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Veröffentlicht am 27.05.2020

Wenn der große Erfolg nicht reicht

Pellegrino - Vom Playboy zum Pilger
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Guiseppe Fusaro, als Pino bekannt, wird 1962 geboren als Kind italienischer Gastarbeiter geboren. Seine ersten Lebensjahre verbringt er bei den Großeltern in Italien. Als er in Deutschland eingeschult ...

Guiseppe Fusaro, als Pino bekannt, wird 1962 geboren als Kind italienischer Gastarbeiter geboren. Seine ersten Lebensjahre verbringt er bei den Großeltern in Italien. Als er in Deutschland eingeschult werden soll, versteht er nur wenig. Als er sich schließlich gut eingelebt hat, wird er wieder von seinen Eltern nach Italien geschickt. Das Hin und Her zwischen den Ländern und ein kalter, strenger Vater machen ihm zu schaffen. Er ist froh als die Schulzeit endlich vorbei ist.

Schon als Jugendlicher übernimmt er, zusammen mit seinen Eltern, eine Pizzeria. Die Gaststätte läuft unter Pinos Leitung sehr gut. Nach der Arbeit genießt er das Nachtleben. Drogen, Alkohol und Sex bestimmen bald sein Leben. Pino nimmt sich, was er will. Schließlich muss er ins Gefängnis.

Nach seiner Haftzeit will er neu anfangen und ein sinnvolles Leben führen. Als Double eines bekannten Sängers öffnen sich ihm Türen. Später übernimmt er wieder eine Gastwirtschaft. Es dauert nicht lang, da hat er sich einen Namen als Promi-Wirt gemacht. Er ist überall bekannt und beliebt. Er kann sich alles leisten, was er will. Doch das alles füllt die Leere in seinem Inneren nicht aus.

Pino entschließt sich Buddhist zu werden. In seinem neuen Glaubenssystem ist es wichtig durch gute Taten Karma zu sammeln. Als er von der Not in den Waisenhäusern in Rumänien hört, gründet er mit Bekannten eine Hilfsorganisation. Er gibt nicht nur sein Geld, sondern reist auch oft zu den Kindern, um Hilfsgüter selbst zu verteilen.

Trotz allem bleibt die Leere. Er entschließt sich von Deutschland nach Spanien auf dem Jakobsweg zu pilgern. Er hat viele wunderbare Erlebnisse und findet innere Ruhe, doch schon bald nach seiner Rückkehr geht es ihm schlechter als zuvor. Er hat alles gehabt und so viele Wege ausprobiert, doch er möchte nur noch sterben.

In seiner scheinbar aussichtslosen Lage findet er endlich den Weg nach Hause. Er spürt, dass seine endlose Suche endlich vorbei ist.

Dieses Buch ist fesselnd geschrieben. Es ist unglaublich, was Pino alles erlebt. Der Leser fiebert mit auf seinen vielfältigen Wegen. Umso erstaunlicher ist es, wie schlicht die Antwort letztendlich ist. Und doch ist es diese einfache Antwort, die Pino nach seiner langen Suche zur Ruhe kommen lässt.

Der Einblick in die Promi-Welt Deutschlands ist ebenso interessant wie die Erlebnisse entlang des Jakobswegs. In diesem Buch geht es hauptsächlich um einen interessanten Lebensweg, bei dem der Autor sehr viel erlebt. Schade, dass nicht ebenso ausführlich von seinem neugefundenen Lebensweg berichtet wird.

Fazit: Eine spannende Lebensreise, die den Autor nach Hause führt, zu einem zufriedenen und sinnerfüllten Leben. Interessant für Menschen, die gerne faszinierende Lebensberichte lesen.

Veröffentlicht am 27.05.2020

Erinnerungen an Bonhoeffers Zuhause

Erinnerungen an Dietrich Bonhoeffer
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Dieses kleine Buch untersucht alle wichtigen Aussagen über Dietrich Bonhoeffer in der fast 1000 Seiten umfassende Autobiographie seiner jüngeren Schwester. So erfährt der Leser schnell mehr über Bonhoeffers ...

