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Veröffentlicht am 16.07.2022

Ossis und Wessis

Gewittergäste
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Die Geschichte ist im Jahr 2019 angesiedelt und noch immer scheinen die in der ehemaligen DDR einerseits und in den westdeutschen Bundesländern andererseits geborenen und aufgewachsenen Menschen gespalten ...

Die Geschichte ist im Jahr 2019 angesiedelt und noch immer scheinen die in der ehemaligen DDR einerseits und in den westdeutschen Bundesländern andererseits geborenen und aufgewachsenen Menschen gespalten zu sein. Diese Botschaft jedenfalls vermittelt der vorliegende als Novelle bezeichnete Roman anhand seiner Romanfiguren. Die aus dem Westen stammenden und seit zehn Jahren in Ostdeutschland lebenden Eheleute Jenny und Friedrich haben einen ostdeutschen Arbeitskollegen nebst Ehefrau sowie die Ex-Freundin des Mannes zum Abendessen eingeladen, das aber völlig aus dem Ruder läuft, vor allem aufgrund der Reden des auf Krawall gebürsteten Rolfs, der die DDR immer noch hochhält. Alkohol, schwüle Sommerhitze und ein aufziehendes Gewitter tun ein Übriges, um die Stimmung anzuheizen. Zuletzt wendet sich die Geschichte zum Skurrilen und Surrealen. Denn mit dem Auftauchen eines syrischen Pizzaboten, eines ehemaligen Sowjetsoldaten und im Manöver befindlichen NATO-Hubschraubers werden neue Themen angesprochen.
Das Buch beschert angenehme Lesestunden.

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Veröffentlicht am 14.07.2022

Autobiografische Familiengeschichte

Die Schuhe meines Vaters
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In der jüngeren Vergangenheit schreiben Autoren, Schauspieler und ähnlich bekannte Personen gerne ihre Familiengeschichten in Buchform. Und alle sind sie sehr besonders, weil jede Familie ihr eigenes Schicksal ...

In der jüngeren Vergangenheit schreiben Autoren, Schauspieler und ähnlich bekannte Personen gerne ihre Familiengeschichten in Buchform. Und alle sind sie sehr besonders, weil jede Familie ihr eigenes Schicksal hat. Das gilt auch für das vorliegende Buch von Andreas Schäfer. Anlass für es war der unerwartete Tod seines Vaters vor einigen Jahren, als er vor die Entscheidung gestellt wird, wann die Maschinen abgestellt werden. Auch ein ärztlicher Behandlungsfehler und sogar eine eigene Mitschuld stehen im Raum. Zwei Jahre später versucht der Autor dann beim Schreiben herauszufinden, wer sein Vater war, zu dem er aufgrund seiner Charakterzüge immer ein schwieriges Verhältnis hatte. Wir lesen interessante Etappen – die Kindheit im nationalsozialistischen Berlin mit eher distanzierten eigenen Eltern, die Ausbombung des elterlichen Wohnhauses, dem Studium als erstem aus seiner Familie, der von den Eltern missbilligten Ehe mit einer Griechin, dem Familienleben, und immer wieder von den Wutanfällen sowie der auf sich selbst bezogenen Eloquenz des Vaters. Aber auch sehr viele schöne Momente finden Eingang in die Schilderungen. Am Ende kann der Autor das Tun des Vaters sehr viel besser nachvollziehen und verstehen, so dass eine Versöhnung der beiden gelungen ist.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 14.07.2022

Familiengeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus

Die karierten Mädchen
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Dieser Roman ist der erste Band einer Triologie und die Autorin hat sich durch Kassettenaufnahmen ihrer Großmutter zu ihm inspirieren lassen. So wie diese hält es auch die Protagonistin Klara, die mit ...

Dieser Roman ist der erste Band einer Triologie und die Autorin hat sich durch Kassettenaufnahmen ihrer Großmutter zu ihm inspirieren lassen. So wie diese hält es auch die Protagonistin Klara, die mit über 90 Jahren ihr Leben für ihre Kinder und Enkel auf Kassetten spricht. Sie blickt zurück auf die Jahre 1929 bis 1939. Während der Weltwirtschaftskrise tritt sie eine Stelle als Hauswirtschaftslehrerin in einem Kurheim für Kinder mit angegliederter Hauswirtschaftsschule an. Die drohende Schließung des Heims aufgrund wirtschaftlicher Not verhindert Klara, indem sie die staatliche Übernahme des Heims herbeiführt, allerdings um den Preis, dass die Einrichtung fortan das nationalsozialistische Frauenbild vermitteln soll, was der selbständigen und emanzipierten Klara eigentlich zuwiderläuft. Ihr größtes Problem allerdings ist, dass sie ein kleines, jüdisches Mädchen als ihr eigenes Kind ausgibt und es vor der Verfolgung durch die nationalsozialistischen Schergen bewahren will.
Die Geschichte vermittelt ein anschauliches Bild der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse während des Nationalsozialismus. Was anhand der Protagonistin gut dargestellt wird, ist, wie sich die Leute mit dem System widerstandslos trotz vielen Vorbehalten arrangieren und Klara sogar mit den Machthabern paktiert, weil sie sich schützen und bei aller Not überleben wollen. Auf wichtige Ereignisse zu dieser Zeit wird informativ eingegangen, etwa die Reichspogromnacht oder die Schließung des Bauhauses. Zu einer Herabstufung in meiner Bewertung führt, dass die Person Klara im hohen Alter etwas unglaubwürdig dargestellt wird, insbesondere halte ich es für wenig realistisch, dass sie trotz kompletter Erblindung so gut allein in ihrem Haushalt zurechtkommt. Auch werden mir die Romanfiguren zu distanziert dargestellt, vor allem das Verhältnis von Klara zu ihrem Ziehkind und zu ihrem Verlobten.

