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Veröffentlicht am 10.12.2023

Die Fortsetzung zur Österreich-Saga

Die Welt im Nebel
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„Die Welt im Nebel“ von Ana Pawlik ist der zweite Teil der Österreich-Saga, in der es um die Machtübernahme der Habsburger in Österreich geht. Erschienen ist der Roman beim Bucher-Verlag im November 2022. ...

„Die Welt im Nebel“ von Ana Pawlik ist der zweite Teil der Österreich-Saga, in der es um die Machtübernahme der Habsburger in Österreich geht. Erschienen ist der Roman beim Bucher-Verlag im November 2022.

Herzogtum Österreich, 1272: Unruhige Zeiten stehen dem Herzogtum bevor. Als der König des Heiligen Römischen Reiches stirbt, sieht Premsyl Ottokar seine Zeit gekommen. Er möchte unbedingt der Nachfolger des Verstorbenen werden und hierfür benötigt er die Unterstützung seiner Untertanen. Neue Waffen müssen geschmiedet werden, Ritter ausgerüstet werden und Ernten eingetrieben werden. Auch das Dorf Raming wird in die Vorbereitungen mit einbezogen. Graf Irenfried geht hierbei nicht gerade zimperlich mit seinen Hörigen um. Und doch schaffen es Ännlin und Claus sich in diesen unruhigen Zeiten näher zu kommen.

Die Autorin dieser Reihe habe ich auf der Leipziger Buchmesse 2023 kennengelernt und diese zweiten Band habe ich mir von dort signiert mitgebracht. Österreich ist tatsächlich ein Land, über dessen Geschichte ich bisher nicht so viel gelesen habe und es hat mich doch ein wenig erstaunt, wie lange die Habsburger in Österreich maßgeblich waren.
In diesen zweiten Band bin ich ein wenig besser reingekommen als in den ersten. Die Personen waren mir bereits bekannt und der Einstieg in diesen zweiten Teil wurde gut gewählt. Neben der Politik jener Zeit spielt auch die fiktive Geschichte rund um die Burg Losenstein eine große Rolle.
Die Autorin hat es geschafft, eine gute Balance zu finden. Über die fiktive Geschichte erfahren wir etwas über das Leben der einfachen Menschen. Auch diesmal spielen Veränderungen z.B. in den Anbaumethoden eine wichtige Rolle, aber auch die Anforderungen der Herrschenden an ihre Untertanen. Durch die Adeligen erfahren wir etwas über die politische Lage jener Zeit, die sich zusätzlich im Umbruch befand. Geschickt hat die Autorin es geschafft, immer wieder Querverbindungen zwischen beiden Teilen der Geschichte zu erschaffen.
Das Tempo der Geschichte ist dabei eher gemächlich, weil eben eine Entwicklung aufgezeigt werden soll. Es wird immer wieder zwischen verschiedenen Szenen gewechselt und so unterschiedliche Aspekte beleuchtet, die einen umfangreichen Einblick in jene Zeit gewähren.
Die Personen der Geschichte mochte ich gerne. Ich bin Ännlin gerne auf ihrem Weg in die Zivilisation gefolgt. Habe mich zusammen mit Claus über die schlechten Zustände in Raming geärgert. Zusammen mit Euphemia habe ich neue Gefilde erkundet und habe mich an ihrem charakterlichen Wachstum gefreut. Nach dem Beenden des ersten Teiles habe ich mir noch gewünscht, mehr von ihr zu sehen und ich wurde nicht enttäuscht. Arnulf und Dietmar bin ich gerne gefolgt, aber bei den beiden fehlt mir so ein bisschen das Mitfiebern. Ihrenfried hat sich auch diesmal wieder von seiner besten Seite gezeigt, allerdings hat sich diesmal auch ab und zu sein Gewissen gemeldet. Leider hat das nicht lange vorgehalten und zusammen mit Rudwin füllt er die Rolle des Bösen der Geschichte gut aus.
Nicht so gut gefallen, hat mir, dass der Klappentext schon Dinge verrät, die erst ziemlich zum Schluss passieren. Das ist für mich zu weit vorgegriffen und nimmt dann ein wenig die Spannung aus dem Roman raus.
In einem Nachwort trennt die Autorin Wahrheit und Fiktion voneinander und holt auch die Leser*innen ab, die vielleicht nur diesen Teil der Reihe gelesen haben. Man kann diesen Teil also auch alleinstehend lesen und hätte dann genügend verstanden. Nichtsdestotrotz bauen beide Bücher an sich aufeinander auf und es empfiehlt sich mit dem ersten Band zu beginnen.

