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Veröffentlicht am 04.08.2025

Gelungene und sehr unterhaltsame Gesellschaftssatire

QualityLand
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„Qualityland“ war das erste Buch, das ich von Marc-Uwe Kling gelesen habe, und was soll ich sagen, ich bin begeistert.
Es ist eine Gesellschaftssatire, die in der nicht allzu fernen Zukunft spielt, auf ...

„Qualityland“ war das erste Buch, das ich von Marc-Uwe Kling gelesen habe, und was soll ich sagen, ich bin begeistert.
Es ist eine Gesellschaftssatire, die in der nicht allzu fernen Zukunft spielt, auf dystopisch-utopische Weise bereits heute existierende Problematiken weiterspinnt und dabei verblüffend real und wie eine Zukunft, die so wirklich passieren könnte, wirkt. Bei der Lektüre fühlte ich mich aber nicht negativ mit den Problemen der Gesellschaft konfrontiert oder dem Untergang geweiht, sondern auf satirische Weise gut unterhalten, denn der Schreibstil ist nicht nur flüssig und sprachlich wohl voll auf die zwölf, sondern auch frech und so unfassbar witzig, dass ich an vielen Stellen schmunzeln oder auch mal herzhaft lachen musste. Ich musste zwar auch oft den Kopf schütteln angesichts der erschreckend realistischen und gar nicht so dystopischen Zukunftsszenarien, aber ich fand es doch eher amüsant als erschreckend und so regte es mich auf humorvolle Weise zum Nachdenken an, wie es sich für eine gute Satire gehört. Die Anspielungen und gesellschaftskritischen Pointen (und davon gibt es wirklich viele), egal ob offensichtlich oder unterschwellig, sind wirklich gut gemacht und dieser beißende Sarkasmus immer wieder setzt dem noch die Krone auf, einfach genial. Das Buch bringt einen immer wieder zum Lachen und der Humor ist wirklich grandios, ich habe mich köstlich amüsiert.

Das Buch überzeugt aber nicht nur mit viel Humor und gekonnt in Satire verpackter Gesellschaftskritik, sondern auch mit großartigen und abwechslungsreichen Charakteren und verschiedenen Handlungssträngen, die am Ende schlüssig und stimmig zusammengeführt werden. Auf der einen Seite „Peter Arbeitsloser“, der als „Level-9-Maschinenverschrotter“ zeitweise zu den „Nutzlosen“ gehört. Dieser unscheinbare, einfache Mann, der eher am unteren Ende der Gesellschaft steht und ungewollten, menschelnden Maschinen heimlich eine neue Heimat gibt, will es nicht mehr hinnehmen, dass andere über sein Leben bestimmen und ist alles andere als ein Nutzloser! Sein Beruf erfüllt ihn nicht wirklich und ihn beschleicht immer mehr das Gefühl, dass das System möglicherweise doch nicht so perfekt ist, denn er erhält ein Produkt, das er nicht haben möchte, und beginnt, sich zur Wehr zu setzen. Was zunächst als kleines, persönliches Ziel beginnt, entwickelt sich mit medialer Hilfe schnell zu einer sich verselbstständigenden Welle, die ihn auf die Spur eines fehlerhaften Systems führt und mit tiefgründigen Fragen über Freiheit, Selbstbestimmung und die beängstigende Macht der Technologie konfrontiert.
Und auch seine ausrangierten Maschinen sind keinesfalls kaputt, sondern sehr sympathisch. Sie werden zu seinen besten Freunden und unterstützen ihn auf ihre Weise ganz fantastisch, auch wenn sie so ihre Eigenarten haben.
Auf der anderen Seite haben wir den Androiden und Präsidentschaftskandidaten „John of Us“, der versucht die Welt zu einem besseren Platz zu machen und dabei menschlicher und liebenswerter ist als die allermeisten Menschen, die man in diesem Buch antreffen wird. Und seine Wahlkampfberaterin Aischa Ärztin, die ihm treu zur Seite steht, weiß sich zu behaupten und traut sich, freiheraus ihre Meinung zu sagen, oft auch garniert mit dem einen oder anderen sarkastischen Kommentar oder Fluch. Absolut grandios!

