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Veröffentlicht am 17.06.2025

Sehr warmherzige Geschichte

Strandgut
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Buckys Hüftpfannen brennen im Wettstreit. Er will nicht länger im Bett liegen, aber auch nicht aufstehen. Die Einladung nach Scarborough erschwert sein Denken. Singen soll er, nachdem er ein halbes Jahrhundert ...

Buckys Hüftpfannen brennen im Wettstreit. Er will nicht länger im Bett liegen, aber auch nicht aufstehen. Die Einladung nach Scarborough erschwert sein Denken. Singen soll er, nachdem er ein halbes Jahrhundert seine Kehle einzig für Whisky geweitet hat und geflogen ist er noch nie. Ein Musikfestival, und sie wollen ihn gut bezahlen, wenn er die zwei Songs bringt, die je veröffentlicht wurden.

Er muss dringend ein Rezept einlösen. Dieses Gefühl, wenn die Wirkung der einen Tablette nachlässt und die der anderen einsetzt, nennt er die „Goldene Stunde“. Es ist das Gefühl der Zeit, als er in den besten Jahren seines Lebens war und noch kein Hauch des Alters winkte. Ohne Krankenversicherung ist das mit dem Rezept allerdings schwierig, aber er kennt die Ecken in Chicago, an denen sie stehen und gegen ein paar Dollar gerne etwas abgeben. Leuten wie ihm ist das mit dem viel Leisten und dann ganz nach oben kommen, nie gelungen. Für Leute wie ihn bleibt der amerikanische Traum ein Mythos.

Er hatte mit Maybellene genau die richtige Frau gefunden. Im Vergleich zu ihrem Verlust sind die Schmerzen nichts. Als er sie an diese Blutkrankheit verlor, hatte sie einen schwarzen Strudel hinterlassen, der ihn hinabzusaugen drohte. Jeden Tag ohne ihr Lachen, den tadelnden Blick, ohne all die Liebe, verblasste er etwas mehr, bis er sich ganz auflösen würde. Er wird es wagen, er fliegt in dieses englische Kaff und sieht sich das Meer an, ein paar alte Gemäuer soll es dort auch geben. Dann singt er, nimmt die Kohle und haut wieder ab.

Fazit: Benjamin Myers hat aus dem Nähkästchen geplaudert. Die Geschichte erzählt von einem Mann, der die Siebzig überschritten hat. Aus einfachen Verhältnissen kommend hat er ein Leben voller Verluste hinter sich gebracht. Verschiedene Dramen, die er nicht verursacht hat, haben ihn vorzeitig altern und zum Schluss resignieren lassen. Seine Einsamkeit ist so spürbar und das macht die Geschichte so bewegend. Er lässt seinen Protagonisten immer wieder aus der Gegenwart heraus Rückschau halten und nach und nach entblättert sich das ganze Leid dieses Mannes, der sich immer durchgekämpft hat, dem jedoch, als er seine Frau verlor, die Puste ausging. Der Charakter ist wundervoll gezeichnet, ein ruhiger Mann, ein bisschen derb, ein bisschen einfach gestrickt, aber voller Wärme. Und diese Kombination bringt mich dazu, dass ich den Hauptakteur, genau wie sein Umfeld, nur ins Herz schließen kann. Zwischendurch gibt es eine Menge Pathos, aber so stelle ich mir die meisten Amerikaner vor, übertrieben. Am Ende wird es etwas unglaubwürdig, aber das hat mich nicht gestört, denn was sollte ich „Bucky“ anderes wünschen als ein „Happy End“?

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Ein feines Stück Literatur

Die Tänzerin
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Heute in der Stadt von damals, die sich so sehr verändert hatte, dass man glauben konnte, die Touristen würden den Ort belagern, kamen ihm Bilder in den Sinn. Und dann an einer roten Ampel sah er den Mann, ...

