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Veröffentlicht am 09.12.2020

Die Welt des organisierten Verbrechens

Der erste Tote
1

Es geht gleicht heftig los. Ein Toter, wie hin drapiert unter der Straßenlaterne - übelst zugerichtet. Ein Umweltaktivist, wie sich später herausstellt. Zwei Journalisten - Carlo und Andrew - stolpern ...

Es geht gleicht heftig los. Ein Toter, wie hin drapiert unter der Straßenlaterne - übelst zugerichtet. Ein Umweltaktivist, wie sich später herausstellt. Zwei Journalisten - Carlo und Andrew - stolpern regelrecht über ihn. Carlo ist die Ruhe selbst, macht seine Fotos, während Andrew mit dem Mageninhalt kämpft. Sie sind in Poza Rica, Veracruz. Die frühere Erdölmetropole Mexikos leidet unter den Altlasten wie Umweltverschmutzung und Gewalt. Dies hält Investoren ab, trotzdem ist ein großer amerikanischer Konzern interessiert.

Die allzu dunkle Seite Mexikos wird hier thematisiert. Immer wieder machen Bilder und Reportagen auf die grausamen Verbrechen aufmerksam. Da werden ganze Gruppen vermisst, nie mehr gefunden oder irgendwo vergraben, verstümmelt, wie weggeworfen aufgefunden. Ein Menschenleben ist hier nicht viel wert. Es braucht diesen investigativen Journalismus, um zu informieren, die Welt aufzurütteln. Die Guardia Civil ist hier unterwandert vom organisierten Verbrechen. Die Brutalität berüchtigter Kartelle, Todesschwadronen und deren grenzenloser Gnadenlosigkeit lassen ein Bild der Hoffnungslosigkeit entstehen.

Zurück in Mexico City wird Andrews Partner und Freund Carlos umgebracht, der hinterlässt ihm brisantes Material. Andrew beginnt nun alleine zu recherchieren, mehr als einmal schrammt er knapp am Tod vorbei. Der Anfang war eine rasante Reise durch ein korruptes, ein gefährliches Land. Was den Lesefluss doch sehr getrübt hat, waren die vielen spanischen Begriffe und Sätze. Um dem in Teilen recht turbulenten Geschehen folgen zu können, musste ich immer wieder nachschlagen. Das hätte man besser lösen können. Und - mit der ganzen Story hatte ich über lange Strecken so meine Probleme, es war teilweise wirr und nicht recht nachvollziehbar.

Zum Schluss gibt Tim MacGabhann mit der Würdigung des „echten Carlos“ Einblick in die Entstehungsgeschichte seines „Ersten Toten“ und vermittelt einen kurzen Abriss über die unsauberen Geschäfte der Ölindustrie.

„Der erste Tote“ ist der Beginn einer Trilogie, jedoch muss ich die nachfolgenden Bände nicht unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Wo findet man wirkliches Glück?

Die Farbe von Glück
1

Ein Kinderwunsch, der für immer ein Wunsch bleiben wird? Jules und Louise bangen zum mittlerweile vierten Mal um ein Neugeborenes. Zwei Totgeburten, das dritte Baby durfte nur wenige Tage leben ...

Ein Kinderwunsch, der für immer ein Wunsch bleiben wird? Jules und Louise bangen zum mittlerweile vierten Mal um ein Neugeborenes. Zwei Totgeburten, das dritte Baby durfte nur wenige Tage leben und nun sieht er dieses kleine, durchscheinende, fast nicht lebensfähige Wesen und trifft eine folgenschwere Entscheidung.
Marlene geht einfach, schreibt ihrem sechsjährigen Sohn „Adieu“ auf die Stirn. Charlotte nimmt sich seiner an, hofft inständig, dass ihr Antoine nie weggenommen wird.
Nach einer schlaflosen Nacht zwingt Jules diese Krankenschwester, ein gesundes Kind gegen seines auszutauschen. Er will nur, dass Louise endlich glücklich ist und ihrer beider Leben wieder ein lebenswertes wird. Er - der Richter - droht, ihr Antoine wegzunehmen, in ein Heim einzuweisen, sollte sie sie seinem Wunsch nicht nachkommen.

Kann dieses Leben funktionieren? Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Allein den Gedanken an diese Tat mag ich nicht zulassen, habe mich aber trotzdem damit auseinandergesetzt. Kann man mit einer Lüge Glück herbeiführen? Es sind sehr versöhnliche Momente beschrieben. Wenn ich nur an Charlotte und Antoine denke, wie sehr sie einander schätzen. Sie flieht vor der Vergangenheit, kann den Tausch so gar nicht verarbeiten. Auch für Jules läuft alles anders als erhofft. Das eigene Glück auf dem Unglück anderer aufzubauen, hinterlässt seine dunklen Spuren.

Die Autorin vermittelt so manch weisen Gedanken, lässt viele Facetten des Lebens zu. Ein Buch, eine Geschichte, die Zeit braucht. Immer mal wieder habe ich es beiseite gelegt, um meinen Gedanken Raum zu geben. Das Gelesene auf mich wirken zu lassen, all dem nachzuspüren.

