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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2024

Viel mehr als ein Kulturgut

Und das soll man glauben?
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Der Theologe und Journalist Andreas Malessa beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Buch aller Bücher, der Bibel. Er geht Fragen nach, wie: Hat die Bibel in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit noch Bedeutung? ...

Der Theologe und Journalist Andreas Malessa beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Buch aller Bücher, der Bibel. Er geht Fragen nach, wie: Hat die Bibel in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit noch Bedeutung? Was ist christlicher Fundamentalismus, und warum kann ein wörtliches Verstehen der Bibel zu merkwürdigen Schlüssen führen?

Während er wertschätzend von der Bedeutung dieses heiligen Buches schreibt, distanziert er sich gleichzeitig von einem Glauben, der den Verstand ausschaltet. Im Zentrum steht für ihn Christus, durch den er die Bibel verstehen möchte.

Neben wundervollen, trostreichen Worten, enthält die Bibel auch Passagen, die sehr schwer zu verstehen sind. Auf diese verweist der Autor, wenn er meint, die Bibel müsse historisch-kritisch gelesen werden. Verstanden als ein Buch, das in einer bestimmten Zeit entstanden ist. Das inspiriert ist, aber nicht diktiert wurde.

Wie das Zusammenspiel von kritischem und geistgeführtem Lesen aussieht, beschreibt der Autor so: „Das »historisch-kritische« Bibellesen im betenden Dialog mit dem Auferstandenen hilft mir, knifflige Gewissensentscheidungen nicht immer nur von meinem derzeitigen Bewusstseinsstand und meinen aktuell emotionalen Befindlichkeiten her zu treffen. Sondern? Vom »Wort«. Dem gehörten, gelesenen, aus Erfahrungen interpretierten, vom Heiligen Geist inspirierten »Wort Gottes«.“

Der Schreibstil ist unterhaltsam und auch für Laien leicht zu verstehen, wobei es meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre, vor allen theologischen Fachbegriffen eine Warnung auszusprechen!

Sehr vieles ist einleuchtend und gut nachvollziehbar. Doch persönlich kann ich dem Autor an einigen Stellen des Buches nicht zustimmen. Beispielsweise die Datierung der Evangelien – warum sollte Jesus als Sohn Gottes nicht prophetisches Wissen über die Zerstörung des Tempels gehabt haben? Außerdem, was die Entstehung des Kanons betrifft, kenne ich überzeugende Argumente dafür, dass sehr schnell deutlich wurde, welche Schriften zur Heiligen Schrift gehören, lange vor der offiziellen Festlegung des Kanons, die also keineswegs beliebig war. Ich stimme auch nicht zu, dass das Alte Testament eher einen rachsüchtigen Gott beschreibt, im Gegensatz zu einem gnädigen Jesus im Neuen Testament.

Doch ein Hauptanliegen dieses Buches, dass es falsch ist, wenn die Bibel einen gottgleichen Stellenwert einnimmt, ist wichtig und wird überzeugend dargelegt. Außerdem fällt eine große Wertschätzung für die Bibel auf, die auch in den vielen Verweisen auf Bibelstellen deutlich wird.

Fazit: Dieses Buch schafft eine Verbindung zwischen Bibelkritik und der Liebe zur Schrift, und es regt zum Nachdenken über ein wertvolles und zeitloses Buch ein, die Bibel. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.03.2024

Selbst Tiere werden besser behandelt

Ein Leben zählt nichts – als Frau im arabischen Clan
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Latife heißt nicht wirklich Latife. Doch sie möchte nicht von ihrer Familie gefunden werden. Mit sehr viel Mühe hat sie es endlich geschafft. Sie führt ein eigenständiges Leben und darf selbst über ihre ...

Latife heißt nicht wirklich Latife. Doch sie möchte nicht von ihrer Familie gefunden werden. Mit sehr viel Mühe hat sie es endlich geschafft. Sie führt ein eigenständiges Leben und darf selbst über ihre Pläne und Zeit bestimmen. Doch immer lebt sie mit einem ängstlichen Blick über die Schulter. Denn es wird ihr übel ergehen, wenn ihre Familie sie findet.

In ihren ersten Lebensjahren genießt Latife das beschauliche Leben in einem kleinen türkischen Dorf. Ihre Familie ist arm, aber sie kennt es nicht anders. Doch dann reisen nacheinander mehrere Dorfbewohner nach Deutschland. Ihre Berichte lassen staunen, und nun will jeder in dieses Land, in dem das Geld auf den Straßen liegen soll. Eines Tages beschließt auch Latifes Familie ihr Glück in Deutschland zu suchen. Mit einer falschen Identität kommen sie an und bemühen sich um Asyl.

Nach mehreren Versuchen, mit verschiedenen Geschichten und angeblichen Nationalitäten, haben sie endlich Erfolg. Sie dürfen in Deutschland bleiben. Nun geht jede Mark, die erübrigt werden kann, zurück in die alte Heimat, damit noch mehr Mitglieder des Familienclans nachreisen können.

