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Veröffentlicht am 10.02.2018

Was wirklich zählt

Eine Insel zwischen Himmel und Meer
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Crow ist zwölf Jahre alt. Sie lebt glücklich auf einer kleinen Insel, auf der sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Als sie erst wenige Stunden alt war, wurde sie in einem Boot an die Küste gespült ...

Crow ist zwölf Jahre alt. Sie lebt glücklich auf einer kleinen Insel, auf der sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Als sie erst wenige Stunden alt war, wurde sie in einem Boot an die Küste gespült und von Osh gefunden. Osh selbst kam vor einigen Jahren allein auf diese Insel, denn den Krieg in seiner Heimat fand er sinnlos. Osh kümmert sich aufopfernd um das kleine Baby, mit der Hilfe einer lieben Nachbarin, die damit langsam Teil dieser kleinen Familie wird.

Crow sehnt sich mehr und mehr danach zu wissen, woher sie gekommen ist. Sie versteht auch nicht, warum die anderen Inselbewohner den Kontakt mit ihr meiden. Widerwillig begleitet Osh sie auf der Reise nach ihren Wurzeln. Doch seine Bedenken sind unbegründet, trotz der Suche bleibt Crow fest in ihrer kleinen Familie verwurzelt. Am Ende ihrer Suche sagt sie, „Ich war sogar ganz froh, etwas zu wissen, was nicht jeder wusste: dass es Besseres gab als Blutsbande.“

Diese drei, zusammen mit einer verspielten Katze namens Maus, erleben bei ihrer Suche viele Abenteuer und lebensgefährliche Situationen. Dabei retten sie ein Leben, finden einen Schatz und wachsen über sich selbst hinaus; aber vor allem lernen sie, was im Leben wirklich wichtig ist.

An diesem zauberhaft geschriebenen Buch werden nicht nur Kinder Freude haben! Das ruhige und einfache Leben auf einer Insel, vor rund hundert Jahren, ist einerseits hart, andererseits aber in seiner Schlichtheit unglaublich anziehend. Das Leben besteht aus Arbeit im Garten oder auf dem Meer, einfache Mahlzeiten, und viel Liebe und Geborgenheit in der einfach eingerichteten Hütte. Beziehungen sind wichtiger als Dinge, das Leben auf dem Land schöner als das laute Gedränge der Stadt. Die mutigen Menschen in dieser zusammengewürfelten Familie wachsen dem Leser schnell ans Herz. Und auch wenn am Ende des Buchs noch einige Rätsel offenbleiben, hat der Leser gemeinsam mit Crow das Wichtigste entdeckt – Familie ist da, wo man sich Zuhause fühlt.

Veröffentlicht am 10.02.2018

Erkenntnisse im Pfadfinderlager

Die Herzen der Männer
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Ein Zeitraum von etwa sechzig Jahren, zwei Familien, vier Generationen; dabei gibt es zwei Elemente, die sich wie ein roter Faden durch dieses Buch ziehen. Ein abgelegenes Pfadfinderlager in einem Wald, ...

Ein Zeitraum von etwa sechzig Jahren, zwei Familien, vier Generationen; dabei gibt es zwei Elemente, die sich wie ein roter Faden durch dieses Buch ziehen. Ein abgelegenes Pfadfinderlager in einem Wald, und ein Mann, der schon als Kind seinen Grundsätzen treu bleibt, Nelson.

Als Junge ist Nelson ein Außenseiter und darunter leidet er sehr. Er ist vor allem bei den Pfadfindern sehr strebsam. Im Erlangen von Abzeichen lässt er schnell alle anderen Jungen weit zurück. Er findet eher im Leiter des Lagers Kameradschaft, als unter Gleichaltrigen. Nur ein Junge, Jonathan, steht ihm manchmal aus unerklärlichen Gründen bei.

Nelson muss eine schwere Entscheidung treffen, und mit dem Ausgang dieser Entscheidung verändert sich sein ganzes Leben.

Die Geschichte setzt dann etwa 30 Jahre später wieder ein. Jonathan bringt seinen Sohn in dasselbe Pfadfinderlager, das inzwischen von Nelson geleitet wird. Der Junge bewundert den Kriegsveteran Nelson, der eher in der Lage ist ihm bleibende Werte zu vermitteln als sein eigener Vater.

Nach noch einmal ca. dreißig Jahren, begleitet Jonathans Schwiegertochter ihren Sohn ins Pfadfinderlager. Der Schauplatz ist derselbe geblieben, und der alternde Nelson steht dem Camp noch immer vor. Dramatische Ereignisse zeigen noch einmal, was in jedem der Beteiligten steckt.

Dieses Buch lässt sich schnell lesen. Vor allem Nelson, mit seiner aufrechten Haltung, wächst dem Leser schon bald ans Herz. Zwischen den Ereignissen, die anfangs eher zum normalen Alltag in einem Pfadfinderlager gehören, steht immer wieder die Frage im Raum: Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Die moralischen Erwartungen an einen Pfadfinder sind hoch, und im ganzen Buch begegnet man immer wieder Männern, die von diesen Maßstäben nichts halten.

