Wie weit kann man für seinen Traum wirklich gehen?
She’s a Star!Jessamyn St. Germain ist versessen auf Ruhm und will unbedingt die nächste große Musical-Schauspielerin werden. Wenn an ihrer Stelle die von Jessamyn verhasste Samantha die Hauptrolle im Musical „The Sound ...
Jessamyn St. Germain ist versessen auf Ruhm und will unbedingt die nächste große Musical-Schauspielerin werden. Wenn an ihrer Stelle die von Jessamyn verhasste Samantha die Hauptrolle im Musical „The Sound of Music“ bekommt, gerät Jessamyn in einen Wahn, der sie bis an ihre Grenzen bringt.
She‘s a Star ist auf jeden Fall ein sehr besonderes Buch, denn die Hauptfigur wirkt zugleich sympathisch, mitleidserregend, verstörend und brutal. Man weiß nie genau, wie man gerade über sie denken soll, ihre Gedanken sind wirr und und oft paradox und ihr Handeln unvorhersehbar – genau das macht sie als ambivalenten Charakter so spannend. Zeitgleich hält sie als Hauptfigur und auch Erzählerin den allgemeinen Spannungsbogen der Geschichte weitestgehend aufrecht. Zur Mitte hin zieht sich die Geschichte ein wenig und stagniert etwas, schnell werden aber neue Handlungen eingeführt und es bleibt interessant.
Da die ganze Geschichte aus Jessamyns Perspektive erzählt wird, wird sie zu einer typischen unzuverlässigen Erzählerin: in vielen traumhaft-wahnsinnigen Vorstellungen und Schnipseln aus ihrem Kopf wird nicht gänzlich klar, ob wir die Realität zu lesen bekommen oder ihre zurechtgesponnene Welt. Dass unsere Hauptprotagonistin zusätzlich an einer Art Gottkomplex oder narzisstischer Persönlichkeitsstörung leidet, macht die klare Sicht im Buch nicht gerade leichter, intensiviert das Leseerlebnis aber ungemein. Und auch der Wahn, in dem Jessamyn steckt, wird von Hambrock gekonnt gesteigert.
Die Message, die dadurch über das „Starsein“, vermittelt wird, ist eindringlich und aktuell – vor allem in einer Welt, in der Menschen immer weiter und höher streben. Nur zu welchem Preis ist hier die Frage. Die Diskussion dreht sich um das Verkennen der eigenen Talente und den uneingeschränkten Wunsch nach Anerkennung, der mit der Berühmtheit vermeintlich gestillt werden soll. Immer wieder werden zudem auch feministische Themen aufgegriffen, sei es in der Art wie Jessamyns romantische Beziehungen ablaufen oder sich männliche Theatergäste ihr gegenüber verhalten. So werden, wie so typisch für den pola Verlag, misogyne Alltagserfahrungen thematisiert und sichtbar gemacht.
Leider werden jedoch die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Geschichte nicht ausführlich genug beleuchtet, sodass man weitestgehend im Dunkeln bleibt, was den Ursprung und die Gründe von Jessamyns Wahn angeht. Ihre Vergangenheit wird ausschließlich angedeutet, aber nie offen thematisiert, sodass man Jessamyn als komplexen Menschen nie gänzlich verstehen kann und sie letztendlich ein kleines Mysterium bleibt. Vor allem das Ende fühlt sich so auch schleierhaft und leicht unvollständig an.
Insgesamt ein schnell zu lesendes und packendes Buch, das wichtige und zeitgemäße Themen auffasst, sie jedoch leider nicht ausführlich reflektiert, da die Tiefe besonders in der zweiten Hälfte des Buches etwas gefehlt hat. Nichtsdestotrotz finde ich die Geschichte empfehlenswert für eine schnelle und spannende Lektüre.