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Veröffentlicht am 10.05.2022

1x1 der Selbstversorgung

Selbstversorgung
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Wenn es um den eigenen Garten geht, ist Marie Diederich mit Leidenschaft dabei. In diesem Buch geht es vor allem um den Anbau von Obst und Gemüse, doch auch andere Themen rund um die Selbstversorgung werden ...

Wenn es um den eigenen Garten geht, ist Marie Diederich mit Leidenschaft dabei. In diesem Buch geht es vor allem um den Anbau von Obst und Gemüse, doch auch andere Themen rund um die Selbstversorgung werden angeschnitten. So geht es neben dem Gartenbau um die Kleintierhaltung, das Einmachen und das Brotbacken.

In den ersten zwei Dritteln dieses umfangreichen Buchs geht es um den Garten. Von Anfang bis Ende erklärt die Autorin, wie man sein eigenes Gemüse anbaut. Dabei ist das Ziel die vollständige Selbstversorgung, doch beim Lesen kommt deswegen kein Stress auf, denn viele kleine Schritte führen zum Ziel.

Die Auswahl der angesprochenen Themen ist reichhaltig und hilfreich. Es geht beispielsweise um den Kompost, um das Heranziehen von eigenen Pflänzchen, um Schädlinge und um Dünger. Besonders interessant sind die Aufzählungen von Pflanzen, die gerne beieinander wachsen, und die Vorschläge für die Fruchtfolge.

Vierzig Pflanzen werden genauer vorgestellt. Neben ein paar Kräutern und Obstsorten erfährt der Leser allerlei über Salat- und Gemüsesorten wie Bohnen, Feldsalat, Gurken, Kohlrabi oder Kürbisse. Dass die Autorin sich in der Praxis auskennt, zeigen ihre vielen praktischen Tipps und Ratschläge.

Im letzten Drittel geht es um die Haltung von Hühnern und Ziegen, um das Konservieren von Gemüse und um das Backen von Brot mit eigenem Sauerteig. Dieser Teil kann eher als Einführung gesehen werden. Die Vorschläge machen Lust zum Experimentieren, doch fehlen konkrete Ratschläge, z.B. zum Bau eines Hühnerstalls oder zum Beginn der Imkerei. Auch die Themen Einmachen und Backen werden nur kurz angerissen.

Die Gestaltung dieses Buchs ist hochwertig und einladend. Das schwere Buch mit Lesebändchen enthält viele ansprechende Bilder, dabei finden sich neben Bildern von Gemüsesorten viele Fotos der Autorin, die ja durch ihren erfolgreichen YouTube Kanal bekannt geworden ist.

Das Buch hat eine starke persönliche Note. Die Autorin lässt den Leser an ihren Erfolgen und Misserfolgen ebenso teilnehmen, wie an ihre Träume und Wünsche. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Fazit: Ein ansprechendes Einsteigerwerk für den Selbstversorger. Neben vielfältigem Wissen rund um den Anbau von Gemüse, erfährt der Leser einiges über das Halten von Nutztieren und der Verarbeitung der angebauten Lebensmittel. Empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.05.2022

Wo ist Gott, wenn Menschen leiden?

Ein Haus in Brooklyn
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September 1943. Die 12jährige Esther und der 9jährige Peter erfahren, dass ihr Vater in den Krieg ziehen will. Verzweifelt versuchen sie ihn festzuhalten, aber er ist fest entschlossen seinen Beitrag zu ...

September 1943. Die 12jährige Esther und der 9jährige Peter erfahren, dass ihr Vater in den Krieg ziehen will. Verzweifelt versuchen sie ihn festzuhalten, aber er ist fest entschlossen seinen Beitrag zu leisten. Dazu kommt, dass er nicht über den Tod seiner geliebten Frau hinwegkommt.

Da die Großmutter nicht auf die beiden Kinder aufpassen kann, erklärt sich eine Nachbarin der Oma bereit sich um die zwei zu kümmern. Solange diese Frau, Penny, sich erinnern kann, ist sie in den Vater der Kinder verliebt.

In der Wohnung unter den Kindern lebt ein grimmiger, alter Mann, Jakob. Auch er trauert über den Tod seiner Frau, sie verunglückte als sie mit der Mutter der Kinder unterwegs war. Dazu hat er schon lange nichts mehr von seinem Sohn gehört, der in Ungarn lebt. Jakob ist Jude, doch er ist wütend auf Gott, der ihn so leiden lässt.

Der Leser begleitet Penny, Jakob und die Kinder von 1943 bis zum Ende des Kriegs im Jahr 1945. Sie wachsen zusammen, sie unterstützen und ermutigen einander und sie machen alle ein große Entwicklung durch.

Penny, die sehr behütet aufgewachsen ist, lernt auf eigenen Füssen zu stehen und sogar für andere Verantwortung zu tragen. Doch sie erfährt auch ein schreckliches Geheimnis, das über ihrem Leben liegt.