Charlotte und Antoine habe ich begleitet in ihr neues Leben fernab der Heimat, dabei die „andere Familie“ kennengelernt. Habe Jules und Louise mit ihrer Tochter beobachtet, ihre Unzufriedenheit gespürt. Wie kommt man zurecht angesichts eines solchen Eingriffs ins Leben zweier Familien? Werden sie, die das lange nicht wussten, jemals verzeihen können? Ein sehr emotionaler Roman, behutsam erzählt. Wenn da nicht diese allzu vielen Zufälle wären, die aus den Konflikten letztendlich ein fast zuckersüßes happy end machen würden.

Ich war sehr gerne dabei, habe so einige Lebensweisheiten mit Vergnügen gelesen, aber diese schwere Schuld löst sich beinahe in Wohlgefallen auf. Das und nur das hat mich gestört an dieser ansonsten feinsinnigen Erzählung.

Wie bewerte ich diese fast märchenhafte Geschichte? Viele weise Gedanken, eine Story, die so passieren könnte, bestimmt schon oft passiert ist, jedoch nie so versöhnlich, beinahe schon utopisch, alles verzeihend endet. Deshalb bleiben von meinen ursprünglich angedachten vier Sternen drei übrig.

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Veröffentlicht am 03.11.2020

Gemächlicher Regional-Krimi

Lügenpfad
4

Mit „Lügenpfad“ legt Brigitte Pons den bereits fünften Fall um den Polizisten Frank Liebkecht vor.

Los geht es gleich mal ganz gemächlich. Ein Dorfpolizist in der tiefsten Provinz zieht mit seiner Katze ...

Mit „Lügenpfad“ legt Brigitte Pons den bereits fünften Fall um den Polizisten Frank Liebkecht vor.

Los geht es gleich mal ganz gemächlich. Ein Dorfpolizist in der tiefsten Provinz zieht mit seiner Katze Trinity um. Auf seinem Ein-Mann-Außenposten richtet er sich ganz gut ein, genießt sein beschauliches Dasein und findet sich irgendwann im Horror wieder, ist doch sein bester Freund spurlos verschwunden. Gleichzeitig wird er in einen alten Fall hineingezogen, dessen Anfang in den 80er Jahren war. Damals verschwand eine junge Frau, die aktiv bei den Friedensdemonstrationen mitmischte. Sein Freund ist nicht auffindbar, Frank Liebknecht sucht auf eigene Faust, beileibe nicht immer nach Dienstvorschrift, gerät auf Abwege. Diese verschwundene Frau und ihr damaliges Umfeld geraten immer wieder in den Focus, es hat den Anschein, dass diese als RAF-nahe Zelle inmitten des Odenwaldes agierte.

Es zieht sich eine ganze Weile so dahin, kommt nicht recht weiter: Privates, das beschauliche Dorfleben - es sollte ein Provinz-Krimi sein, ich hatte daher nicht unbedingt Action erwartet, dieses zähe nicht-vorwärts-kommen hat mich allerdings irgendwann veranlasst, das Buch zur Seite zu legen. Es passierte einfach nichts. Dann wollte ich aber doch wissen, wie sich diese Story weiter entwickelt.

Die Vorgängerbände kenne ich nicht, bin aber trotz der zuvor beschriebenen Längen dann doch in die Geschichte hineingekommen. Allen voran war Frank Liebknecht mir durchaus sympathisch, auch seine Art konnte mich für ihn einnehmen. Nichts desto trotz fand ich die Passagen um das Geschehen von 1983 und vor allem das, was aus denen von damals geworden ist, nicht so ganz schlüssig. Das passte für mich einfach nicht so recht zusammen, war nicht stimmig.

Was mir gut gefallen hat, war die sehr temporeiche Suche nach dem verschwundenen Marcel. Da funktionierte die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten einwandfrei, das menschliche konnte die Autorin auch sehr gut vermitteln. Da war ich so richtig dabei.

Ein Krimi mit Höhen und Tiefen, mit privaten Einblicken und einer Portion Lokalkolorit. Geschichte kann er nicht vermitteln, da greift man besser zu Anderem.

All jene, die es nicht so blutrünstig und brutal wollen, werden hier ganz gut unterhalten. Die Frank Liebknecht-Fans sowieso.

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Veröffentlicht am 12.10.2020

Ein Gaunerpärchen a la Bonnie & Clyde

Love & Bullets
1

Bill und Fiona – ein Pärchen, das sich ergänzt. Aber nicht so, wie ein Normalo sich das vorstellt. Er liebt Luxus und irgendwie muss der finanziert werden. Da er nichts Gescheites kann außer ...

