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Veröffentlicht am 08.07.2025

Justizkrimi

Die feindliche Zeugin
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Ein weißer Krankenpfleger wird im Herbst 2023 in einem Londoner Park von einer Gruppe schwarzer Jugendlicher angegriffen und erliegt schließlich einer Stichwunde. Emmet ist der Hauptverdächtige, da er ...

Ein weißer Krankenpfleger wird im Herbst 2023 in einem Londoner Park von einer Gruppe schwarzer Jugendlicher angegriffen und erliegt schließlich einer Stichwunde. Emmet ist der Hauptverdächtige, da er mit einem Messer aufgefunden wurde und zwei Zeugen ihn belasten. Die junge, schwarze Anwältin Rosa wird als sein Barrister, also Prozessanwalt engagiert und merkt einmal mehr, wie sehr die Vorverurteilungen ihre Arbeit beeinflussen.

Für mich war diese Geschichte ein Mustread nachdem ich die Autorin, Alexandra Wilson schon von ihrem Vorgängerbuch „In Black and White: A Young Barrister’s Story of Race and Class in a Broken Justice System” kannte. Besonders freute es mich, dass sie sich im Gegensatz zum Vorgänger nun an einen Thriller gewagt hat. Man merkt auch hier die Sachkenntnis der Autorin, die selbst als Barrister in England arbeitet. Trotz all der Fachbegriffe, die man vielleicht speziell, wenn man aus einem anderen Rechtssystem kommt, nicht kennt, lässt sich die Geschichte leicht lesen. Neben der, wie ich meine, realistischen Darstellung des Justizwesens allgemein, werden auch noch die privaten Probleme des Angeklagten und der Anwältin eingeflochten. Denn immerhin ist diese neben Anwältin auch Tochter, Enkelin, Schwester und kämpft mit der Last aus einer einkommensschwachen Schicht zu kommen und ihre Familie unterstützen zu wollen und müssen. Außerdem erkennt man welchen Unterschied es macht, ob man in ein unterstützendes System hineingeboren wird, oder sich seinen Weg erst erkämpfen muss.

Das Buch ist ein Justizthriller, bei dem man keine Aktion geladenen Kampfszenen oder ausgedehnte Verfolgungsjagden erwarten darf. Die Spannung ergibt sich vor allem aus dem Kampf gegen die Zeit und das ungerechte System. Langsam nimmt die Geschichte Fahrt auf, sodass man erst auf den letzten ca. hundert Seiten wirklich im Prozess landet. Meiner Meinung ist das aber auch der durchwegs realistischen Schilderung eines Gerichtsprozess geschuldet. Natürlich hätten so manche detaillierte Beschreibung sicher auch kürzer ausfallen können.

Ich würde das Buch definitiv empfehlen, wenn man gerne einen Einblick in das britische Rechtssystem und den Vorverurteilungen denen People of Colour ausgesetzt sind, bekommen möchte. In Zeiten von Black Lives Matters Debatten ein wichtiges Thema, hier eher leicht verpackt in einem Thriller.

Veröffentlicht am 16.06.2025

Kampf gegen die Zeit

Der Stau
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Belina Kidd, Komissarin, gerät am Weg vom Flughafen in die Stadt in einen Stau. Auf Grund einer Explosion in einem Tunnel (ein Anschlag wird vermutet) wird man wohl etliche Stunden hier verbringen. In ...

