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Veröffentlicht am 09.06.2025

Hat mich leider nicht so gepackt wie erhofft!

Umweg zum Sommer
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Stefan Kuhlmanns Roadtrip Umweg zum Sommer erscheint im Rowohlt Verlag.

Der abgerockte Musiker Martin plant einen Auftritt auf einem Musikfestival in Portugal und rechnet sich gute Chancen auf einen ...

Stefan Kuhlmanns Roadtrip Umweg zum Sommer erscheint im Rowohlt Verlag.

Der abgerockte Musiker Martin plant einen Auftritt auf einem Musikfestival in Portugal und rechnet sich gute Chancen auf einen musikalischen Durchbruch aus. Leider war sein letztes One-Hit-Wonder bereits vor 20 Jahren und nun hofft er auf sein Comeback.
Doch dann muss seine Schwester zu einer Reha und bittet Martin, für ihren Sohn Karl zu sorgen. Das passt Martin gar nicht und er bringt Karl zur Oma. Er startet in Richtung Süden und kann es kaum fassen, der blinde Passagier an Bord ist Karl. Der möchte seine Ferien nicht bei Oma verbringen, sondern viel lieber ans Meer nach Portugal.

Anfangs mag man es gar nicht glauben, doch die beiden ungleichen Weggefährten Martin und Karl wachsen auf ihrer Reise zusammen. Der 49-jährige Martin ist ein Kindskopf, ein Lebenskünstler, er glaubt allen Ernstes noch daran, eine erfolgreiche Musikerkarriere zu starten, dabei läuft sein einziger Erfolgshit "You Don’t Know Me" inzwischen unter den Oldies im Radio. Er fühlt sich immer noch als Rockstar und denkt, seine beste Zeit liege noch vor ihm. Ist das wirklich so? Martin kommen auf der Reise Zweifel, besonders weil sein nerviger Neffe das Leben anscheinend besser versteht als er.

Karl ist für diese Reise der beste Begleiter, er schwimmt total gerne und möchte ans Meer. Außerdem ist die Tiefsee sein Steckenpferd und er weiß alle möglichen Dinge, von denen sein Onkel Martin nicht einmal gehört hat, wie die Benthosökologie. Im Grunde findet er Martin ziemlich peinlich, denn der glaubt wirklich immer noch daran, als Rockstar durchzustarten. Genauso peinlich ist aber auch Karls Plüschtier, ein Orca, der überall mit muss. Mit diesem Sommer kommt aber auch Karl in die Pubertät und diese Entwicklung versteht Martin recht gut.

Auf ihrer Reise kommen Onkel und Neffe wegen knapper Kasse bei verschiedenen Verflossenen von Martin unter, mal gut, mal eher nicht. Sie begehen Ladendiebstahl, lassen sich von alten Bekannten Martins aushalten und helfen einem Flüchtling.

Die Geschichte ist locker erzählt, sehr unterhaltsam und hat einige schöne Szenen, über die ich schmunzeln konnte, vieles war aber vorhersehbar. Martin ist kein Mann, den ich bewundern würde. Er ignoriert die Zeichen der Zeit und denkt immer noch, er wäre ein echter Rockstar. Das erkennt auch Karl, der zwar sehr intelligent ist, aber auch recht altklug, womit er nicht nur Martin auf den Geist ging, sondern auch mir. Doch mit seiner charmanten Art hat er Erfolg und setzt seine Wünsche durch. Es war für mich interessant, was beide erleben und wie sie sich auf der Reise arrangieren und wie Martin die Realität erkennt.

Ein unterhaltsamer, humorvoller Roadtrip mit zwei speziellen Charakteren, die sich einander annähern und zum Zusammenwachsen der Familie sorgen!

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Keine leichte Kost, aber ein Debüt, das nachhallt!

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Das Debüt "Mit dir da möchte ich im Himmel Kaffee trinken" von Sarah Lorenz erscheint bei Rowohlt Polaris.

Wir begleiten wir Elisa auf dem Weg zum Erwachsenwerden und erfahren, wie sie sich durch ihr ...

Das Debüt "Mit dir da möchte ich im Himmel Kaffee trinken" von Sarah Lorenz erscheint bei Rowohlt Polaris.

Wir begleiten wir Elisa auf dem Weg zum Erwachsenwerden und erfahren, wie sie sich durch ihr Leben kämpft und dabei in Mascha Kalékos Gedichten die Antwort auf ihre Lebensfragen sucht. Sie hält Zwiesprache mit Mascha, wohl wissend, dass nur sie selbst ihr Leben leben muss. Jedes Kapitel wird mit einem Gedicht von Mascha eingeleitet.

