte in die Dunkelheit und wartete auf einen weiteren Blick. Um ihn zu sehen. Um mich zu sehen. Den König des Mülls. Den armen Tropf, der seine Würde auf dem Altar des Überlebens opferte, wie wir alle. Wir verschieben lediglich die Grenzen des Erträglichen und ändern die Spielregeln, damit wir uns selbst ertragen können. Sogar Menschen, die alle und jeden umbringen, die ihnen im Weg stehen […], glauben noch daran, ihre Ehre zu verteidigen. Sie tun das verzweifelter als die meisten anderen, weil ihre Grenzen nicht mehr weiter verschoben werden können, ohne dass sie auch noch den letzten Rest an Selbstachtung verlieren.


Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Os beleuchtet Jo Nesbo unverhüllt die Seelen der Menschen. Jede und jeder hat ihre/seine eigene Agenda, versucht die eigenen Dämonen zu bekämpfen. Mord, Eifersucht, Inzest, Vergewaltigung – alles schlummert unter der scheinbar friedlichen Schale des Dorfes. Jede und jeder hat eigene Leichen im Keller – manche symbolisch, andere tatsächlich. Die ungeschminkte Realität und nüchterne Betrachtungsweise auf das Leben, die uns der Blick aus Roys Augen gewährt, machen es schwer, die Figur trotz seiner moralischen Abgründe, nicht zumindest zu respektieren wenn nicht sogar für seine Weitsicht und Unverfrorenheit zu bewundern.

Alle Katastrophen sollten ein Präludium haben. Ein Vorspiel, einen warnenden Hinweis auf das, was kommen sollte.

Die Geschichte fließt dahin, wie ein kleiner Gebirgsbach schlängelt sich die Handlung zwischen den unterschiedlichen Figuren hin und her, berührt die einen und umrundet die anderen. Bis es unvermutet zu Stromschnellen kommt. Gerade wenn sich ein Gefühl des Verstehens einfindet, wenn die Leserin bzw. der Leser glaubt, die nächsten Schritte erahnen zu können, ändert der Fluss seine Richtung. Die Karten werden neu gemischt, das Pokern beginnt von vorne.

Fazit

Der König erzählt die Geschichte eines Mannes, für den Mord kein Fremdwort ist und der die notwendige Kaltblütigkeit und Berechnung besitzt, für seine Zwecke erneut Leben zu beenden. Wir folgen dem Erzähler auf seinem Weg, lernen seine Motive und Gedanken kennen, seine Einstellung zum Leben und die Hintergründe für seine Taten. Jeder Schritt in Roys Stiefeln macht uns gleichzeitig zu Mitwissern und, ohne es so recht zu merken, beginnen wir ihn zu verstehen, ihn zu respektieren und manche sogar ihn zu mögen. Die ersten Sätze des Buches bleiben wie eine Art Mahnmal im Gedächtnis verankert, eine Frage, die immer wieder aufs Neue eine Antwort verlangt.

Kann jeder zum Mörder werden? Oder haben einige – ja, die meisten von uns – eine Art mentale oder moralische Sperre, die sie daran hindert, zu töten?


*diese Stellen wurden direkt aus dem Buch (1. Auflage 2024, ullstein) zitiert

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Veröffentlicht am 12.11.2024

Geister der Vergangenheit

Das Haus der Bücher und Schatten
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Ich muss sorgfältig nachdenken, um tief in mir den Anfang zu finden. Der Schluss geht einem nicht aus dem Kopf, erst recht nicht, wenn man älter wird. Doch den Anfang, den vergisst man, fast wie die Geburt.

Das ...

Ich muss sorgfältig nachdenken, um tief in mir den Anfang zu finden. Der Schluss geht einem nicht aus dem Kopf, erst recht nicht, wenn man älter wird. Doch den Anfang, den vergisst man, fast wie die Geburt.

Das Haus der Bücher und Schatten. Bereits der Titel von Kai Meyers neuem Werk lässt die Gedanken spielen. Der dritte Teil seiner Buchreihe, die sich um Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig ranken, wird seinen Vorgängern mehr als gerecht. Die Bücher hängen nicht zusammen, das verbindende Element ist allein der Ort, an dem diese Geschichten ihre Bühne bekommen, sowie die Art ihrer Erzählung. Ein Geheimnis der Vergangenheit findet zurück ans Licht, um Geschehnisse der Gegenwart der handelnden Personen erklären zu können.