Alles in allem ist diese Zukunftssatire ein wirklich gelungenes, visionäres und hochaktuelles Werk voller skurriler Figuren, aberwitziger Handlungen und verrückter Ideen, die jedoch nicht völlig abwegig sind. Manches kommt absurd daher, doch dabei auch erschreckend real und vielleicht doch gar nicht so weit weg, wie man denkt. Die Gesellschaftskritik ist so gut in Satire verpackt, dass es gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken anregt und uns als moderner Gesellschaft auf diese Weise gekonnt und schonungslos den Spiegel vorhält. Gerade durch diese Fünkchen Wahrheit ist es sehr lesenswert. Und ich habe selten etwas so Lustiges gelesen. Es macht einfach Spaß, das Buch zu lesen.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Herzschmerz, aber auch heilsam und unglaublich intensiv

Shine Bright - New England School of Ballet
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„Shine Bright“ ist nun der dritte Teil der Reihe und ich glaube, es ist mein bisher liebster Teil. Auf jeden Fall ist es ein wunderschönes Buch, das mich sehr tief berührt und auf einer emotionalen Ebene ...

„Shine Bright“ ist nun der dritte Teil der Reihe und ich glaube, es ist mein bisher liebster Teil. Auf jeden Fall ist es ein wunderschönes Buch, das mich sehr tief berührt und auf einer emotionalen Ebene voll abgeholt hat. Es war intensiv, nervenaufreibend und sehr spannend.