Fazit: Ein Mittelalterroman, der mich gut unterhalten und mir die Geschichte Österreichs näher gebracht hat. Mit seinem eher gemächlichem Tempo, lädt das Buch zu gemütlichen Lesestunden in einem Sessel oder auf der Couch ein. Empfehlenswert für alle, die gerne Historisches lesen.

Veröffentlicht am 02.12.2023

Gelungener Auftakt für die Detektei Voss

Felix Blom. Der Häftling aus Moabit
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Felix Blom - Der Häftling von Moabit“ von Alex Beer ist der Auftaktband einer historischen Krimi-Reihe. Es geht um Felix Blom, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis zum Privatdetektiv wird. Erschienen ...

Felix Blom - Der Häftling von Moabit“ von Alex Beer ist der Auftaktband einer historischen Krimi-Reihe. Es geht um Felix Blom, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis zum Privatdetektiv wird. Erschienen ist der Roman im Oktober 2022 bei Limes.

Berlin, 1878: Nach drei Jahren Moabit wird Felix Blom endlich aus der Haft entlassen, doch seine neugewonnene Freiheit ist an Bedingungen geknüpft: Innerhalb von drei Tagen muss er einen Wohnsitz und eine legale Arbeit nachweisen. Dies erweist sich als nicht ganz so einfach, denn seine Freunde haben sich von ihm abgewandt und sein Hab und Gut wurde gepfändet. Mit Hilfe seiner Nachbarin Mathilde, einer ehemaligen Prostituierten, gelingt es ihm doch noch an einen Job zu kommen. Er schließt sich ihrer Privatdetektei an und ihr erster Fall führt sie direkt zu einer Mordserie, bei der den Opfern mysteriöse Karten zugespielt werden, in denen sie aufgefordert werden, innerhalb von 30 Stunden eine Leiche zu sein.

Von dieser Reihe habe ich schon länger viel Gutes gehört und nachdem meine Annäherung an das Krimi-Genre mittlerweile ganz gut gelungen ist, dachte ich mir, dass ich diese Reihe in Angriff nehme, insbesondere nachdem ich letztens erst auf einer Lesung der Autorin war.
Sehr gut gefallen hat mir der Einstieg mit dem echten Ausschnitt aus einer Zeitung. Dieser bildet die Grundlage für die anschließende fiktive Geschichte, bei der es mysteriös zugeht und das mich sofort in die Geschichte reingezogen hat. Das darauffolgende Kennenlernen der Protagonisten stimmte mich positiv für den weiteren Verlauf der Geschichte.
Die kleinen Details zur Kleidung und zu einigen Gewohnheiten jener Zeit haben mich beeindruckt und das Gefühl für die Geschichte gesteigert. Die Kaiserzeit ist über 100 Jahre her und dennoch gibt es Dinge, die schon sehr jetzt-zeitig wirken, aber auch genug, das eher altmodisch wirkt. Der Eindruck, den ich von jener Zeit erhalten habe, gefiel mir gut und hier muss viel Recherche rein geflossen sein. Manche Details haben mich selber zum Stöbern im Internet animiert und wenn Bücher das schaffen, finde ich das immer ein gutes Zeichen. Mich interessiert die Zeit und das Geschehen.
Der Roman kommt deutlich mehr wie ein Krimi daher als die anderen beiden Reihen, die ich derzeit lese. Es gibt kriminalistische Arbeit, Befragungen, Sammeln von Indizien. Gleichzeitig wird eine Entwicklung der Zeit aufgenommen und der historische Hintergrund berücksichtigt. Mir hat diese Mischung ganz gut gefallen. Felix Blom und Mathilde Voss hatten hieran jedoch einen großen Anteil.
Felix Blom, ein Dieb, Gauner und Betrüger, der mir dennoch sympathisch ist. Das hat mich manchmal auch ein wenig an mir zweifeln lassen. Er legt seine Beweggründe für seine Taten der Vergangenheit nachvollziehbar dar, richtig machen tut es die Dinge dennoch nicht. Für seine Arbeit als Detektiv waren seine Kenntnisse allerdings Gold wert. Wer, wenn nicht ein Krimineller selber, kann sich schon am besten in Kriminelle hineinversetzen.
Mathilde Voss versucht ihr altes Leben als Prostituierte hinter sich zu lassen und hat festgestellt, dass sie sich auch im Ausspähen von Menschen und Geheimnissen ganz gut macht. Leider hat sie mit den gesellschaftlichen Verhältnissen jener Zeit zu tun, die Frauen nicht wirklich viel zutrauen. Abgehärtet durch ihr Leben als Prostituierte, bewegt sie so manchen Hebel, der sie und Felix bei der Lösung ihres ersten Falles voranbringt.
Es gab noch einige interessante Nebencharaktere, von denen ich hoffe, diesen in den folgenden Bänden wiederzubegegnen. Dabei führt uns der Roman durch die unterschiedlichen Schichten und zeigt die deutlichen Veränderungen Berlins während des Kaiserreichs. Die Grenzen zwischen Gut und Böse werden verwischt und sind nicht so einfach zu benennen wie gedacht.
In einem kurzen Nachwort erzählt die Autorin davon, wie die Geschichte zu ihr gekommen ist und zu welchen Ereignissen sie recherchiert hat. Sie erzählt aber auch einiges zu den Gebäuden und Straßen Berlins und klärt über Fiktion und Wahrheit auf. Zusatzmaterial wie Karten oder ein Personenverzeichnis gab es in meiner ebook-Ausgabe nicht.