In diesem Werk wechselt der Autor zwischen den Jahren 1913 und 1933. Beide Jahre bergen die Vorboten eines neuen Krieges, der die Welt überschatten wird. Brutalität, Ideologien und Furcht prägen beide Jahre und überbrücken die zwanzig Jahre, die sie trennen.

„Falls Sie noch mal Hilfe brauche, dann wissen Sie, wo Sie mich finden“, sagte er. „In der Nacht“, erwiderte sie. „Bei den Büchern“


Im Jahr 1933 wird der Polizist Cornelius beinahe Zeuge eines Doppelmordes, ein Mädchen und ein Polizist. Entgegen der allgemeinen Meinung glaubt er nicht an eine schlichte, einfache Erklärung und beginnt in der Vergangenheit des Mädchens unter die Lupe zu nehmen. Freimaurer, Okkultisten und Séancen haben das Leben des toten Mädchens geprägt, während der Polizist, ein überzeugter Nazi, bei seinen Mitmenschen alles andere als beliebt war. Was verbindet die beiden und was bedeuten die rätselhaften Buchstaben auf der Hand der Toten? Bei seinen Nachforschungen nähert er sich immer mehr den Geheimnissen von gefährlichen Männern, die ihre dunklen Geschäfte im chaotischen Deutschland zur Blüte getrieben haben und kein Interesse daran haben, diese durch einen einfachen Polizisten in die Luft gehen zu lassen.

Zwanzig Jahre zuvor begibt sich Paula zusammen mit ihrem Verlobten und Kollegen Jonathan auf die Reise ins Baltikum, um das Manuskript eines Autors zu holen. Doch in dem gewaltigen Anwesen geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Paula ist überzeugt, dass es spukt. Sie hört Schritte, wo keine Gänge sind und Stimmen, wo keine Menschen sind. Sie beginnt alles zu hinterfragen und stößt auf eine Geschichte, die besser im Verborgenen geblieben wäre.

Ich bin noch immer in diesem Zug, irgendwo zwischen Einsteigen und Endstation.

Die Handlungsstränge beider Geschichten wechseln sich in unregelmäßigen Abständen ab, vertiefen dabei die Spannung und die Neugierde darauf, wie es weitergehen soll und wird. Beide Teile sind geprägt vom Übersinnlichen, von Geistern und Stimmen aus dem Jenseits, von Geheimnissen der Vergangenheit, die nicht ans Licht kommen sollten. Entgegen so vielen seiner anderen Werke benutzt Kai Meyer in diesem Werk zwei Protagonisten und Protagonistinnen, die es mir schwer gemacht haben, sie ins Herz zu schließen.

„Wir beide sind uns zwar begegnet, aber ich habe keine Ahnung, wer du bist“


Cornelius ist ein verbitterter Polizist, der zuerst suspendiert und später wieder eingesetzt wurde, als seinem Arbeitgeber das fähige Personal ausging. Er verachtet den Nationalsozialistischen Staat und macht sich dadurch keine Freunde in der Stadt. Cornelius bevorzugt die Gesellschaft von Büchern deren von Menschen, mit Ausnahme seiner reizenden Verlobten. Er ist ein Einzelgänger, der alles im Alleingang erledigt, der nie um Hilfe fragt oder diese akzeptiert. Am liebsten geht er auf direkte Konfrontation mit seinem Gegenüber und er traut keinem seiner Kollegen über den Weg. Im Laufe des Buches lernte ich ihn zu schätzen, aber es dauerte.

Paula hingegen ist eine faszinierende Frau. Als einzige Lektorin des Verlags werden ihr deutlich größere Steine vor die Füße gelegt, als ihren Kollegen. Sehr zum Ärger von diesen ist sie es, die einen der bedeutendsten Autoren ihrer Zeit entdeckte und zu einem Bestseller machte. Selbst dieser Erfolg lässt die Kritiker nicht zum Schweigen bringen, im Gegenteil: die Eifersucht wird nur weiter angeheizt. Paula ist sehr sensibel und in ihren Träumen erscheinen immer wieder die Geister der Vergangenheit, um sie zu warnen oder ihr etwas mitzuteilen. Trotz ihrer beeindruckenden Geschichte wurde ich bis zum Schluss nicht richtig warm mit ihr. Fast, als würde ein Graben zwischen uns sein, der es ihr nicht ermöglicht, mich zu berühren.

