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Veröffentlicht am 01.12.2024

Wenn eins zum anderen kommt

Der verliebte Schwarzbrenner und wie er die Welt sah
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Algot ist Mitte zwanzig und lebt glücklich und zufrieden als Sohn eines Schweinezüchters. Seine Geschichte beginnt in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Schweden.

Seine gräflichen Nachbarn verfügen ...

Algot ist Mitte zwanzig und lebt glücklich und zufrieden als Sohn eines Schweinezüchters. Seine Geschichte beginnt in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Schweden.

Seine gräflichen Nachbarn verfügen zwar über ein riesiges Grundstück für ihre teuren Pferde, doch das reicht ihnen nicht. Zu gern möchten sie die Besitzungen der Schweinebauern haben. Doch der Betrieb von Algots Vater läuft gut. Er will sein Anwesen nicht verkaufen. Da hat der Graf eine Idee, wie er zu seinem Ziel kommen kann.

Das endet damit, dass Algot allein und mittellos ist. Das Einzige, was ihm geblieben ist, ist ein kleines Gerät, mit dem sich Hochprozentiges herstellen lässt. Algot macht sich schlau, entwickelt eine ganz besondere Rezeptur, und hat mit seiner neuen Geschäftsidee Erfolg. Doch dem Grafen reicht es nicht, dass er ihm Vater und Hof weggenommen hat. Er würde am liebsten jede Erinnerung an diese Familie auslöschen.

Algot sieht keinen Ausweg, doch dann lernt er ein wunderschönes, selbstbewusstes Fräulein kennen. Zusammen mit ihrem Vater, kann er seine Geschäftsidee ausweiten. Und wie es bei den Romanen von Jonas Jonasson so ist, schließen sich diesen drei bald noch mehr Verbündete an. Zusammen sind sie stark. Jeder kann einen Beitrag leisten, sodass sich am Ende die Verhältnisse umkehren. Und alles gut wird. Zumindest für die meisten.

Dieser gesellschaftskritische Roman ist lustig und leicht zu lesen. Vor allem aber ist, wie in den anderen Büchern dieses Autors, die Zusammenstellung verschiedener Charaktere, die gemeinsam kämpfen, so unerwartet und skurril, dass durch das Buch eine gute Stimmung aufkommt.

Es dauert am Anfang des Buches, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Die ersten Kapitel sind teilweise etwas zäh, und es kann schwerfallen bei den Zeitsprüngen zwischen Geschichte und Vorspann nicht verwirrt zu werden. Doch schon bald ist das Lesen ein einziges Vergnügen.

Schade, dass es so einige Seitenhiebe auf den christlichen Glauben gibt. Das müsste nicht unbedingt sein. Die sozialkritische Komponente dagegen ist gelungen. Thematisch steht das Land Schweden und seine Geschichte im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu den anderen Büchern des Autors, wird in diesem Roman nicht so viel gereist. Fast alles spielt sich in einem kleinen, überschaubaren Bereich ab.

Fazit: Ein weiterer Wohlfühlroman eines beliebten Autors. Nach einigen Längen am Anfang, ist dieses Buch spannend und gleichzeitig lustig, die Charaktere sind sympathisch, und es macht einfach Spaß es zu lesen! Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 06.11.2024

Schluss mit Manipulation

Damit sich der Nebel lichtet
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Wir brauchen Beziehungen – Menschen, die das Leben mit uns teilen. Doch das Zusammensein mit anderen ist manchmal gar nicht so leicht. Wenn die gute Stimmung umschlägt und Partner oder Eltern plötzlich ...

Wir brauchen Beziehungen – Menschen, die das Leben mit uns teilen. Doch das Zusammensein mit anderen ist manchmal gar nicht so leicht. Wenn die gute Stimmung umschlägt und Partner oder Eltern plötzlich nur noch abwertende Worte finden, fragt man sich schnell, wie man das hätte verhindern können. Doch vielleicht sind das Anzeichen für eine toxische Beziehung.