Latife gilt in ihrer Familie nur als Arbeitskraft, später auch als Einkunftsquelle, denn mit der Zahlung des Brautgelds gehört sie ihrem Mann. Hatte sie schon davor kein eigenes Leben, geht es ihr als Ehefrau wesentlich schlechter. Mehrmals wird sie so brutal geschlagen, dass sie ins Krankenhaus muss.

Nach vielen Jahren und mehreren vergeblichen Versuchen, schafft es Latife endlich ihrer Familie zu entkommen. Wie froh ist sie, als sie sogar einen Beruf erlernen darf!

Dieses berührende Buch ist spannend und mitreißend geschrieben. Es ist kaum zu glauben, dass es solche Schicksale in unserer Nachbarschaft geben kann. Dass trotz aller Menschenrechte in Deutschland, eine Parallelgesellschaft existiert, in der eine Frau derart misshandelt und unterdrückt wird.

Besonders aufschlussreich ist es, dass die Autorin nicht nur von ihren Erlebnissen erzählt, sondern auch reflektiert, was diese Erfahrungen mit ihr gemacht haben und immer noch machen. Einstellungen und Denkmuster, die sie längst verwerfen möchte, hängen ihr immer noch nach. Interessant sind auch die Erlebnisse, die sie und ihre Familie mit dem Rechtssystem in Deutschland gemacht haben. Und erstaunlich sind die Berichte darüber, wie Menschen in Deutschland unbemerkt in einem System verbleiben können, das unseren Gesetzen entgegensteht.

Fazit: Gut geschrieben und absolut lesenswert, erzählt dieses Buch die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die es geschafft hat Misshandlungen und Unterdrückung zu entkommen. Sehr beeindruckend und berührend!

Veröffentlicht am 15.03.2024

Ist es gestattet, sich zu verändern?

Weil ich es will
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Es gibt heutzutage sehr viel Freiheit für Menschen, die homosexuell empfinden, doch gilt diese Freiheit auch für Menschen, die zwar homosexuelle Gefühle haben, sich aber nach einem anderen Leben sehnen, ...

Es gibt heutzutage sehr viel Freiheit für Menschen, die homosexuell empfinden, doch gilt diese Freiheit auch für Menschen, die zwar homosexuelle Gefühle haben, sich aber nach einem anderen Leben sehnen, weil sie sich nicht frei und heil fühlen?

In diesem Buch erzählen achtunddreißig Männer und Frauen von ihren persönlichen Erfahrungen. Sie berichten von ihren Sehnsüchten und von ihrem Schmerz, von Verletzungen in der Kindheit und von zerstörerischen Haltungen als Erwachsene, von der Suche nach ihren ureigenen Bedürfnissen und von Heilung, vor allem aber vom Erleben echter, tiefgründiger Freundschaft.

Die Beiträge sind unter verschiedene Überschriften zusammengefasst. Mal geht es um Identität, dann über die Entscheidung alleinstehend zu bleiben. Zeugnisse über traumatische Erfahrungen sind ebenso dabei, wie hoffnungsvolle Berichte über Vaterschaft oder über Erfahrungen von Annahme in Kirchengemeinden.

Viele der Schreiber und Schreiberinnen sind in der katholischen Kirche beheimatet, aber auch andere Konfessionen sind vertreten. Gemeinsam ist den Schreibern, dass ihnen der Glaube wichtig ist, und sie so leben wollen, wie es Gott gefällt.

Sehr vorsichtig erzählen diese Menschen von ihren Erfahrungen. Vorsichtig, weil sie erlebt haben, dass Toleranz nur bedingt gilt. Dass jemand unzufrieden ist mit seinem Erleben von homoerotischen Gefühlen ist nicht vorgesehen, darf heutzutage nicht sein. Dabei ist es noch nicht einmal so, dass die Schreiber und Schreiberinnen in eine Therapie gehen, um von ihrem homosexuellen Empfinden befreit zu werden. Sie suchen das beratende Gespräch, weil sie merken, dass es einen Mangel in ihrem Leben gibt. Sie leiden an emotionalen Abhängigkeit in ihren Beziehungen, an quälenden Fragen zu ihrer Identität, oder an Wunden aus ihrer Kindheit. Und mit den Antworten, die sie finden, kehrt eine große Lebensfreude zurück.

Fazit: Jeder sollte dieses bewegende Buch lesen! Nicht nur, dass die authentischen Zeugnisse einen guten Einblick in das Empfinden von homosexuellen Menschen geben, die aufgeworfenen Fragen sind für alle relevant, die ein reifes und befreites Leben führen wollen. Sehr, sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 14.03.2024

Die Kunst des Kochens

Fettarm frittieren mit dem Airfryer
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Ist an diesem neuen Trend etwas dran? Viele schwärmen von Heißluftfritteusen, sogenannte „Airfryer“. Eine Mischung aus Backofen und Fritteuse, zaubern diese Küchengeräte leckere, knusprige, kalorienarme ...