Fazit: Ein gelungener Auftaktband, der Lust auf weitere Fälle für die Detektei Voss macht. Felix Blom als auch Mathilde Voss konnten mich sehr für sich einnehmen und ich bin gespannt, welche Abenteuer ich noch mit den beiden erleben kann. Empfehlenswert für alle, die historische Krimis mögen.

Veröffentlicht am 26.11.2023

Ein runder Abschluss für die Reihe

Paradox 3
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„Paradox 3 - Ewigkeit“ von Phillip P. Peterson ist der finale Band der Paradox-Reihe, in der es um eine vierköpfige Astronautencrew geht, die geleitet von einer künstlichen Intelligenz den Geheimnissen ...

„Paradox 3 - Ewigkeit“ von Phillip P. Peterson ist der finale Band der Paradox-Reihe, in der es um eine vierköpfige Astronautencrew geht, die geleitet von einer künstlichen Intelligenz den Geheimnissen des Universums auf den Grund geht. Dieser Roman ist im Juli 2019 im Selbstverlag erschienen.

Achtung! Spoiler enthalten, da finaler Band einer Reihe.

Von ihrer letzten Mission für Q haben Ed, Grace, Wendy und David ein Wurmloch für die Menschheit mitgebracht. Ein Wurmloch, dass eine Zukunft für die Menschheit bereithält, dass jedoch sofort von dieser abgelehnt und zerstört wird. Die Zukunft der Menschheit scheint somit besiegelt, doch Q hat noch eine weitere Aufgabe für die vier Astronauten. Er schickt diese zu einem Planeten, der den Gesetzmäßigkeiten des Universums trotzt und in dieser Form gar nicht existieren sollte. Ed, Grace, Wendy und David sollen die Geheimnisse dieses Planeten lösen.