Dieses kleine Buch untersucht alle wichtigen Aussagen über Dietrich Bonhoeffer in der fast 1000 Seiten umfassende Autobiographie seiner jüngeren Schwester. So erfährt der Leser schnell mehr über Bonhoeffers Kindheit und Jugend, Familie und Persönlichkeit. Da die Autorin das umfangreiche Werk der Schwester Bonhoeffers selbst bearbeitet und herausgegeben hat, kennt sie den Text sehr gut.

Unter den acht Geschwistern in der Familie Bonhoeffer, waren sich die drei jüngeren besonders nah. Susanne spricht voller Bewunderung über ihren drei Jahre älteren Bruder, der mehr mit ihr gemeinsam hatte als mit seiner Zwillingsschwester.

Der Leser erfährt, welche Werte den Eltern in der Erziehung wichtig waren und wie sie zur Kirche standen. Susanne schreibt über ihren Besuch in London im Jahr 1934, als Bonhoeffer dort eine Pastorenstelle hatte. Besonders interessant sind ihre Berichte über die unerwartete Verhaftung von Bonhoeffer und anderen Verwandten und der Zeit Bonhoeffers im Gefängnis. Das Buch schließt mit den Schlussfolgerungen der Autorin ab.

Die Aussagen von Susanne werden umfassend zitiert und anschließend von der Autorin kommentiert. Der mehrmalige Hinweis darauf, dass es sich um wichtiges Quellen-Material für die Bonhoeffer-Forschung handelt, macht dem Leser einerseits bewusst, dass diese Schilderungen neu sind, andererseits nimmt dieser Hinweis etwas von dem persönlichen Charakter der Schilderung. Darum ist dieses Buch vermutlich vor allem interessant für Menschen, die Informationen über Bonhoeffers Leben suchen, und weniger für solche, die aus seinem Leben und Werk Inspiration schöpfen wollen.

Da dieses Buch sich auf Auszüge aus einem anderen Buch bezieht, sind die geschilderte Erlebnisse Bruchstücke und ergeben nicht eine vollständige Biografie Bonhoeffers. Sie sind thematisch geordnet. So geht es um Bonhoeffers Persönlichkeit, seine kulturelle Interessen, seine Stellung zur Religion, Moral und Politik und schließlich um sein Vermächtnis.

Fazit: Ein interessantes Buch für Leser, die mehr über Dietrich Bonhoeffers Hintergrund und Persönlichkeit erfahren wollen. Sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 27.05.2020

Bonhoeffers Gedanken in unserer Zeit

Lieber Dietrich ... Dein Jürgen
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„Ich habe ihm geschrieben. Einfach so. Weil er an uns geschrieben hat. Na ja, nicht wirklich uns. Seine Briefe und Gedichte aus der Haft waren für seine Eltern bestimmt. Für seine Verlobte. Für Mitgefangene. ...

„Ich habe ihm geschrieben. Einfach so. Weil er an uns geschrieben hat. Na ja, nicht wirklich uns. Seine Briefe und Gedichte aus der Haft waren für seine Eltern bestimmt. Für seine Verlobte. Für Mitgefangene. Und für seine Freunde. Aber einer von ihnen, Eberhard Bethge, hat sie später veröffentlicht. So sind sie auch Briefe für uns geworden. Für mich.“

So beginnt dieses berührende Buch. Es enthält etwa dreißig Briefe und Gedichte Dietrich Bonhoeffers, die in seiner zweijährigen Haft entstanden sind. Und diese Texte bewegt Jürgen Werth in seinem Herzen, und er stellt sich vor, er könnte Bonhoeffer antworten.

In seinen Briefen tröstet Bonhoeffer seine Eltern. Er versucht das Beste aus seiner Haft zu machen, und schreibt mehrmals, dass er auch in seiner Gefängniszelle weiter arbeiten kann und es ihm gut geht. Anfangs geht er davon aus, dass er bald wieder entlassen wird, doch nach zwei Jahren wird er, kurz vor Kriegsende, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Jürgen Werth ist, wie Bonhoeffer, ein Dichter. Er geht oft nur auf ein oder zwei Aussagen in den Briefen ein und schafft einen Bezug zu unserer Gegenwart. Im Gegensatz zu Bonhoeffer weiß er, dass der mutige Pastor nie mehr in Freiheit sein wird.