Es ist gar nicht so einfach festzustellen, wann eine Beziehung schädlich geworden ist. Die Suche nach Antworten kann sich anfühlen wie ein Umherwandern im Nebel. Meinungsverschiedenheiten sind schließlich normal und gehören zum Leben. Doch wenn ein Partner oder Elternteil den anderen manipuliert und benutzt, um sich selbst besser zu fühlen, handelt es sich vermutlich um eine toxische Beziehung.

Am Beispiel der Geschichte vom Exodus des Volkes Israel aus Ägypten beschreibt die Autorin die Knechtschaft einer schädlichen Beziehung. Anschließend erklärt sie, wie der Weg in die Freiheit aussehen kann. Sie schildert, wie sich Manipulation anfühlt, nennt Taktiken der Täter und untersucht ihre Beweggründe. Die konkreten Handlungsschritte im zweiten Teil des Buches machen Mut und zeigen, dass Veränderung möglich ist.

Die Schreibweise des Buches ist leicht verständlich. Die Autorin verzichtet größtenteils auf schwierige Fachbegriffe. Vier Fallbeispiele sorgen dafür, dass die Informationen leicht nachvollziehbar sind. Der Leser kann sich gut in den beschriebenen Personen wiederfinden und so klarer erkennen, ob eine Beziehung toxisch ist – sei es in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde.

Die meisten Beispiele in diesem Buch handeln von Verletzungen, die Eltern ihren Kindern zufügen, beispielsweise indem sie in der Öffentlichkeit ein anderes Gesicht zeigen als zuhause. Doch auch das Leiden am Ehepartner wird thematisiert, ebenso wie Probleme mit Vorgesetzten. Durch das breite Spektrum der Anwendungsbeispiele ist dieses Buch sicher für jeden interessant, der mit Menschen zu tun hat. Es ist wohltuend zu erleben, wie sich der Nebel beim Lesen lichtet und immer klarer zu erkennen ist, wo Menschen nicht richtig miteinander umgehen.

Die Stimme der Autorin ist verständnisvoll und mitfühlend. Immer wieder fordert sie ihre Leser auf, innezuhalten und eine Pause zu machen, um das Gelesene besser zu verkraften. Sie liefert gleich Atem- und Bewegungsübungen für diese Zeiten mit.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch für jeden, der sich einen klareren Durchblick bei Beziehungen wünscht. Es bietet viele Informationen, um toxische Beziehungen zu erkennen, und wertvolle Tipps, um Grenzen zu setzen und Missbrauch ein Ende zu bereiten.

Veröffentlicht am 05.11.2024

Worte

Wir treffen uns zwischen den Zeilen wieder
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In diesem Buch geht es um Worte und um Trauer. Worte, die nicht ausgesprochen werden. Worte, die klären. Worte, die verwirren. Trauer, die sich verändert, aber nie ganz verschwindet. „Trauer nimmt immer ...

In diesem Buch geht es um Worte und um Trauer. Worte, die nicht ausgesprochen werden. Worte, die klären. Worte, die verwirren. Trauer, die sich verändert, aber nie ganz verschwindet. „Trauer nimmt immer neue Formen an, wandelt sich genauso stark wie die Menschen, die sie durchlaufen, Augenblick für Augenblick, Schritt für Schritt, Tag für Tag.“

Zu Beginn der Geschichte ist Ingrid sechzehn Jahre alt. Sie lebt allein mit ihrem Vater auf einem Hausboot. Nach einer nie endenden Reise von Hafen zu Hafen freut sie sich, endlich einen festen Wohnsitz zu haben. An ihrem neuen Wohnort findet Ingrid zwei besondere Freunde: Cece, die mit ihrer Mutter im Hotel ihres Onkels lebt, und deren Cousin Joel.