Hier bekommt nun Lia bzw. Ophelia, die schon aus den vorigen Bänden bekannt ist, ihre Geschichte und ich muss sagen, ich habe mich sehr darauf gefreut, denn mich hat Lia bereits im ersten Buch aufgrund ihrer familiären und eher unterkühlten Beziehung zu Jase sehr interessiert. Ich habe einfach so sehr gehofft, dass sie sich einander wieder annähern, denn Geschwister sollten doch zusammenhalten. In „Hold me“ mochte ich sie nicht besonders, vermutlich, weil sie hauptsächlich aus Jase‘ subjektiv beeinflusster Wahrnehmung als kalt und übertrieben perfektionistisch geschildert wurde. Sie wirkte irgendwie arrogant, weil sie im Gegensatz zu Jase tanzen durfte und von den Eltern finanziert wurde. In „Shine bright“ habe ich sie aber nochmal von einer ganz anderen Seite kennen und verstehen gelernt. Nach außen hin wirkt ihr Leben perfekt, doch das ist nur eine Fassade, denn sie hat es perfektioniert, ihre Gefühle und ihr wahres Ich, Ophelia, zu verstecken. Eigentlich ist sie sehr einsam, fühlt sich von niemandem gehört, gesehen oder verstanden, niemand aus ihrer Familie interessiert sich für sie oder kümmert sich um sie, obwohl sie sich doch einfach nur nach der Anerkennung ihrer Familie sehnt. Noch nicht einmal ihre Freundinnen sehen, wer sie wirklich ist und auch das Tanzen macht sie schon lange nicht mehr glücklich, sondern stresst sie hauptsächlich nur noch, weil sie immer versucht, perfekt zu sein, sodass sie sich im Tanzen nicht mehr fallen lassen und ausleben kann, sondern ihre Gefühle zurückhält, damit niemand merkt, dass alles nur Fassade ist. Perfektion ist für sie ein Ziel, nach dem sie streben kann, auch wenn ihre Welt zusammenbricht. Es hat mir wirklich unfassbar das Herz gebrochen, zu erfahren, warum Lia so ist, wie sie ist, und woher all der unterdrückte Schmerz kommt, den sie unter ihrer vorgespielten Perfektion vor der Welt zu verstecken versucht. Ich konnte ihre Sorgen, Ängste und Probleme so gut nachempfinden, sodass ich ihr Verhalten auch gleichzeitig besser nachvollziehen konnte. Irgendwie kann ich Lia verstehen und ich fühle mich manchmal genau wie sie. Niemand sieht sie, niemand sieht, wie es ihr geht, niemand fragt sie, wie es ihr geht, niemand hört ihr richtig zu oder ist für sie da. Alle denken, sie wäre perfekt und hätte ihr Leben im Griff und deshalb fragt niemand nach. Sie verstellt sich aber auch und lässt niemanden wirklich an sich ran.
Erst als Phoenix ihr mit dem Ausdruck beim Tanzen helfen soll, lernt sie mit seiner Hilfe langsam, ihre Gefühle zuzulassen und damit umzugehen. Ich habe es geliebt, dass Phoenix immer unter Lias Maske sehen konnte und an ihrer Seite war, als sie sich selbst neu kennengelernt hat. Er ist der erste, der sie wirklich sieht, ihr zuhört, bei dem sie sich fallen lassen und öffnen kann. Sie macht eine großartige Entwicklung durch und erkennt, worauf es wirklich ankommt. Es war wundervoll zu lesen, wie sie immer mehr zu der Person gefunden hat, die sie in tief in ihrem Inneren wirklich ist. Nicht Lia, die sie allen nur vorspielt, sondern Ophelia. Sie war so lange vom Perfektionismus beherrscht, dass sie sich selbst nicht mehr gesehen hat, sie hat sich nur über ihre Leistungen identifiziert und sich verbogen, um gemocht zu werden. Es war herzzerreißend, wie Phoenix ihr geholfen hat, zu sich selbst zu finden, sich zu öffnen, sich fallen zu lassen und ihre Gefühle zulassen und zeigen zu können. Eine so starke Charakterentwicklung wie ihre habe ich wirklich selten gelesen.
Und auch Phoenix ist ein starker Charakter. Er erkennt sofort, dass Lia beim Tanzen nicht sie selbst ist und gibt alles, um ihr zu zeigen, dass sie auch unperfekt perfekt ist und es in Ordnung ist, Gefühle zu zeigen. Er hat sehr viel Verständnis für sie und schafft es in vielen Situationen, genau das Richtige zu sagen, um sie wahlweise aus sich herauszulocken oder sie zu erden. Er sorgt sich viel um andere und will nur das Beste für diejenigen, die er liebt. Er ist empfindsam, aufmerksam und sehr sympathisch. Seine bewegende Vergangenheit ist mir nah gegangen, denn auch er hat emotionale Altlasten zu tragen und weiß gar nicht, wie sehr auch er Lia braucht, um selbst zu heilen.
Nach einer für beide unvergesslichen Nacht treffen sie sich drei Monate später unerwartet an der New England School of Ballett wieder, nun als Lehrer und Schülerin. In Rückblicken erfahren wir nach und nach immer mehr über ihre geheimnisvolle erste Nacht und genauso nach und nach öffnen sich die beiden füreinander, trotz der recht verzwickten Situation und all der Probleme, die sie jeweils persönlich mit einer gemeinsamen Beziehung haben. Die Liebe, die Lia und Phoenix füreinander empfinden, entwickelt sich langsam, aber stetig. Sie ist zerbrechlich, verletzlich und auch durch äußere Umstände kompliziert. Sie hat so viele Facetten und das macht sie so besonders und schön.

Besonders schön war es auch, dass Zoe und Jase in diesem Buch ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mir hier Zoe viel sensibler und rücksichtsvoller vorgekommen ist als Jase, der anfangs keinerlei Verständnis für Lia aufbringen kann. Zoe hingegen merkt gleich, dass es Lia nicht gut geht und schafft es schließlich, Jase dazu zu überreden, über seine Wut hinwegzusehen und sich zu versöhnen. Dadurch können sie ihr Verhältnis endlich verbessern und ihre geschwisterliche Beziehung kann sich wieder in eine positive Richtung entwickeln. Ist ja auch schon schlimm genug, dass sie beide so sehr unter ihrer kaputten Familie leiden. Ihre Eltern sind schrecklich: ignorant, naiv und viel zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Problemen beschäftigt, sodass sie sich kaum um ihre eigenen Kinder kümmern. Wenigstens haben Lia und Jase sich nun gegenseitig, um die traumatische Vergangenheit aufzuarbeiten. Sie merken, dass sie beide sehr darunter gelitten haben und jemanden zum Reden gebraucht hätten. Nun können sie sich vertragen und wieder richtige Geschwister sein, die sich gegenseitig helfen, einander zuhören und für sich da sind.