Esther wächst zu einer jungen Frau heran. Langsam kann sie ihre Bitterkeit loslassen und sie lernt sich in andere hineinzufühlen. Peter kommt langsam aus seinem Schneckenhaus heraus.

Jakob lernt Gott ganz neu kennen und sein erstarrtes Herz erwärmt sich, als er die Kinder ins Herz schließt. Mit seiner Weisheit ist er ein gern gesehener Ratgeber.

Dieses Buch ist wunderschön geschrieben. Nach dem Lesen schmerzt es sich von den liebgewordenen Charakteren zu verabschieden. Besonders interessant sind die Beschreibungen von jüdischen Bräuchen und Festen.

Fazit: Ein spannendes Buch, das das Leben in Amerika in den 40er Jahren beschreibt. Themen sind Judentum, Holocaust und Familiengeheimnisse. Die Botschaft, die sich durch das Buch zieht, ist, dass Gott ein guter Gott ist, der sich liebevoll um seine Kinder kümmert, auch wenn es in dunklen Zeiten nicht so scheint. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 13.04.2022

Wunderschöne Gute-Nacht Geschichte

Wie sagst du Gute Nacht?
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Zoey, das kleine, süße Zebrakind, muss jetzt schlafen. Doch wie es so ist, wenn es Schlafenszeit ist, hat es noch eine dringende Frage. Es sieht über die Steppe hinaus und fragt sich, wie sagen wohl die ...

Zoey, das kleine, süße Zebrakind, muss jetzt schlafen. Doch wie es so ist, wenn es Schlafenszeit ist, hat es noch eine dringende Frage. Es sieht über die Steppe hinaus und fragt sich, wie sagen wohl die anderen Tiere Gute Nacht?

Zoey macht sich gleich auf den Weg. Zuerst spricht das kleine Zebra mit den Löwen, dann mit den Warzenschweinen, den Elefanten, den Straußen, den Affen und schließlich den Flusspferden. Jetzt ist Zoey aber sehr erschöpft und läuft ganz schnell wieder nach Hause. Geborgen schläft das kleine Zebra ein.

Die zart gezeichnete Bilder dieses Kinderbuchs strahlen Ruhe und Geborgenheit aus. Die Tiere sehen fröhlich aus und ihre Reime machen Spaß. Neben einer Antwort, die zur jeweiligen Tierart passt, preist jedes Tier auf seine Weise den Schöpfer. So betet das eine Tier um Bewahrung, das andere Tier dankt Gott für den Spaß des Tages und ein drittes Tier lobt ganz einfach Gott.

Dieses Buch eignet sich für Kinder im Kindergartenalter, doch auch Erstleser haben sicher ihren Spaß an den Reimen und am Entdecken der Tiere. Mit zehn Doppelseiten beträgt die Lesezeit zehn bis fünfzehn Minuten, je nach Interaktion mit den kleinen Zuhörern.

Fazit: Eine wunderschöne kurze Gute-Nacht Geschichte, die Geborgenheit ausstrahlt und auf selbstverständliche Weise auf den Schöpfer hinweist. Sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2022

Endlich frei

Rebellin
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Januar 2019. Ein Fluchtversuch. Lange geplant und sehnsüchtig erwartet. Rahaf ist auf der Flucht vor ihrer eigenen Familie. Das 18jährige Mädchen kommt aus Saudi-Arabien, einem Land, in dem Frauen kaum ...

Januar 2019. Ein Fluchtversuch. Lange geplant und sehnsüchtig erwartet. Rahaf ist auf der Flucht vor ihrer eigenen Familie. Das 18jährige Mädchen kommt aus Saudi-Arabien, einem Land, in dem Frauen kaum Rechte haben. Da sie sich außerdem vom Islam abgewandt hat, ist ihr Leben in Gefahr.

Aber ihre sorgfältig geplante Flucht gelingt nicht. Sie möchte nach Australien, doch auf dem Weg dorthin wird sie in Thailand aufgehalten. Die Flughafenmitarbeiter wollen sie auf Wunsch ihres Vaters zurück nach Saudi-Arabien schicken. Da gerät Rahaf in Panik. Sie appelliert an die Öffentlichkeit, indem sie verzweifelte Hilferufe und Videos übers Internet sendet. Nach mehreren panischen Tagen wird sie gerettet, denn Kanada gewährt dem verzweifelten Mädchen Asyl.

In diesem Buch beschreibt Rahaf nicht nur ihre Flucht, sie lässt den Leser vor allem teilhaben an ihren Kindheits- und Jugenderfahrungen in Saudi-Arabien. Schon früh merkt sie, dass sie als Mädchen weniger zählt als ihre Brüder. Sie versteht nicht, warum ihre Brüder so viel mehr dürfen – Fahrrad fahren, draußen spielen, das alles bleibt ihr verwehrt.

Als sie in die Pubertät kommt wird es ganz schlimm. Zu dem formlosen Gewand, das sie schon lange trägt, kommt ein Schleier. Sie darf nicht mehr allein das Haus verlassen. Selbst bei Arztbesuchen muss ein männlicher Vertreter der Familie für sie sprechen. Ihre Brüder nutzen ihre Macht aus. Rahaf leidet nicht nur unter den Repressionen, sie wird regelmäßig von ihren Brüdern körperlich misshandelt.