Cece liebt es, Piratengeschichten zu schreiben. Jahre später arbeitet Ingrid als Lektorin in einem Verlag und kann Ceces Geschichten veröffentlichen. Die Serie wird ein großer Erfolg. Doch dann kommt der Anruf: Cece ist gestorben. Für Ingrid bricht eine Welt zusammen. Neben aller Trauer kann sie nun nicht mehr lesen und verliert damit ihre liebste Beschäftigung, und vor allem die Grundlage ihrer Arbeit als Lektorin.

Auf der Suche nach Ceces letztem Manuskript muss Ingrid in ihre alte Heimat zurückkehren. Obwohl sie nicht zurück zum Ort ihres Schmerzes will, bleibt ihr keine Wahl, da sie ohne das Manuskript ihren Job verliert. Die unerwünschte Reise entwickelt sich jedoch ganz anders als erwartet.

Dieses berührende Buch beleuchtet den Umgang mit Trauer. Die Charaktere, die dem Leser schnell ans Herz wachsen, gehen jeweils anders mit ihrem Schmerz und den dazugehörigen Schuldgefühlen um. Immer wieder wird dezent auf Gottes tröstende Rolle beim Umgang mit Trauer hingewiesen. Er ist ein Gott, dem unsere Tränen nicht gleichgültig sind. So lernt Ingrid zum Beispiel: „Dein Vater hat dir mit diesem Ring etwas ganz Besonderes geschenkt, Ingrid. Es ist eine Erinnerung daran, dass keine Träne unbemerkt bleibt und keine Dunkelheit so finster ist, dass das Licht sie nicht überwinden könnte.“

Dieses spannende Buch gleicht einer Schatzsuche. Zusammen mit Ingrid und Joel entdeckt der Leser die wahre Geschichte einer tiefen Freundschaft. Einmal angefangen, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Und passend zum Thema, folgt nach dem Lesen eine Zeit der Trauer, denn liebgewonnene Charaktere müssen auf den Buchseiten zurückgelassen werden.

Fazit: Ein gelungener Roman, der spannend, tiefgründig und berührend ist. Eine junge Frau stellt sich den traurigen Ereignissen ihrer Vergangenheit und erfährt nach und nach Heilung. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 04.11.2024

Wenn das Rampenlicht schmerzhaft blendet

Bittersüße Realität
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Miss Germany – das war einmal Bikini-Laufen und angestarrt werden. Perfekte Körpermaße. Hauptsache schön. Doch Kira Geiss stellt fest, dass sich das Konzept dieses Wettbewerbs geändert hat. Heute zählt ...

Miss Germany – das war einmal Bikini-Laufen und angestarrt werden. Perfekte Körpermaße. Hauptsache schön. Doch Kira Geiss stellt fest, dass sich das Konzept dieses Wettbewerbs geändert hat. Heute zählt ein sinnvolles Leben, ein Ziel, das etwas bewegt und andere inspiriert. Offiziell heißt es, Miss Germany sei eine „Auszeichnung für Frauen, die Verantwortung übernehmen“. Damit kann sich Kira identifizieren, und sie entscheidet sich mitzumachen. Zu ihrer Überraschung wird sie 2023 tatsächlich zu Miss Germany gekürt.

In diesem Buch reflektiert die Autorin ihre Jugendjahre, die aufregende Zeit der Wahl und ihre Erfahrungen als plötzlich prominente Person.

Ihre Geschichte beginnt mit einem Filmriss im Alter von dreizehn Jahren. Party machen, trinken, der Wunsch dazuzugehören und anerkannt zu sein, Identitätsprobleme, Essstörungen und Selbstzweifel prägen diese Zeit. Ihr Wunsch nach Bestätigung wird schamlos ausgenutzt.

Eine Einladung zu einem christlichen Jugendkreis gibt ihrem Leben eine neue Richtung. Kira will nun weitergeben, was sie als Rettung erlebt hat, und sie engagiert sich in der Jugendarbeit und Gemeindegründung. Ihren Wunsch, Religionspädagogik zu studieren, schiebt sie jedoch aus einem wichtigen Grund auf: Als neue Miss Germany hat sie zunächst einmal andere Verpflichtungen.