Das Setting der New England School of Ballett war wieder einmal großartig! Ich finde es so schön, wie präsent die Themen Tanzen und Ballett dieses Mal mit der Liebesgeschichte verbunden werden. Bei den vorigen Büchern habe ich kritisiert, dass das Ballettthema aufgrund der Liebesgeschichte in den Hintergrund gerückt ist. Das ist hier nicht der Fall. Endlich bekommt das Ballett mal den Raum, den es in einer Ballettschul-Reihe einnehmen sollte und zwar mit all seinen Facetten. Man spürt den Leistungs- und Perfektionsdruck, die Konkurrenz, den Schmerz, das Leid, aber auch die Leidenschaft und die tiefen Emotionen, die die Tänzer mit dem Tanz verbinden und durch ihn verspüren. Das macht es für mich so besonders.
Und das ist dem einzigartigen und einfach wunderschönen Schreibstil von Anna Savas zu verdanken. Sie schafft es, die Emotionen und die Atmosphäre so lebendig darzustellen, dass ich förmlich in die Geschichte eintauche, und hat die wundervolle Gabe, Geschichten so zu erzählen, wie es kaum ein anderer kann. Es kommen sowohl ernste als auch wunderschöne Themen nicht zu kurz und bilden eine emotionale, mitreißende und wunderbare Mischung, die mit sehr viel Feingefühl überzeugt, denn die Themen sind nachdenklich und sensibel aufgearbeitet. Manchmal bricht es einem ein bisschen das Herz, weil es so intensiv ist, nur um es dann auf heilsame Weise Stück für Stück wieder zusammenzusetzen.

Also Fazit: Abgesehen von ein paar winzig kleinen Kritikpunkten (z.B. wieder zu viel Spice, aber daran habe ich mich bei New Adult fast schon gewöhnt) ist „Shine Bright“ vermutlich mein Lieblingsbuch der gesamten Reihe und für mich stärker als die vorherigen Bände, weil ich mich selbst am meisten darin wiederfinden konnte und mich der Protagonistin am verbundensten gefühlt habe. Es war irgendwie ganz anders als die anderen beiden Bücher und hat doch perfekt in die Reihe gepasst. Mit so tiefen, echten, intensiven Emotionen, die ich fast schon körperlich spüren konnte, hat es mich emotional auf eine Reise mitgenommen und auch nach dem Lesen nicht mehr losgelassen, sodass ich erstmal eine Weile gebraucht habe, um über das Buch nachzudenken, es zu verarbeiten und mich davon lösen zu können. Einfach außergewöhnlich!

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Unterhaltsam und erkenntnisreich - gelungenes Buch über Introversion

Introvertiert, na und?
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Vor einiger Zeit habe ich Saskia Fröhlich auf YouTube entdeckt und fand ihre kurzen Videos sehr lustig. Ich mochte einfach ihren Humor und ihre sarkastische Art. Hätte nie gedacht, dass sie introvertiert ...