Belina Kidd, Komissarin, gerät am Weg vom Flughafen in die Stadt in einen Stau. Auf Grund einer Explosion in einem Tunnel (ein Anschlag wird vermutet) wird man wohl etliche Stunden hier verbringen. In einem Wagen wird eine Leiche gefunden- ermordet mit einer Fahrradspeiche. Belinda Kidd erkennt, dass der Mörder noch in der Nähe sein muss, da ja der gesamte Verkehr zum Erliegen gekommen ist.
Die Geschichte fand ich auf Grund der Zeitkomponente und der Tatsache, dass der Handlungsort sehr beschränkt, ist wahnsinnig faszinierend. Meiner Meinung nach ist die Gliederung gelungen- Überkapitel die die jeweilige Stunde der Ermittlung zeigen und Unterkapitel mit der genauen Uhrzeit. Ein bisschen fühlte ich mich an die Serie 24 erinnert. Also man merkt das Tempo.
Hauptsächlich wird die Geschichte aus der Perspektive der Kommissarin geschildert, an manchen Stellen wird die Vergangenheit der Mitstauenden beschrieben. Es mangelt nicht an Charakteren und man sieht, wie sich Personen unter Extremzuständen verhalten – teilweise finden sich Verbündete, teilweise auch nicht. Nichtsdestotrotz ist die Ermittlerin weitgehend auf sich allein gestellt. Sie hat das so wohl auch noch nie erlebt hat und muss improvisieren muss. Die Spannung liegt auch im Fehlen der gewohnten Ressourcen, bis auf die telefonische Unterstützung durch die Dienststelle. Ich mochte den Charakter der Kommissarin sehr – tough, teilweise witzig und mit verständlichen eigenen Problemen (Jetlag und Toilette) konfrontiert und fand sie glaubwürdig.
An manchen Stellen wurde die Geschichte jedoch etwas langatmig, wobei dies oft mit einer neuen spannenden Erkenntnis kompensiert wurde.
Für mich war dieses Buch ein Highlight der Thriller, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Vor allem das Locked-Room Prinzip, das mit einem Stau an die Spitze getrieben ist, hat mich gefesselt.

Veröffentlicht am 15.06.2025

viel schwarzer Humor

Very Bad Widows
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Drei Freundinnen möchten nun endlich in den Ruhestand gehen und entdecken, dass ihre Ehemänner das Vermögen verspekuliert haben. Um dennoch halbwegs abgesichert den Ruhestand antreten zu können, engagieren ...

Drei Freundinnen möchten nun endlich in den Ruhestand gehen und entdecken, dass ihre Ehemänner das Vermögen verspekuliert haben. Um dennoch halbwegs abgesichert den Ruhestand antreten zu können, engagieren sie einen Auftragskiller, um an die entsprechenden Lebensversicherungen zu kommen. Die Männer haben ihrerseits denselben Auftragskiller kontaktiert um ihre Frauen aus dem Weg zu schaffen.

Selten viel es mir so schwer ein Buch zu rezensieren, ohne allzu viel preiszugeben.

Der Schreibstil war leicht und viel unterhaltsamer und satirischer als ich mir zu Beginn dachte. Man wechselt locker flockig von einem Charakter zum anderen, deckt immer mehr Geheimnisse auf. Man Ist verwundert, wie oft so manches zu Missverständnissen und Missinterpretationen führt. Teilweise ein bisschen wie eine Sitcom aus den 90ern oder auch einfach eine Katz und Maus Jagd.

Die Geschichte als solches ist sicher nicht sonderlich realistisch, denn wer überlegt schon einen Auftragskiller zu bezahlen, um seinen Partner zu töten. Die Beschreibung der Paarbeziehungen und Probleme fand ich dafür umso treffender. Im Laufe der Zeit haben sie sich die Paare durch den Alltag auseinandergelebt und wenig an ihren Kommunikationsfähigkeiten gearbeitet. Einen schönen Gegensatz bildeten die Freundschaften, die schon sehr lange halten und durchwegs auch neue untypische (gut auch nicht ganz realistische) Herausforderungen gewachsen sind.

Ich hoffe auf mehr von dieser Autorin und hoffe die neue Geschichte enthält auch viel schwarzen Humor.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

schöne Wintergeschichte mit sehr bildhafter Beschreibung

Schneeflöckchen im Zitronenröckchen
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Ein wunderschöne winterliche Geschichte, die auch Lust macht die Region zu besuchen.