Dieses Buch versprach unterhaltsame Lektüre für die Rückfahrt von der FBM zu werden und mit seinen 340 Seiten war es auch nicht allzu lang.
Die Ereignisse schließen direkt an denen aus dem vorherigen Band an und so war ich direkt wieder drin im Geschehen. Ich war gespannt, was sich der Autor diesmal ausdenkt, denn mit dem Ende des zweiten Bandes hätte man zufrieden sein können.
Dieses Buch legt einen gewissen Pessimismus an den Tag, was die Menschheit betrifft, den ich für gerechtfertigt halte. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass genauso gehandelt wird, sollten wir eine solche Chance wie im Buch erhalten. Allerdings hat der Autor auch einen Plan B eingebaut, den wir in diesem finalen Band erkunden. Jedes Buch dieser Reihe hatte seine ganz individuelle Geschichte, aber auch übergeordnet ergibt sich am Ende ein harmonisches Bild.
Diesmal sollen die vier Protagonisten also einen fernen Planeten erkunden, der der künstlichen Intelligenz Q Rätsel aufgibt. Hierbei werden diesmal Themen wie die Relativitätstheorie, schwarze Löcher, Quantenphysik, der Omega-Punkt und noch einiges mehr behandelt. Es war nicht ganz so überladen wie der mittlere Band, aber auch hier wurden wieder viele Theorien angesprochen, die es wirklich gibt. Dabei versteht es der Autor gut, den wesentlichen Kern dieser Theorien zu vermitteln, so dass es auch für mich als Laien verständlich war.
Bei Science-Fiction kann ich deutlich besser Dinge hinnehmen als in anderen Genres, wie z.B. dass es mit gewissen Antrieben ein Leichtes sein könnte, durch unser gesamtes Universum zu fliegen. Es gibt echte Theorien dazu und diese werden in dieser Reihe halt erkundet. Ob es wirklich so ist, werden wir wahrscheinlich nicht erfahren, aber ich mag es einfach mir das vorzustellen. Diese Reihe appelliert an mein kindliches „Was wäre, wenn das Universum so und so funktionieren würde“ und ich liebe es.
Die Protagonisten habe ich ausreichend kennen und schätzen gelernt. Ed legt auch diesmal wieder seinen gewohnten Sarkasmus an den Tag. David ist ein bisschen vorsichtiger unterwegs, hat aber viel zum Gelingen der Mission beizutragen. Wendy und Grace muss ich im Nachhinein sagen, sind wieder einmal etwas blass geblieben. Insgesamt hat die Crew sich sehr gut ergänzt und jeder hatte seine Daseinsberechtigung. Q hat mit seiner unvergleichlichen Art wieder für eine interessante Reise gesorgt. Q schlüpft gerne in die Rolle eines Wissenschaftlers, dessen Theorie etwas mit der Aufgabe für die Crew zu tun hat und dessen diebische Freude ansteckend ist.
Am Ende gibt es noch ein kurzes Nachwort, in dem der Autor Informationen zu den verwendeten Theorien ergänzt und zu manchen auch Lektüre empfiehlt, sollte man sich tiefergehend mit diesen beschäftigen wollen.

Fazit: Die Paradox-Reihe hat mit diesem Band einen runden Abschluss erhalten. Mir hat die Reise der vierköpfigen Astronautencrew zum rätselhaften Planeten sehr gut gefallen. Ich wurde gut unterhalten und der Autor versteht es die Theorien verständlich zu vermitteln.

Veröffentlicht am 18.11.2023

Ein mega Abschluss für eine ganz wunderbare Reihe

Die Totenärztin: Schattenwalzer
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„Die Totenärztin - Schattenwalzer“ von René Anour ist der vierte und letzte Teil dieser Reihe, in der es um die Gerichtsmedizinerin Fanny Goldmann geht. Erschienen ist der Roman bei Rowohlt im März 2023. ...

„Die Totenärztin - Schattenwalzer“ von René Anour ist der vierte und letzte Teil dieser Reihe, in der es um die Gerichtsmedizinerin Fanny Goldmann geht. Erschienen ist der Roman bei Rowohlt im März 2023.

Wien 1909: Erneut eine Leichenbeschau am Tatort für Gerichtsmedizinerin Fanny Goldmann und ihren Kollegen Franz. Diesmal ist es ein besonders heikler Fall. Ein Diplomat wurde nackt auf seinem Schreibtisch vorgefunden - umgeben von Rosen. Bei der Ermittlung der Todesursache kommt ihr die Warnung eines alten Bekannten wieder in den Sinn und es soll nicht nur bei einer Leiche bleiben. Dieser Fall wird gefährlicher denn je und eines der Opfer wird Fanny sehr nahe stehen.