«Ich habe verschiedene Diagnosen erhalten: Borderline - natürlich, alle lauten, stark fühlenden, leidenschaftlichen und impulsiven Frauen erhalten irgendwann in ihrem Leben eine Borderline-Diagnose.» Zitat

Bei diesem Roman hatte ich Bedenken, dass es problematisch würde, mich mit der Figur der Elisa zu arrangieren. Denn in Sarah Lorenz persönliche Vorstellung ihres Buches auf der Buchmesse in Leipzig wusste ich einiges über den Inhalt der Geschichte. Darin krempelt die Ich-Erzählerin Elisa ihr Innerstes nach außen und lässt neunundzwanzig Jahres ihres Lebens seit der Trennung der Eltern Revue passieren. Es folgten Monate im Heim, ein Punk-Leben mit Dosenbier, Obdachlosigkeit, später Heimat finden in Hamburg und der Tod des Vaters in Eckernförde. Auch von ihrer großen Liebe erzählt sie, die sie vor besondere Schwierigkeiten stellt.

Mit dieser Geschichte kommt Elisa mir als Leserin sehr nah, indem sie gnadenlos offen von den Schattenseiten ihres Lebens erzählt, von Fremdeinflüssen, den eigenen Fehlern und Süchten, aber auch von ihren glücklichen und Halt bringenden Erlebnissen berichtet, die ihr Hoffnung gaben. Ihr Leben wurde durch die fehlende Liebe der Mutter geprägt, was man erst im Laufe der Erzählung wirklich genau begreifen kann und auch bei Elisa zu etwas mehr Verständnis führt. Ihre Einsamkeit versucht sie mit Inhalt zu füllen, sie taucht ein in die Welt der Bücher, Freunde muss sie erst gewinnen, findet öfter den falschen Umgang, greift zu Alkohol und Drogen und sucht in Männerbekanntschaften das kurze Glück. Häufig gerät sie auch da an Typen, die ihr nicht gut tun, da macht sie sich etwas vor und lässt sich in vieler Hinsicht zum Opfer machen.

Es ist schon harter Tobak und war nicht gerade leicht, sich mit Elisas Leben zu beschäftigen, doch die Erzählung hat es mir einfach gemacht, indem die Sprache mich einfach mitgenommen hat auf diese unheilvollen Begegnungen mit den dunklen Seiten des Lebens.
Die Themenbreite umfasst fehlenden Halt in der Kindheit, psychische Probleme, das Ausbrechen aus einem bürgerlichen Leben, sexuelle Übergriffe, falsche Beziehungen, Suizid, die Krebserkrankung ihres Mannes. Diese schwierigen Themen werden wie in einer Aufzählung nacheinander aufgelistet, in die Tiefe gegangen wird leider kaum.
Und über allem schweben die wunderbaren Gedichte von Mascha Kaleko, die nicht immer zum jeweiligen Kapitel passen, ich habe sie dennoch gerne gelesen. Doch hier geht es nicht um einen Gedichtband, es geht um Elisas Gefühle, ihre Hoffnung auf Liebe und ihre Erfahrungen.

Ein bewegendes und schonungslos erzähltes Buch, das man aushalten können muss, Triggerwarnungen gibt es genug!


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Veröffentlicht am 20.03.2025

Dieser Cosy-Crime konnte mich nicht fesseln!

Mord im Chateau
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Im Rowohlt Verlag erscheint der Kriminalroman Mord im Chateau von Ian Moore, es ist der dritte Band der Reihe Ein Brite in Frankreich.

Der Brite Richard Ainsworth führt eine kleine Pension im Loiretal, ...

Im Rowohlt Verlag erscheint der Kriminalroman Mord im Chateau von Ian Moore, es ist der dritte Band der Reihe Ein Brite in Frankreich.

Der Brite Richard Ainsworth führt eine kleine Pension im Loiretal, in der sich eine Filmcrew eingemietet hat. Sie drehen im benachbarten Château de Valençay einen historischen Film, was Richard als promovierten Filmhistoriker begeistert. Aber dann stirbt plötzlich ein Schauspieler unter merkwürdigen Umständen. Richard und Valérie haben inzwischen ein Detektivbüro und arbeiten als Sicherheitsteam am Drehort, diese Gelegenheit kommt ihnen gelegen, um undercover zu ermitteln. Dabei kommen sie einigen Intrigen und Streitigkeiten auf die Schliche. Der Täter muss unter den Filmleuten sein!