Miriam Schweigkofler entführt uns an den winterlichen Gardasee und die Region. Alena, die Hauptprotagonistin, arbeitet ...

Ein wunderschöne winterliche Geschichte, die auch Lust macht die Region zu besuchen.

Miriam Schweigkofler entführt uns an den winterlichen Gardasee und die Region. Alena, die Hauptprotagonistin, arbeitet für eine Eventagentur in Bozen. Es bietet sich die große Chance für die Eventagentur den Weihnachtsmarkt in Limone zu gestalten. Doch auch wenn der nächste große Auftrag Alena schon versprochen war, scheint es jetzt nicht so zu laufen. Privat ist bei Alena auch der Wurm drinnen. Max, ihr Freund, ist sehr eigen und lässt nur manchmal von sich hören und dann küsst er auch noch einen andere Person. Alena darf nun doch nach Limone und flüchtet sich gerne in die neue Chance. Doch Tommaso- Tommy- der das Tourismusbüro von Limone leitet ist sehr abweisend. Wir lernen viele liebevolle Charaktere aus Limone kennen, die Alena herzlich willkommen heißen. Doch was passiert zwischen Alena und Tommaso?

Ich liebe das Cover, dass so richtig schön Winter schreit und gleichzeitig vor allem zu diesem Buch passt.

Die Geschichte lässt sich sehr flüssig lesen und es fehlt dennoch nicht an detailreichen Beschreibungen . Dadurch bekommt man auch wirklich Lust die Region kennen zu lernen. Es ist wirklich sehr bildhaft geschrieben und lässt sofort das Kopfkino anspringen. Die Personen und die Geschichte gestaltet sich auch so wie es oft im normalen Leben ist, ein hin und her und man weiß nicht so recht woran man ist.

Wenn man einen kurzweiligen Winterroman sucht oder vl auch gerne die Region Gardasee kennen lernen möchte ist man hier absolut richtig.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Auch im Sechsten Teil wird es nicht langweilig

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 6: Der süße Klang von Rache
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uch im sechsten Teil der Serie ermitteln alte Bekannte wieder in einem Mordfall. Dabei beginnt für Anna alles ganz idyllisch mit einem Strandtag, bei dem sie einen Straßenmusiker kennen lernt. Dieser entpuppt ...

uch im sechsten Teil der Serie ermitteln alte Bekannte wieder in einem Mordfall. Dabei beginnt für Anna alles ganz idyllisch mit einem Strandtag, bei dem sie einen Straßenmusiker kennen lernt. Dieser entpuppt sich jedoch als nicht so unbekannter Künstler. Er lässt sich breitschlagen ein Konzert in Fontenaia zu geben, dass Begeisterte aus der ganzen Region anzieht. Im Jubel und Trubel um das Konzert kommt es zu einem Mord und Anna findet sich wieder in Mitten der Ermittlungen wieder.

Ein angenehm zu lesender, kurzweiliger Krimi. Die handelnden Personen sind wie in den Vorgängerbüchern, jedoch verändert sich hier die Teamdynamik. Das Team rückt mehr zusammen und man bekommt mehr von den Stärken der Ermittler mit. Dadurch wird auch die, den Kriminalfall umgebende Handlung nicht langweilig. Anna und Vico interagieren harmonischer und schienen beide nun in Fontenaia angekommen zu sein. Das Schönste aber (da es ja ein Krimi ist) ist die Fülle an Verdächtigen und das Miträtseln bis zum Schluss. Jedes Teammitglied ist eingebunden und bringt seine Stärken ein. Es werden so viele Verdächtige präsentiert. Ich muss gestehen ich wurde mit dem Ende sehr überrascht.

Wenn man einen angenehm zu lesenden Krimi mit italienischem Flair sucht, ist man hier definitiv richtig bedient.

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