Das Lesen dieses Buches wird mir wahrscheinlich noch länger in Erinnerung bleiben. Die letzten 100 Seiten habe ich auf dem Weg zur FBM gelesen. Ich wollte das Buch unbedingt beenden, bevor ich auf der Messe bin. Einerseits weil ich so neugierig auf das Ende dieser Reihe war und anderseits auch, weil ich etwas Angst vor Spoilern hatte. Die meisten, die ich kenne, hatten die Reihe nämlich bereits beendet.
Diesmal war ich sofort in der Geschichte drin, was sicher auch daran lag, dass ich nicht viel Zeit zwischen dem Lesen von Band 3 und 4 verstreichen lassen habe. Der Einstieg ins Geschehen war gut gewählt. Der Prolog war geheimnisvoll und hat neugierig auf die weiteren Geschehnisse gemacht. Der erste Mord lässt diesmal nicht lange auf sich warten.
Der Spannungsaufbau war wie in den vorherigen Romanen. Es fängt recht ruhig und interessant an, ich habe mich gefreut die altbekannten Personen wieder zu treffen und ein bisschen etwas aus deren Leben zu erfahren und dann fängt es an sich kontinuierlich von der Spannung her zu steigern. Ab der Hälfte des Buches mag ich nicht mehr wirklich aufhören zu lesen und zum Ende hin ist die Spannung kaum noch zu ertragen.
Für mich macht diese Reihe ihre tolle Mischung aus. Einerseits habe ich ein bisschen was zu Wien und den Entwicklungen Anfang des 20. Jahrhunderts erfahren, andererseits gibt es die Kriminalfälle, die Fanny aufzuklären versucht und dann gibt es noch die Ebene der Protagonisten, an deren Leben ich total beteiligt bin. Zusätzlich kommt dieser grandiose Humor hinzu, der für mich das ganze abrundet. Die Szene kann noch so spannend sein und doch gibt es oftmals noch etwas zum Schmunzeln sowie zwischendrin Ereignisse, die alles wieder etwas auflockern und einen zum Lachen bringen.
Ich hatte bei diesem Band die ganze Zeit einen gewissen Abschiedsschmerz. Ein letztes Mal Frotzeleien von Franz in Richtung Dr. Valdéry, ein letztes Mal Fanny, die Dr. Valdérys Eitelkeit für sich nutzt, ein letztes Mal Tilde, die die unpassendsten Sprüche bringt und ein letztes Mal Schlomo, der Fanny für so manches Abenteuer verkleidet hat. Umso mehr habe ich das alles beim Lesen genossen.
Ich liebe die Charaktere dieser Reihe. Ich liebe die Freundschaft von Fanny, Tilde und Schlomo, die in diesem Band besonders zur Geltung kommt. Ich liebe es, wie viel Vertrauen und Stolz Fannys Vater für seine Tochter hat. Ich mochte sogar Tante Agathe, auch wenn sie manchmal etwas übergriffig ist. Max hat sich in diesem Band allerdings eher unbeliebt gemacht. Gut hingegen fand ich, dass auch mal eine Beziehung gezeigt wird, in der nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Fanny und Max haben ihre Differenzen, die sie lösen müssen. Franz ist mir sympathisch wie eh und je und ich habe in diesem Band ganz neue Talente entdeckt. Fanny und Franz gemeinsam zu erleben, finde ich immer wieder schön.
Insgesamt hat mir der Abschlussband dieser Reihe sehr gut gefallen. Die Reihe hat ein rundes Ende bekommen. Manches hat mich zum Schluss etwas überrascht, beim längeren drüber nachdenken, hingegen wiederum auch nicht. Einige Entwicklungen in diesem Roman haben mir zwischendrin so gar nicht gefallen, wurden aber gut aufgelöst und manche sind an den Aufgaben, die ihnen gestellt wurden gewachsen.
Natürlich gibt es auch diesmal wieder ein Nachwort, dass ein bisschen was zu Wahrheit und Fiktion verrät. Im Glossar kann man den ein oder anderen medizinischen bzw. österreichischen Begriff nachschlagen und vorne findet man noch eine Karte von Wien mit den wichtigsten Schauplätzen.

Fazit: Ein wunderbarer Abschluss für eine grandiose Reihe. Mir haben alle vier Bände dieser Reihe sehr gut gefallen und das sage ich über eine historische Krimi-Reihe. Diese hat meinen Nerv mit ihrer Mischung aus Krimi, Historie und Humor total getroffen. Ich bin froh, dass sich mir dadurch ein neues Genre erschlossen hat und ich freue mich auf viele weitere Bücher von René Anour. Also auch wenn ihr bisher keine Krimis mochtet, traut euch gerne an diese Reihe ran.

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Veröffentlicht am 28.05.2023

Ein solider historischer Roman aus und über Österreich mit Fokus auf die einfachen Leute

In den Klauen der Macht
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„In den Klauen der Macht“ ist der Auftaktband einer Reihe, in der Ana Pawlik die Übergangsphase vom böhmischen König Premysl Ottokars auf die Habsburger beschreibt und das Leben der einfachen Menschen ...