Richard und Valérie sind als Sicherheitsleute zum Schutz der Filmcrew engagiert. Valéries Nichte wird angeblich von einem Stalker verfolgt und bedroht und dann stirbt ein Statist im stolzen Alter von 102 Jahren, doch ihn traf kein natürlicher Tod. Kurz darauf gibt es ein weiteres Opfer, das stärkt den Verdacht, das hier doch ein Mord vorliegen könnte.

Dies ist mein erstes Buch der Reihe und ich habe viel Aufmerksamkeit darauf verwendet, um bei der Vielzahl an Figuren den Überblick zu behalten und die Beteiligten und ihre Beziehungen zueinander richtig einordnen zu können. Ein Personenregister wäre durchaus hilfreich gewesen. Die Charaktere sind bunt gemischt, teilweise recht skurril, kamen mir bis auf die liebenswerten Figuren Richard und Valérie leider nicht sehr nah. Dabei enthält die Handlung amüsante Szenen mit britischem Wortwitz und der undurchsichtige Fall scheint interessant und wird stimmig gelöst. Leider hat mich aber die doch recht langatmige Aneinanderreihung von endlosen Gesprächen und belanglosen Szenen der zahlreichen Figuren irgendwann nicht mehr gefesselt.

Einziges Highlight sind Richards Kämpfe, die er mit dem Pfau im Schlosshof abhält. Ansonsten hat sich mir der rote Faden im Krimi nicht so recht erschlossen, er scheint zwischen den abschweifenden Erzählungen auf der Strecke geblieben zu sein. Irgendwann verlor sich mein Interesse für den wahren Mörder und das Tatmotiv, trotzdem habe ich geduldig bis zum Ende gelesen.

Leider konnte mich der Fall nicht fesseln!

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Eine Zeitreise in die 90er Jahre!

Das Leben fing im Sommer an
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Bei Kiepenheuer & Witsch erscheint Christoph Kramers Coming-of-age Roman Das Leben fing im Sommer an.

Im heißen Sommer 2006 erhitzt die Fußballweltmeisterschaft die Gemüter, damals war Chris Kramer gerade ...

Bei Kiepenheuer & Witsch erscheint Christoph Kramers Coming-of-age Roman Das Leben fing im Sommer an.

Im heißen Sommer 2006 erhitzt die Fußballweltmeisterschaft die Gemüter, damals war Chris Kramer gerade 15 Jahre alt und stand an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Zeit ist erfüllt von abendlichen Treffen mit Freunden auf den Dach einer alten Scheune, tagsüber schläft er im Freibad und träumt von einer Karriere als Fußballprofi. Den Teenager treibt die Suche nach sich selbst um, er hasst seine Pickel und möchte endlich eine Freundin haben. Dann tritt mit Debbie das schönste Mädchen in sein Leben und mit ihr erlebt er eine emotionale Achterbahnfahrt, die ihn hoch hinaus trägt, aber auch tief fallen lässt. Mit seinen Freunden erlebt er einen nächtlichen Roadtrip, der ihm zeigt, wie es sich anfühlt, ausgelassen zu leben.

Da ich mich nicht für Fußball interessiere, war mir Christoph Kramer nicht bekannt.

In dieser Geschichte erzählt Christoph Kramer von drei Tagen im Sommer 2006, die seine persönliche Wende ins zukünftige Leben markierten. Mit viel Einfühlungsvermögen und dem Gespür für das Erwachsenwerden beschreibt er seine Erlebnisse mit Freunden im Schwimmbad, den ersten Kuß und ein Abenteuer der besonderen Art.

Die Erzählweise ist gut zu lesen, manche Erlebnisse finde ich zu auserzählt, doch das ist ja Geschmacksache. Man kann die gezeigten Gefühle, Ängste und emotionalen Momente gut nachvollziehen und erlebt einen Teenager mit Träumen, der seinen Platz im Leben sucht und zwischen Unsicherheit und dem Wunsch nach Anerkennung gefangen ist. Besonders authentisch finde ich die Beschreibung der Freundschaft zu seinen Jungen in der Nachbarschaft. Sie unterstützen ihn und stärken ihm das Selbstbewusstsein während der pubertären Zweifel. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich nicht so recht weiß, was ich von dem nächtlichen Roadtrip glauben kann und soll.

