Cover-Bild Unbarmherziges Land
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11,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Tropen
  • Themenbereich: Belletristik - Krimi: Weibliche Ermittler
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Ersterscheinung: 24.07.2021
  • ISBN: 9783608117141
Chris Offutt

Unbarmherziges Land

Ein Kentucky-Krimi
Anke Caroline Burger (Übersetzer)

»Brillant« New York Times Book Review

Eine tote Frau in den Bergen. Alle wissen etwas, doch der Justiz vertraut keiner. Willkommen in Kentucky.

Mick Hardin, Ermittler für das CID der US-Army, ist auf Heimaturlaub. Seine Frau ist hochschwanger, doch sie reden nicht miteinander. Seine Schwester Linda, erst kürzlich zum ersten weiblichen Sheriff von Rowan County aufgestiegen, steht vor ihrem ersten Mordfall, den ihr die lokalen Politiker am liebsten wegnehmen würden. Der übliche Chauvinismus oder geht es um mehr? Mit ihrem Bruder Mick macht sich Linda an die Lösung des Falls, denn sie weiß, dass unter der schönen und rauen Hügellandschaft Kentuckys die Gewalt brodelt und die offizielle Justiz keinen guten Stand hat. Bleibt nur die Frage, was tödlicher ist: die Menschen oder die Unbarmherzigkeit der Natur.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2021

Gute und solide Krimikost

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Mick Hardin ist brillant. Er löst die Fälle beim CID für die US-Army und momentan hat er Heimaturlaub. Seine hochschwangere Frau meidet er derzeit und das aus verständlichen Gründen. Die Schwester Linda ...

Mick Hardin ist brillant. Er löst die Fälle beim CID für die US-Army und momentan hat er Heimaturlaub. Seine hochschwangere Frau meidet er derzeit und das aus verständlichen Gründen. Die Schwester Linda wurde vor wenigen Wochen Sheriff und hat zum ersten Mal einen Mord aufzuklären. Was liegt da näher als die Gelegenheit zu nutzen und Mick als Hilfe mit ins Boot zu nehmen.

Hier geht es rasant zu und die Ermittler entsprechen absolut nicht dem Bild, welches in anderen Krimis häufig genutzt wird. Wer in „Unbarmherziges Land“ auf wilde Schlägereien und ungerechte Cops hofft, der hofft vergebens. Hier geht es tatsächlich um intensive Polizeiarbeit. Die Spannung bleibt konstant hoch. Es gibt zwar auch hier diese leider schon obligatorischen privaten Probleme der Ermittler, aber sie nehmen nicht zu viel Raum ein.

Ein abwechslungsreiches Buch, welches mich gut unterhielt. Die Beschreibung der rauen Landschaft Kentuckys und den ebenfalls nicht gerade zimperlichen Menschen, das hatte was. In „Unbarmherziges Land“ wurde nicht übertrieben und kein Akteur mit übermenschlichen Attributen ausgestattet. Die Übersetzung ist gut. Hier hat Frau Anke Burger ganze Arbeit geleistet. Und auch das Cover kann sich sehen lassen. Ein rundherum gelungenes Stück gute Unterhaltung, das sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 08.08.2021

Tod in den Hügeln von Kentucky

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Es ist ein anderes, ein archaisches Amerika, in das Chris Offutt die Leser in seinem Kentucky-Krimi "Unbarmherziges Land" führt. Der Titel verheißt schon - es geht nicht um skurrile Hillbillies, die ...

Es ist ein anderes, ein archaisches Amerika, in das Chris Offutt die Leser in seinem Kentucky-Krimi "Unbarmherziges Land" führt. Der Titel verheißt schon - es geht nicht um skurrile Hillbillies, die in den Hügeln schwarzgebrannten Whisky brennen und ein wenig unterbelichtet sind, da Hochzeiten vorwiegend im engeren Familienkreis stattfinden. Familie und Familienehre wird gleichwohl großgeschrieben, Blutrache gibt es immer noch, und um die Menschen in den Hügeln zum Reden zu bewegen, ist ähnlich herausfordernd, wie das Prinzip der Omertá zu durchbrechen.

Weil Familie alles ist, klemmt sich der Militärermittler Mick Hardin hinter einen Fall, der gar nicht seiner ist: Seine Schwester Linda ist Sherriff, die erste Frau, die diesen Job innehat, und manche Gespräche müssen auch heute noch von Mann zu Mann geführt werden in Kentucky. Zudem können die Ermittlungen zum Tod einer Frau, die im Wald gefunden wurde, Hardin von seinem ganz eigenen Dilemma ablenken: Seine Frau ist hochschwanger, dass er Vater wird, hat ihm Linda mitgeteilt. Dabei, so weiß Mick nach einem Gespräch mit seiner Frau, ist unklar, wer der Vater des Kindes ist - der Grund für das Schweigen,das nun zwischen dem Paar noch tiefer geworden ist.