„In den Klauen der Macht“ ist der Auftaktband einer Reihe, in der Ana Pawlik die Übergangsphase vom böhmischen König Premysl Ottokars auf die Habsburger beschreibt und das Leben der einfachen Menschen in den Fokus nimmt. Erschienen ist der Roman im April 2021 beim Bucher-Verlag.

Herzogtum Österreich, 1269: Die Familie Losenstein hat das Amt des Burggrafen an Irenfried von Styra verloren, der mit harter Hand herrscht und seine Untertanen schikaniert. In diesem Dunstkreis befindet sich auch der junge Knecht Claus, der das Pferd als Arbeitstier ins Ennstal bringen soll. Gehorsam und Unterwürfigkeit liegen ihm nicht so und so ist klar, dass er sich über kurz oder lang mit den Herrschenden anlegen wird. Gleichzeitig verliebt er sich in die junge Ännlin, die ganz anders aufgewachsen ist als viele andere.

Die Autorin dieses Romanes habe ich in Leipzig kennengelernt. Auf der Hubertusburg habe ich ihre Lesung verpasst, doch dies konnte ich auf der Buchmesse noch korrigieren. Österreich ist eine Gegend, aus der ich noch nicht so viele historische Romane gelesen habe und so war ich neugierig, was mich hier erwartet.
Gleich mit einer Vergewaltigung und sehr brutalen Szene zu starten, war nicht so ganz mein Ding, danach wechseln wir allerdings direkt zu den Protagonisten des Buches und lernen diese näher kennen. Ich konnte mir die Gegend, in der beide leben, wunderbar vorstellen und war schnell neugierig darauf zu erfahren, wie sich ihre Wege kreuzen werden.
Das gesamte Buch hat einen eher gleichbleibenden Spannungsbogen mit einzelnen Ausreißern. Ich habe viel über das Leben der einfachen Leute zu jener Zeit erfahren. Deren Wohn- und Arbeitssituation, etwas über ihre Schicksale, welche Themen sie beschäftigen und wie sich Fortschritt nur recht langsam verbreitet und länger in entlegene Gegenden braucht. Darüber hinaus erfahren wir auch ein wenig über den niederen Adel und dessen Lebensumstände.
Ich bin den Personen im Buch gerne gefolgt. Claus ist ein netter Kerl mit gefühlt sehr modernen Gedanken in vielen Belangen. Er hält viel von Respekt, ist stolz auf seine Stellung und möchte neue Methoden in der Landwirtschaft durchsetzen. Die Unterwürfigkeit, die die meisten anderen an den Tag legen, liegt ihm eher nicht. Solche Leute muss es gegeben haben, sonst wären wir heute nicht da wo wir sind und vielleicht sind diese Begriffe bei ihm dennoch anders besetzt als für mich in meiner Interpretation.
Ännlin ist im Wald aufgewachsen und dadurch recht weltfremd. Sie musste sich immer auf sich und ihre Mutter verlassen, einen anderen Herren hatte sie nie. Als sie anfängt unter Menschen zu leben, stößt sie daher auf einige Probleme. Das Buch hat es ganz gut gelöst, wie die beiden im Wald überleben konnten.
Beim niederen Adel haben wir den Ritter Arnulf, Dietmar von Losenstein und Irenfried von Styra. Die Aufteilung in Gut und Böse ist hier sehr klar. Irenfried von Styra war mir fast schon zu böse und überspitzt gezeichnet. Euphemia von Ebersdorf ist mir positiv in Erinnerung geblieben. Ich hoffe, im nächsten Teil etwas mehr von ihr zu lesen.
Der historische Hintergund mit Premysl Ottokar kommt vor, ist aber wirklich sehr im Hintergrund der Geschichte. Über die Adligen erfährt man im Nachgang einiges zu den Schlachten und den Loyalitäten. Für die Geschichte Österreichs an sich, habe ich daher eher weniger ein Gefühl bekommen. Insgesamt ist es eher eine fiktive Geschichte, was die Autorin im Nachwort auch darlegt. Ich vermute, dass hier viel zur Zeit und dem Leben an sich im 13. Jahrhundert recherchiert wurde.

Fazit: Ein historischer Roman, der mich insgesamt gut unterhalten konnte und bei dem das Leben der einfachen Menschen mehr im Vordergrund steht. Claus und Ännlin konnten mich für sich einnehmen und so bin ich gespannt, wie es mit ihnen weitergehen wird. Empfehlenswert für alle, die nicht immer nur von der großen Politik und den umwälzenden Ereignissen lesen wollen.