interessant zu lesen, kann hilfreich sein
Dieser Schmerz ist nicht meinerMark Wolynn, laut Klappentexxt in den USA seit über 30 Jahren im Bereich vererbter Familientraumata tätig, hat zu seinem Bestseller „Dieser Schmerz ist nicht meiner“, das ich nicht gelesen habe, dieses ...
Mark Wolynn, laut Klappentexxt in den USA seit über 30 Jahren im Bereich vererbter Familientraumata tätig, hat zu seinem Bestseller „Dieser Schmerz ist nicht meiner“, das ich nicht gelesen habe, dieses Workbook geschrieben. Da die einzelnen Theorien aber in diesem Praxisbuch kurz besprochen werden, habe ich nichts vermisst. Der Autor führt in Epigenetik ein, betrachtet verschiedene Aspekte, insbsondere vier übergeordnete, gibt Fallbeispiele aus seiner Praxis und jede Menge Listen an die Hand, mit Hilfe derer man seine eigene Postion, besonders, wenn man sich noch gar nicht damit auseinandergesetzt hat, wahrscheinlich besser erkennen kann. Die vier „unbewussten Themen“ schlängeln sich durchs Buch; die Fragen und Ansätze zur Lösung können schon hilfreich sein, allerdings denke ich, dass es bei „schweren Fällen“ unbedingt einer professionellen Hilfe bedarf und dieses Buch keinesfalls ausreicht. Es ist nicht unbedingt so gedacht, dass man das komplette Buch durchliest; man kann auch direkt an seinem Thema arbeiten, nur die entsprechenden Kapitel lesen. Aus Interesse habe ich das komplette BUch gelesen, fand vieles für mich nicht zutreffend oder hilfreich. Dennoch habe ich etliche Ansätze für mich gefunden, um mich meiner Familiensituation aus anderer Perspektive zu nähern. Seit Jahren setze ich mich damit auseinander, hatte eine Lösung für mich gefunden, war aber neugierig, ob neue Aspekte eine Veränderung herbeiführen können. Vielleicht habe ich zu etwas mehr Verständnis gefunden, zumindest für den Augenblick. Ehrlich gesagt, kann ich manches Vorgeschlagene nicht nachvollziehen. Ich soll zu meinen Vorfahren Kontakt aufnehmen; die sind schon alle lange tot. Das soll kein Problem sein, und wenn ich das vererbte Familientrauma auflöse, wäre dies nicht nur für mich, ich würde auch gleichzeitig für die Verstorbenen das Gleiche erreichen und sie würden sich auch nicht mehr quälen. Möglicherweise spricht diese Sicht andere mehr an als mich. Störend und einfach zuviel fand ich auch die mir viel zu glatten Fallbeispiele der Autorenpatienten, die traumhaft schnell und gelingsicher aufgedeckt und meisterhaft gelöst wurden, was manchesmal ziemlich oberflächlich auf mich wirkte. Auch die Sicht, dass man als „Opfer“ den Eltern, zu denen man eventuell (und vielleicht auch sehr begründet) keinen Kontakt mehr hat, um den Hals zu fallen und ihnen Nettigkeiten sagen sollte, kann ich nicht als pauschale Lösungsmöglichkeit sehen. Bei eingen der angeführten Beispiele wäre ich gar nicht darauf gekommen, es als Trauma zu bezeichnen, sondern als ganz normale Situationen im Leben, die Trauer auslösen. Für mich wurden einigen Fallbeispiel übertrieben dargestellt, was vielleicht auch daran liegt, dass es Unterscheidungen in der Bewertung gibt, da sowohl der Autor als auch seine Fallbeispiele in den USA leben und man vielleicht nicht alles gleich empfindet.
Interessant fand ich es schon, dieses Buch zu lesen; einzelne Aspekte haben mich angesprochen, so dass ich vielleicht auch meine Sicht auf Vergangenes minimal ändern konnte. Wer sich eher wenig mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird sicherlich, schon alleine durch die Fragebögen, seine Situation hinterfragen und besser erkennen können. Vielleicht kann man dann eine Lösung entdecken; sollte man an einem Trauma leiden, würde ich aber eine andere, gerne auch eine professionelle Begleitung, empfehlen.