Vor einiger Zeit habe ich Saskia Fröhlich auf YouTube entdeckt und fand ihre kurzen Videos sehr lustig. Ich mochte einfach ihren Humor und ihre sarkastische Art. Hätte nie gedacht, dass sie introvertiert ist und dadurch mit so vielen Herausforderungen zu kämpfen hat. Besonders natürlich, wie sie den Spagat zwischen angeborener Introversion und ihrem Dasein als Stand-Up-Comedienne meistert. Aber das macht sie mir gleich noch viel sympathischer, denn in vielen ihrer Geschichten habe ich mich auch ein bisschen selbst wiedererkannt. Mit diesem Buch hat sie eine fantastische Mischung aus humorvollem Schreibstil, persönlichen Anekdoten und Einsichten sowie lebensnahen Tipps geschaffen. Besonders viel Spaß hat es gemacht, das Hörbuch zu hören, weil sie alles auch sehr unterhaltsam rübergebracht hat. Der Ton ist durchweg locker und humorvoll und der Schreibstil sehr abwechslungsreich, sodass man einfach gern zuhört und sich dabei nie langweilt. Ich habe nicht nur lustigen Geschichten gelauscht, sondern nebenbei auch noch ganz viel über Introversion und auch ein bisschen über mich selbst gelernt.
Besonders interessant fand ich die Beschreibung der "Sozialen Batterie", wie Saskia den Akkustand erkennt und kalkuliert, aber auch, wie das mit dem Aufladen für sie funktioniert. Ich kannte dieses Konzept zwar schon, aber ihre Sicht darauf war nochmal sehr bereichernd und ich fühlte mich davon einfach abgeholt sowie auch von dem Tipp, maximal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen soziale Termine wahrzunehmen.

Was soll ich sagen, ich bin begeistert und kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen. Schon der Untertitel hat mich angesprochen (hab mich persönlich darin sehr wiedergefunden) und dann habe ich es innerhalb kürzester Zeit nur so verschlungen und die Lektüre sehr genossen. Ein unterhaltsames Buch, das auch zum Nachdenken bzw. zur Selbstreflexion anregt sowie viele Aha-Momente und Erkenntnisse über Introversion enthält. Genau die richtige Mischung zwischen guter Unterhaltung und Erkenntnisgewinn. und eine tolle Möglichkeit, auf unterhaltsame Weise etwas über den Umgang mit introvertierten Menschen zu erfahren.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Gelungener Abschluss und liebster Teil der Reihe

Funkenstille (Sweet Lemon Agency, Band 3)
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Achtung: diese Rezension kann geringfügige Spoiler enthalten.

Mit „Funkenstille“ als drittem Band kommt die „Sweet Lemon Agency“-Reihe von Kyra Groh nun also zum Ende. Ein bisschen schade finde ich es, ...

Achtung: diese Rezension kann geringfügige Spoiler enthalten.

Mit „Funkenstille“ als drittem Band kommt die „Sweet Lemon Agency“-Reihe von Kyra Groh nun also zum Ende. Ein bisschen schade finde ich es, denn der dritte Band war für mich nochmal ein großes Highlight und insgesamt mein liebster Teil der Reihe und hat sie gleichermaßen zu einem tollen Abschluss gebracht.

In „Funkenstille“ bekommt nun Amelie, die mir schon in den ersten beiden Bänden sympathisch war und über die ich unbedingt mehr erfahren wollte, ihre eigene Geschichte und ich liebe sie. Amelie ist eine so unglaublich starke Frau, auch wenn ihr das vielleicht selbst gar nicht so bewusst ist und sie sich einredet, ihren unverkennbaren roten Lippenstift als Rüstung und Maske des Selbstbewusstseins zu brauchen. Ich meine, welche Jugendliche würde sich mit 18 entscheiden, eine solch große Verantwortung wie das Großziehen eines Kindes zu tragen und das dann auch noch ganz allein ohne jegliche Unterstützung aus dem Elternhaus oder der Umwelt. Aber Amelie denkt eben auch, sie müsste das alles allein schaffen, um sich zu beweisen, dass sie nicht auf Hilfe angewiesen ist. Und sie macht das auch wirklich großartig, denn sie kümmert sich um Lola, als wäre sie ihr eigenes Kind, auch wenn sie dabei ihre eigenen Bedürfnisse oft so weit zurückstellt, dass sie sie sich sogar aberkennt, weil sie unbedingt für Lola da sein möchte und sich so selbst nie irgendwas gönnt. Ich kann sie verstehen, denn sie möchte das Beste für Lola und ihr die Kindheit ermöglichen, die sie selbst nie hatte, auch wenn es für sie selbst hart ist. Man merkt aber auch deutlich, dass sie nie so ganz darüber hinweggekommen ist, dass sie ihre große Liebe verlassen (und angelogen) hat, um Lola aufziehen zu können, ganz zu schweigen davon, dass sie damit nicht nur Joscha, sondern auch sich selbst das Herz gebrochen hat.