Manche Aussagen Bonhoeffers wirken in Zeiten der Corona-Krise merkwürdig aktuell. So schreibt er, „Die Situation als solche, d.h. der einzelne Augenblick, ist ja vielfach gar nicht so anders als anderswo, ich lese, denke nach, arbeite, schreibe, gehe auf und ab, - und auch das wirklich ohne mich wie der Eisbär an den Wänden wund zu reiben, - und es kommt nur darauf an, sich an das zu halten, was man noch hat und kann – und das ist immer noch sehr viel – und das Aufsteigen der Gedanken an das, was man nicht kann, und d.h. den Groll über die ganze Lage und die Unruhe in sich niederzuhalten.“

Dieses Buch enthält tiefsinnige und wertvolle Gedanken von beiden Schreibern, Bonhoeffer und Werth. Beim Lesen ist der Wechsel zwischen den beiden manchmal etwas schwierig. Dadurch, dass oft nur ein oder zwei Aspekte aus Bonhoeffers Briefen von Werth aufgegriffen werden, kommt in den Betrachtungen manchmal genau das zu kurz, was den Leser im Brief Bonhoeffers berührt hat.

Fazit: Ein Buch zum Verweilen und Nachsinnen, mit wertvollen Texten von zwei christlichen Denkern und Dichtern. Trotz der Jahrzehnte, die die beiden Autoren trennen, überwiegt das Gemeinsame. Sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 22.05.2020

Von der Stärke der leisen Menschen

Der Klügere denkt nach
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Zu oft werden nur die lauten Menschen gehört, die sogenannten „Schwätzer“, die viel versprechen und wenig leisten. Mit diesem Buch möchte der Journalist, Martin Wehrle, zurückhaltenden Menschen zeigen, ...

Zu oft werden nur die lauten Menschen gehört, die sogenannten „Schwätzer“, die viel versprechen und wenig leisten. Mit diesem Buch möchte der Journalist, Martin Wehrle, zurückhaltenden Menschen zeigen, wie sie sich Gehör verschaffen können.

Die zehn Kapitel dieses Buchs gehen auf wichtige Lebensbereiche ein, die introvertierten Menschen oft Probleme bereiten. Ob im Beruf oder privaten Umfeld, der Leser bekommt handfeste Tipps für Vorstellungsgespräche und Partnersuche, erfährt warum es in Ordnung ist sich zurückzuziehen, und lernt, dass ein zurückhaltender Mensch nicht unbedingt auch schüchtern ist.

Der Schreibstil ist sehr lesefreundlich. Viele Beispiele veranschaulichen das Gesagte. An Sarkasmus wird nicht gespart, vor allem „Schwätzer“ kommen dabei schlecht weg. Sie schmücken sich mit fremden Federn und was sie sagen ist unüberlegt, meint der Autor. Dieses schwarz-weiß Denken stört beim Lesen, denn auch wenn die Stärken von zurückhaltenden Menschen zu wenig beachtet werden, sind ruhige Menschen nicht zwangsläufig besser als „Schwätzer“.

Davon abgesehen, bietet dieses Buch wirklich sehr viel praktische und alltagstaugliche Lebenshilfe für Menschen, die unter ihrer zurückhaltenden Art leiden. Wem es schwerfällt mit anderen ins Gespräch zu kommen und sich an langweiligem Smalltalk stört, erfährt wie man ein Gespräch beginnen und so lenken kann, dass der Austausch in guter Erinnerung bleibt. Zurückhaltende Menschen erfahren auch, wie sie sich in der Arbeitswelt gegen „Schwätzer“ wehren können und wie sie anstrengende Zeiten, zum Beispiel auf einer Messe oder Party, gut überstehen.

Da zurückhaltende Menschen weniger spontan sind, finden sich in diesem Buch mehrere Übungen. So können Situationen im Vorfeld durchdacht werden, und der Leser geht vorbereitet in die entsprechende Situation.

