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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2019

Umbrüche in der Familie

Der Sommer meiner Mutter
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Vom ersten Satz an weiß der Leser, dass das Buch ein tragisches Ende hat – den Suizid der Mutter des 11jährigen Erzählers Tobias. Über die Gründe lassen sich im Lauf der Geschichte nur Vermutungen anstellen, ...

Vom ersten Satz an weiß der Leser, dass das Buch ein tragisches Ende hat – den Suizid der Mutter des 11jährigen Erzählers Tobias. Über die Gründe lassen sich im Lauf der Geschichte nur Vermutungen anstellen, die sich dann – nur so viel sei verraten - bestimmt als völlig daneben liegend erweisen werden. Bis dahin erhält man Einblick in das Leben der gutbürgerlichen, katholischen Kleinfamilie aus einem Kölner Vorort im Frühjahr/Sommer 1969. Scheinbar ist bei ihnen alles in Ordnung. Dass dem nicht so ist, tritt zu Tage, als sie neue Nachbarn bekommen, die so völlig anders sind – der Vater Philosophieprofessor mit politischem Interesse, seine Frau berufstätig, beide Kommunisten. Die Eltern freunden sich an ebenso wie Sohn und Tochter, die erste sexuelle Erfahrungen miteinander erleben. Und in der Nacht der Mondlandung der Amerikaner verändert sich für beide Familien alles …
Die Geschichte ist ruhig geschrieben. Wessen Kindheit in die 1960er Jahre fällt, der wird viele Details aus eben dieser Zeit wiedererkennen. Eine wichtige Rolle kommt der Emanzipation der Frau und ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu. Weil der Autor studierter Astrophysiker ist, flicht er sehr verständlich die Umstände um die erste Mondlandung ein.
Dieses Buch sollte man nicht verpassen.

Veröffentlicht am 10.05.2019

Frau mit Doppelleben

All das zu verlieren
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In dem Roman geht es um das Doppelleben der schönen Adèle aus Paris. Einerseits führt sie ein bürgerliches Leben in ihrer Ehe mit einem Arzt und als berufstätige Mutter eines kleinen Sohnes. Andererseits ...

In dem Roman geht es um das Doppelleben der schönen Adèle aus Paris. Einerseits führt sie ein bürgerliches Leben in ihrer Ehe mit einem Arzt und als berufstätige Mutter eines kleinen Sohnes. Andererseits aber ist sie eine Nymphomanin und hat maßlosen Sex mit fremden Männern. Mit einer Affäre scheint sie dann zu weit zu gehen …
Die Thematik der Sexsucht ist für eine marokkanisch-stämmige Autorin ungewöhnlich, wird von ihr aber hervorragend umgesetzt. Ohne große Umschweife dringt sie in schier unvorstellbare Bereiche ein und bringt die dunklen Seiten ihrer Romanfigur hervor, ohne dass diese beim Leser an Sympathie einbüßt. Dabei bleibt offen, warum Adèle dermaßen sexsüchtig ist, obwohl die Autorin durchaus einige Erklärungsversuche einbringt: z.B. eine Reise nach Paris mit der Mutter in der Kindheit, wo die Mutter sie allein im Hotelzimmer ließ und sich mit einem Mann traf, oder die Kindheit in einem heruntergekommenen Zuhause, die sie selbst mehr vom Leben verlangen ließ. Dem Leser bleiben also genug Deutungsversuche, die sich dann auch auf das Ende der Geschichte erstrecken müssen.
Ein wirklich lesenswerter Roman.

Veröffentlicht am 05.05.2019

Gesellschaftskritisch

Willkommen in Lake Success
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Die Lorbeeren, mit denen das Buch im Einband bedacht wird, erscheinen mir eher unverdient.
Der Protagonist Barry Cohen ist ein millionenschwerer Hedgefonds-Manager, der sich nur über Besitz und Einkommen ...