Im Internet entdeckt sie, dass das Leben nicht überall so ist. Sie findet Gleichgesinnte, Mädchen, die teilweise schon fliehen konnten. Mit ihrer Hilfe plant sie ihre eigene Flucht, denn sie will endlich selbstbestimmt leben.

Dieses Buch beschreibt neben der scheinbar unmöglichen Flucht aus einer stark kontrollierenden Familie, wie es ist als Mädchen in Saudi-Arabien aufzuwachsen. Rahafs inneren Kämpfe und Fragen werden ebenso deutlich, wie die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die sie sogar in eine Depression führen.

Während ich nicht alle persönliche Lebensentscheidungen Rahafs gutheiße, freue ich mich, dass es ihr gelungen ist endlich in Freiheit zu leben. Dieses Buch zeugt von einer großen Portion Mut, denn Rahaf scheut sich nicht offen die Religion und Politik ihres Landes zu kritisieren.

Fazit: Ein authentischer Blick in eine konservative saudi-arabische Familie, der zeigt, wie stark Frauen in diesem Land immer noch benachteiligt werden. Spannend und gut geschrieben, ist dieses Buch besonders empfehlenswert für Menschen, die sich für fremde Kulturen und für Frauenrechte interessieren.

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Veröffentlicht am 01.04.2022

Legale Sklaverei in Deutschland

Entmenschlicht
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Huschke hat keine glückliche Kindheit. Ihr sadistischer Stiefvater kontrolliert und quält die Familie. Mit 17 Jahren hält sie es nicht mehr aus, sie kann fliehen und kommt in einer Jugendeinrichtung unter. ...

Huschke hat keine glückliche Kindheit. Ihr sadistischer Stiefvater kontrolliert und quält die Familie. Mit 17 Jahren hält sie es nicht mehr aus, sie kann fliehen und kommt in einer Jugendeinrichtung unter. Als die staatliche Hilfe endet, weiß Huschke nicht weiter. Die Behörden sagen ihre Eltern seien für ihre Unterstützung zuständig, aber von ihnen kann sie keine Hilfe erwarten. Sie würde liebend gerne studieren, ach was, einfach nur die Miete bezahlen und Geld für Lebensmittel haben, aber sie weiß nicht wie.

Mit abwertenden und sexistischen Bemerkungen aufgewachsen, hat die Autorin kein gesundes Selbstwertgefühl. Es stört sie sehr, wenn Männer sie anmachen – irgendwann beginnt sie mit dem Spruch, „Bei mir kostet es aber!“ zu kontern. Und schließlich denkt sie, warum nicht? Warum mir nicht bezahlen lassen, was mir ohnehin angetan wird?

Ihr erster Zuhälter, ein Polizist, führt sie in die Prostitution ein. Das lässt er sich gut bezahlen. Auf einmal ist Huschke eine Gefangene. Von dem eingenommenen Geld bleibt nicht viel, und ihre Träume von einem Studium rücken in weiter Ferne. Es wird zehn Jahre dauern, bis sie den Ausstieg schafft.

In diesem Buch erzählt die Autorin offen ihre persönliche Geschichte. Dazu zeigt sie das große Bild auf, und erklärt anhand von Zahlen und Statistiken, wie schlimm das Problem der Prostitution in Deutschland ist. Besonders erschütternd sind seitenlange Aufzählungen von ermordeten Frauen und die vielen Zitaten aus Freier-Foren. Hier bewerten Männer die Frauen, mit denen sie Sex hatten. Das zu lesen ist einfach nur schaurig, und spätestens da wird klar: Prostitution ist unmenschlich und mit Sicherheit nicht eine Arbeit wie jede andere. Es sind andere, die große Gewinne machen, Zuhälter, Menschenhändler, und nicht zuletzt der Staat, da die Einkünfte versteuert werden müssen. Hilfen zum Ausstieg sind nur eine begrenzte Lösung, denn solange es eine Nachfrage gibt, werden neue Frauen gesucht, geworben, versklavt, um das Geschäft aufrechtzuerhalten.

Die Autorin macht sehr deutlich, dass Prostitution Gewalt an Frauen ist, legaler sexueller Missbrauch. Sie zeigt auch eine Lösung auf, das Nordische Modell, in dem Frauen Hilfe und Unterstützung beim Ausstieg bekommen, gleichzeitig jedoch jeder, der Sex kauft, als Täter angesehen und bestraft wird.

Gewöhnungsbedürftig ist die manchmal derbe Sprache, doch sie passt zum Thema. Ein weiterer Nachteil sind einige Wiederholungen, allerdings führt das auch dazu, dass die Problematik eindeutig klar wird.

Fazit: Ein wichtiges Buch, das zwar wegen den Schilderungen der schrecklichen Gewalt und Not schwer zu lesen ist, und doch unverzichtbar ist. Sehr empfehlenswert!