Neben dem Kampf um den Erhalt von Werten wie Treue, Disziplin und Hilfsbereitschaft, zeigt dieser Roman auch wie sich die Zeit im Laufe dieser sechzig Jahren verändert hat. Nicht nur, dass Söhne ihren Eltern weniger Respekt entgegenbringen, bei der Beschreibung des letzten Lagers spürt der Leser, dass die Ära der Pfadfinder ihrem Ende entgegengeht. Smartphones und andere Geräte haben die Freude an der Natur und der Gemeinschaft verdrängt.

Fazit: Nicht nur für Männer eine unterhaltsame und nachdenkliche Lektüre über die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Mannseins.

Veröffentlicht am 08.02.2018

Zeitloser Schatz

Gemeinsames Leben
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Dietrich Bonhoeffer leitete das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. Junge Männer, die ihr Theologiestudium abgeschlossen hatten, bereiteten sich hier auf den vollzeitlichen Dienst als ...

Dietrich Bonhoeffer leitete das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. Junge Männer, die ihr Theologiestudium abgeschlossen hatten, bereiteten sich hier auf den vollzeitlichen Dienst als Pastoren vor. Die Bekennende Kirche stand dabei im Widerspruch zur Reichskirche, und wurde schließlich polizeilich geschlossen.

In diesem Buch werden viele Themen des gemeinschaftlichen Lebens aufgegriffen, die Dietrich Bonhoeffer aus seinem persönlichen Erleben vertraut sind. Die Gedanken lassen sich auf viele Bereiche übertragen; auf das Leben in der Gemeinde, in der Familie oder in einer Kommunität.

Bonhoeffer schreibt welche Bestandteile bei einer gemeinsamen Andachtszeit wichtig sind. Dann geht es um die „einsame Zeit“, die Zeit, die der Einzelne allein mit Gott verbringt. Sowohl die gemeinsame, als auch die einsame Zeit, sind eine Vorbereitung auf die tägliche Arbeit. Bonhoeffer ruft also nicht dazu auf, sich aus der Welt zurückzuziehen, sondern aus der Gemeinschaft mit Gott und anderen, Kraft für den Alltag zu schöpfen.

Herausfordernd sind seine Gedanken über den Dienst an den Geschwistern. Es geht vor allem um die demütige Bereitschaft dem anderen zu dienen. Das Buch schließt mit einem Kapitel über Beichte und Abendmahl ab, das die Bedeutung der Beichte auch für heutige Christen einleuchtend erklärt.

Das Buch „Gemeinsames Leben“ gehört zu den wichtigsten Werken Bonhoeffers. Obwohl es vor achtzig Jahren geschrieben wurde, ist vieles an diesem geistlichen Schatz zeitlos und auch heute aktuell. Sicher wird nicht jeder allem zustimmen, aber auf jeden Fall gibt dieses Buch reichlich Stoff zum Nachdenken und Neubesinnen auf das, was für unser Glauben wichtig ist. Die Sprache ist so kompakt und inhaltsreich, dass man die Worte manchmal mehrmals lesen muss.

Fazit: Schwer zu verdauen, nicht nur wegen der Sprache, sondern vor allem, weil der Inhalt so herausfordernd und lebensverändernd ist. Ein geistlicher Schatz!

Veröffentlicht am 06.02.2018

Macht Glaube Sinn?

Warum Gott?
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Timothy Keller ist ein bekannter Pastor und Gemeindegründer in den Vereinigten Staaten. Das Besondere an seiner Gemeinde ist, dass sich besonders alleinstehende, karriereorientierte, junge Leute von ihr ...