Bill und Fiona – ein Pärchen, das sich ergänzt. Aber nicht so, wie ein Normalo sich das vorstellt. Er liebt Luxus und irgendwie muss der finanziert werden. Da er nichts Gescheites kann außer stehlen, betrügen und das Geld mit vollen Händen ausgeben, braucht er für seine Geldbeschaffung Fiona, die er schon liebt (und sie ihn auch). Sie hat andere Qualitäten, ihr liegt die Gewalt im Blut. Ist flink, hart im Nehmen und wenn es sein muss, hat sie mit Gewalt keine Probleme. Das letzte Ding ging gewaltig schief und auf der Flucht klebt ihnen immer irgendeiner gewaltig auf den Fersen, es sieht des Öfteren nicht so gut aus für sie. Die Jagd führt sie schließlich zurück nach New York City und hier geht es noch einmal um alles.

Es ist eher eine Slapstick-Nummer denn ein Thriller, so habe ich diese Story empfunden. Ein sehr flapsiger Schreibstil, der mich so manches Mal zum schmunzeln brachte. Die Knallerei ist hier Programm und es geht gleich mal richtig los. Eine sehr besch…(eidene) Lage, in der Bill sich befindet. Die ersten 120 Seiten – eine einzige Ballerei, Metzelei… Da habe ich mich schon gefragt: Geht das jetzt so weiter?

Sympathien hegte ich durchaus mit den zweien. Auch wenn ich wusste, was die beiden hier abziehen, konnte ich nicht umhin, auf ihrer Seite zu sein. Zu hoffen, dass sie aus dieser erneuten unangenehmen Lage einigermaßen glimpflich davon kommen. Und - was Elvis auf dem Cover zu suchen hat, klärt sich im Laufe der Story auch noch.

Ich fühlte mich beim Lesen in einen Western versetzt, so typisch amerikanisch. Harte Kerle halt (wobei ich Fiona hier mit einschließe). Einmal Gauner, immer Gauner. Da wird nicht lange gefackelt. Zimperlich darf da keiner sein, nicht mal der Leser.

Wer Action, sehr viel Schießerei, wer gesetzlose, kriminelle Helden mag, alles vermischt mit schrägem Humor, der ist hier goldrichtig.

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Veröffentlicht am 06.10.2020

Kennedy und mehr…

Vier Tage im Juni
1

Wir schreiben das Jahr 1963, Kennedy will Deutschland besuchen, wir sind bei den Vorbereitungen dabei und wie bei allen Staatsbesuchen steht Sicherheit an erster Stelle. Diesem jugendlichen US-Präsidenten ...

Wir schreiben das Jahr 1963, Kennedy will Deutschland besuchen, wir sind bei den Vorbereitungen dabei und wie bei allen Staatsbesuchen steht Sicherheit an erster Stelle. Diesem jugendlichen US-Präsidenten fliegen die Herzen zu, er hat aber auch mächtige Feinde.

Gerade zu Anfang ist das Personenregister eine große Hilfe, ich konnte mich gut orientieren. Aus Sicht der Arbeit der Staatssicherheit, des Staatsschutzes Sicherungsgruppe Bonn ergibt sich ein gut nachvollziehbares Bild über die ganzen Vorarbeiten, diese unendlich vielen Kleinigkeiten, die bedacht werden müssen, um die Sicherheit des Staatsgastes zu gewährleisten. Kennedy nahm wohl des Öfteren ein Bad in der Menge. Dass da alle Sicherheitsleute Schweißausbrüche hatten, kann ich mir lebhaft vorstellen. Einige Passagen bringen uns über den großen Teich ins Weiße Haus. Auch hier laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Was im Rahmen dieses Besuches da alles passiert und ans Tageslicht kommt. Da spielen so einige ein doppeltes Spiel. Es ist schon fein ausgedacht, wenn plötzlich einer falsch spielt, von dem man Anderes erwartet. Spitzeldienste waren und sind ja nichts neues, da war ich wieder dabei. Wogegen eine kurzfristig eingesprungene Dolmetscherin, die in jeglicher Hinsicht brilliert, schon sehr unglaubwürdig daherkommt.

Beim Lesen habe ich verschiedene Phasen durchlaufen und war dann so richtig in der Story, als ich den geschichtlichen Hintergrund ausblendete. Denn – sobald ich mich fragte: „Wie war das nochmal - war das wirklich so?“ Genau in solchen Momenten war nichts mehr, also habe ich beschlossen – es ist ja als Thriller angekündigt – ihn als solchen zu betrachten. All das Wirkliche hintanzustellen. Ohne präzise Geschichtsvorstellung im Hinterkopf war das eine in Teilen passabel erzählte Story. Woran ich aber schon zu knabbern hatte, waren diese Attentatsversuche, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat. Das hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht, diese Passagen haben mich sehr gestört. Auch wenn ich wusste, dass dies reine Phantasie ist, war es überhaupt nicht schlüssig. Man hätte auch anders agieren, feiner justieren können. Weniger wäre hier mehr gewesen – so bewahrheitet sich dieser alte Satz immer wieder.

Lange habe ich überlegt, wie denn mein Fazit für dieses Buch ausfällt. Es gab gut erzählte, rasante Momente, aber auch unlogische, überzogene Passagen. Und die haben letztendlich den Ausschlag für meine Bewertung gegeben.

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