„Das Weltall ist wie eine riesige Bibliothek: Niemand gibt einen Mucks von sich, man streift einfach wortlos von einem Wunder zum nächsten“

Es war eine faszinierende Erfahrung für mich, von einem Buch gefesselt zu sein, mit deren Charakteren ich nicht wirklich warm wurde. Es hat der Geschichte keinen Abbruch getan. Jede einzelne Seite des Buches war eine wunderbare Reise in eine Zeit, die wir nicht erleben wollen und die aktueller scheint als je zuvor in meinem Leben.

„Wenn beide Spieler mit Schwaz spielen, können sie dann ihre Figuren nach den ersten Zügen noch auseinanderhalten? Spielt es überhaupt eine Rolle, wer auf welcher Seite steht? Und geht es dann nicht nur noch darum, alle Figuren vom Feld zu räumen, ohne einen Unterschied zu machen zwischen den eigenen und denen des Gegners?“
„Die beiden Könige können sich nicht gegenseitig schlagen.“ „Aber eine einzelne Königin genügt, um das Spiel zu entscheiden“ „Oder ein einfacher Bauer“


Das Haus der Bücher und Schatten ist ein weiteres faszinierendes Buch von Kai Meyer. Es ist nicht notwendig, die vorherigen Bände des Graphischen Viertels zu lesen, da jedes eigenständig für sich steht, jedes sein eigenes Geheimnis verbirgt. Sein künstlerischer Umgang mit der deutschen Sprache und sein Talent für spannungsgeladene Handlungsbögen machen das Buch zu einem wahren Lesegenuss.

*Diese Stellen wurden direkt aus dem Buch (Auflage 2024) entnommen

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Veröffentlicht am 23.07.2024

Faszinierend anders

Das Lied des Propheten
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Dieses Buch ist anders. Besonders prägnant ist die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist. Anders als bei den meisten Büchern finden sich hier keine Satzzeichen, die direkte Reden oder einen Sprecherwechseln ...

Dieses Buch ist anders. Besonders prägnant ist die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist. Anders als bei den meisten Büchern finden sich hier keine Satzzeichen, die direkte Reden oder einen Sprecherwechseln kennzeichnen. Als Leserin bzw. Leser hat man das Gefühl, außerhalb der Geschichte zu stehen. Wie hinter einer Glasscheibe, während eine neutrale Stimme alles berichtet: von den Bewegungen der Figuren, über ihre Gespräche bis hin zu ihren Klamotten. Wie Audiokommentiert. Sehr ungewöhnlich und es dauert ein bisschen, in diese Art der Erzählung hineinzufinden. Der Spannung des Buches tut dies jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil. Obwohl die Leserin/der Leser quasi als unbeteiligter Zuschauer an der Handlung teilnimmt, wird sie/er direkt mit hineingezogen. Die Angst, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit angesichts der Situation sind so greifbar, als wären es die eigenen Gefühle und Gedanken.

Die Geschichte, die erzählt wird ist eine, die jederzeit eintreten kann. In dem Moment, in dem der Staat beginnt, autoritär zu handeln. Ab dem Moment, wo zu viel Macht auf zu wenige Menschen aufgeteilt ist. Ab dem Moment, ab dem Angst gewinnt und die Gewalt regiert. Es sind Bilder aus dem Geschichtsunterricht, Bilder aus der Vergangenheit und Bilder, wie sie auch jetzt auf den Fernsehbildschirmen zu sehen sind. Eine Geschichte, in der die Demokratie und das Leben, das damit verbunden ist, kippen und einem unbarmherzigen und brutalen Regime den Platz überlassen.

Es ist ein erschütterndes und ehrliches Buch, das eine Geschichte erzählt, die über unserem Leben wie ein Damoklesschwert schwebt und hoffentlich nicht eintreffen wird.

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