Heute in der Stadt von damals, die sich so sehr verändert hatte, dass man glauben konnte, die Touristen würden den Ort belagern, kamen ihm Bilder in den Sinn. Und dann an einer roten Ampel sah er den Mann, den er seit Jahren tot geglaubt hatte. Serge Verzini, aber vielleicht irrte er sich auch. Als beide die Straße überquerten und auf gleiche Höhe kamen, sprach er ihn an. Trotz der Ähnlichkeit der groben Gesichtszüge gab der Mann vor, nicht Verzini zu sein, obwohl er einen Siegelring mit den Initialen S. V. trug. Nachdem die erste Skepsis von dem Kerl abgefallen war, gab der ihm seine Telefonnummer, damit sie sich einmal auf ein Glas Wein treffen könnten.

Die Tänzerin und er machten vor über fünfzig Jahren lange Spaziergänge. Sie hatte nach dem Training das Bedürfnis nach mehr Bewegung. Nicht die Sprache oder die großen Worte verband sie. Sie konnten schweigsam, jeder seinen Gedanken lauschend nebeneinander her gehen. Er hatte sie durch Verzini kennengelernt, der dem ambitionierten jungen Chansonnier ein möbliertes Zimmer vermietete.

Die Tänzerin bezog eine große Wohnung und holte ihren Sohn nach Paris, von dem er bis dahin keine Ahnung gehabt hatte. Sie warteten am Bahnsteig, beobachteten den einfahrenden Zug und die aussteigenden Passagiere. Fast hatten sie schon die Hoffnung aufgegeben, als ein schüchterner kleiner Junge, vielleicht sechs oder sieben Jahre, den Zug verließ. Die Tänzerin ließ ihn auf sich zukommen und ging zaghaft und etwas unbeholfen mit ihm um und er tat es ihr gleich, als hätten sie sich lange nicht gesehen. Der Vater, so erfuhr er von Verzini, war verschwunden, als sie mit dem Jungen schwanger war.

Fazit: Patrick Modiano, vielfach ausgezeichneter Autor (Literaturnobelpreis 2014) hat eine amouröse, knapp hundert Seiten umfassende Geschichte erschaffen. Er lässt seinen Protagonisten auf das Paris der Siebziger-Jahre zurückblicken. Sein Studium verschlägt ihn in einen elitären Künstlerkreis, in dem sich alle Beteiligten um die Hauptperson, die Balletttänzerin drehen. Sie ist unglaublich gut gezeichnet, sowohl weich und zart als auch diszipliniert, leidenschaftlich und introvertiert. Eine Frau, die ihre Lebenserfahrung aus dem Beobachten zieht. Der Chansonnier fühlt sich ihr unterlegen, wirkt wie ein Anhängsel, das seiner Herrin folgt, ohne dass sie das von ihm verlangt hätte. Der ruhige Mann scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen, macht aber keine Anstalten einer Eigeninitiative. Er ist immer auf Abruf bereit und kümmert sich wie ein Vater um ihren Sohn, während sie sich zu vielen, Frauen wie Männern hingezogen fühlt. Die Geschichte plätschert angenehm vor sich hin. Die Stimmfarbe ist unaufgeregt schwelgend, so als würde der Autor mir einen Schwank aus seiner Jugend erzählen. Die Stimmung ist deutlich französisch, auch durch die vielen Straßennamen, die er verwendet, um Atmosphäre zu erzeugen. Ein feines Stück Literatur, das mich vollumfänglich unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Dieses Buch ist eine Bereicherung

Blackouts
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Der „Palast“ erhob sich als stattliches Gebäude aus dem Wüstensand. Es musste einmal ein Hotel oder ein Pflegeheim gewesen sein, hatte seine beste Zeit jedoch lange hinter sich gelassen. Der abblätternde ...

