Body Horror mit wichtigen Themen
Das Beste sind die AugenSeit ihr Vater sie verlassen hat, ist Ji-wons Familie wie erstarrt. Die Mutter weint viel und lauscht ständig an der Wohnungstür auf die Rückkehr ihres Mannes. Auch Ji-wons jüngere Schwester Ji-hyun wartet ...
Seit ihr Vater sie verlassen hat, ist Ji-wons Familie wie erstarrt. Die Mutter weint viel und lauscht ständig an der Wohnungstür auf die Rückkehr ihres Mannes. Auch Ji-wons jüngere Schwester Ji-hyun wartet sehnsüchtig auf ihn. Doch dann lernt die Mutter George kennen, einen weißen Amerikaner mit einem Fetisch für asiatische Frauen. Der nistet sich nun in der Familie ein, obwohl er nicht einmal die Namen der Töchter richtig aussprechen kann und sie daher nur JW und JH nennt. Darüber hinaus wirft er ihnen anzügliche Blicke zu, was die Mutter nicht zu bemerken scheint oder gar nicht erst bemerken will. Doch Ji-won ist sich sicher: sie wird Mutter und Schwester beschützen – egal wie!
„Das Beste sind die Augen“ ist das Debüt der koreanischen Amerikanerin Monika Kim, deren Eltern – wie auch die im Roman – in die USA eingewandert sind; die deutsche Übersetzung stammt von Jasmin Humburg. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der 18-jährigen Ji-won in der Ich-Form und im Präsens, so dass wir unmittelbar ihren Abstieg in den Wahn miterleben. Im Verlauf der Handlung steigert sie sich immer mehr in den Aberglauben hinein, dass es Glück bringt, die Augen eines Fisches zu essen und entwickelt eine starke Obsession für Augen im Allgemeinen. Durch Interaktionen mit Ji-hyun oder mit ehemaligen Freundinnen fangen wir außerdem an, ihre Rolle als Erzählerin anzuzweifeln. Stimmt etwas mit Ji-won nicht?
„Das Beste sind die Augen“ ist vordergründig zunächst ein Body Horror-Roman, spricht aber auch wichtige Themen an. Es wird beschrieben, wie schwer es Ji-wons Familie gefallen ist, in den USA Fuß zu fassen und wie sie immer noch Außenseiter geblieben sind. Zudem geht es um Gewalt gegen Frauen: Die Mutter wird von George ausgenutzt, für den asiatische Frauen nur Lustobjekte oder bessere Putzfrauen sind. Und auch Ji-won wird an der Uni von einem Kommilitonen gestalkt. Darüber hinaus stellt sie auch die eigene Sexualität in Frage, was vor dem Horrorthema leider in den Hintergrund rückt.
Fazit: Ein verstörender Roman mit wichtigen Themen, der am Ende etwas übertreibt