Jede Einheit endet mit einem Coaching-Dialog. Ein zurückhaltender Mensch erzählt in diesen Dialogen was ihm schwerfällt, sei es bei der Partnersuche, im Beruf oder bei alltäglichen Begegnungen mit Menschen, die viel reden. Der Coach stellt Rückfragen und vermittelt Lösungen, die der Leser gut auf seine eigene Situation anwenden kann.

Fazit: Dieses Buch ermutigt und stärkt introvertierte Menschen. Sie erfahren, dass sie sich nicht für ihre Persönlichkeit schämen müssen, sondern dass sie viele wichtige Stärken haben. Darüber hinaus lernen sie mit Situationen umzugehen, die für sie schwierig sind. Ein sehr guter und empfehlenswerter Ratgeber für zurückhaltende Menschen!

Veröffentlicht am 22.05.2020

Ein ganz besonderes Zuhause

Mama Held
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Für Kerstin Held fühlt es sich ganz normal an einen Rollstuhl zu schieben. Schon als Kind muss sie sich um ihre zwei Jahre jüngere Schwester kümmern. Jahrelang ist das für sie eine Last, bis sie in ihrer ...

Für Kerstin Held fühlt es sich ganz normal an einen Rollstuhl zu schieben. Schon als Kind muss sie sich um ihre zwei Jahre jüngere Schwester kümmern. Jahrelang ist das für sie eine Last, bis sie in ihrer geliebten Schwester eine Freundin findet.

In ihrer bewegten Jugend macht sie eine Ausbildung zur Ergotherapeuten und schließt dabei den kleinen Sascha ins Herz. Jahre später gibt sie dem behinderten Jungen ein Zuhause. Dabei merkt sie, dass es im System nicht vorgesehen ist, dass behinderte Kinder in Pflegefamilien aufwachsen. Kerstin Held ist aber überzeugt, jedes Kind hat das Recht auf die Geborgenheit einer Familie.

Mama Held findet Mitstreiter und so kann sie einiges bewegen. Dem ersten Pflegekind folgen weitere schwerstbehinderte Kinder. Sie hat wechselnde Pflegekräfte im Haus, sodass alle Kinder am Tag und in der Nacht gut versorgt sind.

In diesem Buch gibt die Autorin einen Einblick in ihren Alltag als vielbeschäftigte Pflegemutter. Auch wenn andere sie bei der Pflege der Kinder unterstützen, ist sie als Mama die wichtigste Bezugsperson. Daneben setzt sie sich für Inklusion und für die Rechte von behinderten Pflegekindern ein. Sie organisiert und leitet Freizeiten für behinderte Kinder und berät Familien über Hilfsmittel, die behinderten Kindern Erleichterung verschaffen können.

Mit einem solch bewegten Leben kommt der Schlaf oft zu kurz, aber Kerstin Held liebt ihr ausgefülltes Leben. Sie empfindet ihre besonderen Kinder als große Bereicherung, das wird auf jeder Seite dieses Buchs deutlich.

Dieses Buch lässt sich schnell lesen. Sehr offen berichtet die Autorin über ihre schwierige Kindheit und über Erfolge und Niederlagen bei der Betreuung ihrer insgesamt zwölf Pflegekinder. Ob es um die Begleitung eines sterbenden Kindes geht oder um den schwierigen Teenager, dessen Gewaltausbrüche durch seine Krankheit verstärkt werden, es ist kein leichtes Leben, dass sich Kerstin Held ausgesucht hat.

Abwechselnd wird vom Alltag mit behinderten Pflegekindern und dem politischen Einsatz der Autorin erzählt. Interessant sind ihre Gedanken zur Erziehung. Auch wenn viele ihr nicht zustimmen, ist sie überzeugt, dass auch behinderte Kinder ein Recht auf Regeln und Grenzen haben, denn sie profitieren von diesen klaren Strukturen.

Fazit: Eine beeindruckende Frau erzählt in diesem Buch von ihrer Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine liebevolle Familie hat. Dabei inspiriert der Einblick in ihren Familienalltag mit all seinen Höhen und Tiefen. Sehr zu empfehlen!