Gelungene und sehr unterhaltsame Gesellschaftssatire
QualityLand „Qualityland“ war das erste Buch, das ich von Marc-Uwe Kling gelesen habe, und was soll ich sagen, ich bin begeistert.
Es ist eine Gesellschaftssatire, die in der nicht allzu fernen Zukunft spielt, auf ...
„Qualityland“ war das erste Buch, das ich von Marc-Uwe Kling gelesen habe, und was soll ich sagen, ich bin begeistert.
Es ist eine Gesellschaftssatire, die in der nicht allzu fernen Zukunft spielt, auf dystopisch-utopische Weise bereits heute existierende Problematiken weiterspinnt und dabei verblüffend real und wie eine Zukunft, die so wirklich passieren könnte, wirkt. Bei der Lektüre fühlte ich mich aber nicht negativ mit den Problemen der Gesellschaft konfrontiert oder dem Untergang geweiht, sondern auf satirische Weise gut unterhalten, denn der Schreibstil ist nicht nur flüssig und sprachlich wohl voll auf die zwölf, sondern auch frech und so unfassbar witzig, dass ich an vielen Stellen schmunzeln oder auch mal herzhaft lachen musste. Ich musste zwar auch oft den Kopf schütteln angesichts der erschreckend realistischen und gar nicht so dystopischen Zukunftsszenarien, aber ich fand es doch eher amüsant als erschreckend und so regte es mich auf humorvolle Weise zum Nachdenken an, wie es sich für eine gute Satire gehört. Die Anspielungen und gesellschaftskritischen Pointen (und davon gibt es wirklich viele), egal ob offensichtlich oder unterschwellig, sind wirklich gut gemacht und dieser beißende Sarkasmus immer wieder setzt dem noch die Krone auf, einfach genial. Das Buch bringt einen immer wieder zum Lachen und der Humor ist wirklich grandios, ich habe mich köstlich amüsiert.
Das Buch überzeugt aber nicht nur mit viel Humor und gekonnt in Satire verpackter Gesellschaftskritik, sondern auch mit großartigen und abwechslungsreichen Charakteren und verschiedenen Handlungssträngen, die am Ende schlüssig und stimmig zusammengeführt werden. Auf der einen Seite „Peter Arbeitsloser“, der als „Level-9-Maschinenverschrotter“ zeitweise zu den „Nutzlosen“ gehört. Dieser unscheinbare, einfache Mann, der eher am unteren Ende der Gesellschaft steht und ungewollten, menschelnden Maschinen heimlich eine neue Heimat gibt, will es nicht mehr hinnehmen, dass andere über sein Leben bestimmen und ist alles andere als ein Nutzloser! Sein Beruf erfüllt ihn nicht wirklich und ihn beschleicht immer mehr das Gefühl, dass das System möglicherweise doch nicht so perfekt ist, denn er erhält ein Produkt, das er nicht haben möchte, und beginnt, sich zur Wehr zu setzen. Was zunächst als kleines, persönliches Ziel beginnt, entwickelt sich mit medialer Hilfe schnell zu einer sich verselbstständigenden Welle, die ihn auf die Spur eines fehlerhaften Systems führt und mit tiefgründigen Fragen über Freiheit, Selbstbestimmung und die beängstigende Macht der Technologie konfrontiert.
Und auch seine ausrangierten Maschinen sind keinesfalls kaputt, sondern sehr sympathisch. Sie werden zu seinen besten Freunden und unterstützen ihn auf ihre Weise ganz fantastisch, auch wenn sie so ihre Eigenarten haben.
Auf der anderen Seite haben wir den Androiden und Präsidentschaftskandidaten „John of Us“, der versucht die Welt zu einem besseren Platz zu machen und dabei menschlicher und liebenswerter ist als die allermeisten Menschen, die man in diesem Buch antreffen wird. Und seine Wahlkampfberaterin Aischa Ärztin, die ihm treu zur Seite steht, weiß sich zu behaupten und traut sich, freiheraus ihre Meinung zu sagen, oft auch garniert mit dem einen oder anderen sarkastischen Kommentar oder Fluch. Absolut grandios!
Alles in allem ist diese Zukunftssatire ein wirklich gelungenes, visionäres und hochaktuelles Werk voller skurriler Figuren, aberwitziger Handlungen und verrückter Ideen, die jedoch nicht völlig abwegig sind. Manches kommt absurd daher, doch dabei auch erschreckend real und vielleicht doch gar nicht so weit weg, wie man denkt. Die Gesellschaftskritik ist so gut in Satire verpackt, dass es gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken anregt und uns als moderner Gesellschaft auf diese Weise gekonnt und schonungslos den Spiegel vorhält. Gerade durch diese Fünkchen Wahrheit ist es sehr lesenswert. Und ich habe selten etwas so Lustiges gelesen. Es macht einfach Spaß, das Buch zu lesen.