Das Buch war nicht gerade das, was ich sonst lese und doch habe ich die Erzählweise und einige Phrasen der Selbstreflexion genossen.

Diesen Coming-of-age-Roman empfehle ich allen jüngeren Semestern aus den 90ern, weil viele Erlebnisse diese Zeit widerspiegeln und jüngere Leser mehr damit anfangen können als ältere.
Christoph Kramer reflektiert den Sommer 2006 mit dem Fußballmärchen, sein Leben und die Liebe.

Eine berührende Zeitreise in die 90er Jahre, die noch Potential nach oben hat!

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Solider Landkrimi mit viel Lokalkolorit!

Tot überm Weidezaun
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Im Rowohlt Verlag erscheint der Elbe-Krimi "Tot überm Weidezaun" von Hedda Anders.

Kommissarin Wencke Dierksen hat die Polizeiarbeit hinter sich gelassen und startet ihren neuen Lebensabschnitt auf einem ...

Im Rowohlt Verlag erscheint der Elbe-Krimi "Tot überm Weidezaun" von Hedda Anders.

Kommissarin Wencke Dierksen hat die Polizeiarbeit hinter sich gelassen und startet ihren neuen Lebensabschnitt auf einem Bauernhof im ländlichen Sorum bei Hamburg. Der Hof ist das Erbe ihres Onkels und mit dem Hof hat Wencke auch Alpaka Christopher übernommen, der sogar im Haus leben darf. Die Beschaulichkeit ist aber nicht von Dauer, Ex-Kollege Theo Kleist bittet Wencke in einem mysteriösen Verbrechen um Mithilfe. Dackel Bootsmann hat mit einem Handy zufällig Filmaufnahmen gemacht - die Aufnahmen zeigen eine leblose Hand und Theo befürchtet, das es möglicherweise einen Mord gegeben haben könnte. Aber wo ist die Leiche?

Die Handlung dieses Krimis spielt im ländlichen Dorf Sorum, da wundert es wenig, wenn hier auch tierische Charaktere mitmischen. Allen voran Dackel Bootsmann, der ein Faible für das Schnappen von Handys hat und dessen Aufnahmen für große Aufregung sorgen. Als Wencke nach Sorum zieht, spricht sich das schnell herum, jeder im Dorf kennt sie und der neueste Dorftratsch mit der leblosen Hand spricht sich schnell herum. Ihr Ex-Kollege Theo aus Hamburg bittet Wencke um Mithilfe, denn ihr vertrauen die Leute. Schnell ist Wencke in einen merkwürdigen Fall eingebunden und findet zwischen Weiden, Bio-Kisten und verirrten Kiezlegenden die Wahrheit heraus.

Diese Geschichte liest sich unterhaltsam, für das nötige Landflair sorgen Szenen in der Bio-Landwirtschaft und Weideviehhaltung und einige Dialoge in Dialekt entsprechen dem O-Ton der Dörfler.

Dieser unterhaltsame Krimi liest sich locker weg, die Spannung steigt erst zum Ende hin an und bei der Ermittlung schaut der Leser Wencke und Theo direkt über die Schulter. So ist man nah am Geschehen und kann gut mitraten, den Täter hatte ich schnell gefunden, nur das Motiv versteckte sich lange Zeit zwischen Misthaufen und Bio-Kisten.

Die Figuren werden gut charakterisiert, oft reicht schon allein der Name plus Zusatz, um sich ein Bild über die Person machen zu können. Warzenheiner oder Marmeladen-Toni, Fahrplan-Fiete und Schnee-Schorsch. Das liest sich anfangs noch recht amüsant, bezogen auf die gesamte Handlung fand ich es dann aber doch etwas übertrieben.

Wencke hat mit ihrem Alpaka Christopher einen ungewöhnlichen Mitbewohner, mit dem sich Freund Hosse abfindet. Die Ermittlungs-Teilerfolge werden regelmäßig mit reichlich Alkohol gefeiert, für Alkoholiker ist dieses Buch wohl eher keine geeignete Lektüre. Der Fall bindet Wencke schnell ein, sie hat das nötige Gespür für Lügen oder Vertuschungen, folgt aber auch mal einer falschen Fährte. Am Ende stellt sie dann aber doch den Täter und gerät in dessen Gewalt.

Dieser Krimi ist ein solider Fall für zwischendurch mit speziellem Landleben, etwas Dialekt und humorvollen Szenen mit den tierischen Darstellern.

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