Es ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, zugleich das Porträt eines zurückhaltenden, misstrauischen und sehr eigenen Menschenschlags, der da in oft bitterer Armut in den Hügeln der Appalachen lebt. Die Lebenserwartung, Gesundheitsversorgung und Bildungschancen sind niedriger als anderswo in den Staaten, die Menschen wissen, sie können sich nur auf sich selbst und ihre Angehörigen verlassen, Fremde werden mit Misstrauen betrachtet, auch wenn sie Polizisten sind und auch Großmütter sitzen im Zweifelsfall mit einer geladenen Waffe im Schaukelstuhl auf der Veranda und sollten daher nur mit großer Vorsicht und Respekt angegangen werden.

Mick Hardin kennt die Mentalität der Menschen, er hat Einsäze in Afghanistan und im Irak überlebt. Angesichts der etwas unorthodoxen Familienverhältnisse ist er nicht bei seiner Mutter und Linda aufgewachsen, sondern in der Blockhütte seines Großvaters. Er weiß, wie die Menschen in den Hügeln ticken. Mick bei seinen Ermittlungen als Leser zu begleiten, das ist ein bißchen wie eine anthropologische Forschungsreise in eine ganz andere Welt. Mag es auch vordergründig um die Arbeit an dem Fall gehen, so zeichnet Offutt das Psychogramm einer Gesellschaft, in der zwar viele eine ganze Menge über den Fall wie ihre Mitmenschen im allgemeinen wissen, aber überhaupt nicht daran denken, etwas zu sagen. Ein zu Lindas Unwillen hinzugeholter FBI-Ermittler macht es den Geschwistern nicht einfacher.

"Unbarmherziges Land" ist ein unerwarteter, ungewöhnlicher Kriminalroman, geprägt vom Misstrauen aller, dem gegenseitigen Belauern, dem Wissen, das die Regeln der Menschen und die Regeln des Gesetzes nicht immer miteinander vereinbar sind. Der lakonische Schreibstil und der eher einsilbige, schweigsame Protagonist, der es so schwer findet, über Gefühle zu reden oder sie auch nur bei sich zutulassen, passen da gut zusammen und prägen diesen Kentucky Noir.

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Alte Sitten

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Mick Hardin ist als Militärermittler in Deutschland stationiert. Seine Ehe mit Peggy ist schwierig. Dass Peggy schwanger ist, hat er von seiner Schwester Linda erfahren. Hardin reist nach Kentucky. Als ...

Mick Hardin ist als Militärermittler in Deutschland stationiert. Seine Ehe mit Peggy ist schwierig. Dass Peggy schwanger ist, hat er von seiner Schwester Linda erfahren. Hardin reist nach Kentucky. Als eine weibliche Leiche entdeckt wird, ist Linda froh, dass sie die Sache mit Mick besprechen kann. Linda ist noch nicht lange als Sheriff des Ortes tätig. Da Peggy sowieso nicht mit ihm reden will, macht sich Mick gerne auf den Weg zum Fundort, um nach Spuren zu suchen. Auch die Anwohner befragt er. Dabei kommen Erinnerungen an die Zeit hoch als Mick Hardin selbst noch hier lebte.

Mick Hardin ist ein ungewöhnlicher Ermittler mit seinen Erfahrungen bei der Armee. Doch auch seine Schwester ist eine durchsetzungsfähige Polizistin, die sich nicht so schnell die Butter von Brot nehmen lässt. Die Leute am Ort haben sich inzwischen an ihre Position als Sheriff gewöhnt. Meist folgen sie Lindas Anweisungen auch. Der Todesfall ist schon ungewöhnlich und zunächst mal müssen die verwandtschaftlichen Beziehungen der Toten geklärt werden. Aus welcher Familie stammt sie, in welche Familie hat sie eingeheiratet. Der Ort ist so klein, dass jeder jeden kennt, im Grunde über ein paar Generationen. Die familiären Freundschaften und Feindschaften sind festgefügt. Fremde kommen eigentlich nicht dazwischen. Deshalb wundert sich Linda, wieso auch das FBI einen Beamten schickt.

Mick Hardin ist ein eigensinniger, aber sympathischer Ermittler, der seinen Weg geht und sich vielleicht mit einer leichten Verzögerung den Situationen stellt so wie sie sich ihm darbieten. Er und seine Schwester bilden ein gutes Team, auch wenn sie ihre Berufe normalerweise an sehr unterschiedlichen Plätzen ausüben. Am Ende dieses Kriminalromans ist alles auf unkonventionelle Art geregelt, doch die Zahl der Todesfälle ist doch etwas hoch. Abgesehen davon ist dies ein Krimi mit witzigen trockenen Dialogen und einer kenntnisreichen Beschreibung des dörflichen Leben in einem kleinen Ort in Kentucky. Die Einwohner wissen um die Familienbande teilweise über mehrere Generationen. Es nutzt auch nichts, wenn jemand weggezogen ist. Die Erinnerung bleibt. Das ist packend und treffend beschrieben. Das, die ansprechende Sprache und die knorrigen, aber sympathischen Personen, machen den Roman sehr lesenswert. Das merkt man im Übrigen schon auf den ersten Seiten.