Umso schöner, dass sie dann doch noch eine zweite Chance bekommen, weil Joscha, durch und durch Familienmensch, beruflich als Profifußballer zu seinem Heimatverein in Frankfurt zurückkehrt, um näher bei seiner Familie zu sein. Als er und sein Bruder ein Modelabel gründen und die Sweet Lemon Agency als Werbeagentur engagieren, begegnen sich die beiden wieder und Joscha weiß sofort, dass er sie zurückerobern und um sie kämpfen will, denn er hat schon damals die Trennung nicht wirklich verstanden. Und er gibt sich auch wirklich viel Mühe, lässt nie locker und lässt sich Vieles einfallen, um Amelies Herz zu gewinnen und ihren Kopf zu überzeugen. Und dabei ist er nie übergriffig, sondern stets liebevoll und fürsorglich. Er ist wirklich der Entwurf eines charmanten, rücksichtsvollen, liebevollen Traummannes mit viel Familiensinn.

Das zwischen den beiden ist schon wirklich etwas ganz Besonderes und ihre Verbindung ist so echt, immer da, immer spürbar und absolut nachvollziehbar, so sehr, dass man gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzufiebern, ihre Emotionen nachzuempfinden und auf ein Happy End trotz allen Komplikationen zu hoffen.

Dazu trägt natürlich auch der fesselnde Schreibstil bei, der mich sofort in den Bann gezogen hat, aber auch, dass die Geschichte rund um die Sweet Lemon Agency so stimmig ist. Auch wenn Amelie die Protagonistin ist, begleiten wir doch auch weiterhin die Charaktere aus den vorherigen Bänden mit und sogar Jesse bekommt eine eigene kleine Geschichte, wenn schon kein eigenes Buch. Besonders gut hat es mir auch gefallen, dass Amelie im Laufe des Zeit merkt, dass sie nicht alles allein schaffen muss, sondern dass sie sich anderen anvertrauen und Hilfe annehmen darf, besonders dann, wenn sie von so wunderbaren Menschen wie Klara, Franka und Jesse kommt, die Amelie sofort liebevoll in ihren harmonischen Freundeskreis aufnehmen, sodass sie sich zum ersten Mal seit langer Zeit integriert und wohl in einer Gruppe fühlt.


Insgesamt wirklich sehr stimmig und einfach ein wunderbarer Abschluss der Reihe.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Gefühlvoller und starker Abschluss der Maple-Hills-Reihe

Daydream
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„Daydream“ ist für mich ein Buch mit sehr viel Feinfühligkeit, Emotionalität und Herzensgüte. Selten habe ich ein Buch so sehr genossen und so begeistert verschlungen, wie dieses hier. Einerseits war es ...