Timothy Keller ist ein bekannter Pastor und Gemeindegründer in den Vereinigten Staaten. Das Besondere an seiner Gemeinde ist, dass sich besonders alleinstehende, karriereorientierte, junge Leute von ihr angesprochen fühlen. Sie haben Fragen und auch Kritik an den christlichen Glauben, der ihnen fremd geworden ist. Timothy Keller lässt sie zu Wort kommen, und geht ausführlich auf ihre Fragen ein.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es ist in zwei Teile aufgeteilt. In dem ersten Teil werden, eingeteilt in verschiede Themenbereiche, kritische Fragen zum Gauben beantwortet, und im zweiten Teil geht Keller auf wesentliche Indizien für den Glauben ein.
Besonders im ersten Teil fand ich Kellers Argumentationsweise fesselnd und sehr hilfreich. Er beantwortet Fragen wie, „Wie kann ein liebender Gott jemanden in die Hölle schicken?“ „Wie kann ein guter Gott Leid zulassen?“ oder „Es gibt so viele Religionen. Wie könnt ihr behaupten, dass ihr die Wahrheit habt?“ Immer wieder zeigt sich, dass der Maßstab, den Kritiker an den Glauben anlegen, ihre eigene Argumente zum Einstürzen bringen würden, wenn sie ihre Vorstellungen mit demselben Maßstab messen würden. Kellers Beweisführung lädt zum Mitdenken und Hinterfragen von gängigen Vorstellungen und Argumenten ein.
Im zweiten Teil behandelt Keller theologische Fragen wie Schöpfung, Sünde oder Dreieinigkeit. Mit einem ganz anderen Ansatz als im ersten Teil zeigt er, dass der Glaube an Jesus sehr viel Sinn macht, wenn man mit Logik und gesundem Menschenverstand darüber nachdenkt, anstatt sich von Vorurteilen leiten zu lassen. Und das, finde ich, ist die Stärke dieses Buchs: Christen sind nicht Menschen, die zu faul sind um nachzudenken, und die einfach das übernehmen, was ihnen vorgesetzt wird. Je mehr man sich mit unserem Ursprung und unserem Wesen als Menschen beschäftigt, desto mehr weist das uns auf den Schöpfer und Erlöser hin, den wir in der Bibel kennenlernen.
Fazit: Meiner Meinung nach ist „Warum Gott“ ein gutes Buch, um sich selbst mit seinem Glauben und mit seinen Zweifeln auseinanderzusetzen, aber auch ein gutes Buch um sich auf Gespräche mit Suchenden vorzubereiten, und natürlich auch zum Weitergeben an fragende Menschen.

Veröffentlicht am 01.02.2018

Neues Leben

Liebe statt Furcht
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Da ich mich für die islamische Welt interessiere, habe ich schon sehr viele Lebenszeugnisse von Menschen gelesen, die vom Islam zum Christentum gefunden haben. Dieses Buch gehört, meiner Meinung nach, ...

Da ich mich für die islamische Welt interessiere, habe ich schon sehr viele Lebenszeugnisse von Menschen gelesen, die vom Islam zum Christentum gefunden haben. Dieses Buch gehört, meiner Meinung nach, zu den besten Berichten in dieser Kategorie. Es ist spannend mit zu verfolgen was einen Menschen, der im islamischen Glauben erzogen wurde, bewegt Christ zu werden.
Der Leser wird in Flors überwiegend glückliche Kindheit mit hineingenommen, und lernt ihre Familie und ihren Umfeld kennen. Im ersten Teil des Buchs berichtet sie ausführlich über die geschichtlichen und politischen Hintergründe im Iran. Das werden manche Leser vielleicht zu langamtig finden, aber ich persönlich fand diese Erklärungen sehr wertvoll. Ich habe schon viele Bücher über den Iran gelesen, aber in keinem anderen Buch wurden die Zusammenhänge so verständlich erklärt. Sehr schön finde ich auch, dass in den Anmerkungen auch Inhalte des Islams erklärt werden, so wird der Redefluss nicht gestört, und das Buch ist auch für Leser ohne Vorkenntnisse über den Islam gut geeignet.
Durch die bewegte politische Situation im Land, und auch durch familiäre Probleme, wird Flor mit ihrer Familie zum Flüchtling im eigenen Land. Vom Wohlstand zur beengten Flüchtlingsunterkunft, sieht sie noch als sehr junges Mädchen keinen Weg einer unerwünschten Eheschließung zu entkommen. Später, als alleinerziehende Mutter, verliert sie den Glauben und sieht sich als Atheistin, und schließlich verliert sie auch jeglichen Lebensmut.
Durch eine zufällige Begegnung erwachen in ihr Fragen über Jesus und den christlichen Glauben. Sehr schnell spürt sie beim Besuch eines Gottesdienstes, dass Jesus ihre größten Sehnsüchte erfüllt. Ihr Lebenswandel führt zu Problemen in der Familie, denn im Islam ist es nicht erlaubt die Religion zu wechseln. Auf der anderen Seite aber erleben ihre Angehörigen ihre beeindruckende Veränderung, von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zur Freude und Zuversicht, und einige entscheiden sich auch dafür mit Jesus zu leben.
Am Ende des Buchs lebt und arbeitet Flor in Deutschland. Nach einer zum Teil reibungsvollen Zeit bei einer Missionsgesellschaft, ist sie inzwischen „Pastorin“ einer iranischen Gemeinde. Dabei sehen ihre Gemeindemitglieder sie vor allem als Vorbild im Glauben, und nennen sie liebevoll „Mama“.
Ich finde es gut, dass sie offen über ihre Schwierigkeiten im neuen Land erzählt. Unter anderem hilft das zu verstehen, womit Flüchtlinge bei uns zu kämpfen haben, aber mich beeindruckt auch einfach ihre Authentizität.
Fazit: Eine spannende Lebensgeschichte von einer muslimischen Frau, die durch Jesus ein neues und erfülltes Leben bekommt. Ein unverzichtbarer Bericht für Menschen, die sich für den Islam und für Iran interessieren, und auch für solche, die sich für Flüchtlinge in Deutschland engagieren.