Veröffentlicht am 09.08.2021

Raues Kentucky und wortkarge Bewohner

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Mick Hardin kehrt für einen kurzen Heimaturlaub in seine alte Heimat in Kentucky zurück. Er stellt fest, dass vieles noch wie Früher ist und doch alles anders ist. Nach kurzer Zeit bittet ihn seine Schwester ...

Mick Hardin kehrt für einen kurzen Heimaturlaub in seine alte Heimat in Kentucky zurück. Er stellt fest, dass vieles noch wie Früher ist und doch alles anders ist. Nach kurzer Zeit bittet ihn seine Schwester Linda, und Sheriff der Kleinstadt, um Hilfe bei einem Mordfall. Mike wird in einen Strudel aus Familien, Macht, Drogen und Geld hineingezogen und muss sich nebenbei seinen eigenen Problemen stellen.

Der Krimi ist hauptsächlich aus der Sicht von Mike erzählt. Ab und an kommen auch andere Charaktere der Kleinstadt zu Wort und geben zum Teil neue Rätsel auf. Die Geschichte ist für einen Krimi relativ kurz und doch bin ich erstaunt wie viel Informationen zu den einzelnen Protagonisten erarbeitet wurden. Allen voran Mike und Linda! Ich kann die Hassliebe der beiden zu ihrem Heimatort gut nachvollziehen. Ehrlicherweise besticht die Geschichte weniger durch Spannung als viel mehr dem Drumherum. Die Beschreibungen vom rauen, weiten Kentucky ist sehr gut gelungen. Auch die wortkargen, von Rache getriebenen Bewohner waren sehr gut gezeichnet und haben mich sogar ein wenig erschüttert. Thema: Selbstjustiz! Die Auflösung hat mich fast ein bisschen enttäuscht, wenn sie auch schlüssig war. Trotzdem mochte ich den bildhaften Schreibstil, die Charaktere und die gesamte Szenerie. Mir scheint das Ganze nicht wirklich abgeschlossen und so hoffe ich auf eine Fortsetzung, in welcher Form auch immer.

Unbarmherziges Land ist kein Krimi der den Leser durch eine fesselnde Handlung packt. Viel mehr ist es das Leben und Miteinander auf dem Land was einen so fasziniert. Denn hier kann man wirklich sagen: jeder ist zu einem Mord fähig!

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Von menschlichen Abgründen und Selbstjustiz

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Das Cover ist ansprechend gestaltet und macht neugierig. Außerdem passt es super zum ländlichen Setting und zum Krimi-Genre.
Was den Inhalt angeht, sei auf die Verlagsangaben verwiesen, um nichts weiter ...

Das Cover ist ansprechend gestaltet und macht neugierig. Außerdem passt es super zum ländlichen Setting und zum Krimi-Genre.
Was den Inhalt angeht, sei auf die Verlagsangaben verwiesen, um nichts weiter vorwegzunehmen. Es geht letztlich nicht nur um einen Kriminalfall und Rache, sondern mindestens genauso sehr um Familiendramen, verschiedene Ebenen der Einsamkeit sowie Gesellschaftskritik.
Der Schreibstil gefällt mir unglaublich gut. Die düstere Erzählweise mit den eindrucksvollen Naturbeschreibungen kreiert eine zum Inhalt passende, beklemmende Atmosphäre. Die derbe Wortwahl harmoniert hervorragend mit den groben Charakteren. Das Erzähltempo ist durch die vielen Nebenschauplätze etwas langsam, wodurch die Spannung leidet. Trotz einiger Längen fand ich den Krimi – dank versuchter Perspektivwechsel und dadurch ermöglichter Einblicke in unterschiedliche Charaktere – immer noch gut lesbar.
Der Krimi gehört eher in die Noir-Kategorie, weshalb man Helden vergeblich suchen wird. Passend zum ländlichen Setting mit Kleinstadtcharme gibt es eigenwillige, wortkarge Charaktere mit so einigen Charakterschwächen und bissigem Humor. Das lässt die Personen allerdings sehr glaubhaft erscheinen. Besonders gut hat mir die Geschwisterdynamik zwischen Mick und Linda gefallen. Obwohl ich nicht jede von Micks Handlungen gutheiße, ist er ein interessanter Protagonist und der gelungene Schreibstil hat es mir ermöglicht, mich trotz allem in ihn hineinzuversetzen. Linda als starke Frauenfigur mit schlechter Wutkontrolle ist aber zu kurz gekommen.
Die Krimihandlung gerät leider eher in den Hintergrund. Dadurch wurden meine Erwartungen schnell gedämpft. Auch die Auflösung des Falles war nur teilweise überraschend. Es geht mehr darum, das Bild einer Gesellschaftsgruppe voller Eigenarten und eigener Regeln und Gesetzmäßigkeiten zu zeichnen beziehungsweise zu hinterfragen. Dazu werden Micks familiäre Probleme ausführlich thematisiert. Ich hatte etwas Anderes erwartet, wurde aber trotzdem hochkarätig unterhalten. Dieser Krimi eignet sich für alle, die menschliche Abgründe aller Art faszinieren und die nichts gegen einen ruhigeren Handlungsverlauf und einen gesellschaftskritischen, nachdenklichen Grundton einzuwenden haben.

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