„Daydream“ ist für mich ein Buch mit sehr viel Feinfühligkeit, Emotionalität und Herzensgüte. Selten habe ich ein Buch so sehr genossen und so begeistert verschlungen, wie dieses hier. Einerseits war es einfach unglaublich schön, nach Maple Hills zurückzukehren und alle meine Lieblingscharaktere wiederzutreffen, denn das ist, wie alte Freunde zu treffen und ein Stück weit nach Hause zu kommen, andererseits war ich auch gefesselt und fasziniert von der Geschichte, die Hannah Grace nun Henry, den wir seit Band 1 kennen und vielleicht auch lieben, und Halle, die noch recht neu in unserem Maple-Hills-Universum ist, gegeben und wie sie ihren Figuren auf beeindruckend tiefgründige, gefühlvolle, sympathische und humorvolle Art Leben eingehaucht hat. Damit hat sie sich für mich seit Band 1 so unglaublich viel weiterentwickelt. Schon in den vorigen Büchern fand ich es absolut positiv, wie sensibel und empathisch auch auf wichtige und schwierige Themen eingegangen und wie passend diese in die Geschichten eingebunden wurden, aber hier erreicht das für mich nochmals ein neues wunderbares Level.
So geht es beispielsweise unter anderem darum, dass man keinen Alkohol braucht, um von anderen gemocht zu werden, sondern dass sie einen um seiner selbst willen mögen sollten, dass Jungfräulichkeit keinesfalls etwas Schlimmes, sondern viel mehr nur ein soziales Konstrukt ist, dass es beim Sex nicht um gegenseitige Gefälligkeiten, sondern vor allem um Einverständnis, Wohlfühlen, Vertrauen und Freiwilligkeit geht, und dass man auch ohne das Label „Beziehung“ glücklich zusammen sein kann, solange man gerne Zeit miteinander verbringt und sich in der Gesellschaft des anderen gut fühlt. Es gibt einfach so viele wunderbare Momente der Offenheit und der Bestärkung, dass es sich für mich befreiend und inspirierend angefühlt hat, das zu lesen und ich werde daraus auch auf jeden Fall viel für mich mitnehmen.
Und auch abseits von diesen Themen kann ich eigentlich nur positiv über das Buch sprechen, denn ich mag die Protagonisten Halle und Henry sehr gerne und freue mich riesig darüber, mit „Daydream“ einen tieferen Einblick in Henrys Gedankenwelt erhalten zu haben, die sich so deutlich von der anderer Menschen unterscheidet, denn sein Gehirn funktioniert eben einfach anders. Aber genau das liebe ich auch irgendwie an ihm, denn dadurch, dass er an vielen Stellen anders denkt, als andere, bringt er oftmals neue Sichtweisen und Denkanstöße mit. Aber anders herum sind für ihn Dinge, die für andere selbstverständlich sind, oft ziemlich schwer. Beispielsweise bemüht er sich unheimlich stark, seiner neuen Rolle als Captain gerecht zu werden, aber hat trotzdem bei jeder Niederlage das Gefühl, dass es seine persönliche Schuld ist, auch wenn alle ihm zu verstehen geben wollen, dass es keinesfalls allein an ihm liegt, sondern dass sie als Team gewinnen, wie auch als Team verlieren. Henry verliert sich oft in seinen Gedanken und schafft es nur schwer, sich für Dinge zu motivieren, aber Halles Gesellschaft genießt er, denn er fühlt sich wohl mit ihr, kümmert sich um sie und möchte ihr gerne etwas zurückgeben, was er so noch nie erlebt hat.
Damit ist er aber auch der erste Mensch in Halles Leben, der sie nach ihren Bedürfnissen fragt, denn Halle ist eine notorische People Pleaserin und weiß irgendwann selbst nicht mehr, ob sie Dinge tut, weil sie es selbst möchte oder weil es von ihr erwartet wird. Daher tut es ihr so gut, dass Henry nichts von ihr erwartet, sondern sie ganz sie selbst sein und sich finden lässt, zum Beispiel, indem er ihr Erfahrungen für ihren Roman schenkt. Dieser entwickelt sich, genau wie sie selbst, mit der Zeit weiter. Ich finde es wunderbar, wie sehr Halle sich weiterentwickelt, dass sie Freunde findet und all das nachholt, was sie nie tun konnte, weil auf ihr als „Familienmanagerin“ immer viel zu viel Verantwortung gelastet hat, dass sie lernt, Nein zu sagen und auch, ihre Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und dafür einzustehen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es sich für mich anfühlt, als wäre mit „Daydream“ die Reihe zu einem gelungenen Abschluss gekommen. Es war wirklich so schön, die Charaktere vom Beginn an zu begleiten und auch die Nebencharaktere in jedem Buch wieder erwähnt zu wissen, wo manche von ihnen sogar noch größere und wichtigere Rollen bekamen, wie Cami zum Beispiel, die Halle gezeigt hat, was echte Freundschaft bedeutet und wie schön sie ist. Ich habe es absolut geliebt, Zeit in Maple Hills und natürlich auch mit Henry und Halle zu verbringen.

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