Die Glamourwelt, nach der sie sich immer gesehnt hat, hat viele Schattenseiten. Fremde Menschen meinen, über sie verfügen zu können. Der Druck, ständig Neues posten zu müssen. Quälende Frisuren und drückende Schuhe. Das Gefühl der Bedrohung durch Fans, die in ihre Privatsphäre eindringen.

Die Überlegungen der Autorin sind wertvoll und hilfreich. Sie erwähnt den christlichen Glauben, der ihrem Leben eine positive Richtung gegeben hat, aber dies bleibt dezent im Hintergrund.

Die Autorin berichtet offen über ihre Gedanken und Gefühle, doch große Teile ihrer Lebensgeschichte bleiben ausgespart. Das ist verständlich, da sie ihre Privatsphäre schützt und sich auf das beschränkt, was für andere hilfreich ist.

Fazit: Ein wertvolles Buch von einer jungen, prominenten Autorin, das Einblicke hinter die Kulissen des Promi-Daseins mit wichtigen Erkenntnissen für junge Leute verknüpft. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 24.10.2024

Moralische Verantwortung

Verfolgt, „arisiert“, wiedergutgemacht?
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Dieses Buch erzählt die Geschichte zweier Familien: der Familie Tietz und der Familie Karg. Während die eine Familie jahrelang Mühe und Ideenreichtum investierte, wurde der anderen Familie ein großes Unternehmen ...

Dieses Buch erzählt die Geschichte zweier Familien: der Familie Tietz und der Familie Karg. Während die eine Familie jahrelang Mühe und Ideenreichtum investierte, wurde der anderen Familie ein großes Unternehmen mehr oder weniger in den Schoß gelegt.

Die umfassende Studie zur Geschichte der Hertie-Warenhäuser beginnt mit der Gründung des Unternehmens, das damals eine außergewöhnliche Idee verwirklichte: ein umfangreiches Warenangebot unter einem Dach anzubieten. Der rasante Erfolg hielt bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 an. Obwohl die Besitzer genügend Rücklagen hatten, um die schwierigen Jahre zu überstehen, begann kurz darauf die Naziherrschaft. Spätestens ab 1933/1934 wurden die Eigentümer immer mehr unter Druck gesetzt. Neue Gesetze und Auflagen machten den jüdischen Besitzern das Leben schwer, sie mussten Sonderabgaben leisten und konnten keine Kredite mehr bekommen.

Der Unternehmer Georg Karg, unterstützt durch die damalige Gesetzgebung, die arischen Unternehmern viele Anreize bot, konnte das Kaufhaus günstig erwerben. Die eigentlichen Besitzer verloren auf diese Weise alles.

Der genaue Hergang der Enteignung wird in diesem Buch detailliert dargestellt. Die Judenpolitik des Dritten Reiches ließ den jüdischen Unternehmern keine Chance. Anhand von Quellen wird die Situation klar und überzeugend dargelegt und bewiesen.

Der Stil dieser Studie ist sehr wissenschaftlich. Alles ist gut dokumentiert, und zahlreiche Quellen und Fußnoten machen die Darstellung nachvollziehbar. Die Anmerkungen umfassen allein schon fünfzig Seiten.

Der Text wird durch mehrere Bilder und Tabellen aufgelockert. Besonders interessant sind die Fotos aus dieser längst vergangenen Zeit. Abgerundet wird das Buch mit einem Literatur- und Personenverzeichnis.

Fazit: Dieser Bericht über das Schicksal erfolgreicher jüdischer Geschäftsleute im Dritten Reich zeigt deutlich, welches Unrecht sie erleiden mussten und wie sich die Täter auch in den Folgejahren nie wirklich ihrer moralischen Verantwortung stellten. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für tiefgehende Informationen über dieses Unrecht interessieren.