Der „Palast“ erhob sich als stattliches Gebäude aus dem Wüstensand. Es musste einmal ein Hotel oder ein Pflegeheim gewesen sein, hatte seine beste Zeit jedoch lange hinter sich gelassen. Der abblätternde Putz bot einen Blick auf rote Backsteine. Hier hatte der Mann, den er besuchen sollte, ein Zimmer gemietet. Der Mann hielt sich am Türrahmen fest, als er die Treppe heraufkam, der Körper ausgezehrt, fast skelletiert, aber in seinen Augen brannte ein Feuer. Er würde bei ihm bleiben, solange es dauerte, versprach er dem Fremden, der sich Juan nannte. Aber eigentlich, und das wusste auch Juan, konnte er nirgends hin. Juan war auf der Suche nach Miss Jan Gay gewesen, deren Nachname auch seiner war. Die Suche hatte Juan lange in Beschlag genommen und er sollte sein Projekt zu Ende bringen.

Sie waren sich früher schon einmal begegnet, das Leben hatte sie für wenige Wochen zusammengeführt, als er siebzehn war. Damals schon hatte Juan verbraucht und verlebt ausgesehen, mit seiner fleckigen Haut und dem faltigen Gesicht. Sie trafen in einer Einrichtung aufeinander, er zu reif für sein Alter. Sie frisierten die Regeln und brachten ihn bei den Erwachsenen unter. Es machte ihn stolz, auf eine erwachsene Art geistesgestört zu sein. Sie waren Staatsmündel gewesen und standen unter ständiger Beobachtung.

Das Projekt, das er weiterführen sollte, bestand aus einer Aktenmappe mit losen Seiten, Fotografien, Zeitungsartikeln und Notizzetteln. Ein bis zwei Bände mit Forschungsstudien seien damals veröffentlicht worden mit dem Titel: „Sex Variants. A Study in Homosexual Patterns“. Allerdings nicht unter dem Namen der Urheberin Jan Gay. Drei Männer hatten sich ihre Studien angeeignet. Juan wollte der Welt zeigen, dass es Jan und ihre wichtige Arbeit gab.

Fazit: Justin Torres hat eine ungemein feinsinnige Geschichte erzählt, die teils auf historischen Ereignissen, teils auf Fiktion beruht. Seine beiden Protagonisten sind homosexuell und sind von Puerto Rico nach Amerika gekommen. Die lesbische Jan Gay kam ursprünglich aus Deutschland nach Amerika und forschte in den 30er-Jahren zum Thema Homosexualität. Sie wollte die gesellschaftliche Sichtweise, queere Menschen als psychisch krank und kriminell zu stigmatisieren, auflösen. Wie bei so vielen begabten Frauen dieser Zeit haben Männer sich deren Aufzeichnungen angeeignet und zu eigen gemacht. Der Autor webt die Geschichte Jans geschickt in die Existenzen der beiden Männer ein. Und ich erfahre über deren kurzes Zusammensein alles über deren Herkunftsgeschichte, die sie sich, wie in luziden Träumen in den heißen Nächten nebeneinanderliegend, erzählen. Die Stimme des Autors ist so fesselnd, dass ich durch dieses Kunstwerk, mit zahlreichen schwarz-weiß Fotos und den Textausschnitten aus Jans Studien, regelrecht gerauscht bin. Justin Torres hat die Gabe Poesie, Humor, Pathos, Spannung, Lebensweisheit und Melancholie wohldosiert an den richtigen Stellen einzustreuen. Ein ganz wichtiges Buch zur Historie der Homosexualität und für mich eine echte Bereicherung.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Vielschichtig und tiefgreifend

Übung in Gehorsam
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Sie war das Vorausahnen von Bedürfnissen, durch die Pflege ihrer Geschwister, seit frühester Kindheit gewohnt.

Ich war das jüngste Kind, das jüngste von vielen, mehr als zu erinnern mir lieb ist. ...

Sie war das Vorausahnen von Bedürfnissen, durch die Pflege ihrer Geschwister, seit frühester Kindheit gewohnt.