Ist an diesem neuen Trend etwas dran? Viele schwärmen von Heißluftfritteusen, sogenannte „Airfryer“. Eine Mischung aus Backofen und Fritteuse, zaubern diese Küchengeräte leckere, knusprige, kalorienarme Snacks und Mahlzeiten hervor.

Der britische Autor dieses Buchs hat lange experimentiert, damit seine Gerichte einfach, günstig und gesund sind. In diesem Buch finden sich 80 Rezepte, für schnelle Mahlzeiten und für besondere Gelegenheiten, für Snacks und für Vorspeisen, für Beilagen und für exotische Gerichte.

Insgesamt wirkt die Auswahl der Rezepte recht international. Neben vielen asiatischen Rezepten, stehen auch mexikanische und italienische Gerichte und natürlich britische Köstlichkeiten zur Auswahl. Manche Zutaten finden sich vermutlich nicht in einem typischen deutschen Haushalt, zum Beispiel Crumpets oder Bao-Brötchen, und leider fehlen Vorschläge, um solche Lebensmittel zu ersetzen. Doch der Großteil der Zutaten sind leicht erhältlich. Die schrittweise Anleitungen sind verständlich und leicht zu befolgen.

Neben jedem Gericht findet sich ein ansprechendes Bild. Die Kalorienzahl wird immer aufgeführt, manchmal gibt es auch allgemeine Tipps. Die Anzahl der Portionen wird genannt, und zu Beginn von jedem Rezept findet sich eine kurze persönliche Erläuterung des Autors.

Fazit: Insgesamt ist dieses Buch ein guter Einstieg in die Kunst des Airfryer-Kochens. Die Auswahl der Rezepte ist vielfältig, sodass mit Sicherheit für jeden etwas dabei ist. Ob Lachs, Hähnchen, Hamburger oder Popcorn, frittierte Snacks und Hauptgerichte laden zum Nachkochen ein. Die Leidenschaft des Autors für gutes Essen wird ebenso deutlich, wie sein Wunsch nicht so viel Zeit mit der Zubereitung der Gerichte zu verbringen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 13.03.2024

Böses tun, um Böses zu verhindern

Dietrich Bonhoeffer: Ein Lehrstück vom Widerstand in zwei Akten
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Der evangelischer Pfarrer Dietrich Bonhoeffer ist für viele ein Vorbild. Seine Texte wurden vertont und bleiben unvergesslich. Sie sind tröstlich und erzählen authentisch von schweren Lebenswegen. Dieser ...

Der evangelischer Pfarrer Dietrich Bonhoeffer ist für viele ein Vorbild. Seine Texte wurden vertont und bleiben unvergesslich. Sie sind tröstlich und erzählen authentisch von schweren Lebenswegen. Dieser vorbildliche Christ musste mit einer schwierigen Frage ringen. Die Bibel verbietet es uns einen Menschen zu töten. Doch kann es davon Ausnahmen geben, wenn beispielsweise durch ein Mord viele Menschenleben gerettet werden können?

Dieses Buch enthält ein Theaterstück, das zwischen zwei Zeitebenen wechselt. Zum einen zeigt es Bonhoeffer in seiner Gefängniszelle am Tag seiner Hinrichtung. Noch hofft er, dass die vorrückenden Amerikaner schneller sind und die Gefangenen rechtzeitig befreien. Doch am Ende wird er vom Henker gerufen. Er muss für seine Beteiligung an einer Verschwörung gegen Hitler sterben.

Die andere Zeitebene erzählt von Bonhoeffers Entscheidung für den Widerstand. Dieser Erzählstrang beginnt in seinem Elternhaus Ende der 30er Jahre und geht bis zu seiner Festnahme im Jahr 1944.

Dem Theaterstück vorangestellt ist eine längere Einführung des Herausgebers und Übersetzers, das hilfreiche Erklärungen zum Text und zum Hintergrund der Geschehnisse enthält.

Dieses kleine Buch ist bewegend. Auf nachvollziehbare Weise, wird der innere Kampf Bonhoeffers geschildert. Unglaubwürdig wirkt allerdings seine lieblose Art gegenüber seinem Wächter in seinen letzten Stunden.

Am interessantesten ist der Gedanke, dass die schwierige Frage, ob ein Mord jemals gerechtfertigt sein kann, auch für Bonhoeffer ungeklärt blieb, er aber trotzdem nach bestem Gewissen handelte. Als sein Schwager ihn fragt: Jeder, der das Schwert erhebt, wird durch das Schwert sterben. Das ist doch noch immer Teil des christlichen Glaubens, oder?, antwortet Bonhoeffer: Es bleibt auch gültig. Ohne Sünde zu töten, ist eine Illusion. Auf die anschließende Frage, ob er trotzdem bereit ist zu helfen, antwortet er: Es ist schlimmer, böse zu sein, als Böses zu tun.

Fazit: Ein Theaterstück, das die innere Gewissensnot eines Christen zeigt, der an einem Mordkomplott gegen einen Diktator beteiligt ist. Sehr empfehlenswert!