Die Lorbeeren, mit denen das Buch im Einband bedacht wird, erscheinen mir eher unverdient.
Der Protagonist Barry Cohen ist ein millionenschwerer Hedgefonds-Manager, der sich nur über Besitz und Einkommen definiert. Als ich die Börsenaufsicht auf die Spur kommt und bei seinem dreijährigen Sohn schwerer Autismus diagnostiziert wird, begibt er sich Knall auf Fall auf eine Tour mit einem Greyhound-Bus mit nur seinen kostbaren Designeruhren im Gepäck von New York nach El Paso, um dort mit seiner Jugendliebe Layla an frühere, ehrliche Zeiten anzuknüpfen.
Barry ist eine mir durchweg unsympathische Romanfigur, irgendwie passend zu Donald Trump, zu dessen Zeiten als Präsidentschaftskandidat die Geschichte angesiedelt ist. Interessant ist, welch vielfältigen Gesellschaftsschichten Barry auf seiner Reise begegnet und welche Gesellschaftskritik zu Tage kommt. Leider ist dabei vieles überzeichnet und irreal.

Veröffentlicht am 01.05.2019

Nicht nur eine leichte Urlaubslektüre

Marina, Marina
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Anders als das Buchcover es vermuten ließe, ist der Roman keineswegs nur eine klischeehafte Urlaubslektüre über Bella Italia und die berühmte italienische Amore. Sicherlich, es ist eine Geschichte über ...

Anders als das Buchcover es vermuten ließe, ist der Roman keineswegs nur eine klischeehafte Urlaubslektüre über Bella Italia und die berühmte italienische Amore. Sicherlich, es ist eine Geschichte über die Bewohner des fiktiven Ortes Sant’Amato an der Riviera sowie deren Verflechtungen untereinander und ist im Wesentlichen in den 1960er Jahren angesiedelt. An Tiefgang erhält die Geschichte, weil das zu dem Zeitpunkt solange noch nicht zurückliegende Geschehen in Italien im Zweiten Weltkrieg , vor allem die Partisanenkämpfe, worüber ich bislang nicht viel wusste, und die Rolle der Deutschen nicht nur oberflächlich thematisiert werden. In formaler Hinsicht weist das Buch einige schöne Besonderheiten auf. Im vorderen Klappendekel befinden sich schöne Fotos von der Riviera; jedes Kapitel beginnt mit einer Zusammenfassung zu einem bekannten italienischen Schlager, der einen als Ohrwurm geradezu verfolgt; am Ende sind drei Rezepte besonderer Gerichte abgedruckt. Sehr hilfreich sind das Personenregister am Anfang und das Glossar am Schluss. Ohne beides lässt sich nicht so einfach durch die vielen Romanfiguren und klangvollen eingestreuten italienischen Vokabeln navigieren.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Ähnelt den tollen Tagebüchern von Greg

Ruperts Tagebuch - Zu nett für diese Welt!
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Ein Kinderbuch in Comic-Form, das sicherlich auch lesefaule Kinder zum Lesen animieren kann. Es stammt aus der Feder des Autors, der auch schon die sicherlich weithin bekannten „Gregs Tagebücher“ geschrieben ...

Ein Kinderbuch in Comic-Form, das sicherlich auch lesefaule Kinder zum Lesen animieren kann. Es stammt aus der Feder des Autors, der auch schon die sicherlich weithin bekannten „Gregs Tagebücher“ geschrieben hat. Hier ist es Gregs bester Freund, der sich zunächst an einem eigenen Tagebuch versucht, dieses dann aber auf Gregs Weisung als eine Biografie über den in der Zukunft berühmten Greg umgestaltet. Herausgekommen sind viele Episoden, die Rupert und Greg gemeinsam erlebt haben und die Lachsalven beim Leser hervorrufen werden. Das eigentlich Faszinierende ist, dass meistens der einfach nur liebe Rupert nach Strich und Faden von Greg zu dessen eigenen Zwecken ausgenutzt wird, ohne es selbst zu merken. Daher trifft auch der Buchtitel „Zu nett für diese Welt“ voll und ganz auf Rupert zu.
Zielgruppe dieses reichhaltig mit Schwarz-Weiß-Illustrationen versehenen Buches sind Kinder ab 10 Jahren. Doch auch mir als zu den Ü 50 gehörenden Lesern ohne minderjährige Kinder hat das Buch vergnügliche Lesestunden bereitet.

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