Ich war das jüngste Kind, das jüngste von vielen, mehr als zu erinnern mir lieb ist. S. 11

Die totale Hingabe an die anderen, allen gerecht zu werden, machte es ihr nötig, sich selbst zu verkleinern und zu verringern.

In ihrem späteren Leben hatte sie keine Verpflichtungen. Das Leben war längst an ihr vorbeigezogen. Sie hatte eine Weile als Journalistin gearbeitet, die Nachrichtenagentur aber dann verlassen müssen, weil der unbefristete Arbeitsvertrag das so vorgab. In diesem kaum Vorhandensein, kaum Wahrgenommenwerden, rief ihr ältester Bruder sie an, um eine Bitte vorzutragen. Er hatte sich kürzlich von seiner Frau, den jugendlichen Kindern und deren wachsenden Forderungen getrennt. Da er sich jetzt inständiger um seine Geschäfte kümmern würde, brauchte er jemanden, der sein Haus betreute. Das großzügige alte Herrenhaus lag im Norden, in dem Städtchen, in dem schon der Großvater gelebt hatte, damals, bevor sich die Dinge zu seinem Nachteil veränderten. Frei jeglicher Verpflichtungen sagte sie zu, ihrem Bruder zu dienen.

Er erzählte ihr von der verheerenden Ehe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen war. Sie hätten zu viel übereinander gewusst und das stillschweigende Gelübde gebrochen, einander nie zu erzählen, welche Scheußlichkeiten man im anderen erblickte. Sie sei heimlich eines Nachts mit den Kindern nach Lugano zu ihrer Familie verschwunden.

Sie verrichtete den Dienstplan ihres Bruders an Frau und Kindern statt und putzte, wusch, kochte, kaufte ein, heizte ein, hackte Holz und pflegte den Garten. An jedem Morgen weckte sie den Bruder mit dem Frühstückstablett, legte ihm die Kleidung heraus, ließ sein Bad ein und während er im Wasser lag, las sie ihm die neuesten politischen Skandale der Kreisstadt vor. Doch schon bald erkrankte der Bruder.

Fazit: Sarah Bernstein hat eine Geschichte von großer Tiefe und Tragweite geschaffen. Ihre Protagonistin, schon ganz früh aufs Kümmern getrimmt, muss sich den kleinen sadistischen Anfeindungen, vor allem des älteren Bruders aussetzen. Der Verlust der Kindheit und der Druck der Verantwortung lässt sie in devoter Unterwürfigkeit verharren. Im Erwachsenenalter hinterlassen mögliche Partner oder Partnerinnen eine tiefe Leere in ihr. Ihrem Bruder zu dienen, von ihm gebraucht zu sein, scheint ihr das sinnvollste. Sie sucht keinen Kontakt zur Dorfgemeinschaft, lernt, obwohl sprachbegabt, deren Sprache nicht. Sie genießt die Einsamkeit der Wälder jede freie Minute. Als sie das Dorf doch aufsuchen muss, um Vorräte zu besorgen, reagieren die Menschen verhalten bis abweisend auf sie. Man bekreuzigt sich, Mütter klappen die Verdecke ihrer Kinderwagen hoch und wenden sich ab. Seit sie in dem Herrenhaus aufgetaucht ist, ereignen sich allerlei Ungereimtheiten. Die Schweinepest, die Vogelgrippe und eine Kartoffelfäule. In ihrer grenzenlosen Unbeholfenheit mahnt sie sich zu mehr Verständnis und Einsicht zugunsten der Dorfbewohner. Bald wird klar, dass die Familie der Protagonistin jüdisch ist, die Dorfbewohner sind Christen. Der Anklang an Vertreibung und Heimatlosigkeit wird zart angedeutet. Die nebulöse Stimmung in der symbolträchtigen Geschichte lässt viel Interpretationsspielraum. Doch ich glaube zwei Deutugsstränge zu erkennen. Zum einen den machtausübenden Bruder und die opferbereite und damit manipulative Schwester, die den Bruder zuerst an unsichtbaren Zügeln führt und später offensichtlich übergriffig bedrängt. Zum anderen die unterdrückte Schwester mit der großen Opfer- ja fast Bußbereitschaft. Ein Leben, das mit so viel Scham und Schuld behaftet ist, wie es die Leben von traumatisierten Menschen oft sind. Außerdem die Feindseligkeit der Dörfler, die die grenzenlose Einsamkeit eines Menschen, der aus guten Gründen andere Menschen meidet, verstärkt. Jemand wird grundlos ausgeschlossen. Sie ordnet sich unter bis zur Unsichtbarkeit. Das klingt schon alles nach einem Jahrhunderte währenden jüdischen Leben, mit allen nicht zu rechtfertigen Konsequenzen von außen. Was für ein gelungenes Buch, das mich so sehr zum Nachdenken inspiriert hat. Toda raba