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Veröffentlicht am 09.07.2022

Auf den Spuren des Großvaters

Beifang
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Dieser Roman spricht all diejenigen mit Interesse an Familiengeschichten an. Ich finde ihn sehr gelungen.
Worum geht es? Frank, Anfang 40, hadert mit seinem eigenen Leben. Studiert ohne einkömmliche Anstellung, ...

Dieser Roman spricht all diejenigen mit Interesse an Familiengeschichten an. Ich finde ihn sehr gelungen.
Worum geht es? Frank, Anfang 40, hadert mit seinem eigenen Leben. Studiert ohne einkömmliche Anstellung, noch während der Schwangerschaft von seiner Freundin verlassen, nur selten persönlichen Kontakt zum Sohn, der eigene Vater eher verschlossen bzgl. seiner familiären Herkunft, von der verheirateten Geliebten schließlich dazu gedrängt, der Familiengeschichte auf den Grund zu gehen. So beginnt Frank eine Rundreise zu einigen der elf Geschwister seines Vaters und lässt sich von ihnen deren Erinnerungen an einen Vater erzählen, die sie ihm fast schon als Anekdoten präsentieren und bei ihnen durchaus auch voneinander abweichen, denn jeder hat seine ureigene Sicht von den Eltern. So erfährt er, dass sein Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg als Zechenhilfsarbeiter mit seiner Ehefrau und den zwölf Kindern in beengten und ärmlichen Verhältnissen in dem Zechendorf Selm-Beifang gelebt hatte. Hunger und Gewalt gegenüber den Kindern sind an der Tagesordnung, alle sind als Asoziale verschrien. Doch ist einer von ihnen in Not, so halten sie zusammen, auch später noch. Eine Frage besonders treibt Frank um – wie haben die Kinder, insbesondere sein Vater, das aushalten können? Und haben die traumatischen Erlebnisse seiner Angehörigen Spuren auch in den nachfolgenden Generationen, also auch bei ihm selbst, hinterlassen? Ob er hierauf Antworten erhält, sollte jeder selbst lesen. Überaus lesenswert ist das Buch allemal.

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Veröffentlicht am 06.07.2022

Sehr schöne Familiengeschichte

Tante Martl
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Dieser Roman ist eine liebenswerte Hommage der Autorin an ihre Patentante Martina, kurz Martl genannt, zu der sie eine sehr innige Beziehung gehabt hat. Der Kurzform des Vornamens ist nicht zu entnehmen, ...

Dieser Roman ist eine liebenswerte Hommage der Autorin an ihre Patentante Martina, kurz Martl genannt, zu der sie eine sehr innige Beziehung gehabt hat. Der Kurzform des Vornamens ist nicht zu entnehmen, welches Drama mit ihm bei Martinas Geburt im Jahr 1925 im rheinland-pfälzischen Zweibrücken verbunden war. Denn nach zwei Töchtern wollte der Vater unbedingt einen Buben und meldete die ungewollte Tochter sogar als solchen beim Standesamt an. Martls Ablehnung durch den despotischen Vater zeit seines Lebens und die stetige Hintanstellung in der Familie, insbesondere der ständige Zwist mit der mittleren Schwester, der Mutter der Autorin und so ganz anders als die Drittgeborene, haben aus Martl eine Frau gemacht, der es an jeglichem Selbstbewusstsein fehlt und die als Junggesellin im Elternhaus wohnhaft geblieben ist und stets auf Zuruf für ihre Familie da war. Völlig im Gegensatz dazu steht, dass Martl dem seinerzeitigen Frauenbild so gar nicht entsprach – gebildet, Lehrerin von Beruf, reiselustig, mit eigenem Auto. Die Autorin selbst ist erstaunt, wie viele Seiten sie an ihrer Tante erst nach deren Tod aufdeckt. Heraus gekommen ist eine sehr schöne Familiengeschichte, die Vieles von dem Zeitgeist zwischen der Geburt von Martl im Jahr 1925 und deren Tod mehr als neun Jahrzehnte später wiedergibt. Viele Passagen sind anekdotengleich. Auch sprachlich ist die Geschichte gelungen. Martls pfälzischer Dialekt wirkt so schön authentisch.

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