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Bildreich und spannend

Die Schrecken der anderen
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Methangas zu entzünden ist einfach. Du schlägst mit der Spitzhacke ein Loch in die dünne Eisschicht, hälst ein Feuerzeug dran. Zack Stichflamme. Dieser simplen Anleitung folgte der Dreizehnjährige am nächsten ...

Methangas zu entzünden ist einfach. Du schlägst mit der Spitzhacke ein Loch in die dünne Eisschicht, hälst ein Feuerzeug dran. Zack Stichflamme. Dieser simplen Anleitung folgte der Dreizehnjährige am nächsten Tag auf seinen Schlittschuhen. Er wird die Methangasblase finden, den See Feuer speien lassen, filmen, hochladen, berühmt werden.

Schibig ist froh, Archivar zu sein. Dieses ganz für sich und dem Papier zu sein, liegt ihm mehr als die Welt da draußen. Sein Therapeut hat ihm beigebracht, tief durchzuatmen, die Hände zu Fäusten zu ballen und langsam zu zählen. Diesen Notfallplan hat er so sehr verinnerlicht, dass seine Kehle sich bald wieder öffnet, nachdem sie sich krampfartig verschlossen hat. Aber dann ruft Phil an, der Bruder seiner Ex-Freundin und bittet ihn um einen Gefallen.

Schibig tappt über den gefrorenen Ödwilersee. Er kontrolliert seinen Herzschlag, kann weder Ohrensausen noch Übelkeit feststellen. Die Kälte hilft. Er wird nur kurz etwas für Phil überprüfen und dann Entwarnung geben. Die Alte mit der Zigarette in der Hand beobachtet ihn vom Wohnwagenfenster aus. Er könnte der richtige sein, denkt sie.

Hanna Kern bleibt trotz beidseitiger Bemühungen kinderlos. Jetzt sucht sie auf den entsprechenden Onlineseiten nach biologischem Material. Ihr Mann weiß das. Nicht, dass er es gutheißen würde, aber er weiß nicht, wie er sie davon abhalten kann.

Kerns Mutter thront unter dem Dach. Sie hat allerlei Ratschläge für das Paar parat. Aber nicht nur das. Boshaft und machtbesessen ist sie. Ist sie auch die Verwalterin des Nazigolds?

Fazit: Die Trägerin des Schweizer Buchpreises 2021 hat die Schrecken der Vergangenheit an die Oberfläche geholt und sichtbar gemacht. Mit kleinsten, auf den ersten Blick, zusammenhanglosen Episoden malt sie ein Gesamtbild. Ihre Sprache ist bildreich und so bin ich mittendrin in einer großen Vertuschung, die Agatha Christie gleichsam eine spannende Aufklärung findet. Fast jedes Kapitel endet mit einem gut gemachten Cliffhanger und lässt mich neugierig hoffen, bald mehr zu erfahren. Die Autorin ist ein ganz großes Schreibtalent. Das war mitreißend, spannend und unterhaltsam.

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